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Malaysia

Malaysia [maˈla͜izi̯a], seltener Malaysien, ist eine konstitutionelle Wahlmonarchie mit 34 Millionen Einwohnern, bestehend aus 13 Bundesstaaten in …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Staat, Lage und Naturraum
  2. 2. Bevölkerung, Sprachen und Religion
  3. 3. Geschichte und Staatsbildung
  4. 4. Politisches System und Rechte
  5. 5. Wirtschaft, Bildung und Versorgung
  6. 6. Infrastruktur, Medien und Kultur

Staat, Lage und Naturraum

Malaysia ist ein südostasiatischer Staat mit 13 Bundesstaaten und drei Bundesterritorien. Es ist eine föderale parlamentarische Monarchie und zugleich eine Wahlmonarchie. Das Land besteht aus zwei ungefähr gleich großen, durch das Südchinesische Meer getrennten Teilen: Westmalaysia liegt auf der Malaiischen Halbinsel, Ostmalaysia in den nördlichen Gebieten der Insel Borneo. Die Fläche beträgt 330.803 km². 2024 wurde die Bevölkerung auf 34,5 Millionen Menschen geschätzt. Hauptstadt und Sitz des Bundesparlaments ist Kuala Lumpur; die meisten Regierungseinrichtungen befinden sich im 1995 errichteten Putrajaya. Währung ist der Ringgit (MYR), die Zeitzone UTC+8.

Westmalaysia grenzt an Thailand und ist durch die Straße von Johor von Singapur getrennt; der Johor–Singapore Causeway schafft eine feste Verbindung. Seegrenzen bestehen unter anderem mit Indonesien und Vietnam. Ostmalaysia grenzt an Brunei und Indonesien sowie auf See an Vietnam und die Philippinen. Die Straße von Malakka gehört zu den meistbefahrenen Schifffahrtswegen. Tanjung Piai im Bundesstaat Johor ist der südlichste Punkt des asiatischen Festlands.

Von den teilweise mit Mangroven bewachsenen Küsten- und Sumpfgebieten steigt das Land zu Gebirgen und Hochflächen an. Der Hauptkamm der Halbinsel erreicht 2190 m. In Sabah liegt der 4095 m hohe Kinabalu, der höchste Berg zwischen dem Himalaya und Neuguinea. Auf Borneo befindet sich außerdem mit der Sarawak-Kammer der größte bekannte Höhlenraum der Welt.

Malaysia hat ein feuchtheißes Tropenklima. Die Temperaturen liegen ganzjährig meist zwischen 25 und 28 °C; tägliche und jährliche Schwankungen betragen nur etwa 2 °C. Die relative Luftfeuchtigkeit erreicht morgens etwa 98 % und nachmittags mehr als 65 %. Jährlich fallen rund 2000 mm Regen im westlichen Tiefland, über 4000 mm im vom Monsun beeinflussten Nordosten und bis zu 6000 mm im Gebirge. Der Südwestmonsun wirkt von April bis Oktober, der Nordostmonsun von Oktober bis Februar.

Mehr als die Hälfte der Landesfläche war zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch von Tropenwald bedeckt. Malaysia zählt wegen seiner zahlreichen endemischen Arten zu den Megadiversitätsländern und zugleich wegen der starken Gefährdung seiner Natur zu den Biodiversitäts-Hotspots. Zu den Tierarten gehören Gibbons, Makaken, Malaienbären, Elefanten, Tiger und Nashornvögel. Orang-Utan und Sumatra-Nashorn sind gefährdet. Holzeinschlag und Brandrodungsfeldbau führen besonders in Sarawak und Sabah zur Übernutzung und Schädigung der Wälder.

Bevölkerung, Sprachen und Religion

2023 hatte Malaysia 34,3 Millionen Einwohner und ein jährliches Wachstum von 1,1 %. Die Geburtenziffer lag bei 15,0, die Sterbeziffer bei 5,4 je 1000 Einwohner. 2022 betrug die statistische Kinderzahl 1,8 je Frau und die Lebenserwartung 76,3 Jahre. 2023 waren 22,4 % der Bevölkerung jünger als 15 und 7,8 % älter als 64 Jahre. Rund 79 % lebten in Städten.

