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Kaaba
Die Ursprünge der Kaaba nach der islamischen Überlieferung · Der Abraham-Ismael-Zyklus · Die Kaaba als Ausgangspunkt der Schöpfung · Säkulare Einordnung.
Inhalt6 Abschnitte
Bedeutung und Aufbau
Die Kaaba ist ein quaderförmiges Gebäude im Innenhof der al-Harām-Moschee in Mekka. Als „Haus Gottes“ (bayt Allāh) ist sie das zentrale Heiligtum des Islams. Sie ist 13,10 m hoch, besitzt eine Grundfläche von 11,03 m × 12,62 m und steht auf einem 25 cm hohen Marmorsockel, der 30 cm hervorspringt.
Ihre vier Ecken heißen schwarze, irakische, levantinische und jemenitische Ecke. In der schwarzen Ecke im Osten ist auf etwa 1,5 m Höhe der Schwarze Stein eingelassen. Dort beginnt die rituelle Umrundung. Der Eingang liegt in der Nordostwand auf 2 m Höhe und ist über eine bewegliche Holztreppe erreichbar.
Die Außenwände sind mit der Kiswa bedeckt, einem schwarzen Brokatvorhang mit goldgestickten Koranversen. Er wird jedes Jahr erneuert. Gegenüber der Nordostwand befindet sich der Maqām Ibrāhīm, die Abrahamstätte: ein Felsen, den Abraham nach islamischer Überlieferung beim Bau bestiegen haben soll. Er wird von einem goldfarbenen, sechsseitigen Gitterschrein umgeben.
Vor der Nordwestwand steht der Hatīm, eine halbkreisförmige weiße Marmormauer von 90 cm Höhe und 1,50 m Breite. Der dazwischenliegende Bereich heißt Hidschr und gilt als Teil der Kaaba. Deshalb betreten Pilger ihn während der Umrundung nicht. Dort sollen Ismael und seine Mutter Hagar begraben sein. In diesen Bereich mündet auch die Regenrinne der Kaaba.
Wallfahrt, Gebet und Reinigung
Die Kaaba ist das Ziel der großen Wallfahrt, des Haddsch, die jeder Muslim einmal im Leben unternehmen soll, sofern er dazu in der Lage ist. Sie ist ebenfalls Ziel der kleinen Wallfahrt, der Umra. Pilger umrunden die Kaaba siebenmal gegen den Uhrzeigersinn und preisen dabei Allah. Diese rituelle Umrundung heißt Tawāf.
Auch für das tägliche islamische Gebet ist die Kaaba entscheidend: Muslime richten sich beim Beten nach ihr aus. Diese Gebetsrichtung heißt Qibla und wird in Moscheen gewöhnlich durch den Mihrāb, die Gebetsnische, angezeigt. Für die meisten Muslime genügt eine ungefähre Ausrichtung. Ein von ʿAbdallāh ibn ʿAbbās überlieferter Hadith unterscheidet mehrere Ebenen: Die Kaaba ist die Qibla für Menschen in der Heiligen Moschee, die Moschee für Menschen im heiligen Bezirk von Mekka und dieser Bezirk für die übrigen Angehörigen der islamischen Gemeinschaft. Schon das Betrachten der Kaaba gilt als gottesdienstliche Übung.
Das Innere ist nicht öffentlich zugänglich und wird zweimal jährlich für eine Reinigungszeremonie geöffnet: 15 Tage vor Beginn des Ramadans und vor der jährlichen Pilgerreise. Angehörige der Banū Schaiba bewahren die Schlüssel auf. Eine kleine Zahl von Würdenträgern und Diplomaten nimmt teil. Der Raum wird mit Besen gereinigt und mit einer Mischung aus Zamzam- und Rosenwasser gewaschen.
Im Inneren tragen drei Säulen die Decke. Daneben gibt es einen kleinen „Buße-Raum“. Die Wände sind bis zur halben Höhe mit duftendem Marmor verkleidet, in den Tafeln mit Koraninschriften eingelassen sind. Darüber hängt ein grünes Tuch mit goldgestickten Koranversen.
