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JHWH

Mit dem Auszug aus Ägypten beginnt für die Bibel JHWHs eigentliche Geschichte mit dem Volk Israel. ... Geschichte Jerusalems und die Entstehung des Monotheismus.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundbedeutung und Name
  2. 2. Biblische Rolle im Tanach
  3. 3. Heiligung des Gottesnamens
  4. 4. Jüdische Tradition und Praxis
  5. 5. Christentum und Übersetzungen

Grundbedeutung und Name

JHWH (hebräisch יהוה) ist der Eigenname des Gottes Israels in der hebräischen Bibel, dem Tanach. In der Bibel ist JHWH der gnädige Befreier Israels, der gerechte Bundespartner seines Volkes und zugleich Schöpfer, Bewahrer, Richter und Erlöser der ganzen Welt. Zu Beginn der Zehn Gebote stellt er sich mit der Befreiung aus Ägypten vor: „Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus dem Land Ägypten, aus dem Sklavenhaus, herausgeführt habe. Du sollst keine andern Götter haben neben mir.“

Der Name besteht aus den vier hebräischen Konsonanten Jod, He, Waw, He und heißt deshalb Tetragramm, also „Vierfachzeichen“. In der Biblia Hebraica Stuttgartensia erscheint er 6828-mal und ist damit der häufigste biblische Eigenname. Da er im Tanach nie mit anderen Namen kombiniert wird, gilt er als eigentlicher Gottesname. Die ursprüngliche Aussprache ist unbekannt. Das Judentum vermeidet traditionell, den Namen auszusprechen, und liest stattdessen Adonai („mein Herr“) oder HaSchem („der Name“). Seit der Spätantike wurden in Bibelhandschriften Vokalzeichen solcher Ersatzlesungen zum Gottesnamen gesetzt.

Die Herkunft und sprachliche Ableitung des Namens sind umstritten. Meist wird JHWH mit hebräischen oder aramäischen Formen für „sein“, „werden“, „geschehen“ oder „da sein“ verbunden. Ex 3,14 deutet den Namen mit „Ich bin, der ich bin“ oder futurisch „Ich werde sein, der ich sein werde“. Viele Ausleger verstehen dies nicht als abstrakte Wesensdefinition, sondern als Zusage: Gott wird für Israel da sein und sich als rettend und helfend erweisen.

Biblische Rolle im Tanach

Im Tanach ist JHWHs Name besonders mit der Rettung Israels aus der Sklaverei in Ägypten verbunden. Nach Ex 3 offenbart Gott seinen Namen Mose am brennenden Dornbusch. Er sagt, er habe das Elend seines Volkes gesehen, seine Klage gehört und sei herabgestiegen, um es aus Ägypten zu befreien. Diese Namensoffenbarung verbindet JHWH unlösbar mit Exodus, Erwählung und Bundesgeschichte Israels.

Der Auszug aus Ägypten gilt als Kernbekenntnis der JHWH-Religion. JHWH ist nicht zuerst als Naturgott oder Weltentstehungsgott beschrieben, sondern als Gott, der geschichtlich handelt und versklavte Menschen befreit. Der Satz „Ich bin JHWH, dein Gott, von Ägyptenland her“ fasst diese Bedeutung zusammen. Später wurden mit dem Exodus weitere Motive verbunden: die Verheißung an die Erzväter, die Führung in der Wüste, die Offenbarung am Sinai und die Landnahme.

Ein zweites Zentrum ist der Bund am Sinai. Die Zehn Gebote beginnen mit der Erinnerung an die Befreiung aus Ägypten. Daraus folgt JHWHs Anspruch, dass Israel keine anderen Götter verehren soll. Der Bund ist asymmetrisch: JHWH stiftet ihn souverän, offenbart sein Recht und fordert Gehorsam. Israel ist Bundespartner, kann aber Gottes Verheißungen wie Land, Nachkommenschaft, Segen und Frieden erwarten. Viele Gebote, besonders zum Schutz Schwacher, werden mit der Erinnerung an Israels eigene Befreiung aus der Sklaverei begründet.

Erst nach dem Babylonischen Exil, ab 540 v. Chr., treten Texte stärker hervor, die JHWH als „Schöpfer des Himmels und der Erde“ bezeichnen. Die Schöpfungsaussagen bleiben dabei mit dem Glauben an den Befreier verbunden. Gen 1 beschreibt Gott als den, der durch sein Wort Ordnung schafft: „Er sprach, und es geschah; er befahl, und es stand da.“ Der siebte Tag begründet den Sabbat als Ruhetag. Bei Deuterojesaja wird die Schöpfung zum Zeichen der Einzigkeit JHWHs: „Ich bin JHWH und sonst keiner mehr.“

Heiligung des Gottesnamens

Weil JHWH seinen Namen offenbart und Israel zu seinem Volk erwählt, soll Israel diesen Namen „heiligen“. Das bedeutet im Tanach nicht nur ehrfürchtiges Sprechen, sondern eine ganze Lebens- und Glaubenspraxis.

Zum einen gehört dazu der Kult: Altäre, Opfer, Segenshandlungen und später der Jerusalemer Tempel werden mit dem Namen JHWHs verbunden. Wegen des Bilderverbots tritt der Name an die Stelle von Kultbildern. JHWH wird zwar nicht als ortsgebunden gedacht, doch sein Name verbürgt an bestimmten Orten seine Gegenwart.

