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Abraham

Da sich sowohl Judentum, Christentum als auch Islam auf Abraham als ihren Stammvater beziehen, werden sie auch als die drei abrahamitischen Religionen …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Stellung Abrahams
  2. 2. Aufbruch, Land und Bund
  3. 3. Isaak, Sodom und das Ende der Erzählung
  4. 4. Abraham in weiteren biblischen Texten und historische Einordnung
  5. 5. Abraham im Christentum und in der Forschung
  6. 6. Weitere Überlieferungen

Bedeutung und Stellung Abrahams

Abraham ist nach Genesis 12–25 zusammen mit Isaak und Jakob einer der drei Erzväter Israels. Über Jakob, der später den Namen Israel erhält, stammen nach der biblischen Überlieferung die zwölf Stämme Israels und auch Jesus von Nazareth von ihm ab. Im Islam gelten Abraham und sein Sohn Ismael als Stammväter der Araber und als Vorfahren Mohammeds. Auch die Bahai sehen in ihm einen Vorfahren Bahāʾullāhs. Weil Judentum, Christentum und Islam sich auf Abraham als Stammvater beziehen, heißen sie abrahamitische Religionen.

Die Tora erzählt seine Geschichte in Genesis 11,27–25,10. Ihr Grundthema sind Gottes Verheißungen: zahlreiche Nachkommen, Segen und Segensmittlerschaft für andere, ein großer Name, Land, Gottes Schutz und Lohn sowie ein Bund. Der Bund ist eine dauerhafte besondere Beziehung Gottes zu Abraham und seinen Nachkommen; als Zeichen wird später die Beschneidung gefordert.

Aufbruch, Land und Bund

Terach zieht mit Abram, Sarai und Lot aus Ur in Chaldäa über Haran. Gott fordert Abram auf, in ein noch zu zeigendes Land zu ziehen, und verspricht ihm Nachkommenschaft und Segen. Mit 75 Jahren zieht er nach Kanaan. Eine Hungersnot führt ihn nach Ägypten. Dort gibt er Sarai aus Angst als seine Schwester aus; der Pharao nimmt sie zu sich, gibt sie nach göttlichen Strafen aber zurück und lässt Abram ziehen.

Wegen Streit zwischen den Hirten trennen sich Abram und Lot. Lot wählt das wasserreiche Jordantal nahe Sodom und Gomorra, Abram bleibt in Kanaan bei Hebron. Nach Lots Gefangennahme in einem Krieg befreit Abram ihn mit 318 Männern. Melchisedek von Salem segnet ihn; Abram gibt ihm den Zehnten. Die Beute des Königs von Sodom behält Abram nicht.

In Genesis 15 bekräftigt Gott Land und Nachkommenschaft durch einen Bundesschluss. Abram glaubt Gottes Zusage, seine Nachkommen würden so zahlreich wie die Sterne sein; dies wird ihm als Gerechtigkeit angerechnet. Zugleich wird angekündigt, dass seine Nachfahren 400 Jahre vertrieben und in Knechtschaft leben, danach aber nach Kanaan zurückkehren werden. Das zugesagte Land reicht vom Grenzbach Ägyptens bis zum Eufrat.

Da Sarai kinderlos ist, bekommt Abram mit ihrer Sklavin Hagar den Sohn Ismael; Abram ist bei dessen Geburt 86 Jahre alt. Als Abram 99 ist, werden Abram und Sarai in Abraham und Sara umbenannt. Gott verheißt ihnen Isaak, mit dem der ewige Bund aufgerichtet werden soll, und verspricht zugleich Ismael ein großes Volk. Abraham beschneidet sich und alle Männer seines Hauses.

Isaak, Sodom und das Ende der Erzählung

In Mamre erscheinen Abraham drei Männer; Abraham erweist ihnen beispielhafte Gastfreundschaft. Sie kündigen Sara einen Sohn an. Sara lacht skeptisch wegen ihres hohen Alters; dieses Lachen bereitet den Namen Isaak vor, der „er lacht/lächelt“ bedeutet.

Abraham bittet Gott, Sodom zu verschonen, falls sich dort Gerechte finden. Er handelt die Zahl von 50 auf 10 Gerechte herunter. Sodom und Gomorra werden dennoch zerstört. Lot und seine Familie werden gerettet; Lots Frau erstarrt zur Salzsäule, weil sie sich entgegen dem Gebot umblickt.

In Gerar gibt Abraham Sara erneut als Schwester aus. König Abimelech gibt sie nach einer göttlichen Warnung zurück, bietet Abraham Wohnrecht an und schließt mit ihm Frieden. Abrahams Fürbitte heilt Abimelech und die Frauen seines Hofes von Unfruchtbarkeit. Sara gebiert Isaak, als Abraham 100 Jahre alt ist. Hagar und Ismael werden auf Saras Wunsch fortgeschickt, erhalten aber die Zusage, dass auch aus Ismael ein großes Volk entsteht.