Vom vorislamischen Heiligtum zum islamischen Zentrum
In vorislamischer Zeit war die Kaaba ein Heiligtum arabischer Stämme. Verehrt wurden dort Hubal, Allah sowie die Göttinnen al-Lāt, Manat und Uzza. Ein mit der Kaaba verbundenes Priester- und Pförtneramt hieß Hidschāba; seine Inhaber verwahrten die Schlüssel. Als erster Amtsinhaber galt Qusaiy ibn Kilāb, der Gründer des Stammes der Quraisch. Das Amt ging später an die Nachkommen seines ältesten Sohnes ʿAbd ad-Dār über.
Die Kaaba war damals nicht der einzige quaderförmige Schrein der Arabischen Halbinsel. Vergleichbare Gebäude bestanden unter anderem in Buss, Nadschran und Sanaa. Islamische Quellen berichten von Konkurrenz zwischen solchen Heiligtümern und davon, dass der südarabische Herrscher Abraha seine Kirche in Sanaa als Konkurrenz zur Kaaba errichten ließ, was schließlich zu einem Angriff auf Mekka geführt habe.
Anfang des 7. Jahrhunderts wurde die Kaaba durch einen Brand zerstört. Der junge Mohammed soll beim Wiederaufbau einen Streit der Quraisch-Clans darüber geschlichtet haben, wer den Schwarzen Stein einsetzen dürfe: Der Stein wurde auf ein Tuch gelegt, das Angehörige aller Clans gemeinsam hielten; Mohammed setzte ihn anschließend selbst ein.
Nach der Einnahme Mekkas im Januar 630 bestätigte Mohammed die Nachkommen ʿAbd ad-Dārs aus der Familie Abū Talha als Pförtner. Er ließ sich von ʿUthmān ibn Talha den Schlüssel geben, betrat die Kaaba und gab ihn danach zurück. Seit 632 ist die Kaaba ein rein islamisches Heiligtum.
Zerstörungen, Umbauten und heutiger Bau
Während der Auseinandersetzungen zwischen dem Kalifen Yazid I. und ʿAbdallāh ibn az-Zubair wurde die Kaaba 683 schwer beschädigt. Bei der Belagerung Mekkas ließ Husain ibn Numair die Stadt mit Wurfmaschinen beschießen. Am 31. Oktober 683 gerieten die Umhänge der Kaaba in Brand; das Feuer griff auf das Holzwerk über, und das Gebäude brach zusammen. ʿAbdallāh ibn az-Zubair ließ es vollständig abtragen. Der Abbruch war am 8. Februar 684 beendet. Tücher markierten vorübergehend den Platz, damit Gebet und Tawāf weiter möglich blieben.
Beim Neubau wollte ʿAbdallāh ibn az-Zubair nach einer von Aischa bint Abi Bakr überlieferten Aussage den angeblich früheren Zustand wiederherstellen. Er ließ eine zweite Tür öffnen, senkte den Boden auf Erdniveau und erhöhte die Hatīm-Mauer zu einer Apsis. Im März 685 wurde der Bau eingeweiht. Nach der Einnahme Mekkas 692 machte al-Haddschādsch ibn Yūsuf im Auftrag ʿAbd al-Malik ibn Marwāns diese Änderungen rückgängig. ʿAbd al-Malik soll dies später bedauert haben, nachdem ihm die Echtheit von Aischas Aussage bestätigt worden war.
931 verschleppten die ismailitischen Qarmaten den Schwarzen Stein nach Bahrain. Erst 951 gelangte er unter Vermittlung der ebenfalls ismailitischen Fatimiden zurück nach Mekka. Eine Überschwemmung beschädigte die Kaaba 1630 so schwer, dass der osmanische Sultan Murad IV. noch im selben Jahr einen Neubau veranlasste. Von diesem Bau stammt die heutige Kaaba.
