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Iran
↑ Jagoda Rahmini: Brain Drain aus dem Iran - Ein Land verliert seine Elite / Politisch keine Perspektive, wirtschaftlich desolat – vor allem junge Menschen …
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Staat und Raum
Iran, amtlich seit 1979 Islamische Republik Iran, ist ein Staat in Vorderasien. Das Land grenzt im Norden an das Kaspische Meer und im Süden an den Persischen Golf und den Golf von Oman. Nachbarstaaten sind Irak, Türkei, Armenien, Aserbaidschan, Turkmenistan, Afghanistan und Pakistan. Mit etwa 1,65 Millionen km² Fläche und rund 90 Millionen Einwohnern gehört Iran zu den 20 größten und bevölkerungsreichsten Staaten der Erde. Hauptstadt, größte Stadt sowie wirtschaftliches und kulturelles Zentrum ist Teheran; weitere große Städte sind Maschhad, Isfahan, Karadsch, Schiras und Täbris.
Das Land besteht großteils aus Gebirgen, Hochländern, trockenen Becken und Wüsten. Etwa zwei Drittel des Territoriums nimmt das Iranische Hochland ein. Wichtige Wüstenbecken sind die Wüste Lut mit 130.000 km² und die Dascht-e Kawir mit 200.000 km². Im Westen und Südwesten liegt das Zagros-Gebirge, im Norden das Elburs-Kopet-Dag-System. Der Damawand ist mit 5670 m der höchste Berg des Nahen Ostens. Tiefländer gibt es nur wenige, vor allem am Kaspischen Meer und im Südwesten bei Chuzestan.
Iran liegt auf dem Alpidischen Gebirgsgürtel und ist stark erdbebengefährdet. Besonders die Zagros-Verwerfungslinie und der sogenannte „Iranische Halbmond“ entlang der Nord- und Ostgrenzen sind seismisch aktiv. Verheerende Erdbeben ereigneten sich unter anderem in Tabas 1978, Rascht 1990 und Bam 2003.
Das Klima ist regional sehr unterschiedlich. Das Hochland ist meist trocken bis dürr, mit heißen Sommern und teils strengen Wintern. An der Golfküste und in Chuzestan gibt es milde Winter, sehr heiße und oft schwüle Sommer und wenig Niederschlag. Das kaspische Küstentiefland ist dagegen ganzjährig feucht, mit milden Wintern und warmen Sommern. Wasser ist ein zentrales Problem: Zwei Drittel des Landes entwässern nicht ins Meer, viele Flüsse führen nur zeitweise Wasser. Seit den 1950er Jahren haben Brunnen und Dämme zur Absenkung von See- und Grundwasserspiegeln beigetragen; der Urmiasee ist von Austrocknung bedroht. 2015 stellte die Regierung 900 Mio. US-Dollar für seine Rettung bereit.
Natur und Umwelt
Die Vegetation Irans ist durch lange menschliche Nutzung stark verändert. In Wüsten und Halbwüsten bedecken Pflanzen meist weniger als ein Drittel des Bodens. Typisch sind Wermutsträucher, Tragant-Arten und andere trockenheitsangepasste Pflanzen. In den Trockenwäldern der Gebirge wachsen unter anderem Eichen, Ahorne, Hainbuchen, Wacholder, Eschen, Granatapfelsträucher und Weißdorne. Zwischen Elburs-Gebirge und Kaspischem Meer liegen die artenreichen Hyrcanischen Wälder, auch Kaspische Wälder genannt. Sie enthalten viele endemische Arten, also Arten, die nur in dieser Region vorkommen, und gelten als Hotspot der biologischen Vielfalt.
Die Tierwelt ist vielfältig. In Steppen und Halbwüsten leben Gazellen und Halbesel, in Gebirgen Wildschafe und Wildziegen. In entlegenen Gegenden gibt es noch Braunbären, Geparde, Luchse und Leoparden; der Kaspische Tiger und der persische Löwe sind in Iran ausgerottet. An der Südküste des Kaspischen Meeres liegen vogelreiche Lagunen. Wirtschaftlich bedeutsam ist die Fischerei im Kaspischen Meer, besonders der Stör für Kaviar.
Zu den Umweltproblemen gehören Luftverschmutzung, hoher Energieverbrauch, Wasserknappheit und Folgen des Atomprogramms. Teheran und andere Großstädte leiden stark unter Abgasen; 2010 meldete das Gesundheitsministerium, dass schwere Atembeschwerden in Notaufnahmen um 19 % zugenommen hätten und in den ersten neun Monaten mindestens 3600 Menschen allein in Teheran an Folgen der Luftverschmutzung gestorben seien. Iran zählt zu den energieintensivsten Ländern der Welt. Ursachen sind unter anderem fehlende moderne Infrastruktur, staatliche Subventionen für Energie und ineffizienter Verbrauch.