Den Höhepunkt bildet die Bindung Isaaks: Gott befiehlt Abraham, Isaak auf einem Berg im Land Moria zu opfern. Im letzten Augenblick opfert Abraham stattdessen einen von Gott gegebenen Widder; die Verheißungen werden durch einen Schwur bestätigt. Nach jüdischer Überlieferung ist Moria der Tempelberg in Jerusalem. Sara stirbt mit 127 Jahren und wird in der Höhle Machpela bei Hebron begraben. Abraham stirbt im Alter von 175 Jahren und wird dort von Isaak und Ismael bestattet. Nach Genesis 25 hat er mit Ketura außerdem Simran, Jokschan, Medan, Midian, Jischbak und Schuach.

Abraham in weiteren biblischen Texten und historische Einordnung

Außerhalb von Genesis 12–50 wird Abraham 44-mal erwähnt, meist zusammen mit Isaak und Jakob. Josua 24 erinnert daran, dass Terach und die Vorfahren einst anderen Göttern dienten und Gott Abraham nach Kanaan führte. Jesaja 51 macht Abraham und Sara zu Beispielen dafür, dass Gott aus einem Einzelnen viele machen kann. Jesaja 41 nennt Israel den „Samen Abrahams“ und verbindet Abraham mit Erwählung und Rückkehr aus dem Exil. Jesaja 63 relativiert die Abstammung von Abraham und Jakob gegenüber Gott als dem eigentlichen Vater und Erlöser.

Ezechiel 33 weist den Landanspruch von Judäern zurück, die ihn mit Abraham begründen, weil ihr Verhalten dem widerspricht. Psalm 105 versteht Gottes Bund mit Abraham und die Landverheißung als Motor der Volksgeschichte. Nehemia 9 betont Abrahams Erwählung, seine Führung aus Ur und die Landnahme. Micha 7 verweist auf Gottes Abraham erwiesene Gnade, 2. Chronik 20 nennt Abraham Gottes Freund.

Für die tatsächliche Existenz Abrahams gibt es außerhalb biblischer Erzählungen und davon abhängiger Traditionen keine Nachweise. Die erzählten Verhältnisse erlauben keine eindeutige historische Datierung. Die Erzählzeit wird allgemein an den Beginn des 2. Jahrtausends v. Chr. gesetzt; Israel Finkelstein und Neil A. Silberman verweisen jedoch auf Anachronismen, die für eine späte Entstehung der Texte sprechen. Alexander Rauch stellte 2021 eigene Deutungen des Namens und der Altersangaben zur Diskussion; diese sind als Forschungsposition dargestellt.

Abraham im Christentum und in der Forschung

Im Neuen Testament erscheint Abraham in zwei unterschiedlichen Stammlinien Jesu: Matthäus 1,1–17 nennt 41 Namen, Lukas 3,23–38 je nach Version 56 oder 57. Er gilt als „Vater des Glaubens“. Im Gleichnis vom reichen Mann und Lazarus wird Lazarus nach seinem Tod in „Abrahams Schoß“ aufgenommen. Paulus erklärt in Römer 4, dass Abraham die Verheißungen nicht durch Gesetzeswerke, sondern durch Glaubensgerechtigkeit erhielt. Galater 4 deutet Hagar und Ismael als Bild für Knechtschaft, Sara und Isaak als Bild für Verheißung und Freiheit. Hebräer 11 beschreibt Abraham als Glaubenszeugen.

Die evangelische Literarkritik untersucht, aus welchen Textschichten die Abrahamserzählung zusammengesetzt ist. Erhard Blum unterscheidet eine vordeuteronomistische Komposition, D-Bearbeitungen und eine priesterliche Schicht. Hartmut Gese hält dagegen an vorexilischen Quellen der klassischen Quellentheorie fest und ordnet mehrere Erzählungen als Vorwegnahmen späterer biblischer Themen ein, etwa Exodus, Landgabe oder Zion. Matthias Köckert datiert im Vergleich zu beiden deutlich mehr Stoff in die Perserzeit, darunter Genesis 14, den Bund in Genesis 15 und die Bindung Isaaks.

Kirchliche Gedenktage sind unter anderem der 9. Oktober in katholischer und orthodoxer Tradition; in der evangelischen Perikopenordnung ab Advent 2018 sind zahlreiche Texte aus Genesis 12–22 als Predigt- oder weitere Texte vorgesehen.

Weitere Überlieferungen

Die im Einleitungsteil genannte Stellung Abrahams im Islam wird im vorliegenden Text nicht weiter ausgeführt. Die Behauptung, Abraham sei mit dem hinduistischen Schöpfergott Brahma identisch, wird Godfrey Higgins und Alexander Seinfeld zugeschrieben.

Zu Abraham zugeschriebene außerkanonische Schriften zählen die wahrscheinlich aus dem 1.–2. Jahrhundert stammende Abraham-Apokalypse über seine Himmelfahrt sowie das wahrscheinlich im 2. Jahrhundert entstandene Testament Abrahams über eine Himmelsreise vor seinem Tod. Das Buch Abraham gehört zur Köstlichen Perle der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage.

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