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Bibel

Die christliche Bibel ist das am häufigsten gedruckte und publizierte und in die meisten Sprachen übersetzte schriftliche Werk der Welt.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundbedeutung und Aufbau
  2. 2. Tanach und Textgeschichte
  3. 3. Teile des Tanach
  4. 4. Christliche Bibel
  5. 5. Deutung, Übersetzung und Verbreitung
  6. 6. Islam und Bibelkritik

Grundbedeutung und Aufbau

Die Bibel ist die wichtigste religiöse Textsammlung des Judentums und des Christentums. Gläubige verstehen sie als göttlich inspiriert oder mindestens als verbindlichen Maßstab für Glauben, Lebensführung und Kultur. Jüdische und christliche Bibel sind nicht einfach dasselbe Buch: Sie haben sich historisch gegenseitig beeinflusst und sind teilweise auch in Abgrenzung voneinander entstanden.

Die jüdische Bibel heißt Tanach. Sie besteht aus drei Teilen: Tora („Weisung“), Neviim („Propheten“) und Ketuvim („Schriften“). Die christliche Bibel besteht aus Altem Testament und Neuem Testament. Das Christentum übernahm die heiligen Schriften Israels und weitere frühjüdische Texte als Altes Testament und fügte eigene Schriften hinzu, die als Neues Testament kanonisch wurden.

Die christliche Bibel ist das am häufigsten gedruckte, publizierte und in die meisten Sprachen übersetzte schriftliche Werk der Welt. Zitiert wird die Bibel nicht nach Seitenzahlen, sondern nach Buch, Kapitel und Vers, damit verschiedene Ausgaben und Übersetzungen vergleichbar bleiben.

Tanach und Textgeschichte

Der Tanach wurde überwiegend auf Hebräisch verfasst, kurze Passagen auf Aramäisch. Seine heute maßgebliche Textform ist die masoretische Textgruppe. Dieser Text durchlief einen langen Normierungsprozess, der im 8./9. Jahrhundert n. Chr. abgeschlossen war. Die Masora ergänzte den älteren hebräischen Konsonantentext durch Vokal- und Akzentzeichen sowie weitere Hilfen zum Textverständnis.

Die Textgeschichte war nicht einlinig. Neben dem masoretischen Text gab es ältere oder abweichende Fassungen, etwa in der Septuaginta, im samaritanischen Pentateuch und unter den Schriftrollen vom Toten Meer. Die Funde aus Qumran zeigen, dass mehrere antike Textformen nebeneinander existierten. Deshalb gilt eine Suche nach einem einzigen „Urtext“ heute als methodisch problematisch.

„Kanon“ bedeutet „Richtschnur“ oder „Richtmaß“. Im Judentum wurden bestimmte Schriften als heilig, inspiriert und besonders autoritativ angesehen. Die Tora hatte dabei überragende Bedeutung. Die Einteilung in Tora, Neviim und Ketuvim entspricht der Reihenfolge ihrer Kanonwerdung und drückt auch eine Gewichtung aus.

Teile des Tanach

Die Tora bildet den ersten Teil des Tanach. Sie umfasst die fünf Bücher Bereschit, Schemot, Wajikra, Bemidbar und Devarim, die in christlicher Tradition auch Pentateuch heißen. Inhaltlich erzählt sie von Schöpfung, Erzvätern, Auszug Israels aus Ägypten, Empfang der Gebote durch Mose und dem Weg in das verheißene Land. Nach jüdischer Tradition wird aus der Torarolle abschnittweise in der Synagoge vorgelesen.

Die Neviim umfassen Bücher wie Josua, Richter, Samuel, Könige, Jesaja, Jeremia, Ezechiel und das Zwölfprophetenbuch. Sie erzählen die Geschichte Israels vom Tod Moses bis zur Zerstörung des ersten Jerusalemer Tempels 586 v. Chr. und deuten diese Geschichte religiös.

Die Ketuvim enthalten unter anderem Psalmen, Ijob, Sprichwörter, Rut, Hoheslied, Kohelet, Klagelieder, Ester, Daniel, Esra/Nehemia und die Chronikbücher. Fünf Bücher werden als Festrollen im Synagogengottesdienst gelesen: Rut zu Schawuot, Hoheslied zu Pessach, Kohelet zu Sukkot, Klagelieder zu Tischa beAv und Ester zu Purim.

Christliche Bibel

Das Alte Testament der christlichen Bibel beruht auf den heiligen Schriften Israels, wurde aber in der christlichen Tradition anders angeordnet. Die griechische Septuaginta gliederte die Bücher in Pentateuch, Geschichtsbücher, Hagiographen und Propheten. Durch die Stellung der Propheten am Ende entstand eine Verbindung zum Neuen Testament.

