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Haddsch
Er ist die fünfte Säule der fünf Säulen des Islam und findet jährlich während des Monats Dhu l-Hiddscha statt. Die große Pilgerfahrt, der Haddsch, kann nur …
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Bedeutung und religiöse Pflicht
Der Haddsch ist die islamische Pilgerfahrt nach Mekka und die fünfte der fünf Säulen des Islam. Er findet jährlich im islamischen Monat Dhu l-Hiddscha statt. Die große Pilgerfahrt kann nur vom 8. bis zum 12. Dhu l-Hiddscha durchgeführt werden. Davon unterscheidet sich die ʿUmra, die „kleine Pilgerfahrt“, die zu jeder Jahreszeit möglich ist.
Jeder freie, volljährige und gesunde Muslim – Mann oder Frau – muss den Haddsch einmal im Leben vollziehen, sofern er oder sie finanziell und praktisch dazu in der Lage ist. Grundlage ist Sure 3, Vers 97 des Korans: Die Menschen sind Gott gegenüber zur Wallfahrt „nach dem Haus“, also zur Kaaba, verpflichtet, soweit sie eine Möglichkeit dazu finden. Wer den Haddsch vollzogen hat, kann den Ehrentitel Hāddsch beziehungsweise Haddschi tragen und gewinnt in manchen Gesellschaften an Ansehen.
Nach der Darstellung des Artikels dürfen Frauen den Haddsch nur zusammen mit einem Mahram, einem nahen männlichen Begleiter, unternehmen. Diese Regel wird aus einem Hadith abgeleitet.
Weihezustand und Kleidung
Vor Beginn der Pilgerfahrt treten die Gläubigen in den Ihram ein. Ihram bezeichnet den religiösen Weihezustand, in dem besondere Vorschriften gelten. Männliche Pilger tragen zwei weiße, ungesäumte Tücher. Sie dürfen sich während dieser Zeit nicht rasieren oder kämmen und weder Haare noch Nägel schneiden.
Frauen dürfen gemäß der Sunna, also der überlieferten Lebensweise Mohammeds, weder eine Vollverschleierung noch Handschuhe tragen. Ansonsten ist für sie die übliche islamkonforme Kleidung erlaubt. Auch ihnen ist das Schneiden von Haaren und Nägeln im Ihram untersagt.
Ablauf der Pilgerfahrt
Der Haddsch beginnt am 8. Dhu l-Hiddscha in Mekka. Nach dem Eintritt in den Ihram vollziehen die Pilger zunächst einen Tawaf, die siebenmalige Umschreitung der Kaaba entgegen dem Uhrzeigersinn. Es folgt der Saʿy, der Lauf zwischen den Hügeln Safa und Marwa. Danach ziehen die Pilger nach Mina und bleiben dort bis zum folgenden Morgen.
Am 9. Dhu l-Hiddscha brechen sie zur etwa 20 Kilometer östlich von Mekka gelegenen Ebene ʿArafāt auf. Das dortige Stehen bis zum Sonnenuntergang ist ein Höhepunkt des Haddsch. Die Pilger bitten Gott um Vergebung; der Artikel bezeichnet dies als den emotionalsten Teil der Wallfahrt. Anschließend ziehen sie nach Muzdalifa und übernachten dort.
Kurz vor Sonnenaufgang am 10. Dhu l-Hiddscha kehren sie nach Mina zurück. Dort erfolgt die symbolische Steinigung des Teufels: Sieben kleine Steine – oder ein Vielfaches davon, etwa 49 oder 70 – werden auf die Dschamarat al-Aqaba geworfen. Das Ziel war früher eine Säule und ist heute eine hohe Mauer mit konkaven Wänden innerhalb der 2009 fertiggestellten neuen Dschamarat-Brücke.
Danach rasieren die Männer ihr Haupthaar vollständig, was halq heißt, oder kürzen es. Frauen schneiden eine Haarsträhne ab; dies wird taqsir genannt. Der Vorgang symbolisiert den Beginn eines neuen, von früheren Sünden befreiten Lebensabschnitts. Ebenfalls am 10. Dhu l-Hiddscha werden Opfertiere geschlachtet. Die Pilger behalten nur einen kleinen Teil des Fleisches und geben den Rest an Arme. Dieser Tag ist das Opferfest, Idu l-Adha, der höchste islamische Feiertag, den auch Muslime außerhalb Mekkas feiern. Der Ihram endet nun weitgehend; Geschlechtsverkehr mit dem Ehepartner bleibt zunächst verboten.
