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Islam

Der Islam ist eine monotheistische Religion, die im frühen 7. Jahrhundert in Arabien durch den Mekkaner Mohammed gestiftet wurde.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundlagen und Bedeutung
  2. 2. Die fünf Säulen und der Glaube
  3. 3. Islamische Glaubenslehren
  4. 4. Entstehung und weltweite Ausbreitung
  5. 5. Richtungen und religiöse Strömungen
  6. 6. Verhältnis zu anderen Religionen

Grundlagen und Bedeutung

Der Islam ist eine monotheistische Religion, die im frühen 7. Jahrhundert in Arabien durch den Mekkaner Mohammed gestiftet wurde. Mit über 2 Milliarden Angehörigen ist er nach dem Christentum mit etwa 2,5 Milliarden Angehörigen die Weltreligion mit der zweitgrößten Mitgliederzahl. Ein Angehöriger heißt Muslim; die Bezeichnungen „Moslems“ oder „Muslime“ sowie „Muslimas“ oder „Musliminnen“ sind im Deutschen gebräuchlich.

Der Begriff Islam bedeutet wörtlich „Sich-Ergeben“, „Sich-Unterwerfen“ oder „Sich-Hingeben“ in den Willen Gottes. Der Islam wird als abrahamitische, prophetische Offenbarungs- und Buchreligion bezeichnet. Seine wichtigste textliche Grundlage ist der Koran, der als dem Propheten Mohammed offenbarte Rede Gottes gilt. Die zweite Grundlage bilden die Hadithe, also Überlieferungen über Mohammeds Aussagen und Handlungen. Zusammen mit der Sunna, der vorbildhaften Handlungsweise Mohammeds, bilden sie die Grundlage der Scharia, der religiösen Normen und des religiösen Gesetzes.

Heute leben mehr als zwei Drittel aller Muslime in Indonesien (12,9 %), Pakistan (11,1 %), Indien (10,3 %), Bangladesch (9,3 %), Ägypten und Nigeria (je 5 %), Iran und Türkei (je 4,7 %), Algerien (2,2 %) sowie Marokko (etwa 2 %). Die Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) mit Sitz in Dschidda umfasst 56 Staaten. Teilweise muslimisch geprägte europäische Länder sind Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Nordmazedonien und die Türkei.

Im Koran kommt der Begriff Islam achtmal vor. Dort wird Islam als von Gott erwählte Religion bezeichnet. Der Koran unterscheidet außerdem zwischen Islam und Īmān, dem Glauben: Ein Mensch kann den Islam angenommen haben, ohne dass der Glaube bereits in sein Herz eingegangen ist. Das Verhältnis beider Begriffe wurde in der islamischen Theologie nie vollständig geklärt.

Die fünf Säulen und der Glaube

Nach dem Gabriel-Hadith besteht der Islam aus fünf Hauptpflichten, den sogenannten fünf Säulen:

  • Schahāda: das islamische Glaubensbekenntnis.
  • Salāt: das rituelle Pflichtgebet.
  • Zakāt: die verpflichtende Almosensteuer.
  • Saum: das Fasten im Ramadan.
  • Haddsch: die Pilgerfahrt nach Mekka.

Die Schahāda lautet: „Ich bezeuge, dass es keine Gottheit außer Gott gibt und dass Mohammed der Gesandte Gottes ist.“ Sie bekennt den Monotheismus, Mohammeds prophetische Sendung und den Koran als Offenbarung.

Das rituelle Gebet wird fünfmal täglich verrichtet: vor Sonnenaufgang, mittags, nachmittags, bei Sonnenuntergang und bei Einbruch der Nacht. Vorher erfolgen der Gebetsruf und eine rituelle Waschung. Die Betenden richten sich zur Kaaba in Mekka aus, rezitieren unter anderem die erste Koransure und vollziehen Verbeugungen und Niederwerfungen. Am Freitag wird das Mittagsgebet durch ein gemeinsames Freitagsgebet in der Moschee ersetzt, das von einer Predigt begleitet wird. Für Männer ist es verpflichtend, für Frauen wird es empfohlen.