Die heutige Tür wurde vom syrischen Ingenieur Munir El Jundi entworfen und am 13. Oktober 1979 eingeweiht. Bei einer Bombenexplosion während der Besetzung der Großen Moschee wenige Wochen später wurde der Boden beschädigt. In den Trümmern gefundene Idole vorislamischer Gottheiten wurden von den saudischen Behörden entfernt; ihr Verbleib ist unbekannt. El Jundi entwarf außerdem 1984 eine Truhe für den Innenraum, wirkte 1994 am Innenausbau und an der Säulendekoration mit und gestaltete 1996 einen Wasserspeier.
Ursprung in der islamischen Überlieferung
Der Koran stellt die Kaaba als abrahamitisches Heiligtum dar. Nach Sure 22:26–27 beauftragte Gott Abraham, das Haus für Betende und Umrundende zu reinigen und die Menschen zur Wallfahrt aufzurufen. Sure 2:127 berichtet, Abraham habe zusammen mit seinem Sohn Ismael die Grundmauern des Hauses errichtet. Diese Aussagen bilden die Grundlage eines umfangreichen islamischen Überlieferungszyklus. Einer auf ʿAlī ibn Abī Tālib zurückgeführten Erzählung zufolge führte die Sakīna Abraham nach Mekka. Der von ihm gestiftete Kult sei monotheistisch gewesen; erst ʿAmr ibn Luhaiy habe die Araber später zum Götzendienst gebracht.
An Sure 3:96, wonach das Haus in Mekka das erste für die Menschen errichtete Haus war, knüpft die Vorstellung von der Kaaba als Ausgangspunkt der Schöpfung an. Nach einer ʿAbdallāh ibn ʿAbbās zugeschriebenen Version wurde das Haus mit seinen vier Ecken 2000 Jahre vor der Erschaffung der Welt auf das Wasser gesetzt; anschließend sei die Erde darunter ausgebreitet worden.
Nach weiteren Überlieferungen errichtete Adam die zerfallene ursprüngliche Kaaba neu. Nach einem weiteren Verfall und der Sintflut habe Gott Abraham mit einem Neubau beauftragt. Ismael habe die Steine herangetragen und eine neun Ellen hohe, dachlose Einfriedung errichtet. Ihre Wände seien unverputzt gewesen und nur aus lose aufeinandergelegten Steinen bestanden. Der Erzengel Gabriel soll Abraham einen funkelnden Meteoriten gebracht haben. Dieser sei in die Kaaba eingesetzt und durch zahlreiche Berührungen zum heutigen Schwarzen Stein geworden.
Historische Einordnung
Die säkulare Geschichtswissenschaft unterscheidet zwischen religiöser Überlieferung und historisch belegbaren Aussagen. In der Forschung besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass die Kaaba schon vor Mohammed ein regionales Wallfahrtszentrum und Teil eines polytheistischen Kultes war. Historische Nachweise dafür, dass sie ursprünglich ein monotheistisches Heiligtum gewesen und erst später durch Götzendienst verändert worden sei, gibt es nicht.
Weder archäologische Funde noch zeitgenössische Quellen aus der Antike belegen, dass Abraham oder Ismael sich in Zentralarabien aufhielten oder dort ein Heiligtum errichteten. Die Verbindung der Kaaba mit Abraham wird in dieser wissenschaftlichen Sicht als theologisch begründete Geschichtsdeutung bewertet.
Auch für die Vorstellung, die Kaaba sei der erste Ort der Schöpfung gewesen oder habe schon vor Adam bestanden, fehlen wissenschaftliche Belege. Historiker und Religionswissenschaftler verstehen solche Erzählungen als Bestandteile islamischer Kosmologie und Heilsgeschichte, nicht als historisch nachgewiesene Ereignisse. Ebenso gibt es keine unabhängigen Belege dafür, dass Abraham und Ismael den Schwarzen Stein einsetzten. Seine Herkunft ist ungeklärt; seine Verehrung gilt in der Forschung allgemein als Fortsetzung eines bereits vorislamischen Kultes.
Lernvideos zu Kaaba
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