Die Wasserkrise wird durch ineffiziente Landwirtschaft, Flussumleitungen und Bauprojekte verschärft. Kaveh Madani, 2017/2018 stellvertretender Leiter des Umweltministeriums, prägte dafür den Begriff „iranischer Wasserbankrott“. Auch das Kernkraftwerk Buschehr wird im Artikel als umstritten beschrieben, weil es in einer seismisch bedrohten Region liegt.
Bevölkerung, Sprache und Religion
Iran hatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts weniger als 12 Millionen Einwohner. 1976 waren es 33,7 Millionen, 2016 knapp 80 Millionen, und 2026 wird die Bevölkerung auf rund 90 Millionen geschätzt. Hauptgrund des starken Wachstums war die steigende Lebenserwartung: Anfang des 20. Jahrhunderts lag sie bei knapp 30 Jahren, 2020 bei 74,8 Jahren. Gleichzeitig sank die Geburtenrate stark, von 7,9 Kindern pro Frau 1956 und 6,39 im Jahr 1986 auf 1,7 im Jahr 2022. Dadurch altert die Bevölkerung: Der Median des Alters stieg von 18,6 Jahren 1975 auf 31,9 Jahre 2021.
Die Bevölkerung ist ungleich verteilt. Feuchte und wirtschaftlich stärkere Regionen wie Gilan, Mazandaran, Teheran und Alborz sind dicht besiedelt, Wüstenprovinzen wie Semnan, Süd-Chorasan und Yazd sehr dünn. 2023 lebten 77 % der Bevölkerung in Städten; 1960 waren es 33,9 %. Iran hat außerdem eine große Diaspora. 2014 wurden vier Millionen iranischstämmige Menschen außerhalb des Landes geschätzt. Gleichzeitig leben viele Einwanderer in Iran, besonders aus Afghanistan; 2011 wurden fast 1,7 Millionen Ausländer gezählt.
Iran ist ein Vielvölkerstaat. Zwischen 60 und 65 % der Bevölkerung zählen sich zu den Persern. Weitere große Gruppen sind Aserbaidschaner mit 17 bis 21 %, Kurden mit 7 bis 10 %, Luren mit etwa 6 %, Belutschen mit etwa 2 % und Araber mit etwa 2 bis 3 %. Die Zahlen schwanken, weil der Staat keine genauen Daten zur ethnischen Zusammensetzung erhebt und Mischehen sowie sprachliche Assimilation die Grenzen verwischen.
Amtssprache ist Persisch. Es gehört zu den indogermanischen Sprachen und ist nicht mit dem semitischen Arabisch verwandt, obwohl es viele arabische Lehnwörter enthält und mit einem vom Arabischen abgeleiteten Alphabet geschrieben wird. Etwa 53 % sprechen Persisch als Erstsprache; 2000 beherrschten 85 % Persisch als Mutter- oder Zweitsprache. Minderheitensprachen sind unter anderem Kurdisch, Lurisch, Belutschisch, Mazandaranisch, Gilaki, Aserbaidschanisch, Turkmenisch und Arabisch.
Religion prägt den Staat stark. Offiziell waren 2011 99,4 % der Bürger Muslime; die Staatsreligion ist die Zwölfer-Schia. Anerkannte religiöse Minderheiten sind Zoroastrier, Juden und Christen. Die Bahai, die im Iran entstanden und etwa 300.000 Anhänger im Land haben, werden nicht anerkannt und verfolgt. Der Artikel nennt zugleich Studien, die eine starke Säkularisierung nahelegen; eine GAMAAN-Folgestudie von 2023 bezifferte Schiiten auf 37,9 %, wurde aber wegen möglicher Verzerrung durch Online-Selbstselektion kritisiert. 2024 erhielt Iran von Freedom House null von vier Punkten für Religionsfreiheit.
Geschichte im Überblick
Das Gebiet Irans ist seit dem 9. Jahrtausend v. Chr. besiedelt. In der Kupferzeit und Bronzezeit entstanden komplexere Gesellschaften; später bildete sich das Reich Elam. Um 625 v. Chr. vereinigten die Meder erstmals größere Teile des Gebiets. Die Achämeniden, begründet von Kyros, schufen im 6. bis 4. Jahrhundert v. Chr. eines der größten Reiche der Geschichte. 330 v. Chr. wurde es durch Alexander den Großen erobert. Danach folgten Seleukiden, Parther und ab etwa 224 n. Chr. das Sassanidenreich, das bis zur arabischen Eroberung im 7. Jahrhundert neben Byzanz zu den mächtigsten Staaten der Welt gehörte.