Anschließend kehren die Pilger nach Mekka zurück, um erneut den Tawaf und den siebenmaligen Saʿy zu vollziehen. Der Saʿy erinnert an Hagars Suche nach Wasser und steht mit dem Brunnen Zamzam in Verbindung. Während der folgenden zwei oder drei Tage in Mina bewerfen die Pilger drei Dschamarat – al-Ula, al-Wusta und al-Aqaba – jeweils mit sieben Steinen. Abschiedstawaf und Abschieds-Saʿy beenden den Haddsch.
Entstehung und historische Entwicklung
Die Ursprünge des Haddsch reichen in die vorislamische Zeit zurück. Das damalige Ritual umfasste zunächst nur Stationen in der ʿArafāt-Ebene, in Muzdalifa und in Mina und war nicht mit der Kaaba verbunden. Wegen der festgelegten Zeiten der Läufe – bei Sonnenuntergang von ʿArafāt nach Muzdalifa und bei Sonnenaufgang von dort nach Mina – wird vermutet, dass es ursprünglich der Sonnenverehrung diente.
Mohammed vollzog das Ritual 632 während seiner später so genannten Abschiedswallfahrt und ordnete es neu. Er legte den Aufbruch von ʿArafāt auf die Zeit nach Sonnenuntergang und den Aufbruch aus Muzdalifa auf die Zeit vor Sonnenaufgang, um sich von Polytheisten und Götzenanbetern abzugrenzen. Außerdem verband er das Ritual mit den auf die Kaaba bezogenen Handlungen, die zuvor zur ʿUmra gehört hatten. Seine Wallfahrt wurde zur maßgeblichen Form des Haddsch; die ʿUmra blieb als eigenständige kleine Pilgerfahrt bestehen.
In vormoderner Zeit begannen die wichtigsten Pilgerkarawanen in Kairo und Damaskus. Die Reise dauerte jeweils ungefähr 30 bis 40 Tage. Der ägyptischen Karawane schlossen sich Pilger aus dem Maghreb an; Ende des 15. Jahrhunderts umfasste sie 30.000 bis 40.000 Menschen. Eine ähnlich große Karawane vereinte Pilger aus Anatolien, Iran, Irak und Syrien. Aus Ägypten wurde auch die Kiswa gebracht, das kostbare, golddurchwirkte Tuch, mit dem die Kaaba jährlich neu bedeckt wurde.
Die Reise war häufig gefährlich. Die Qaramita überfielen Pilger, raubten 930 den Schwarzen Stein und verübten ein Massaker. Später schützten sie Karawanen gegen hohe Zahlungen; die ägyptischen Fatimiden zahlten ihnen jährlich 300.000 Dinar. Wegen politischer Unsicherheit fielen Karawanen gelegentlich vollständig aus.
Abd al-Aziz ibn Saud eroberte 1924 Mekka und Medina und gründete 1932 Saudi-Arabien als absolute Monarchie. Der Schutz der Pilger und der Ausbau der Infrastruktur wurden wichtige Aufgaben des Staates. Der Haddsch verschafft Saudi-Arabien und der Saud-Dynastie Prestige und ist zugleich ein bedeutender Wirtschaftsfaktor.
Organisation, Teilnehmerzahlen und Zugang
Die sehr großen Teilnehmerzahlen stellen hohe Anforderungen an Unterkünfte, Trinkwasserversorgung, Verkehr und Sicherheit. Trotz umfangreicher Investitionen, beispielsweise in die fünfstöckige Dschamarat-Brücke, ist die Infrastruktur regelmäßig überlastet. Für ausländische Teilnehmer werden besondere Haddsch-Visa und Länder-Kontingente vergeben.
