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Monotheismus

Der Monotheismus ist eine Form des Theismus. Damit werden diese in der Religionswissenschaft vom Polytheismus unterschieden, der viele Götter kennt und verehrt.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundbegriff und Abgrenzung
  2. 2. Religionen und historische Vorformen
  3. 3. Theorien zur Entstehung
  4. 4. Formen des Monotheismus
  5. 5. Verwandte Begriffe

Grundbegriff und Abgrenzung

Monotheismus bezeichnet Religionen oder philosophische Lehren, die einen allumfassenden Gott kennen und anerkennen. Er ist eine Form des Theismus. In der Religionswissenschaft wird er dem Polytheismus gegenübergestellt, der viele Götter kennt und verehrt.

Die Grenze zwischen beiden Formen ist jedoch nicht immer eindeutig. In polytheistischen Religionen kann eine einzelne Gottheit zeitweise oder dauerhaft allein verehrt werden, obwohl die Existenz anderer Götter anerkannt wird. Diese Form heißt Monolatrie. Wenn eine Religion viele Götter kennt, aber einem von ihnen den Vorrang als allein zu verehrendem Gott einräumt, wird dies als Henotheismus bezeichnet. Umgekehrt können auch monotheistische Religionen polytheistische Elemente enthalten.

Religionen und historische Vorformen

Zu den zeitgenössischen monotheistischen Religionen zählen das Judentum, das Christentum, der Islam, der Sikhismus, das Bahaitum, das Jesidentum und der Zoroastrismus. Auch die Mandäer bilden eine monotheistische Religionsgemeinschaft.

In historischer Betrachtung wird der Zoroastrismus teilweise als dualistische Religion eingeordnet. Die Anfänge des jüdischen Glaubens werden teilweise als henotheistisch betrachtet.

Nach Ansicht der meisten Ägyptologen gab es im 14. Jahrhundert v. Chr. im Alten Ägypten unter Pharao Echnaton (Amenophis IV.) eine nachweisbare geschichtliche Vorform des Monotheismus. Echnaton erhob Aton zum alleinigen Gott. Er bestritt jedoch nicht die Existenz der traditionellen Gottheiten und ließ deren Kulte nur teilweise verbieten. Deshalb bewerten andere Ägyptologen diese Entwicklung als temporären Henotheismus. Sie sehen darin dennoch einen vorübergehenden Einschnitt in den Polytheismus. Jan Assmann bezeichnete ihn als „implizierten Monotheismus“, der die strenge Definition des späteren abrahamitischen Monotheismus noch nicht erfülle. Erik Hornung sieht in den ägyptischen Religionen insgesamt eine Tendenz zu einem „impliziten Monotheismus“.

Auch der vorsokratische Philosoph Xenophanes von Kolophon vertrat in seinem Buch Über die Natur die Auffassung einer einzigen Gottheit hinter allem. Diese Gottheit sei unveränderlich, ewig, vollkommen und allumfassend. Xenophanes ließ zugleich die vielen Götter mit ihren lokalen Bezügen gelten. Nach Assmann handelt es sich daher ebenfalls um einen „impliziten Monotheismus“.

Theorien zur Entstehung

Der Begriff „Monotheismus“ ist erstmals bei dem englischen Theologen und Philosophen Henry More (1614–1687) nachgewiesen; er findet sich auch bei Herbert von Cherbury (1583–1648). Beide standen im Zusammenhang mit einem frühaufklärerischen Modell der natürlichen Religion, nach dem ein ursprünglicher Monotheismus bestanden habe und der Polytheismus erst später entstanden sei.

