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Juden

Religiöse wie nichtreligiöse Juden verstehen sich im Anschluss an die Bibel als Teil dieses Volkes, einer durch Abstammung und Geschichte verbundenen …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Definition und Zugehörigkeit
  2. 2. Israel, Juden und Judäer
  3. 3. Jüdisches Volk und vielfältige Gruppen
  4. 4. Judesein im Staat Israel
  5. 5. Antisemitischer Missbrauch der Bezeichnung
  6. 6. Bevölkerungszahlen und Entwicklung

Definition und Zugehörigkeit

Juden und Jüdinnen sind Menschen, die zum Judentum gehören. Sie verstehen sich häufig als Teil des jüdischen Volkes, einer durch Abstammung, Glauben, Geschichte und gemeinsame Erfahrungen verbundenen Gemeinschaft. Diese Gemeinschaft geht historisch auf die Israeliten zurück. Ihre Glaubenstraditionen sind im Tanach, der hebräischen Bibel, bewahrt. Auch nichtreligiöse Juden können sich dem jüdischen Volk zugehörig fühlen.

Nach der Halacha, dem in Mischna und Talmud festgehaltenen jüdischen Recht, ist jüdisch:

  • jedes Kind einer Frau, die bei der Empfängnis selbst nach der Halacha Jüdin war; dieses Prinzip heißt Matrilinearität,
  • jede Person, die regelgerecht zum Judentum übergetreten ist; dieser Übertritt heißt Gijur oder Konversion.

Ein Kind mit jüdischem Vater und nichtjüdischer Mutter muss nach der Halacha konvertieren, um als jüdisch zu gelten. Die halachische Zugehörigkeit hängt nicht davon ab, wie religiös eine Person lebt oder ob sie die Gebote der Tora befolgt. Dieser Definition folgen grundsätzlich alle Hauptrichtungen des Judentums. Das Reformjudentum in den USA erkennt seit 1983 jedoch auch Kinder eines jüdischen Vaters und einer nichtjüdischen Mutter an, wenn sie jüdisch erzogen werden.

Religiös praktizierende Juden beachten gewöhnlich wichtige Gebote wie die Beschneidung, die Sabbat-Ruhe, Speise- und Reinheitsvorschriften sowie die jüdischen Hauptfeste. Jüdische Kultur und jüdisches Leben sind dennoch sehr vielfältig und umfassen zahlreiche religiöse und nichtreligiöse Lebensweisen.

Israel, Juden und Judäer

Die später Juden genannte ethnisch-religiöse Gemeinschaft erscheint zunächst unter dem Namen „Israel“. Die älteste außerbiblische Erwähnung findet sich auf der ägyptischen Merenptah-Stele von 1208 v. Chr. In der Bibel erhält Jakob den Namen Israel; seine Nachkommen bilden die Zwölf Stämme Israels. Das Volk und sein Gebiet wurden ebenfalls Israel genannt.

Nach der biblisch überlieferten Reichsteilung trug das Nordreich den Namen Israel, während das Südreich Juda hieß. Nach dem Untergang des Nordreichs 722/720 v. Chr. wurde auch das verbliebene Juda in der biblischen Prophetie als Israel bezeichnet. Dies galt ebenso für die während des Babylonischen Exils von 587 bis 539 v. Chr. Deportierten und die später zurückgekehrte Gemeinschaft. Juden verstanden sich auch nach der Zerstörung des Jerusalemer Tempels im Jahr 70 weiterhin als Israel beziehungsweise als „Volk Israel“. Der Name bezeichnete sowohl das biblische Gottesvolk und seine Nachkommen als auch dessen unterschiedlich bestimmtes Land. Deshalb wurden „Israel“ und „Judentum“ schon lange vor der Gründung des modernen Staates Israel 1948 teilweise gleichbedeutend gebraucht.

Die Bezeichnung „Jude“ geht auf das hebräische Jehudi zurück. Sie bezeichnete zunächst Bewohner Judas, später aber eine ethnische, politische und religiöse Gemeinschaft einschließlich der Menschen, die sich ihr anschlossen. Im Hellenismus ab etwa 330 v. Chr. wurde Jehudi als Ioudaioi griechisch wiedergegeben. Antike Quellen verwendeten „Israeliten“, „Judäer“ und „Juden“ oft gleichbedeutend. Die These, „Israeliten“ sei damals die Selbstbezeichnung und „Juden“ eine abwertende Fremdbezeichnung gewesen, wird durch diese Quellen nicht gestützt.

Im Neuen Testament ist Ioudaioi überwiegend ethnisch und nicht bloß geografisch gemeint. Übersetzungen wie „Judäer“ oder „Juden“ gelten deshalb als angemessen. Im Römischen Reich wurden daraus die lateinischen Formen Iudaeus und Iudaei; das Christentum verbreitete diese Bezeichnungen in Europa.