Nach der islamischen Expansion wurde Iran bis 651 erobert und allmählich islamisiert. Anders als viele andere arabisch eroberte Gebiete bewahrte Iran seine Kultur und Sprache weitgehend. Persische Gelehrte wurden wichtige Träger der islamischen Kultur. Im 11. Jahrhundert wanderten turkische Nomaden ein; später zerstörten die Mongolen unter Dschingis Khan ab 1219 viele Städte, Bewässerungsanlagen und Wirtschaftsstrukturen. Von 1256 bis 1335 war Iran Teil des Reiches der Ilchane; danach folgten unter anderem die Timuriden.
Die Safawiden einigten das Land erneut und machten 1501 die Zwölferschia zur Staatsreligion. Damit entstand eine Grundlage des heutigen iranischen Staates. Nach wechselnden Dynastien übernahmen im späten 18. Jahrhundert die Kadscharen die Macht. In ihrer Zeit verlor Persien Gebiete und Einfluss an Russland und Großbritannien. Die Konstitutionelle Revolution von 1905 bis 1911 brachte das erste Parlament, den Madschles, und die Verfassung von 1906.
1925 wurde Reza Khan als Reza Schah Pahlavi neuer Herrscher. Er modernisierte Bildung, Justiz, Verwaltung, Infrastruktur und Militär, regierte aber diktatorisch. 1935 wurde „Iran“ internationale offizielle Landesbezeichnung. 1941 besetzten britische und sowjetische Truppen Iran, Reza Schah musste abdanken, sein Sohn Mohammad Reza Pahlavi folgte. 1951 wurde die Ölindustrie verstaatlicht; nach der Abadan-Krise wurde Premierminister Mohammad Mossadegh 1953 in der von der CIA betriebenen Operation Ajax gestürzt. Der Schah errichtete danach mit Unterstützung der USA eine Autokratie.
Ab 1963 leitete Mohammad Reza Pahlavi mit der „Weißen Revolution“ Reformen und Industrialisierung ein; Frauen erhielten 1963 aktives und passives Wahlrecht. Zugleich wuchs die Opposition, besonders aus islamistischen, linken und liberalen Kreisen. 1979 stürzte die Islamische Revolution den Schah. Ruhollah Chomeini kehrte am 1. Februar 1979 aus dem Exil zurück und formte eine Islamische Republik. Von 1980 bis 1988 führte Iran Krieg gegen den Irak. 1988 ließ das Regime politische Gefangene massenhaft hinrichten. Seitdem wechselten Phasen vorsichtiger Reformhoffnungen, internationaler Isolation, Proteste und Repression einander ab.
Politik, Rechte und Außenbeziehungen
Das politische System Irans verbindet theokratische, autoritäre und formal demokratische Elemente. Grundlage ist die von Chomeini entwickelte „Statthalterschaft der Rechtsgelehrten“: In Abwesenheit des zwölften Imams soll ein schiitischer Rechtsgelehrter den Staat führen. Das wichtigste Amt ist der Religionsführer, auch Oberster Führer genannt. Er bestimmt die Grundlinien der Politik, ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte, kann Krieg und Frieden erklären, ernennt zentrale Justiz- und Sicherheitsfunktionäre und hat großen Einfluss auf Präsident, Parlament und Wahlen. Der Präsident wird gewählt, ist aber dem Religionsführer untergeordnet. Der Wächterrat prüft Gesetze auf Vereinbarkeit mit Islam und Verfassung und lässt Kandidaten zu oder schließt sie aus.
Das Parlament, der Madschles, hat 290 Abgeordnete und wird alle vier Jahre gewählt. Eine echte Gewaltenteilung besteht laut Artikel jedoch nicht, weil Legislative, Exekutive und Judikative dem Religionsführer unterstehen. Politische Lager sind unter anderem Konservative, Reformorientierte, Pragmatiker und Prinzipalisten. Dauerhafte Parteien wie in vielen anderen Staaten gibt es kaum.
Die Menschenrechtslage wird im Artikel als schwerwiegend beschrieben. Freedom House bewertete Iran 2023 als „nicht frei“. Genannt werden politische Verfolgung, willkürliche Festnahmen, Folter, schlechte Haftbedingungen, Einschränkungen von Meinungs- und Pressefreiheit, Internetzensur, Diskriminierung von religiösen und ethnischen Minderheiten sowie Repression gegen Frauen. Nach der Revolution kam es zu einer Mordserie an Dissidenten im Ausland. Protestbewegungen, etwa 2009, 2019/2020, 2022/2023 nach dem Tod von Jina Mahsa Amini und erneut Ende 2025, wurden gewaltsam unterdrückt. Iran wendet die Todesstrafe in großem Umfang an. Nach Iran Human Rights wurden 2024 975 und 2025 mindestens 1500 Menschen hingerichtet; der Artikel betont eine hohe Dunkelziffer. Auch zur Tatzeit Minderjährige können zum Tod verurteilt und hingerichtet werden, obwohl Iran den UN-Zivilpakt unterzeichnet hat.