Im 19. Jahrhundert war eine evolutionistische Erklärung verbreitet, die durch Kolonialismus und Darwinismus gefördert wurde. Nach dieser Vorstellung entwickelte sich der Monotheismus aus dem Polytheismus; der Polytheismus wiederum sei aus dem Animismus hervorgegangen, also aus dem Glauben an die Allbeseeltheit der Natur. Paul Radin kritisierte diese Sicht in den 1920er Jahren. Er hielt es für möglich, dass Monotheismus oder zumindest Monolatrie auch in ursprünglichen Stammesgesellschaften vorkomme. Seiner Ansicht nach erfordere Monotheismus eine dauerhafte, nicht nur situationsabhängige Verehrung und setze eher ein kontemplativ-philosophisches Temperament voraus. Als Beispiel nannte er die Muttergottheit Gauteovan der Kagaba in Kolumbien, die nicht direkt im Gebet angesprochen und nicht durch Kulte verehrt werde. Gegen diese Deutung lässt sich einwenden, dass Missionare bei vielen Stämmen eine dauerhafte Verehrung erst herbeigeführt haben könnten.

Der Ethnologe Pater Wilhelm Schmidt nahm dagegen einen weltweit verbreiteten „ursprünglichen Monotheismus“ an. Er versuchte diese These in seinem zwölfbändigen Werk Der Ursprung der Gottesidee sowie in Ursprung und Werden der Religion (1930) zu begründen. Die These gilt als empirisch kaum haltbar. Nicht alle Religionen enthalten den Glauben an ein höchstes Wesen. In vielen afrikanischen Religionen, in denen ein solches Wesen heute eine Rolle spielt, weisen sowohl das Fehlen eines entsprechenden Kultes als auch historische Vergleiche auf den Einfluss christlicher Missionare hin. Ein Beispiel für eine monotheistische afrikanische Religion, die mit Ahnenkult verbunden ist, findet sich bei den Kikuyu in Kenia.

Bernhard Lang vertritt die These, dass die exklusive Verehrung eines Gottes in einer polytheistischen Gesellschaft zeitweise durch existenzbedrohende Krisen ausgelöst werden könne. Im babylonischen Atramchasis-Epos wird die zeitweise ausschließliche Verehrung des Regengottes Adad mit einer von den Göttern beschlossenen Trockenheit erklärt. Ri 10,16 der Bibel beschreibt, dass israelitische Stämme im Krieg einzig JHWH, den Gott des Alten Testaments, als Kriegsgott verehrten, danach aber zu den Ortsgöttern zurückkehrten. Aus solchen Entwicklungen habe sich in den politischen Krisenzeiten des zunehmenden assyrischen Drucks im 8. und 7. Jahrhundert v. Chr. der Monotheismus der Hebräer entwickelt.

Formen des Monotheismus

Die neuere Forschung unterscheidet mehrere Formen. Beim exklusiven Monotheismus wird der Absolutheitsanspruch eines Gottes gegenüber anderen Göttern betont. Der inklusive Monotheismus duldet dagegen die Existenz anderer Götter.

Eine zweite Unterscheidung betrifft den Geltungsbereich: Der universale Monotheismus beansprucht Anerkennung für alle Menschen und nicht nur für eine bestimmte Gruppe. Der partikulare Monotheismus gilt dagegen nur für eine partikulare, also besondere oder begrenzte Gruppe.

Verwandte Begriffe

Abrahamitische Religionen sind monotheistische Religionen, die Abraham als Stammvater zugrunde legen. Dazu zählen Judentum, Christentum, Islam und Bahai. „Eingottglaube“ ist die deutsche Bezeichnung für Monotheismus.

Als Offenbarungsreligionen werden monotheistische Religionen bezeichnet, weil ihre Anhänger überzeugt sind, dass ihre Lehre im Lauf der Geschichte durch Gesandte Gottes offenbart wurde. Als Buch- oder Schriftreligionen werden manchmal Judentum, Christentum, Zoroastrismus, Islam und die Religion der Bahai bezeichnet, da sie heilige Schriften besitzen, die als Gottes Wort gelten.

Monolatrie bedeutet die Verehrung einer einzigen Gottheit bei gleichzeitiger Anerkennung der Existenz anderer Götter.

Lernvideos zu Monotheismus

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