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Al-Harām-Moschee

In ihrem Hof befinden sich die Kaaba, das zentrale Heiligtum des Islams, der Zamzam-Brunnen und der Maqām Ibrāhīm. Eine Besonderheit der al-Harām-Moschee ist, …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Aufbau
  2. 2. Entstehung und große Umbauten
  3. 3. Bauelemente und technische Infrastruktur
  4. 4. Name, Koran und religiöser Rang
  5. 5. Gebet, Rechtsschulen und religiöses Leben
  6. 6. Verwaltung, Gesellschaft und Konflikte

Bedeutung und Aufbau

Die al-Harām-Moschee (arabisch al-Masdschid al-Harām, „Heilige Moschee“ oder „Große Moschee“) steht in Mekka in Saudi-Arabien. Sie ist die größte Moschee der Welt und gilt im Islam als vorzüglichste Moschee, noch vor der Prophetenmoschee in Medina und der al-Aqsa-Moschee in Jerusalem.

In ihrem Innenhof liegen die Kaaba als zentrales Heiligtum des Islams, der Zamzam-Brunnen und der Maqām Ibrāhīm. Neben Gebet und Chutba, der Freitagspredigt, findet hier der Tawāf statt: die rituelle siebenmalige Umkreisung der Kaaba. Nach den Manāsik-Regeln soll man beim Betreten der Moschee zunächst einen Tawāf als Begrüßung der Kaaba vollziehen.

Das Bauwerk umfasst einschließlich innerer und äußerer Gebetsflächen 400.000 m² und kann während des Haddsch mehr als eine Million Gläubige aufnehmen. Es wird weiter ausgebaut; geplant sind eine Kapazität von zwei Millionen Menschen und insgesamt 13 Minarette. Der Masʿā, die rituelle Laufstrecke zwischen as-Safā und al-Marwa, gehört seit den 1960er Jahren zur Moschee. Der eigentliche Haram von Mekka ist jedoch ein wesentlich größerer heiliger Bezirk von rund 554 km² rund um die Stadt.

Entstehung und große Umbauten

Ursprünglich war das Heiligtum um die Kaaba nicht von Mauern umgeben, sondern von Häusern mit Zugängen eingeschlossen. Kalif ʿUmar ibn al-Chattāb ließ im Radschab des Jahres 17 der Hidschra, also im Juli/August 638, benachbarte Häuser abreißen und eine niedrige Mauer errichten. Damit begann die Moschee als eigenständiger Bau. ʿUthmān ibn ʿAffān erweiterte den Hof 646. Später entstanden ein Dach, Marmorsäulen und dekorierte Arkaden.

In der Abbasidenzeit vergrößerten al-Mansūr und al-Mahdī die Moschee entscheidend. Al-Mansūr ließ sie von 754 bis 758 auf der Nord- und Westseite erweitern, verdoppelte so die Grundfläche und errichtete die ersten Minarette. Al-Mahdī erweiterte Ost- und Südseite, damit die Kaaba stärker im Zentrum lag. Der Bau maß danach ungefähr 182 × 137 beziehungsweise 125 Meter und besaß 484 Säulen sowie 24 Tore. 894 und 918 entstanden an Nord- und Westseite zwei Außenhöfe.

Ein Brand vom 22. Juni 1400 zerstörte ungefähr ein Drittel des Gebäudes; 131 Säulen schmolzen zu Kalk. Der Wiederaufbau erfolgte vor allem 1401 bis 1405 unter dem ägyptischen Sultan Faradsch. Im osmanischen Neubau von 1572 bis 1577 ersetzten festgemauerte Kuppeln das ältere doppelte Holzdach. Der Bau hatte danach 152 Kuppeln, 311 Marmorsäulen und 244 Pfeiler aus gelbem Schumaisī-Stein.

Unter saudischer Herrschaft veränderte sich die Anlage besonders stark. Die erste Erweiterung von 1955 bis 1969 verband die Moschee mit dem zweigeschossigen Masʿā, schuf ein zweites Stockwerk und ein Kellergeschoss und vergrößerte die Fläche auf 161.327 m²; die Kapazität stieg auf 400.000 Betende. Die zweite Erweiterung von 1969 bis 1976 restaurierte die osmanischen Arkaden, beseitigte die alten Außenhöfe und erhöhte die Kapazität auf über 600.000 Menschen. Die dritte Erweiterung von 1988 bis 1993 brachte einen westlichen Anbau, ein begehbares Dach mit 61.000 m² Gebetsfläche, Klimaanlage und Rolltreppen; die Gebetsfläche erreichte etwa 400.000 m² und die Kapazität mehr als eine Million.

