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Vietnamkrieg

„Vietnamkrieg gegen USA“ oder „Amerikanischer Krieg“) wurde von etwa 1955 bis 1975 in und um Vietnam geführt. Als wichtigste Kriegsparteien standen Nordvietnam …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Ursachen
  2. 2. Bürgerkrieg und Eingreifen der USA
  3. 3. Kriegführung und Wendepunkte
  4. 4. Vietnamisierung, Friedensschluss und Sieg Nordvietnams
  5. 5. Opfer, Folgen und politische Auswirkungen

Überblick und Ursachen

Der Vietnamkrieg dauerte von etwa 1955 bis zum 30. April 1975 in und um Vietnam. Hauptgegner waren Nordvietnam und die Nationale Front für die Befreiung Südvietnams (NLF, oft „Vietcong“) einerseits sowie Südvietnam und die USA andererseits. Nordvietnam wurde vor allem von der Volksrepublik China und der Sowjetunion unterstützt; auf Seiten Südvietnams kämpften neben den USA unter anderem Südkorea, Thailand, Australien, die Philippinen und Neuseeland. Der Krieg gilt als Zweiter Indochinakrieg und als Stellvertreterkrieg des Kalten Krieges.

Vorausgegangen war der Indochinakrieg von 1946 bis 1954 zwischen Frankreich und der von Hồ Chí Minh geführten Unabhängigkeitsbewegung Việt Minh. Nach Frankreichs Niederlage bei Điện Biên Phủ vereinbarte die Indochinakonferenz in Genf 1954 Waffenstillstand, eine entmilitarisierte Zone am 17. Breitengrad und für 1956 landesweite, international überwachte Wahlen. Vietnam wurde damit zunächst vorläufig geteilt. Die USA und Südvietnams Staatsoberhaupt Bảo Đại lehnten das Abkommen ab; die vorgesehenen Wahlen fanden nicht statt.

Die USA stützten ihre Politik auf die Containment-Politik, also die Eindämmung kommunistischer Ausbreitung, und auf die Domino-Theorie. Nach dieser Annahme könnte ein kommunistisches Vietnam eine Kettenreaktion in Südostasien auslösen. Sie unterstützten zunächst Frankreich, später das antikommunistische Südvietnam finanziell und militärisch. Von 1952 bis 1954 trugen die USA 40 bis 80 % der Gesamtkosten des französischen Indochinakriegs.

1955 wurde Ngô Đình Diệm Ministerpräsident und später Präsident Südvietnams. Er sagte die Wahlen von 1956 ab, ließ sich in einem gefälschten Referendum mit 98,2 % bestätigen und errichtete eine Diktatur. Sein Regime bevorzugte Katholiken, unterdrückte Buddhisten und politische Gegner, schaffte Kommunalwahlen ab und verhaftete, folterte oder tötete viele Verdächtige. Diese Politik verstärkte den Widerstand in der Bevölkerung.

Bürgerkrieg und Eingreifen der USA

Aus ehemaligen Việt-Minh-Kräften und weiteren Oppositionsgruppen entstand am 20. Dezember 1960 die NLF. Sie wollte Diệms Regime stürzen, den Abzug der US-Militärberater erreichen und eine Koalitionsregierung bilden. Obwohl Nordvietnam wegen der Genfer Vereinbarungen zunächst nicht offen auftrat, folgte die NLF faktisch den Vorgaben Hanois. Über den später so genannten Ho-Chi-Minh-Pfad gelangten Kämpfer, Waffen und Nachschub aus dem Norden in den Süden.

US-Präsident John F. Kennedy verstärkte die Hilfe für Südvietnam erheblich: Die Zahl der US-Militärberater stieg bis 1962 von 400 auf 16.575. Die Strategie der Counterinsurgency sollte Aufständische bekämpfen und die Landbevölkerung für die südvietnamesische Regierung gewinnen. Das Wehrdorfprogramm, bei dem Dorfbewohner umgesiedelt wurden, stieß jedoch meist auf Widerstand. Nach der Buddhistenkrise 1963 und Diệms Ermordung blieb Südvietnam politisch instabil.

Unter Präsident Lyndon B. Johnson wurde der Konflikt zum offenen Krieg der USA. Der Tonkin-Zwischenfall im August 1964 diente als Anlass für die Tonkin-Resolution. Sie erlaubte der Regierung „alle notwendigen Maßnahmen“, um Angriffe auf US-Streitkräfte abzuwehren und weitere Aggression zu verhindern. Der Artikel bezeichnet den Zwischenfall als fingiert beziehungsweise den angeblichen zweiten Angriff als Irrtum; die Beteiligung von US-Kriegsschiffen an Sabotageaktionen wurde dem Kongress verheimlicht.