Zum anderen bedeutet Heiligung die Abgrenzung von Fremdkulten. In der Geschichte Israels gab es zeitweise Vermischungen mit kanaanäischen Göttern wie Ba’al oder Aschera. Die biblische Tradition betont jedoch immer stärker die Einzigkeit JHWHs. Besonders Propheten fordern, dass Israel allein JHWH dient und Recht und Gerechtigkeit übt.

Der Name wird auch im Segen, im Gebet und vor Gericht angerufen. Priester segnen das Volk mit JHWHs Namen, Beter rufen ihn in Not an, und Schwüre werden mit seinem Namen bekräftigt. Zugleich verbietet Ex 20,7 den Missbrauch des Gottesnamens, besonders für falsche Eide. Schließlich soll JHWHs Name weltweit bekannt werden. Spätexilische Prophetie erwartet, dass JHWH selbst seinen Namen heiligt, Israel erneuert und am Ende alle Menschen ihn anerkennen.

Jüdische Tradition und Praxis

Im Judentum entwickelte sich früh eine besondere Ehrfurcht vor dem Gottesnamen. Schriftrollen vom Toten Meer zeigen, dass der Name schon im 3. Jahrhundert v. Chr. mündlich und schriftlich vermieden oder besonders markiert wurde. In manchen Texten steht das Tetragramm in althebräischer Schrift, in anderen wird es durch Punkte ersetzt. Die Septuaginta, die griechische Übersetzung der hebräischen Bibel, gab den Namen zunächst ebenfalls besonders wieder; später setzte sich in christlichen Abschriften Kyrios („Herr“) durch.

Nur der Hohepriester durfte den Gottesnamen am jährlichen Jom Kippur im Gebet aussprechen. Mit der Zerstörung des Jerusalemer Tempels im Jahr 70 endete diese Praxis. Seitdem wurde der Name im Judentum nicht mehr ausgesprochen; dadurch ging das Wissen um seine ursprüngliche Aussprache allmählich verloren.

Die Rabbinen deuteten den Namen aus den Zeitformen des Verbs hjh: hajah („Er war“), howêh („Er ist“) und jihjêh („Er wird sein“). So betonten sie Gottes zeitübergreifende Gegenwart in der jüdischen Geschichte. Zugleich wurde gelehrt, dass der Name verborgen bleiben müsse. Die wichtigste Ersatzbezeichnung im rabbinischen Schrifttum ist ha-qadosh, baruch hu! („Der Heilige, er sei gepriesen!“).

Zwischen 700 und 1000 versahen die Masoreten den hebräischen Konsonantentext mit Vokalzeichen. Beim Tetragramm setzten sie die Vokale der Ersatzworte Adonai oder Elohim, damit Leser nicht JHWH aussprachen, sondern die Ersatzlesung verwendeten. In der heutigen Praxis wird im Gottesdienst meist Adonai gelesen, im Alltag oft HaSchem. Viele Juden schreiben im Deutschen auch G’tt oder G*tt, um Missbrauch zu vermeiden, obwohl viele Rabbiner den allgemeinen Begriff „Gott“ nicht als ebenso heilig ansehen wie JHWH.

Christentum und Übersetzungen

Das Neue Testament ist auf Griechisch geschrieben und enthält das hebräische Tetragramm nicht. Es folgt der jüdischen Praxis und verwendet Kyrios für JHWH. Kurzformen des Namens erscheinen aber in „Halleluja“ und in hebräischen Personennamen. Der Name Jesus geht auf Jehoschua bzw. Jeschua zurück und verbindet eine Kurzform von JHWH mit dem Verb für „helfen, retten“. Er kann als „JHWH rettet“ oder „JHWH ist Rettung“ verstanden werden.

Jesus selbst spricht Gott in jüdischer Tradition nicht mit dem Tetragramm an, sondern mit Abba („Vater“) und lehrt im Vaterunser, Gottes Namen zu heiligen. Das Neue Testament unterscheidet zwischen Kyrios für JHWH und „der Herr“ als Hoheitstitel für Jesus. Spätere christliche Theologie verband JHWH und Jesus stärker miteinander, besonders in der Trinitätslehre. Dadurch wurde der Eigenname JHWH im Christentum weitgehend durch „Gott der Vater“ ersetzt.

Die Form „Jehova“ entstand, weil christliche Gelehrte die Konsonanten JHWH mit den Vokalen der masoretischen Ersatzlesung Adonai verbanden. Raymundus Martinus schrieb 1278 Iehovah. Später wurde diese Form in Theologie, Liedern und Kunst verbreitet. Die Aussprache „Jahweh“ gilt heute als wahrscheinlichste Rekonstruktion, gestützt unter anderem durch antike Übertragungen wie iabe oder iaoue.

Viele deutsche Bibelübersetzungen geben JHWH mit „HERR“ wieder, Luther 1545 ebenso. Manche Übersetzungen verwenden „Jahwe“ oder „Jahweh“. Die Einheitsübersetzung von 2016 gibt JHWH einheitlich mit „HERR“ wieder. 2008 wies das vatikanische Dikasterium für den Gottesdienst an, den Gottesnamen in katholischer Liturgie, Gebeten und Liedern nicht auszusprechen, aus Respekt vor jüdischer Tradition und christlicher Praxis.

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