Die vierte Erweiterung begann 2007. Für sie wurden 2008 im Viertel asch-Schāmīya 5.882 Gebäude auf 300.000 m² abgerissen. Die Fertigstellung war ursprünglich für 2020 vorgesehen; die Kosten werden mit 80 Milliarden Saudi-Riyal, etwa 20 Milliarden Euro, angegeben. Nach dem Umbau können etwa 30.000 Menschen pro Stunde Tawāf vollziehen, zuvor waren es ungefähr 10.000. Am 11. September 2015 stürzte ein Raupenkran auf die Moschee: 107 Menschen starben, 238 wurden verletzt.

Bauelemente und technische Infrastruktur

Die Zahl und Namen der Tore wechselten mehrfach: Im 9. Jahrhundert gab es 24 Tore, im 15. Jahrhundert 19 und im frühen 20. Jahrhundert 26. Historisch wichtige Tore sind das Salām-Tor, das as-Safā-Tor, das ʿUmra-Tor und das Abschiedstor. Das as-Safā-Tor war mit fünf Bögen das größte historische Tor. Nach der ersten saudischen Erweiterung besaß die Moschee 61 Tore; große Eingänge sind das König-ʿAbd-al-ʿAzīz-Tor, das ʿUmra-Tor, das Fath-Tor und später das König-Fahd-Tor.

Die ersten Minarette ließ al-Mansūr Ende des 8. Jahrhunderts errichten. Im osmanischen Bau gab es sieben Minarette. Bei saudischen Umbauten wurden sie durch einheitliche, 95 Meter hohe Minarette ersetzt; später stieg ihre Zahl auf neun. Geplant sind 13. Im Innenhof wurde der Raum um die Kaaba schrittweise freigeräumt, um den Matāf, den Tawāf-Platz, zu vergrößern. Historische Gebäude wie das Zamzam-Brunnenhaus, das Banū-Schaiba-Tor und die Gebetspavillons der Rechtsschulen wurden im 20. Jahrhundert abgerissen oder versetzt. Der Zamzam-Brunnen wurde unterirdisch verlegt.

Der Boden war lange mit Kies, Sand oder Matten bedeckt. Der Matāf erhielt 1594 Marmor; 1979 wurde der gesamte Moscheehof mit Steinplatten gepflastert. Mekka ist häufig von Sturzfluten betroffen, weil die Moschee niedrig im Wādī Ibrāhīm liegt. Kanäle, erhöhte Ränder und Stufen sollten Wasser abführen, schützten aber nicht immer wirksam: Schwere Fluten ereigneten sich unter anderem 1630, 1681, 1696, 1861, 1909 und 1941. Seit der ersten saudischen Erweiterung führt ein fünf Meter breiter und vier bis sechs Meter hoher überdeckter Kanal Flutwasser südlich an der Moschee vorbei.

Die Beleuchtung entwickelte sich von Öllampen und Kerzen über Petroleum zu Elektrizität. 1920 wurden 105 Glühlampen eingesetzt; 1934 versorgte ein Generator 1.300 elektrische Lampen. Seit dem 23. Oktober 1953 ist die Moschee an das Stromnetz Mekkas angeschlossen. Moderne Erweiterungen ergänzten Kronleuchter, Leuchtstofflampen und starke Scheinwerfer.

Name, Koran und religiöser Rang

Der Ausdruck al-masǧid al-ḥarām kommt 15-mal im Koran vor. Dort bezeichnet er nach weitgehender Auffassung muslimischer Koranexegeten nicht das spätere Moscheegebäude, sondern das mekkanische Heiligtum; die Grenzen wurden unterschiedlich weit gezogen. In Sure 2:144, 2:149 und 2:150 wird der Masdschid Harām als Qibla, also Gebetsrichtung, festgelegt. Weitere Stellen behandeln den Schutz des Heiligtums, den Zugang und die Wallfahrt. Im späteren üblichen Sprachgebrauch wurde al-masǧid al-ḥarām der Name der Moschee, in der der Tawāf vollzogen wird.

Hadithe betonen den besonderen Wert des Gebets an diesem Ort. Dabei nennen Überlieferungen unterschiedliche Zahlen: 25.000, 100.000 oder bei Gebet in Gemeinschaft 1.500.000 gewöhnliche Gebete. Ein Hadith nennt al-Masdschid al-Harām die erste auf Erden errichtete Gebetsstätte und al-Masdschid al-Aqsā die zweite, vierzig Jahre später errichtete. Überlieferungen verbinden die Moschee außerdem mit Gräbern von Propheten, etwa Ismael im Hidschr; diese Angaben werden als Überlieferungen berichtet.

