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Auszug aus Ägypten

1. Könige 6,1 Lut datiert den Exodus auf 480 Jahre vor Baubeginn des salomonischen Tempels im 4. Regierungsjahr von Salomo. Archäologische …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Kern der Erzählung
  2. 2. Ablauf im Buch Exodus
  3. 3. Entstehung und historische Einordnung
  4. 4. Theologische Bedeutung und Feste
  5. 5. Antike Gegenerzählungen

Kern der Erzählung

Der Auszug aus Ägypten (Exodus; hebräisch שְׁמוֹת, Schemot) ist die Erzählung in Exodus 1–15 von der Rettung der Israeliten aus der Sklaverei des Pharaos von Ägypten. Sie eröffnet in der Thora die besondere Geschichte Israels mit JHWH: Gott macht sich seinem Volk bekannt, befreit es und erwählt es zu seinem Bundespartner. Die Erzählung ist zentraler Inhalt der Haggada, die am Sederabend vorgetragen wird.

  1. Könige 6,1 datiert den Exodus auf 480 Jahre vor den Baubeginn des salomonischen Tempels im 4. Regierungsjahr Salomos. Die Tradition prägte zahlreiche Texte des Tanach, die Darstellung Jesu im Neuen Testament sowie Varianten im Koran, besonders in Sure 7:137–140 und Sure 10:89–92.

Ablauf im Buch Exodus

Die Auszugsgeschichte schließt an die Vätergeschichten der Genesis an und beginnt den Mosekomplex, der erst im Deuteronomium endet. Sie erzählt zunächst die Unterdrückung der anwachsenden Israeliten (Ex 1,1–22). Danach wird Mose eingeführt und berufen, Israel aus Ägypten zu führen (Ex 2,1–4,31).

Moses erste Verhandlungen mit dem Pharao bleiben erfolglos (Ex 5,1–6,1). Nach einer erneuten Berufung folgt ein gewaltsamer Auftrag (Ex 6,2–7,13): JHWH sendet die ersten neun Plagen über Ägypten (Ex 7,14–10,29). Die zehnte Plage und die Einsetzung des Passahfestes werden in Ex 9–12 behandelt. Auf das erste Passah in Ex 13 folgen der Durchzug durch das Schilfmeer in Ex 14 und das Moselied ab Ex 15,1. Mit dem Schilfmeerwunder endet der Auszug im engeren Sinn. Rainer Albertz rechnet auch die Bewährung in der Wüste und die Bewahrung vor dem Hungertod dazu.

Eine wichtige Gliederung sieht drei Abschnitte: Israels Unterdrückung und Moses Aufbegehren (Ex 1,1–2,22), Israels Unterdrückung und Gottes Initiative (Ex 2,23–6,1) sowie den Auszug aus Ägypten (Ex 6,2–13,22). Wolfgang Oswald begründet dies zusätzlich mit Zeitangaben, Orten und erzählerischen Zäsuren. Ex 12 nennt den 15. Tag des ersten Monats im 430. Jahr nach dem Einzug als Tag der Herausführung. Ab Ex 15,22 beginnt die Wüstenwanderung mit Ortsangaben wie Wüste Schur, Mara, Elim, Wüste Sin, Refidim, Gottesberg und Wüste Sinai.

Entstehung und historische Einordnung

Die Textgenese, also die Entstehungs- und Bearbeitungsgeschichte des Textes, ist nicht sicher im Einzelnen rekonstruierbar. Julius Wellhausens Drei-Quellen-Theorie aus dem 19. Jahrhundert nahm ein jahwistisches Werk aus dem Südreich des 9. Jahrhunderts v. Chr., ein elohistisches Werk aus dem Nordreich des 8. Jahrhunderts v. Chr. und eine Priesterschrift aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. an. Sie war jedoch vor allem anhand der Genesis entwickelt worden und nur begrenzt auf Exodus anwendbar. Neuere Modelle nehmen mehr Schichten und Bearbeitungen an, werden aber wegen ihrer großen Unsicherheit kritisiert. Georg Fischer und Dominik Markl konzentrieren sich daher auf die Endform des Textes, obwohl auch sie von einem komplexen, nicht mehr rekonstruierbaren Entstehungsprozess ausgehen.

Die Exodusgeschichte war ursprünglich offenbar eine selbstständige, abgeschlossene Erzählung und wurde erst bei der Komposition des Pentateuch in den heutigen Zusammenhang gestellt. Eine priesterliche Bearbeitung ergänzte später einige Plagen sowie Sabbat und Passah und datierte diese Rituale damit in Israels Frühzeit zurück.

