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Die Kaaba – Wie entstand das wichtigste Heiligtum des Islam? | Terra X

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  1. Wenn Menschen hier überleben wollen, müssen sie selbst ihre Haustiere klug wählen. Dromedare etwa: Ihr Organismus ist perfekt an das Leben in der Wüste angepasst.
  2. Sie sind das ideale Transport-Tier für Nomaden und Händler, wie die Nabatäer. Sie siedeln seit 500 vor Christus im Norden der arabischen Halbinsel und haben sich auf den Handel mit Weihrauch spezialisiert.
  3. Gewonnen wird er aus dem Harz eines Baumes, der weit im Süden gedeiht. In der gesamten antiken Welt wird das wohlriechende Harz als kostbare Opfergabe, bei Kulthandlungen und zu Heilzwecken verwendet; bis nach Europa gelangen die Lieferungen.
  4. Die Nabatäer kontrollieren den Handel, vom heutigen Jemen über ihren Handelsposten Mada’in Salih bis zu ihren Siedlungsgebieten im Norden der Arabischen Halbinsel. Wie reich der Weihrauch sie gemacht hat, zeigt sich eindrucksvoll in ihrer Metropole Petra im heutigen Jordanien.
  5. Um die Zeitwende zählt die Stadt mit ihren monumentalen, aus dem Fels herausgeschlagenen Gräbern 40.000 Einwohner. Eine ganz ähnliche Architektur findet sich auch in Mada’in Salih, dem südlichsten Außenposten des Nabatäerreiches.
  6. Hier wurden vor über 2.000 Jahren mehr als 100 Monumentalgräber in den Fels gehauen. Darstellungen von Menschen oder Göttern sind nur selten zu sehen. Meist finden sich lediglich geometrische Formen und Linien als Schmuck der Gräber.
  7. Die Religion der Nabatäer gibt bis heute Rätsel auf. Eine der Besonderheiten dieser Religion ist, dass sie nicht wie üblich nur auf Gottheiten und Darstellungen von Gottheiten basiert,
  8. sondern dass sie einen Kult entwickelt hat, den man als eine Art Steinkult bezeichnen kann. Ungewöhnliche Steinformationen in der Natur, oder einzelne auffällige Steine, die unbearbeitet blieben, können zum Gegenstand der Anbetung werden.
  9. Mit den Handelskarawanen der Nabatäer kommen religiöse Einflüsse aus anderen Kulturen auf die Arabische Halbinsel. Die Götterwelt der Griechen und Römer ebenso, wie der EINE Gott der Juden und Christen.
  10. All diese Religionen existieren weitgehend friedlich nebeneinander. Nahe dem heutigen Mekka liegt damals ein Knotenpunkt der Handelskarawanen.
  11. Aber der Ort ist auch ein religiöser Treffpunkt für die Beduinen-Stämme der Umgebung. Ein einfaches quaderförmiges Gebäude, das der Legende nach schon seit Anbeginn der Menschheit dort steht,
  12. ist das Ziel von Pilgerfahrten, lange bevor Mekka zum Zentrum der islamischen Welt wird. Schon damals entwickelt sich um das Heiligtum herum eine regelrechte Wallfahrtsindustrie.
  13. Die Händler leben gut von den Pilgern. Man muss sich vorstellen, dass Menschen zu bestimmten Orten oder Bäumen oder Steinen oder eben zu diesem Würfel der Kaaba pilgerten,
  14. weil sie sich davon etwas versprachen. Ich gehe hin. Ich vollziehe gewisse Riten, ich spende vielleicht auch etwas, und dafür erhalte ich Segen oder vielleicht die Hilfe einer Gottheit.
  15. Im Inneren der Kaaba wurden damals ganz unterschiedliche Gottheiten verehrt. Wetter- und Fruchtbarkeits-Götter einer Naturreligion, aber auch der Gott von Juden und Christen, Jesus sowie frühe christliche Heilige.
  16. Besondere Verehrung aber genoss dort von alters her ein schwarzer Stein, der göttlichen Ursprungs sein soll. Mekka war multireligiös, es gab unterschiedliche Religionen, Weltanschauungen würde man heute auch sagen.
  17. Aber was die Gesellschaft zusammengehalten hat, war nicht die Religion, sondern die Stammesloyalitäten. Das heißt, da waren verschiedene Stämme und jeder Stamm hatte seine eigenen, auch Gesetze.
  18. Es gab kein allgemein gültiges Gesetz für alle, sondern die Stämme, die sich öfters auch gegenseitig bekriegt haben in Konkurrenz um die Vormachtstellung dort auf der Arabischen Halbinsel. Im siebten Jahrhundert nach Christus macht in Mekka ein Mann von sich Reden, dem es am Ende gelingen sollte,
  19. die verfeindeten Stämme Arabiens zu einen und große Teile der Welt für immer zu verändern: Mohammed! Ein Engel habe ihm göttliche Botschaften übermittelt, so der Glaube der Muslime.
  20. Bald schon lockt der charismatische Prophet mehr und mehr Zuhörer an. Seine Lehre ist in Arabien nicht ganz unbekannt. Sie handelt von dem EINEN Gott, der die Geschicke der Welt und der Menschen bestimmt.
  21. Die zentrale Lehre lautet, und hier sind die Gemeinsamkeiten mit Juden und Christen eigentlich sehr deutlich zu sehen, dass es einen Gott gibt, einen einzigen, der die Menschen geschaffen hat, wie auch alles andere.
  22. Der über sie wacht, von ihnen Gehorsam erwartet, am Ende der Zeit Gericht über sie hält und sie entweder in die Hölle schickt oder in das Paradies aufnimmt, in seine Nähe. Mohammed wendet sich gegen die Vielgötterei in Mekka, was weder bei den dortigen Priestern, noch bei den Händlern gut ankommt.
  23. Schließlich leben sie gut von den Pilgerströmen. Es kommt zum Streit. Der Prophet wird mit seinen Anhängern aus Mekka vertrieben.
  24. Er flieht nach Medina, wo er Schreibern die Botschaften seiner göttlichen Offenbarung diktiert haben soll. Nach seinem Tod werden sie geordnet und zu einem Buch zusammengefasst: dem Koran.
  25. Mohammed wird zum Stifter einer neuen Religion und schließlich eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der Weltgeschichte. Denn acht Jahre später kehrt Mohammed mit bewaffneten Kriegern nach Mekka zurück.
  26. Fast ohne Widerstand nehmen sie die Stadt ein und machen sich sofort daran die Götterbilder um und in der Kaaba zu zerstören. Auch aus Privathäusern müssen die Kultfiguren entfernt werden. Wer von den Bewohnern dem Prophet nicht folgen will, muss die Stadt binnen einer Frist verlassen.
  27. Den schwarzen Stein aber verschont der Prophet, als er die Kaaba zum Mittelpunkt seines Ein-Gott-Glaubens macht. Der Legende nach fügt Mohammed ihn persönlich in die östliche Ecke des Bauwerkes ein.
  28. Mittlerweile umgibt eine riesige Moschee das quaderförmige Heiligtum, das von Muslimen „das Haus Gottes“ genannt wird.

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