In der Außenpolitik ist Iran seit 1979 stark vom Konflikt mit den USA, Israel und vielen sunnitisch geprägten Nachbarstaaten geprägt. Vor 1979 war Iran ein wichtiger Verbündeter des Westens am Persischen Golf; nach der Besetzung der US-Botschaft am 4. November 1979 brachen die USA die diplomatischen Beziehungen ab. Israel wird von der Islamischen Republik nicht anerkannt; Iran unterstützt Gruppen wie Hamas und Hisbollah und führt mit der sogenannten Achse des Widerstands eine informelle Militärkoalition an. Zugleich vertiefte Iran in den 2020er Jahren Beziehungen zu Russland und China. Das iranische Atomprogramm führte zu internationaler Kritik, Sanktionen und Verhandlungen. Das Wiener Abkommen vom 14. Juli 2015 sollte die Isolation verringern; 2018 kündigte US-Präsident Donald Trump das Abkommen auf, worauf Iran schrittweise aus Verpflichtungen ausstieg.
Wirtschaft und Soziales
Die iranische Wirtschaft ist stark vom Staat, von Öl- und Gasexporten und von internationalen Sanktionen geprägt. Wichtige Bereiche sind Öl- und Gasindustrie, Petrochemie, Automobilindustrie, Landwirtschaft, Metallindustrie sowie Zement- und Baustoffproduktion. Das nominale Bruttoinlandsprodukt lag 2024 laut Infobox bei 417 Milliarden US-Dollar, in Kaufkraftparität bei 1,8 Billionen US-Dollar; das BIP pro Einwohner betrug nominal 4.810 US-Dollar und nach Kaufkraftparität 21.038 US-Dollar. Der Index der menschlichen Entwicklung lag 2023 bei 0,799.
Erdöl und Erdgas sind besonders wichtig. Iran verfügt laut Artikel über das größte Erdgas- und das viertgrößte Erdölvorkommen der Erde; für Ende 2012 wurden 157 Milliarden Barrel Erdöl und 33,6 Billionen m³ Erdgas angegeben. South Pars ist das größte Gasfeld des Landes und enthält 40 % der iranischen Gasreserven. Die Ölindustrie wurde im 20. Jahrhundert zum zentralen politischen Thema, besonders durch die britisch dominierte Anglo-Iranian Oil Company, die Verstaatlichung 1951 und den Sturz Mossadeghs 1953. Seit der Revolution sind natürliche Ressourcen Staatseigentum.
Der Außenhandel ist stark sanktionsabhängig. 2021 exportierte Iran Waren im Wert von 76,4 Milliarden US-Dollar und importierte Waren im Wert von 55 Milliarden US-Dollar. Wichtige Exportpartner waren 2019 China, Indien, Türkei, Südkorea und die Vereinigten Arabischen Emirate. Wichtigstes Exportgut ist Erdöl. Religiöse Stiftungen, Bonyāds genannt, kontrollieren große Teile der Wirtschaft und unterstützen zugleich Bedürftige. Ihnen werden mangelnde Transparenz, Korruption und Vetternwirtschaft vorgeworfen.
Sozial- und Bildungssysteme wurden ausgebaut, bleiben aber widersprüchlich. 93 % der Bevölkerung erhalten Direktzahlungen von 40 US-Dollar monatlich, nachdem Subventionen für Grundnahrungsmittel und Treibstoff abgebaut wurden. Gleichzeitig bestehen große Armutsprobleme; eine offizielle Erhebung nannte 2011 für Städte 44,5 bis 55 % unter der Armutsgrenze. Das Bildungsniveau verbesserte sich stark: Die mittlere Schulbesuchsdauer über 25-Jähriger stieg von 4,2 Jahren 1990 auf 8,5 Jahre 2015; die Bildungserwartung lag bei 14,8 Jahren. Um 2020 betrug die Analphabetenquote knapp 11 %. Frauen sind im Bildungswesen stark vertreten, besonders in naturwissenschaftlichen und mathematischen Fächern, werden aber rechtlich und gesellschaftlich benachteiligt. Nach der Islamischen Revolution wurden viele frühere Rechte eingeschränkt; zugleich sind Frauen heute in fast allen Berufen vertreten und spielten bei Protesten wie „Frau, Leben, Freiheit“ eine zentrale Rolle.