Die Statistik zeigt langfristig meist mehr ausländische als saudische Pilger. 1996 nahmen insgesamt 1.865.234 Menschen teil, darunter 1.080.465 Nicht-Saudis. 2019 waren es 2.489.406 Pilger, davon 1.855.027 beziehungsweise 74 Prozent Nicht-Saudis. Während der COVID-19-Pandemie brachen die Zahlen stark ein. Die Tabelle nennt für 2020 10.000 Teilnehmer, während der Text von nur etwa 1.000 zugelassenen Gläubigen mit Wohnsitz im Königreich spricht. Diese Angaben widersprechen einander. 2021 wurden 58.745, 2022 insgesamt 926.062, 2023 insgesamt 1.845.045 und 2024 insgesamt 1.833.164 Pilger gezählt. 2023 fand der Haddsch erstmals nach der Pandemie wieder ohne Auflagen und Teilnahmebeschränkungen statt; erwartet worden waren 2,6 Millionen Menschen.
Der Zugang zu Mekka ist ausschließlich Muslimen erlaubt. Saudi-Arabien verweigert auch Angehörigen der Ahmadiyya Visa, obwohl diese Gemeinschaft sich selbst als islamisch versteht; die Islamische Weltliga erklärte sie 1974 zu Nichtmuslimen. Der Artikel kennzeichnet die Angaben zu diesen Zutrittsverboten allerdings als nicht ausreichend belegt.
Politische Konflikte wirken sich ebenfalls auf die Organisation aus. Iran warf Saudi-Arabien mit Stand August 2018 wiederholt vor, Schiiten bei den Kontingenten zu benachteiligen. 2016 erhielten iranische Staatsbürger keine Haddsch-Visa.
Gefahren und schwere Vorfälle
Die großen Menschenmengen, hohe Temperaturen sowie technische und organisatorische Probleme haben wiederholt zu Katastrophen geführt. Seit 1990 starben mindestens 5.000 Pilger bei Massenpaniken. Am 2. Juli 1990 kamen in einem Fußgängertunnel 1.426 Menschen ums Leben; laut Behörden erstickten die meisten nach dem Ausfall der Belüftung. Weitere Massenpaniken forderten unter anderem etwa 270 Tote am 24. Mai 1994, 251 Tote am 1. Februar 2004 und mindestens 364 Tote am 12. Januar 2006.
Für die Katastrophe vom 24. September 2015 in Mina gehen die Zahlen weit auseinander: Offiziell wurden 769 Tote genannt, andere Berichte sprechen von mehr als 2.500 bis zu 4.173 Toten. Diese Abweichung bleibt im Artikel ungeklärt.
Auch Brände, Gewalt und andere Unglücke verursachten zahlreiche Opfer. Bei der Explosion eines Gastanks in einem Zeltlager starben im Dezember 1975 138 Menschen. Ein Feuer in einer Zeltstadt bei Mina tötete am 15. April 1997 mehr als 340 Pilger. Am 20. November 1979 besetzten bis zu 500 radikale Islamisten die Große Moschee und nahmen Tausende Geiseln; nach zwei Wochen endete die Besetzung. Bei einem gewaltsamen Zusammenstoß zwischen schiitischen Pilgern und saudischen Sicherheitskräften starben am 31. Juli 1987 insgesamt 402 Menschen.
Am 11. Juli 1991 stürzte Nigeria-Airways-Flug 2120 nach dem Start in Dschidda ab; alle 261 Menschen an Bord starben. Am 11. September 2015 fiel bei starken Sturmböen ein Baukran auf die Große Moschee und tötete mindestens 107 Menschen; 238 wurden verletzt.
Während des Haddsch im Juni 2024 starben nach Angaben saudischer Behörden bei Temperaturen von teilweise mehr als 50 Grad Celsius über 1.300 Menschen an Hitze. Laut einem arabischen Diplomaten waren 658 Opfer Ägypter, weitere 800 ägyptische Pilger galten als vermisst. Als mögliche Ursache für die hohe Opferzahl nennt der Artikel, dass viele ausländische Pilger aus Kostengründen mit Touristenvisa statt mit offiziellen Haddsch-Visa einreisten und deshalb keinen Zugang zu der staatlich bereitgestellten Infrastruktur mit Abkühlungsmöglichkeiten hatten.