Ab Februar 1965 bombardierten die USA Nordvietnam, ab März landeten US-Kampftruppen in Südvietnam. Die maximale US-Truppenstärke betrug im Januar 1969 543.400 Soldaten. Nordvietnam erhielt nun umfangreiche Waffen, Luftabwehr und Berater aus China und der Sowjetunion. China stellte keine Kampftruppen, unterstützte aber etwa Straßen, Flugplätze und Luftabwehr; die Sowjetunion lieferte unter anderem S-75-Boden-Luft-Raketen und MiG-21-Flugzeuge.

Kriegführung und Wendepunkte

Die US-Luftkriegführung sollte Nordvietnam zur Aufgabe seiner Unterstützung für die NLF zwingen und deren Nachschub unterbrechen. Bei Operation Rolling Thunder bombardierten die USA Nordvietnam von 1965 bis 1968. Obwohl Infrastruktur und Militäranlagen weitgehend zerstört wurden, erreichten die Bombardierungen ihr strategisches Ziel nicht: Nordvietnam reparierte Schäden, verlagerte Anlagen und baute den Nachschub aus. Bis 1968 schoss es 950 US-Flugzeuge ab. Auch der Ho-Chi-Minh-Pfad durch Laos konnte trotz fortgesetzter Angriffe nicht vollständig unterbrochen werden.

Im Bodenkrieg setzte das US-Oberkommando unter General William Westmoreland auf eine Abnutzungsstrategie: Search and Destroy bedeutete, gegnerische Einheiten aufzuspüren und durch überlegene Feuerkraft zu vernichten. Als Erfolgsmaßstab diente der Body Count, die Zahl getöteter Gegner. Diese Zahlen wurden jedoch systematisch verfälscht; Leichen waren oft nicht eindeutig als Kämpfer oder Zivilisten zu unterscheiden, und hohe Zahlen förderten Beförderungen. Die Strategie führte zu massiven Artillerie- und Luftangriffen in bewohnten Gebieten, unbekannt vielen zivilen Opfern und Vertreibungen.

Die NLF und die nordvietnamesische Armee (NVA) vermieden oft Großschlachten, kämpften nachts und im Nahkampf, nutzten Tunnel sowie Guerillataktik und bestimmten damit häufig Ort und Zeit der Kämpfe. Die USA steigerten ihre Truppenstärke bis Januar 1968 auf 548.000 Soldaten, erzielten aber keine entscheidende Dezimierung ihrer Gegner.

Von 1962 bis 1971 versprühten die USA in der Operation Ranch Hand etwa 20 Millionen Gallonen, also 80 Millionen Liter, dioxinhaltige Herbizide wie Agent Orange. Sie sollten Wälder entlauben und Ernten vernichten, um Schutz, Nahrung und Nachschub der Gegner zu beseitigen. Das Programm wurde ab 1965 zur größten chemischen Kriegführung der Geschichte.

Die Tet-Offensive begann am 31. Januar 1968. Etwa 84.000 Kämpfer der NLF und NVA griffen gleichzeitig zahlreiche Städte an. Militärisch erlitt die NLF sehr hohe Verluste, bis zu 40.000 Kämpfer; der erhoffte allgemeine Aufstand blieb aus. Politisch zerstörte die Offensive jedoch die US-Hoffnung auf einen nahen Sieg. In Huế ermordeten NVA-Kräfte zwischen 2.000 und 6.000 unbewaffnete Zivilisten. Bis März 1968 starben über 14.000 Zivilisten, 25.000 wurden verletzt und 670.000 obdachlos.

Johnson begrenzte danach die Bombardierungen und begann Pariser Verhandlungen. Die USA kombinierten die „Pazifizierung“ ländlicher Gebiete mit dem Phoenix-Programm. Dieses richtete sich gegen die Infrastruktur der NLF; bis 1972 wurden laut Artikel 26.000 bis 41.000 mutmaßliche NLF-Mitglieder getötet. Dabei traf es auch viele nichtkommunistische Zivilisten und Oppositionelle.

Vietnamisierung, Friedensschluss und Sieg Nordvietnams

Präsident Richard Nixon begann ab 1969 die „Vietnamisierung“: US-Truppen wurden schrittweise abgezogen, während die ARVN, die Armee Südvietnams, auf über eine Million Soldaten vergrößert, modern ausgerüstet und ausgebildet wurde. Ziel war, dass Südvietnam den Krieg selbst führen sollte. Korruption, Desertionen, geringe Popularität des Thieu-Regimes und die Abhängigkeit von US-Hilfe blieben jedoch bestehen.