Die Bevölkerung besteht zu 52,8 % aus Malaien, zu 20,6 % aus Chinesen, zu 11 % aus indigenen Völkern, zu 6 % aus Indern und zu 9 % aus sonstigen Gruppen. Sie ist räumlich ungleich verteilt: In Sabah und Sarawak leben nur etwa 20 % der Bevölkerung, obwohl beide Staaten ungefähr 60 % der Landesfläche einnehmen. Indigene Gruppen heißen auf der Halbinsel zusammenfassend Orang Asli; in Sarawak werden unter anderem Iban und Bidayuh als Dayak zusammengefasst, in Sabah leben etwa Murut und Kadazan. Malaien und indigene Bevölkerungsgruppen gelten als Bumiputras, also als ursprüngliche Bevölkerung, und werden staatlich gefördert. 2021 lebten schätzungsweise vier bis sechs Millionen Einwanderer im Land, viele davon Arbeitskräfte aus Nepal, Bangladesch, Indonesien oder Myanmar.

Amtssprache ist Bahasa Malaysia, also Malaysisch. Englisch besitzt als verbreitete Zweitsprache eine besondere Stellung. Hinzu kommen chinesische Sprachen und Dialekte, besonders Kantonesisch, Hochchinesisch, Hokkien und Hakka, indische Sprachen wie Tamilisch, Telugu und Malayalam sowie indigene Sprachen wie Iban und Kadazan. Insgesamt werden 140 Sprachen und Idiome gesprochen. Das umgangssprachliche malaysische Englisch wird Manglish genannt.

Der Islam ist Staatsreligion; 2020 bekannten sich 63,5 % der Bevölkerung dazu. 18,7 % waren Buddhisten, 9,1 % Christen, 6,1 % Hindus, 0,9 % konfessionslos und 1,8 % gehörten anderen Bekenntnissen an oder machten keine Angabe. Im Islam ist die sunnitische schāfiʿitische Rechtsschule maßgeblich; andere Schulen, insbesondere schiitische, sind untersagt. Nach der Verfassung gelten ethnische Malaien von Geburt an als Muslime, und ein Austritt ist praktisch nur sehr schwer möglich.

Religiöse und sprachliche Rechte sind umstritten. Im „Allah“-Streit erklärte der High Court zunächst, christliche Medien dürften den traditionell auch in malaiischen Bibeln verwendeten Begriff nutzen. Der Court of Appeal hob diese Entscheidung 2013 mit Verweis auf öffentliche Ordnung und mögliche Verwirrung muslimischer Gläubiger auf. Der Konflikt zeigt die Spannung zwischen Religionsfreiheit und malaiisch-muslimischer Identität.

Geschichte und Staatsbildung

Die Malaiische Halbinsel entwickelte sich durch den Handel zwischen China und Indien zu einem wichtigen südostasiatischen Handelsraum. Im 10. Jahrhundert entstanden frühe Königreiche an Hafenplätzen. Im frühen 15. Jahrhundert wurde das wohlhabende Sultanat von Malakka gegründet. Malakka geriet später nacheinander unter portugiesischen, niederländischen und britischen Einfluss.

1826 schuf Großbritannien die Kronkolonie Straits Settlements mit Penang, Singapur und Malakka. Durch den Vertrag von Pangkor von 1874 weitete es seine Herrschaft über malaiische Staaten aus. 1896 wurden Pahang, Selangor, Perak und Negeri Sembilan zu den Föderierten Malaiischen Staaten zusammengefasst. Die nördlichen Staaten Perlis, Kedah, Kelantan und Terengganu standen bis 1909 unter thailändischer Kontrolle. Nordborneo, das heutige Sabah, wurde von der Britischen Nordborneo-Kompanie verwaltet; Sarawak regierte fast ein Jahrhundert lang die britische Familie Brooke als „Weiße Rajas“.

Während des Zweiten Weltkriegs besetzte Japan das Gebiet. Danach wuchs die Unabhängigkeitsbewegung. Am 31. August 1957 wurde die aus neun Sultanaten sowie Penang und Malakka bestehende Föderation Malaya unabhängig. Am 16. September 1963 entstand Malaysia aus Malaya, Singapur, Nordborneo beziehungsweise Sabah und Sarawak. Die Anfangsjahre prägten die von Indonesien betriebene Konfrontasi, der philippinische Anspruch auf Sabah und 1965 das Ausscheiden Singapurs. Malaysia blieb Mitglied des Commonwealth of Nations; sein Regierungssystem orientiert sich am britischen Westminster-System.

