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Schwarzer Stein (Mekka)
Der Schwarze Stein (arabisch الحجر الأسود , DMG al-ḥaǧar al-aswad) ist ein Kultstein, der an der östlichen Ecke der Kaaba in Mekka eingemauert ist und den …
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Bedeutung und Beschaffenheit
Der Schwarze Stein (arabisch al-ḥaǧar al-aswad) ist ein Kultstein an der östlichen Ecke der Kaaba in Mekka. Er markiert den Anfangspunkt des Tawāf, der rituellen Umkreisung der Kaaba. Während des Tawāf wird er je nach Möglichkeit geküsst, berührt oder mit der Hand beziehungsweise einem Gegenstand angezeigt. Verschiedene islamische Überlieferungen schreiben ihm eine übernatürliche Herkunft zu.
Der Stein befindet sich links von der Kaaba-Tür in der sogenannten „Schwarzen Ecke“ (ar-rukn al-aswad). Er ist etwa 1,5 Meter über dem Boden in die Mauer eingelassen. Seine Grundfärbung ist rötlich-schwarz. Er ist in mehrere Fragmente zerbrochen und wird durch Zement sowie eine Silbereinfassung mit ovaler Öffnung zusammengehalten. Die sichtbare Fläche innerhalb der Einfassung misst 20 × 15 cm. 1825 bestand der Stein aus insgesamt 15 Einzelstücken; heute sind noch acht kleinere Stücke sichtbar. Das größte Fragment ist etwa so groß wie eine Dattel.
Die Herkunft und die physikalische Beschaffenheit sind wissenschaftlich nicht geklärt, da der Stein bisher nicht untersucht wurde. Diskutiert wird, ob es sich um den Rest eines Meteoriten, einen Tektiten oder einen Achat handelt.
Wichtige Ereignisse der Geschichte
Die Verehrung des Steins geht nach der Darstellung des Artikels auf den altarabischen paganen Steinkult zurück. Mit der Islamisierung wurde das Ritual in den islamischen Wallfahrtsbrauch eingeordnet und der Stein erhielt eine übernatürliche Deutung. Einige Prophetengefährten betrachteten seine Verehrung deshalb kritisch. ʿUmar ibn al-Chattāb küsste den Stein zwar, erklärte aber, er wisse, dass dieser weder nützen noch schaden könne; ohne das Vorbild des Gottesgesandten hätte er ihn nicht geküsst.
Bei der Belagerung Mekkas im Oktober 683 wurde der Schwarze Stein von einem Katapultgeschoss getroffen und zerbrach in drei Stücke. Ein brennendes Geschoss setzte außerdem die Kaaba in Brand. Der Stein soll dadurch seine charakteristische schwarze Farbe erhalten haben. Nach dem Wiederaufbau der Kaaba durch ʿAbdallāh ibn az-Zubair wurde er zunächst in einer verschlossenen Truhe aufbewahrt. Als die Mauer wieder die entsprechende Höhe erreicht hatte, setzte ʿAbdallāh ibn az-Zubair die drei Stücke selbst ein und ließ sie von einer Silbereinfassung zusammenhalten.
931 brachen die ismailitischen Qarmaten den Stein heraus und verschleppten ihn nach Bahrain. Erst 951 kehrte er durch Vermittlung der ebenfalls ismailitischen Fatimiden und gegen ein hohes Lösegeld nach Mekka zurück. Überliefert ist, dass beim Herausbrechen entstandene Risse mit Silberbändern zusammengehalten wurden. Es ist jedoch möglich, dass diese Bänder mit der bereits von ʿAbdallāh ibn az-Zubair angebrachten Silbereinfassung identisch waren.
Am 8. März 1023 griff während der Haddsch-Zeremonien ein Pilger aus Ägypten den sichtbaren Teil des Steins mit einer Keule an und schlug dreimal darauf ein. Er erklärte, der Stein werde zu lange angebetet, und kündigte an, die Kaaba zerstören zu wollen. Der vermutlich drusische Angreifer wurde außerhalb des Heiligtums überwältigt und getötet. Die drei abgesplitterten Stücke wurden wieder angeklebt; die beschädigte Stelle übertünchte man mit Harzlack.
In der um 1567 von Mimar Sinan für den Großwesir Sokollu Mehmed Pascha und seine Frau İsmihan Sultan erbauten Sokollu-Mehmed-Pascha-Moschee in Istanbul wurden vier Fragmente des Schwarzen Steins an verschiedenen Stellen der Innenwände eingelassen.
Nach einem auf den österreichischen Generalkonsul in Alexandria Anton Ritter von Laurin (1790–1869) zurückgehenden Bericht versuchten die Wahhabiten nach der Einnahme Mekkas 1803, den Stein zu zertrümmern. Die Truppen des ägyptischen Vizekönigs Muhammad Ali Pascha sollen dies verhindert haben, als sie die Wahhabiten 1813 aus Mekka vertrieben. Anschließend sei der Stein neu eingefasst worden. Vier sorgfältig aufbewahrte Bruchstücke wurden nach Ägypten geschickt: eines für Muhammad Ali Pascha, drei weitere „für die Träger des Wortes Gottes durch den Propheten“. Diese drei Stücke sollen an den osmanischen Sultan, den Schah von Persien und den Herrscher von Kabul gelangt sein. Die Angaben beruhen auf diesem Bericht.