Die Zakāt wird von psychisch gesunden, freien, erwachsenen und finanziell dazu fähigen Muslimen gezahlt. Je nach Einkunftsart und Besteuerungsgrundlage beträgt sie zwischen 2,5 und 10 Prozent. Sie unterstützt unter anderem Arme, Sklaven, Schuldner und Reisende und gilt als Mittel zur Umverteilung von Reichtum.

Im Ramadan wird von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang auf Essen, Trinken, Rauchen und ehelichen Verkehr verzichtet; außerdem soll Enthaltsamkeit im Verhalten geübt werden. Der islamische Kalender verschiebt sich gegenüber dem gregorianischen Kalender jedes Jahr um elf Tage. Der Ramadan endet mit dem Fest des Fastenbrechens.

Der Haddsch findet im Mondmonat Dhū l-Hiddscha statt und ist für jeden Muslim, der dazu finanziell und gesundheitlich in der Lage ist, mindestens einmal im Leben verpflichtend. Zu den Riten gehören die Versammlung in ʿArafāt am 9. Dhū l-Hiddscha, die Riten von Muzdalifa und Minā sowie das siebenmalige Umschreiten der Kaaba. Ein Besuch der Prophetenmoschee in Medina kann angeschlossen werden, ist aber kein fester Bestandteil des Haddsch.

Islamische Glaubenslehren

Nach der auf ʿUmar ibn al-Chattāb zurückgeführten Version des Gabriel-Hadith umfasst der Glaube sechs Punkte: den Glauben an Gott, seine Engel, seine Bücher, seine Gesandten, den Jüngsten Tag und die Vorherbestimmung des Guten und des Schlechten. Sure 4:136 nennt dieselben Punkte mit Ausnahme der Vorherbestimmung. Eine auf Abū Huraira zurückgeführte Parallelversion nennt dagegen fünf Punkte: den Glauben an Gott, seine Engel, die Begegnung mit Gott, seine Gesandten und die Auferstehung. Diese unterschiedlichen Überlieferungen werden im Artikel nebeneinandergestellt.

Was genau zum islamischen Glauben gehört, ist zwischen theologischen Schulen umstritten. Auch die Bedeutung und das Verhältnis von Islam und Īmān wurden unterschiedlich beurteilt. Eine weitere Definition versteht Islam umfassender als die fünf Pflichten und zählt alle im Koran genannten Pflichten dazu. Seit dem frühen 20. Jahrhundert präsentieren verschiedene politische Bewegungen den Islam außerdem als umfassendes System, das nicht nur Religion und Gottesdienst, sondern auch Staat, Gesellschaft, Arbeit und politische Ordnung regeln soll. Diese Bewegungen werden unter dem Begriff „Politischer Islam“ zusammengefasst.

Entstehung und weltweite Ausbreitung

Nach der arabischen Überlieferung begann Mohammeds Berufung am Berg Hira bei Mekka durch den Engel Gabriel. Zunächst verkündete er die Offenbarungen nur in der Familie und unter wenigen Freunden; ungefähr 613 begann die öffentliche Predigt. Die Botschaft eines kompromisslosen Monotheismus stieß im henotheistisch geprägten Mekka zunächst auf Widerstand. Einige Muslime wanderten deshalb in das Aksumitische Reich aus.

Nach Kontakten mit Männern aus Yathrib wurde Mohammed 622 zur Übersiedlung in die Stadt eingeladen. Diese Hidschra wurde später als Beginn der islamischen Zeitrechnung festgelegt. In Yathrib, dem späteren Medina, entstand durch die Gemeindeordnung von Medina eine politische und religiöse Gemeinschaft. Nach Konflikten mit jüdischen Stämmen und militärischen Auseinandersetzungen mit Mekka nahmen die Muslime Mekka im Januar 630 ein. Bis zu Mohammeds Tod im Juni 632 unterwarfen sich fast alle Stämme der Arabischen Halbinsel seiner Autorität. Eine Absetzbewegung und Gegenpropheten nach seinem Tod wurden militärisch niedergeschlagen.