Politisches System und Rechte

Malaysia ist eine föderalistische, konstitutionelle und parlamentarisch-demokratische Wahlmonarchie. Das überwiegend repräsentative Staatsoberhaupt, der Yang di-Pertuan Agong, wird nach einem Rotationsprinzip für fünf Jahre aus den Herrschern der neun Sultanate gewählt. Seit dem 31. Januar 2024 bekleidet Ibrahim Ismail von Johor das Amt. Regierungschef ist seit dem 24. November 2022 Premierminister Anwar Ibrahim.

Das Parlament besteht aus dem Dewan Rakyat mit 222 für fünf Jahre gewählten Abgeordneten und dem Dewan Negara mit 70 Mitgliedern. Für das Unterhaus gilt ein Mehrheitswahlsystem: Je Wahlkreis gewinnt nur ein Kandidat. Da Wahlkreise unterschiedlich groß sind, haben Stimmen nicht überall das gleiche Gewicht. Das aktive und passive Frauenwahlrecht wurde am 31. August 1957 in die Verfassung aufgenommen.

Von 1957 bis 2018 regierte das von der United Malays National Organisation geführte Bündnis Barisan Nasional. Es erreichte lange häufig eine verfassungsändernde Zweidrittelmehrheit. 2018 gewann das Oppositionsbündnis Pakatan Harapan erstmals die Mehrheit im Unterhaus und löste Barisan Nasional als Regierungsbündnis ab.

Neben den 13 Bundesstaaten bestehen die Bundesterritorien Kuala Lumpur, Putrajaya und Labuan. In den Bundesstaaten wirken Sultane, ein Raja, der gewählte Yamtuan Besar oder von der Zentralregierung ernannte Gouverneure als Staatsoberhäupter. Der Bund ist unter anderem für Außenpolitik, Verteidigung, innere Sicherheit, Straf- und Zivilrecht, Finanzen, Handel, Verkehr, Bildung und Gesundheit zuständig. Die Gliedstaaten regeln beispielsweise Schariarecht, Landrechte, Land- und Forstwirtschaft und kommunale Fragen; manche Aufgaben wie Wohlfahrt, Naturschutz, Planung, Kultur, Sport und Wohnungsbau werden geteilt.

Politische Bewertungen fallen gemischt aus: Der Demokratieindex bezeichnete Malaysia 2024 mit 7,11 von 10 Punkten als „unvollständige Demokratie“, Freedom in the World bewertete es 2024 mit 53 von 100 Punkten als „teilweise frei“. Die Todesstrafe galt unter anderem für Mord, Terrorismus und Drogenhandel; nach den letzten Exekutionen 2017 setzte die Regierung 2018 Vollstreckungen aus und beriet über eine Abschaffung. Homosexualität ist strafbar, gleichgeschlechtliche Paare werden nicht anerkannt.

Die Außenpolitik folgt den Grundsätzen der Nichteinmischung und des Austauschs mit anderen Schwellenländern. Malaysia ist Gründungsmitglied der ASEAN und außerdem Mitglied unter anderem des Commonwealth, der Blockfreienbewegung, der Gruppe der 77 und der Organisation für Islamische Zusammenarbeit. China ist der wichtigste Handelspartner; zugleich bleiben Beziehungen zu den USA, Australien und der Europäischen Union wichtig. Umstrittene Gebietsansprüche im Südchinesischen Meer sind nicht gelöst.

Wirtschaft, Bildung und Versorgung

Malaysia ist ein rohstoffreiches und stark exportorientiertes Schwellenland. Bedeutend sind Zinn, Kautschuk, Palmöl und Erdöl; hinzu kommen eine entwickelte Elektronik- und Automobilindustrie mit Unternehmen wie Proton und Perodua sowie der Erdölkonzern Petronas. Seit den 1990er-Jahren wandelte sich das Land von einem überwiegend agrarisch geprägten Staat zu einem technisierten, kapitalintensiven Industriestandort. Der Staat reguliert die Wirtschaft weiterhin und bevorzugt Bumiputras teilweise gegenüber chinesischstämmigen Malaysiern und Ausländern.

2024 betrug das Bruttoinlandsprodukt nominal 422 Milliarden US-Dollar und nach Kaufkraftparität 1,4 Billionen US-Dollar. Pro Kopf waren es 12.619 beziehungsweise 41.270 US-Dollar. Das reale Wachstum lag 2024 bei 5,1 %, die Inflation bei 1,8 % und die Staatsverschuldung bei 70 % des BIP. Der Ringgit ist die Landeswährung. Der Staatsfonds Khazanah Nasional investiert als strategischer Arm der Regierung in zahlreiche Branchen; die Wertpapierbörse heißt Bursa Malaysia.