Rituelle Handlungen beim Tawāf
Die mit dem Schwarzen Stein verbundenen Handlungen werden in den Manāsik-Werken, also den Schriften über die Regeln der Wallfahrt, unterschiedlichen Verpflichtungskategorien zugeordnet. Nach der Mehrheit der hanafitischen Gelehrten ist es Sunna, den Tawāf am Schwarzen Stein zu beginnen. Einige Gelehrte bewerten den Beginn an dieser Stelle sogar als farḍ oder wāǧib, also als obligatorisch. Wer dem Stein gegenübersteht, soll sich zu ihm ausrichten, beide Hände heben und den Takbīr ausrufen. Zu Beginn der ersten Umkreisung gilt dies als Sunna, bei den folgenden Umkreisungen als mustaḥabb, also als erwünscht.
Das Berühren des Steins am Anfang oder Ende einer Umkreisung gilt ebenfalls als Sunna. Obwohl al-Fākihī das Berühren als Kennzeichen des Tawāf bezeichnete und ʿAlī ibn Husain Zain al-ʿĀbidīn überliefert wird, ein Haddsch ohne diese Handlung sei unvollständig, besteht unter den Rechtsgelehrten Konsens, dass durch das Unterlassen keine Pflicht verletzt wird. Die vier sunnitischen Rechtsschulen halten es außerdem für erwünscht, den Stein vor dem Lauf zwischen as-Safā und al-Marwa erneut zu berühren. Das Überstreichen des Steins kann auch unabhängig vom Tawāf erfolgen und gilt als gottesdienstliche Handlung zur Annäherung an Gott und zur Sühne früherer Missetaten.
Das Küssen wird wegen entsprechender Hadithe als Sunna, von einigen Gelehrten nur als erwünscht eingestuft. Bei Hanafiten, Schafiiten und Hanbaliten gilt es als erwünscht, den berührten Stein dreimal zu küssen und danach Gesicht und Stirn wie bei einer Prosternation auf ihn zu legen. Mālik ibn Anas hielt diesen Brauch für eine unzulässige Neuerung. Kann der Stein nur mit der Hand oder einem Gegenstand berührt werden, darf ersatzweise die berührende Hand oder der Gegenstand geküsst werden. Auch das Überstreichen des eigenen Gesichts mit dieser Hand gilt als erwünscht.
Ist weder Berühren noch Küssen möglich, kann man mit der Hand oder einem Gegenstand auf den Stein zeigen. Grundlage dafür ist ein Hadith, nach dem der Prophet bei der Abschiedswallfahrt während des Tawāf von einem Kamel aus mit einem Stab auf den Stein zeigte. Umstritten ist, ob man anschließend die Hand oder den Gegenstand küssen soll: Hanafiten und Schafiiten befürworten dies, Malikiten und Hanbaliten lehnen es ab. Eine kussartige Bewegung in Richtung des Steins ist nicht erlaubt. Beim Küssen sollen außerdem keine lauten Geräusche gemacht werden.
Bei starkem Gedränge sollen Frauen den Stein nicht berühren oder küssen, sondern dies höchstens tun, wenn der Platz leer ist. Allgemein gilt, dass niemand den Stein berühren oder küssen soll, wenn dadurch wegen des Gedränges eine Verletzung der eigenen Person oder anderer droht. In der Nähe des Steins stehen dauerhaft Polizisten, die übermäßiges Gedränge sowie gewalttätige oder sexuelle Übergriffe verhindern sollen.
Islamische Überlieferungen und Legenden
Nach islamischer Überlieferung wurde der Schwarze Stein bereits am Anfang der Zeiten von Adam an der Kaaba angebracht. In einer von al-Azraqī überlieferten Tradition ließ Gott Adam am Ort der Kaaba auf der Erde landen und sandte ihm den Stein vom Himmel. Damals sei er noch so weiß gewesen, dass er strahlte; Adam habe ihn genommen und am Bauwerk angebracht.
Andere Überlieferungen berichten, Adam habe bei seiner Vertreibung aus dem Paradies einen Edelstein mitnehmen sollen. Dieser sei ein Saphir gewesen, weißer als Schnee und nachts leuchtend. Durch Adams Tränen über seine Sünde sei er schwarz geworden. Nach weiteren Berichten nahm der Stein seine schwarze Farbe durch die Berührung menstruierender Frauen, von Menschen im Zustand der großen rituellen Unreinheit oder von Polytheisten an. Bis zur Sintflut sollen die Menschen ihn umkreist haben. Danach entrückte Gott den Stein, bis Abraham entsandt wurde. Weil der Stein ursprünglich Adam herabgesandt worden sein soll, gilt er als Zeichen eines Vertrages zwischen Gott und den Menschen an diesem Ort.
Mehrere im Namen von ʿAlī ibn Abī Tālib überlieferte Traditionen erzählen, dass Abraham den Stein später durch den Engel Gabriel zurückerhielt. In einer Fassung beauftragte Abraham bei der Errichtung der Kaaba seinen Sohn Ismael, einen Stein zu suchen, an dem sich die Menschen ausrichten könnten. Ismael suchte in den Bergen, bis Gabriel erschien und ihm den Schwarzen Stein brachte. Gabriel habe erklärt, dass der Stein von Gott komme.
Eine weitere bekannte Legende bezieht sich auf den Neubau der Kaaba durch die Quraisch um die Wende zum 7. Jahrhundert. Vier Gruppen stritten darum, wer den Stein an seinen Platz legen dürfe. Sie einigten sich, dass der erste Mann, der durch das Tor des Heiligtums zu ihnen komme, diese Aufgabe übernehmen solle. Dieser Mann soll Mohammed gewesen sein. Er ließ ein Tuch bringen, legte den Stein darauf und forderte jede Gruppe auf, eine Seite des Tuches zu ergreifen. Nachdem die Gruppen den Stein auf die richtige Höhe gehoben hatten, setzte Mohammed ihn selbst an seinen Platz. Die Legende wird sowohl bei Ibn Ishāq als auch bei al-Azraqī angeführt.