Besonders im Ramadan ist die Moschee ein wichtiger Ort. Heute gibt es beim Tarāwīh-Gebet eine Gebetsgruppe. Die Imame beten einschließlich des Witr-Gebets 23 Rakʿas und schließen die Koranrezitation ein oder zwei Tage vor dem Monatsende ab. In den letzten zehn Tagen folgt ein Tahaddschud-Gebet mit zehn Rakʿas.

Gebet, Rechtsschulen und religiöses Leben

Anders als in den meisten Moscheen verlaufen die Gebetsreihen hier kreisförmig um die Kaaba. Im Mittelalter beteten Anhänger der sunnitischen Rechtsschulen – Schafiiten, Hanafiten, Malikiten und Hanbaliten – an getrennten Maqāmen, also Gebetsstandorten, nacheinander oder teilweise gleichzeitig. Auch Zaiditen hatten zeitweise eine eigene Gebetsgruppe. Die gleichzeitigen Gebete, besonders das Abendgebet, führten wegen der sich vermischenden Stimmen von Imamen und mukabbirūn zu Kritik und Reformversuchen.

Schafiiten und Hanafiten waren besonders privilegiert: Die Schafiiten beteten beim Maqām Ibrāhīm, die Hanafiten an einem besonders prächtigen Pavillon. Die Trennung nach Rechtsschulen wurde als Bidʿa, unrechtmäßige Neuerung, kritisiert. Nach der saudischen Einnahme Mekkas 1924 wurde zunächst nur eine hanbalitische Gruppe zugelassen, dann vorübergehend wieder mehrere Gruppen. Seit 1926 wurden die Gruppen schrittweise vereinigt; seit Juli 1929 leiteten zwei Imame salafistischer Ausrichtung die fünf täglichen Gebete. Die Maqāme der Rechtsschulen wurden zwischen 1957 und 1963 abgerissen.

Die frühere Freitagspredigt war sehr feierlich: Der Chatīb wurde begleitet, bestieg einen Minbar und sprach auch Bittgebete für Kalif und Emir. Nach 1924 wurde dieses Ritual stark vereinfacht. Totengebete werden seit späterer Zeit wieder in der Moschee verrichtet. Die Moschee ist außerdem seit der Frühzeit des Islams ein Ort der Gelehrsamkeit. Unterrichtsfächer waren unter anderem Koranexegese, Hadith, Fiqh, arabische Grammatik, Logik, Geschichte und Mathematik. Heute gibt es weiterhin Lehrzirkel und eigene Kurse für Frauen.

Verwaltung, Gesellschaft und Konflikte

Die Verwaltung lag historisch bei den Statthaltern oder Emiren von Mekka, in osmanischer Zeit beim Gouverneur von Dschidda als „Scheich des Haram“. Seit 1987 ist das „Generalpräsidium für die Angelegenheiten der Heiligen Moschee und der Prophetenmoschee“ zuständig. Es wird seit 2012 von ʿAbd ar-Rahmān as-Sudais geleitet, der seit 1984 Imam und Chatīb der Moschee ist.

Zum Personal gehörten und gehören Imame, Chatībs, Muezzine, Eunuchen, Zamzam-Scheiche, Teppichbreiter, Kehrer, Torwächter und Ordnungskräfte. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es ungefähr 700 Amtsträger; viele Ämter waren erblich. Torwächter sollten Tore reinigen und Tiere sowie unerlaubten Durchgangsverkehr fernhalten. Die 1918 gegründete „Polizei der Heiligen Moschee“ besteht weiter und sorgt zusammen mit weiteren Einsatzkräften für Ordnung.

Frauen und Männer wurden beim Tawāf bereits im frühen 8. Jahrhundert zeitweise getrennt. Später entstanden getrennte Sitz- und Gebetsbereiche; zugleich erhielten Frauen Unterricht und können auch heute eigene Kurse besuchen. Die Moschee war lange ebenfalls Arbeits- und Aufenthaltsort für Koranrezitatoren, Kopisten, Schneider, Händler, Bettler und verarmte Pilger.

Zu schweren Überfällen gehörte der Angriff der Bahrain-Karmaten im Jahr 930: Sie töteten Pilger und entführten den Schwarzen Stein nach al-Ahsā'. Besonders bekannt ist die Besetzung vom 20. November 1979 durch etwa 500 wahhabitische Ichwān unter Dschuhaimān al-ʿUtaibī. Sie dauerte fast zwei Wochen und wurde militärisch beendet; dabei wurden fünf der sieben damaligen Minarette zerstört.

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