Jüdisches Volk und vielfältige Gruppen

Der Ausdruck „jüdisches Volk“ bezeichnet keine einheitliche Rasse und auch nicht ausschließlich eine Nation, Ethnie oder Religionsgemeinschaft. Juden verschiedener Hautfarben, Nationalitäten, Kulturen und Lebensweisen können dazugehören. Grundlage des Zusammengehörigkeitsgefühls sind eine gemeinsame Geschichte sowie Solidarität mit bedrohten oder verfolgten Juden. Die jüdischen Schriften betonen zudem die Mitverantwortung jedes Einzelnen für die Gemeinschaft.

Die Tora erklärt die Zusammengehörigkeit erzählerisch durch die gemeinsame Abstammung der Israeliten von Abraham, Isaak und Jakob. Die Bezeichnung als „erwähltes Volk“ bedeutet in der Bibel nicht eine angebliche Überlegenheit. Gemeint ist der besondere Auftrag, den einen Schöpfer bekannt zu machen, die Tora zu erfüllen und Gottes Befreiungswillen zu dienen. Nichtjuden deuteten die Erwählung jedoch teilweise als Arroganz und verwendeten diese Fehlinterpretation zur Abwertung von Juden.

Zu den nach regionaler Herkunft unterschiedenen Gruppen gehören die Aschkenasim, also europäische Juden, die Mizrachim oder orientalischen Juden, die Sephardim aus dem osmanischen und nordafrikanischen Raum, die Cochin-Juden aus Südindien und die Falaschen aus Äthiopien. Die Chasaren waren ein Volk, das zum Judentum übertrat. Eine Sondergruppe bilden die Karäer. Daneben gibt es ethnische Gruppen, die sich selbst als jüdisch verstehen, nach der Halacha aber nicht anerkannt werden. Viele in Israel geborene Juden ordnen sich keiner besonderen Gruppe mehr zu.

Judesein im Staat Israel

Die israelische Unabhängigkeitserklärung bezeichnet Israel als „Staat des jüdischen Volkes“ und sichert zugleich allen Staatsbürgern unabhängig von Religion oder Nationalität gleiche Rechte zu. Nach dem Rückkehrgesetz von 1950 können Juden und Jüdinnen nach Israel einwandern und die Staatsangehörigkeit erhalten.

Israelische Ausweisdokumente unterscheiden zwischen Nationalität („le’om“) und Religionszugehörigkeit. Über die religiöse Zuordnung sowie das Ehe- und Scheidungsrecht entscheiden regionale und lokale Rabbinatsgerichte, die mit orthodoxen Rabbinern besetzt sind. Sie erkennen als jüdisch nur Kinder jüdischer Mütter und Personen an, deren Konversion den Regeln der Halacha entspricht.

Zwischen diesem orthodox-religiösen Verständnis und dem staatlich-säkularen Verständnis von Judesein entstanden seit den 1950er Jahren wiederholt Konflikte. Nach Urteilen des Obersten Gerichts wurden das Rückkehrgesetz und das Registrierungsgesetz mehrfach geändert. Seit 1970 dürfen sich auch Personen mit einem jüdischen Großelternteil, im Ausland zum Judentum konvertierte Personen und deren Familienmitglieder hinsichtlich der Nationalität als Juden registrieren lassen. Seit 2011 können Menschen, deren Religion als „jüdisch“ eingetragen ist, diesen Eintrag in „religionslos“ ändern lassen.

Antisemitischer Missbrauch der Bezeichnung

Die Wörter „Jude“ und „Jüdin“ sind an sich normale Bezeichnungen. Im Antisemitismus wurde die Sammelbezeichnung „die Juden“ beziehungsweise der kollektiv gemeinte Singular „der Jude“ jedoch mit negativen Vorurteilen verbunden. Antisemiten machten Juden zu „den Anderen“ und zu einem angeblichen Feindbild, das aus ihrer Weltordnung ausgeschlossen werden müsse. Die äußerste historische Folge war der Holocaust: NS-Deutschland ermordete mindestens sechs Millionen Juden in Europa, mehr als ein Drittel der damaligen jüdischen Weltbevölkerung.

„Du Jude“ wird bis heute beispielsweise auf Schulhöfen und Fußballplätzen als Beleidigung benutzt. Die Antisemitismusforschung bewertet dies als Fortsetzung antisemitischer Ausgrenzung.