Unter den Kalifen ʿUmar ibn al-Chattāb und ʿUthmān ibn ʿAffān eroberten Muslime bis zur Mitte des 7. Jahrhunderts den Irak, Syrien und Palästina (jeweils bis 636/638), Ägypten (640/642) und große Teile Irans (642/651). Christen, Juden und Zoroastrier mussten nicht sofort konvertieren. Als „Schutzbefohlene“ erhielten sie Schutz von Leben und Eigentum sowie eingeschränkte Religionsausübung, mussten aber die Dschizya zahlen und waren rechtlich nicht gleichgestellt. Später nahm der soziale Druck zu; die Islamisierung der Bevölkerung zog sich über Jahrhunderte hin.

Nach dem Herrschaftsantritt der Abbasiden um die Mitte des 8. Jahrhunderts verlor die militärische Expansion an Dynamik. Dafür verbreitete sich der Islam durch Handel, Ehen und die Ansiedlung muslimischer Kaufleute an den Küsten des Indischen Ozeans, in Ostafrika, Westafrika und Osteuropa. Im 11. und 12. Jahrhundert wurde die ostafrikanische Küste von Handelszentren wie Kilwa aus islamisiert. Türkische Herrscher und Ghāzī-Kämpfer trugen die Religion weiter nach Zentralasien, Nordindien und Anatolien. Die Karachaniden konvertierten um 950; Mahmud von Ghazni leitete die islamische Eroberung Indiens ein, und 1209 entstand mit dem Sultanat von Delhi der erste islamische Staat auf indischem Boden. Alp-Arslan besiegte 1071 bei Manzikert das byzantinische Heer und leitete damit die Islamisierung Kleinasiens ein.

Die Mongolen trugen langfristig ebenfalls zur Islamisierung Asiens bei. Die Ilchane im Iran gingen Ende des 13. Jahrhunderts wieder zum Islam über. In der Goldenen Horde förderte Usbek Khan im frühen 14. Jahrhundert die Islamisierung. Im Yuan-Reich in China verbreiteten muslimische Soldaten und Statthalter den Islam; 1335 wurde er als „Qing Zhenjiao“, „reine und wahre Religion“, anerkannt.

In Europa wurde der Islam durch die Reconquista und die normannische Eroberung Siziliens zurückgedrängt. Die letzten Muslime der Iberischen Halbinsel wurden zwischen 1609 und 1614 vertrieben. Gleichzeitig islamisierte sich unter dem Osmanischen Reich ein Teil Südosteuropas. In Südostasien entstanden durch Seehandel und die Konversion von Herrschern islamische Staaten: Perlak und Pasai in den 1290er Jahren, Malakka 1413, Patani ab 1457 und Demak um 1475. Java wurde über mehrere Jahrhunderte islamisiert; eine wichtige Rolle spielten dabei religiöse Internatsschulen, die Pesantren.

Im 19. Jahrhundert verbreitete sich der Islam unter anderem durch den Sklavenhandel, koloniale Verkehrswege, muslimische Händler und Vertragsarbeiter. So entstanden muslimische Gemeinden in Ostafrika, Südafrika, Europa und Australien. In Broken Hill wurde 1892 die erste australische Moschee errichtet. Europäische Kolonialmächte standen der weiteren Ausbreitung des Islams jedoch teilweise ablehnend gegenüber.

Richtungen und religiöse Strömungen

Im Islam entstanden zahlreiche religiöse und politische Richtungen. Die älteste Strömung sind die Charidschiten. Sie lehnten ʿUthmān und ʿAlī als Kalifen ab und vertraten die Auffassung, dass unabhängig von Herkunft oder Ethnie der „beste Muslim“ Kalif werden solle. Von ihren Untergruppen überlebten nur die gemäßigten Ibaditen, heute mit weniger als zwei Millionen Anhängern vor allem in Oman, der algerischen Sahara, auf Djerba, im libyschen Dschabal Nafusa und in Sansibar.

Die Schia, die „Partei Alis“, entstand aus der Überzeugung, dass nach Mohammeds Tod ʿAlī ibn Abī Tālib und nicht Abū Bakr Kalif hätte werden müssen. Die größte Gruppe sind die Zwölfer-Schiiten. Sie glauben an eine Weitergabe des Imamats durch zwölf Nachkommen Mohammeds; der zwölfte Imam Muhammad al-Mahdī sei Ende des 9. Jahrhunderts verschwunden und werde am Ende der Zeiten wiederkehren. Weitere schiitische Gruppen sind Ismailiten, Zaiditen, Nusairier und Aleviten. Das Verhältnis von Aleviten und Drusen zum Islam wird unterschiedlich beurteilt.