Zugleich weitete Nixon den Krieg aus. Die geheime Operation MENU bombardierte ab 1969 Rückzugsgebiete in Kambodscha und Laos. Im Mai 1970 griffen 31.000 US- und 43.000 ARVN-Soldaten Kambodscha an. Die Operation zerstörte Waffenlager, fand aber nicht das vermutete Hauptquartier der NLF und begünstigte nach Darstellung des Artikels die Roten Khmer. Die ARVN scheiterte 1971 in Laos bei Operation Lam Son 719 trotz massiver US-Luftunterstützung.

Bei der Oster-Offensive 1972 drangen 120.000 NVA-Soldaten nach Südvietnam vor. Nixon reagierte mit Verminung des Hafens Hải Phòng, Seeblockade und Operation Linebacker. Präzisionsgelenkte Munition unterbrach den Nachschub wirksam; die ARVN konnte die Angreifer bis Juli zurückschlagen. Danach wurden Kompromisse in den Verhandlungen wahrscheinlicher.

Das Pariser Abkommen wurde am 27. Januar 1973 unterzeichnet. Es verlangte den vollständigen US-Truppenabzug binnen 60 Tagen und die Freilassung aller Kriegsgefangenen. Nordvietnam durfte ungefähr 140.000 NVA-Soldaten in Südvietnam lassen; die NLF durfte ihre kontrollierten Gebiete bis zu allgemeinen Wahlen verwalten. Die Vereinbarung erfüllte damit vor allem Hauptforderungen Nordvietnams. Die letzten US-Soldaten zogen bis Ende März 1973 ab.

Danach verletzten beide vietnamesischen Seiten den Waffenstillstand. Sinkende US-Militärhilfe, wirtschaftliche Krise, Korruption und Desertionen schwächten Südvietnam. Im März 1975 begann die NVA mit 16 Divisionen eine erfolgreiche Offensive. Nach schnellen Eroberungen von Huế und Đà Nẵng fiel Saigon am 30. April 1975 nahezu widerstandslos. 1976 wurde Vietnam als Sozialistische Republik Vietnam wiedervereinigt.

Opfer, Folgen und politische Auswirkungen

Die Opferzahlen sind umstritten, weil Aufzeichnungen fehlen, geheim gehalten oder gefälscht wurden und die abgegrenzten Kriegszeiträume unterschiedlich sind. Schätzungen reichen von 1,3 bis über drei Millionen vietnamesischen Kriegsopfern; Gesamtschätzungen reichen bis vier Millionen. Vietnam gab 1995 an, von 1954 bis 1975 seien je zwei Millionen nord- und südvietnamesische Zivilisten sowie 1,1 Millionen NVA- und NLF-Kämpfer gestorben. In der Übersicht des Artikels werden 405.000 bis 627.000 getötete vietnamesische Zivilisten genannt.

Exakt registriert wurden 58.220 getötete US-Soldaten, davon 40.934 in Kämpfen; 153.303 wurden verwundet. Die mit den USA und Südvietnam verbündeten Truppen verloren zusammen 5.264 Soldaten. Nach Angaben Vietnams töteten Landminen und andere Sprengsätze von 1975 bis 2011 mehr als 42.000 weitere Vietnamesen und verletzten über 62.000.

Bomben, Minen und Chemikalien verursachten langfristige Schäden. Die US Air Force warf von 1965 bis 1971 schätzungsweise bis zu sieben Millionen Tonnen Bomben ab; es blieben etwa 21 Millionen Bombenkrater, 3,5 Millionen Landminen und rund 300.000 Tonnen nicht explodierte Munition. Agent Orange kontaminierte geschätzte 24.000 km² und 3.000 Dörfer. Für 2007 nennt der Artikel eine Million erkrankte Erwachsene und 150.000 Kinder mit Krebs-, psychischen oder genetischen Schäden; nach vietnamesischen Angaben starben bis 2009 400.000 Menschen an Folgen von Agent Orange.

Kriegsverbrechen wurden von mehreren Seiten begangen. Bekannt ist besonders das Massaker von Mỹ Lai: Am 16. März 1968 ermordeten mindestens 22 US-Soldaten 504 Menschen, überwiegend Frauen, Kinder und Alte. Auch ARVN-Einheiten, südkoreanische Soldaten sowie NLF- und nordvietnamesische Kräfte begingen Folter, Massaker und Tötungen von Zivilisten oder Gefangenen.

In den USA wuchs die Antikriegsbewegung. Nach der Tet-Offensive und später nach der Ausweitung auf Kambodscha nahm die Zustimmung zum Krieg ab. Die Pentagon-Papiere belegten, dass frühere US-Regierungen selbst an den Erfolgsaussichten gezweifelt und den Tonkin-Zwischenfall als Kriegsgrund genutzt hatten. Der Krieg prägte die spätere Skepsis vieler US-Bürger gegenüber weiteren Militärinterventionen, oft „Vietnamsyndrom“ genannt.

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