Historisch gilt die Erzählung nicht als reine Geschichtsschreibung, sondern als Darstellung mythischer Ereignisse mit erzählerischen Elementen. Archäologische Untersuchungen und das Fehlen passender historischer Quellen sprechen gegen einen Auszug im geschilderten Ausmaß; insbesondere werden die Zehn Plagen und das Schilfmeerwunder überwiegend als Legenden beurteilt. Die Forschung ist dennoch kontrovers: Einige verteidigen einen historischen Kern, andere ordnen den Exodus weitgehend späterer Mythenbildung zu.

Ägyptische Quellen belegen Zwangsarbeit semitischer Nomaden, die Apiru genannt werden, an Bauprojekten der Pharaonen des Neuen Reiches, etwa 1500–1000 v. Chr., sowie gelegentliche Fluchten kleiner Gruppen. Deshalb ist ein historisches Ereignis als Hintergrund des Exodus-Mythos nicht ausgeschlossen. Jan Assmanns gedächtnisgeschichtlicher Ansatz fragt vor allem, wie erinnert wurde. In der Erzählung könnten sich Erinnerungen an Hyksos, die ägyptische Kolonialherrschaft in Kanaan, Apiru und Wanderbewegungen der Seevölker-Zeit verbunden haben.

Theologische Bedeutung und Feste

Der Exodus ist nach Erich Zenger einer der elementarsten und am häufigsten wiederholten Glaubenssätze des Alten Testaments. Wichtig sind zwei Deutungen: Das „Hinaufführen“ aus dem tiefer gelegenen Ägypten in das bergige Israel und das „Hinausführen“ aus dem „Sklavenhaus“ als gewaltsamer Befreiungsakt. Als Folge gilt JHWHs Verheißung, Israel als sein Volk anzunehmen und mit ihm einen Bund zu schließen.

In exilischer und nachexilischer Zeit wurde dieser Bund auch mit Begriffen des Handelsrechts beschrieben: Israel erscheint als „Eigentumsvolk“ oder „Erbbesitz“. Der vergangene Exodus wurde zur Deutekategorie für die erhoffte Befreiung aus dem Exil, etwa in Jes 40–55 und Ez 20.

Für Christen ist das Motiv der „Errettung durch das Wasser hindurch“ bedeutsam. Wie bei Noah und bei der Taufe wird das Schlechte getötet, während Noah und seine Familie, Israel oder der aus Wasser und Geist wiedergeborene Gläubige gerettet werden. Das achttägige Pessach-Fest erinnert an den Auszug. Weil Jesus Christus nach den Evangelien in einer Pessachwoche gekreuzigt wurde, erinnert auch das christliche Osterfest daran; Ex 13–14 ist fester Bestandteil einer Osternachtfeier.

Antike Gegenerzählungen

Griechische und römische Autoren überlieferten unterschiedliche außerbiblische Fassungen. Bei Diodor, der Hekataios von Abdera zitiert, werden Fremde wegen einer Pest aus Ägypten vertrieben; die Mehrheit folgt Mose. Poseidonios stellt Juden dagegen als wegen Frevels, Krankheiten und „Aussatz“ vertriebene Menschen dar. Auch Texte, die Flavius Josephus Manetho, Chairemon, Lysimachos und Apion zuschreibt, verbinden die jüdische Herkunft mit „Unreinen“, Krankheiten, Vertreibung oder Hyksos. Dabei werden verschiedene, teils widersprüchliche Zahlen und Datierungen genannt, etwa 80.000 oder 250.000 Vertriebene und bei Apion das erste Jahr der 7. Olympiade, 752 v. Chr.

Strabons Notizen sind demgegenüber nicht verleumderisch: Mose sei ein ägyptischer Priester gewesen, habe die Verehrung von Götterbildern abgelehnt und Menschen ohne Gewalt aus Ägypten geführt; die neue Nation sei durch seine Lehren und den freiwilligen Anschluss benachbarter Völker entstanden.

Überlieferungen von Aussatz, Pest und Ähnlichem wurden bis ins 2. Jahrhundert n. Chr. weitergegeben und ergänzt, unter anderem von Tacitus zur antijüdischen Hetze. Die den hellenistischen Historikern zugeschriebenen antijudaistischen Aussagen lassen sich nach Berücksichtigung aller Textzeugen größtenteils nicht aufrechterhalten. Sie gehen meist auf spätere Bearbeitungen unbekannter Autoren oder auf Pseudo-Werke besonders aus römischer Zeit zurück.

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