Die christlichen Konfessionen unterscheiden sich im Umfang des Alten Testaments. Das römisch-katholische Alte Testament enthält 46 Bücher, weil es auch deuterokanonische Schriften aufnimmt. Orthodoxe Bibelkanons enthalten weitere Schriften. Evangelische Kirchen erkennen im Anschluss an die Lutherbibel nur den Tanach als kanonisch an, teilen ihn aber in 39 Bücher ein; weitere Septuaginta-Schriften stehen als Apokryphen am Ende des Alten Testaments.

Das Neue Testament umfasst seit seiner endgültigen Begrenzung um 400 insgesamt 27 griechische Einzelschriften. Sie entstanden überwiegend zwischen 70 und 100 n. Chr. und sind meist in der griechischen Koine geschrieben. Es besteht aus den vier Evangelien, der Apostelgeschichte, Briefen an Gemeinden und Einzelpersonen sowie der Offenbarung des Johannes. Die Evangelien verkünden Jesus von Nazaret als den im Alten Testament verheißenen Messias; die Apostelgeschichte erzählt die Ausbreitung des Christentums bis nach Rom; die Briefe behandeln Glaubensfragen und praktische Probleme der Gemeinden.

Deutung, Übersetzung und Verbreitung

Das Verhältnis von Altem und Neuem Testament ist für das Christentum grundlegend. „Testament“ meint hier ursprünglich „Bund“. Die Urchristen sahen in Jesus Christus die Erfüllung der biblischen Verheißungen, verstanden dies aber nicht ursprünglich als Aufhebung von Gottes Bund mit Israel. In der Kirchengeschichte wurde „alt“ jedoch oft abwertend als „überholt“ gedeutet; nach dem Holocaust begann besonders in Deutschland ein Umdenken. Die christliche Exegese bemüht sich heute, alttestamentliche Texte zuerst aus ihrem eigenen Zusammenhang zu verstehen.

Die meisten christlichen Richtungen lehren, dass Gott die biblische Überlieferung inspiriert habe. Sie verstehen die Bibel aber unterschiedlich: katholisch spielt das kirchliche Lehramt eine zentrale Rolle, evangelisch gilt die Bibel als alleiniger Maßstab des Glaubens, während evangelikale und fundamentalistische Positionen teils eine Irrtumsfreiheit des Bibelwortlauts betonen.

Die Bibel wurde vielfach übersetzt. Wichtige Übersetzungen sind die griechische Septuaginta, die lateinische Vulgata, die Lutherbibel, die Zürcher Bibel, die Elberfelder Bibel und die Einheitsübersetzung. 2024 lag die vollständige Bibel in 756 Sprachen vor; der Weltverband der Bibelgesellschaften nannte im Jahresbericht 2025 bereits 795 Sprachen. Allein 2014 wurden weltweit fast 34 Millionen vollständige Bibeln verbreitet.

Islam und Bibelkritik

Im Islam gilt die Bibel als Offenbarungszeugnis Gottes, das nach islamischer Auffassung später teilweise verändert oder verfälscht wurde. Der Koran nennt Tora, Psalmen und Evangelium als von Gott stammende heilige Schriften, versteht sich aber selbst als endgültige Offenbarung Allahs, die frühere Offenbarungen aufnimmt und ihre Wahrheit wiederherstellt. Viele biblische Gestalten erscheinen im Koran, darunter Adam, Noah, Abraham, Mose, David, Maria und Jesus. Jesus gilt dort als Mensch, Gesandter Gottes, Messias und ohne Sünde, aber nicht als gekreuzigter und auferstandener Gottessohn im christlichen Sinn.

Bibelkritik untersucht die Entstehung, Überlieferung und historische Aussagekraft biblischer Texte. Ein zentrales Problem ist, dass keine Originalmanuskripte erhalten sind. Die ältesten bekannten neutestamentlichen Handschriften stammen aus dem 2. Jahrhundert; vollständige Bibelcodices wie Codex Vaticanus und Codex Sinaiticus erst aus dem 4. Jahrhundert. Die historisch-kritische Exegese fragt nach literarischer Form, Entstehung und Aussageabsicht der Texte. Dabei wird die Bibel nicht einheitlich als moderne Geschichtsschreibung gelesen, sondern auch als Heilsgeschichte und Glaubenszeugnis. Konservative Theologen betonen stärker ihre historische Zuverlässigkeit; nichttheologische Wissenschaftler betrachten sie oft als bedeutendes literarisches Werk und als wichtige Quelle für ihre Entstehungszeit.

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