2022 entstand eine Debatte über einen damaligen Hinweis im Duden, wonach manche Menschen wegen des nationalsozialistischen Sprachgebrauchs Ersatzformulierungen wie „Menschen jüdischen Glaubens“ bevorzugten. Kritiker betonten, dass diese Formulierung nichtreligiöse Juden ausschließt und dass die Nationalsozialisten nicht nur gläubige Juden verfolgten. Josef Schuster vom Zentralrat der Juden in Deutschland erklärte, das Wort „Jude“ sei für ihn weder ein Schimpfwort noch diskriminierend. Der Duden änderte daraufhin seinen Hinweis: Er verweist nun auf den antisemitischen Missbrauch in Geschichte und Gegenwart, stellt aber zugleich fest, dass „Jude“ und „Jüdin“ weithin selbstverständlich verwendet und nicht als problematisch empfunden werden. Alternative Formulierungen sind nur je nach Zusammenhang passend; „Menschen jüdischen Glaubens“ bezeichnet ausschließlich den religiösen Zusammenhang.

Bevölkerungszahlen und Entwicklung

Die Zahl der Juden weltweit hängt von der verwendeten Definition ab. Das American Jewish Year Book zählt zur jüdischen Kernbevölkerung Menschen, die sich selbst nach Abstammung und Religion als Juden verstehen und diese Identität von anderen kollektiven Identitäten unterscheiden. Menschen jüdischer Abstammung, die einer anderen Religion folgen, sowie nichtjüdische Familienangehörige werden nicht mitgezählt. Diese strenge Definition kann zu niedrigen Schätzungen führen, weil mehr Menschen mehrere kulturelle oder religiöse Identitäten besitzen.

Das Pew Research Center verwendete für die USA bis 2020 eine weitere Definition. Es berücksichtigte unter anderem Kinder mindestens eines jüdischen Elternteils, nichtjüdische Angehörige und Menschen, die sich aus ethnischen oder kulturellen Gründen als jüdisch bezeichneten. Für Israel richtete es sich nach dem Rückkehrgesetz. 2024 kehrte das Institut zu einer strengen Definition zurück, die nur Menschen umfasst, die ihre Religion ausschließlich als jüdisch angeben. Das israelische Central Bureau of Statistics zählt dagegen entsprechend der Halacha Kinder jüdischer Mütter und von orthodoxen Gerichten anerkannte Konvertiten.

Die Jewish Virtual Library nennt 7,8 Millionen Juden für 1880, 16,73 Millionen für 1939 und nur noch 11,0 Millionen für 1945. Danach stieg die Zahl langsam: von 11,5 Millionen 1948 über 14,05 Millionen 2010 auf 16,78 Millionen 2023 und 17,14 Millionen 2024. Damit wurde 2023 erstmals wieder annähernd das Niveau vor dem Zweiten Weltkrieg erreicht.

Im Oktober 2024 lebten 41,7 % aller Juden in Israel und 36,8 % in den USA; nur 21,5 % verteilten sich auf die übrige Welt. Die größten Bevölkerungen waren 7,15 Millionen in Israel und 6,3 Millionen in den USA. Es folgten Frankreich mit 438.500, Kanada mit 400.000, das Vereinigte Königreich mit 313.000, Argentinien mit 170.000, Deutschland mit 125.000, Russland mit 123.000 und Australien mit 117.000. Regional lebten 2024 etwa 7,8 Millionen Juden in Asien, 6,72 Millionen in Nordamerika und 1,3 Millionen in Europa.

Europas jüdische Bevölkerung und ihr Anteil an der jüdischen Weltbevölkerung gingen seit 1945 weiter zurück. Nach Angaben des Pew Research Center sank die Zahl von 9,5 Millionen beziehungsweise 57 % im Jahr 1939 auf 1,1 Millionen beziehungsweise 10 % im Jahr 2010. Als Hauptgründe nennt der Artikel die Auswanderung aus der früheren Sowjetunion und den früheren Ostblockstaaten sowie wachsenden Antisemitismus im übrigen Europa.

Von 2010 bis 2020 nahm die jüdische Weltbevölkerung um weniger als eine Million beziehungsweise 6 % zu und wuchs damit etwa halb so schnell wie die gesamte Weltbevölkerung mit 12 %. In Israel steigt die Zahl um ungefähr 100.000 Menschen jährlich; die Geburtenrate liegt dort seit Jahrzehnten bei durchschnittlich drei Kindern je Mutter. Zuletzt lag auch in der jüdischen Diaspora die durchschnittliche Geburtenrate über derjenigen der jeweiligen nichtjüdischen Umgebung. Der Demograf Sergio Della Pergola prognostizierte im Juni 2025, die jüdische Weltbevölkerung werde erst zwischen 2035 und 2045 wieder vollständig den Umfang vor dem Holocaust erreichen; künftig werde die Mehrheit der Juden in Israel leben.

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