Elektronische Güter bilden mit 36,6 % die wichtigste Exportgruppe. Rohöl, Ölprodukte, Flüssiggas, Palmöl und Kautschukprodukte machten zusammen rund 22 % der Exporte aus. 2021 standen Ausfuhren von 299,2 Milliarden US-Dollar Einfuhren von 238,2 Milliarden US-Dollar gegenüber. China war mit 15,5 % der Exporte und 23,3 % der Importe der wichtigste einzelne Handelspartner. Auch Singapur, die USA, Japan und weitere asiatische Staaten sind bedeutend. Der Tourismus brachte 2016 bei 26,7 Millionen Gästen mehr als 18 Milliarden US-Dollar ein; meistbesuchte Stadt war Kuala Lumpur.

Das öffentliche Bildungssystem bietet kostenlosen mehrsprachigen Unterricht. Schulpflicht besteht nur in der Primarstufe; Lehrpläne und Prüfungen sind landesweit einheitlich. Der Education Act 1996 bildet die Rechtsgrundlage. 2015 konnten 94,6 % der Erwachsenen lesen und schreiben. Im PISA-Vergleich 2015 lag Malaysia unter 72 Ländern auf Rang 45 in Mathematik, Rang 51 in Naturwissenschaften und Rang 46 beim Lesen.

2021 entsprachen die Gesundheitsausgaben 4,4 % des BIP. 2020 gab es 22,3 Ärztinnen und Ärzte je 10.000 Einwohner. Die Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren betrug 2022 7,8 je 1000 Lebendgeburten. Die Lebenserwartung lag bei 76,3 Jahren, bei Frauen bei 78,8 und bei Männern bei 74 Jahren.

Infrastruktur, Medien und Kultur

Malaysia besitzt eine vergleichsweise leistungsfähige Infrastruktur. Das Eisenbahnnetz umfasste 2011 insgesamt 1792 km, überwiegend in Meterspur; 207 km waren elektrifiziert. Auf der Halbinsel betreibt Keretapi Tanah Melayu das Hauptnetz mit Verbindungen nach Thailand und Singapur. Die Staatsbahn von Sabah unterhält auf Borneo eine 134 km lange Meterspurstrecke. Kuala Lumpur verfügt über mehrere Stadtbahn-, Monorail- und Flughafenverbindungen.

Wegen der britischen Kolonialgeschichte gilt Linksverkehr. 2011 gab es etwa 125.800 km befestigte Straßen, darunter 1630 km Autobahnen. Der überwiegend mautpflichtige North-South Expressway verbindet die thailändische Grenze mit Johor Bahru nahe Singapur. Abseits der Ballungsräume, besonders in Ostmalaysia, sind Straßen teilweise schlecht ausgebaut. Deshalb sind die etwa 7200 km schiffbaren Wasserwege wichtig, davon 4000 km in Ostmalaysia. Bedeutende Häfen liegen unter anderem in Port Klang, Penang, Kuching und Kota Kinabalu. Der Kuala Lumpur International Airport wurde 1998 eröffnet; Malaysia Airlines und die in Kuala Lumpur ansässige Billigfluggesellschaft Air Asia bedienen das dichte Flugnetz.

Die Medien sind durch Gesetze und staatlichen Einfluss eingeschränkt. Der Printing Presses and Publications Act von 1984 verlangt jährlich erneuerbare Lizenzen für Druckerzeugnisse. Viele klassische Medien gehören dem Staat oder regierungsnahen Unternehmen. Das Internet wird stärker genutzt und ist freier, wird aber ebenfalls überwacht und zensiert; 2023 waren 97,7 % der Bevölkerung online.

Nationalblume ist der Hibiskus. Beliebte Sportarten sind Badminton, Fußball und Hockey; Silat gilt als traditionelle malaiische Kampfkunst. Von 1999 bis 2017 fand auf dem Sepang International Circuit jährlich der Große Preis von Malaysia der Formel 1 statt. Cricket gewinnt an Bedeutung; Malaysia war Gastgeber der U19-Cricket-Weltmeisterschaft 2008 und des U19 Women’s T20 World Cup 2025.

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