Das Sunnitentum bildete sich zwischen dem späten 9. und frühen 10. Jahrhundert als Gegenbewegung zur Schia und zur Muʿtazila heraus. Sunniten verehren die ersten vier Nachfolger Mohammeds als rechtgeleitete Kalifen. Sie beziehen sich auf die sechs kanonischen Hadith-Sammlungen, besonders auf den Sahīh al-Buchari, und akzeptieren eine bestimmte Zahl anerkannter Koranlesarten. Mit etwa 85 Prozent bilden sie die größte islamische Gruppierung. Die wichtigsten sunnitischen theologischen Schulen sind die Aschʿarīya und die Maturīdiyya.

In der islamischen Normenlehre entwickelten sich vier sunnitische Rechtsschulen: Hanafiten, Malikiten, Schafiiten und Hanbaliten. Sie verwenden unterschiedliche Methoden wie Konsens, Analogieschluss und eigenständige Urteilsbemühung. Heute werden teilweise insgesamt acht Lehrrichtungen als rechtmäßig anerkannt, darunter auch Ibadiyya und Zaidiyya. Salafiten lehnen die Bindung an eine einzelne Rechtsschule ab.

Der Sufismus entstand im 9. Jahrhundert im Irak. Er betont Askese, Gottesgedenken, Gottvertrauen und das Streben nach dem Entwerden in Gott. Ein Scheich oder Pir leitet den spirituellen Weg; seine Schüler heißen Murīds. Sufische Heilige und ihre Grabstätten sind Ziele lokaler Wallfahrten. Wahhabitische und andere puritanische Gruppen lehnen Sufismus und Heiligenverehrung ab.

Die Ahmadiyya entstand Ende des 19. Jahrhunderts in Britisch-Indien. Ihr Gründer Mirza Ghulam Ahmad beanspruchte unter anderem, der verheißene Messias, der Mahdi und ein Mohammed nachgeordneter Prophet zu sein. Deshalb betrachten viele Muslime die Ahmadiyya als häretisch. Der Koranismus erkennt allein den Koran als Glaubens- und Rechtsquelle an und lehnt Hadithe als eigenständige Quelle ab. Im 20. Jahrhundert erhielt diese Strömung auch eine politische Dimension.

Verhältnis zu anderen Religionen

Die Einheit Gottes und die Ablehnung der Vielgötterei gehören zu den wichtigsten Grundsätzen des Islams. Polytheismus gilt als größtmögliche Sünde; nach dem Koran wird die Beigesellung anderer Götter neben Gott unter keinen Umständen vergeben.

Der Islam zählt zusammen mit Judentum und Christentum zu den abrahamitischen Religionen. Alle drei sind monotheistische Offenbarungs- und Buchreligionen. Der Islam erkennt Moses und Jesus als Propheten an, lehnt aber die christliche Trinitätslehre und die Erbsünde ab. Vom Judentum unterscheidet er sich unter anderem durch die Anerkennung Jesu als Prophet. Vom Judentum und Christentum unterscheidet er sich außerdem durch den Anspruch Mohammeds als Gesandter Gottes und Siegel der Propheten sowie durch den Koran als Gottes Wort.

Das klassische islamische Völkerrecht unterschied zwischen monotheistischen „Leuten des Buches“ und polytheistischen Religionen. Juden und Christen erhielten als Dhimmis Schutz von Leben und Eigentum und durften ihre Religion unter Einschränkungen ausüben, mussten dafür aber die Dschizya zahlen. Dieses Modell wurde später auch auf andere nichtmuslimische Gemeinschaften ausgeweitet.

Die Bahai erkennen Mohammeds Offenbarungsanspruch an und besitzen eine schriftlich fixierte Offenbarung, werden in der islamischen Welt aber meist nicht als „Volk des Buches“ anerkannt. Viele muslimische Gelehrte betrachten die Bahai-Lehre als Abfall vom Islam. Besonders stark ist die Verfolgung im schiitischen Iran.

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