Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Irrational

Als irrational (von lateinisch irrationalis ‚unvernünftig') bezeichnet man Sachverhalte oder Ideen, die der menschlichen Vernunft (lateinisch ratio) …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundbedeutung
  2. 2. Abgrenzung im Alltag
  3. 3. Bezug zur Vernunft
  4. 4. Mathematische Bedeutung
  5. 5. Begriffsgeschichtlicher Überblick

Grundbedeutung

Als irrational bezeichnet man Sachverhalte oder Ideen, die der menschlichen Vernunft, lateinisch ratio, widersprechen oder sich ihr entziehen. Irrationalität wird teils synonym für das Irrationale verwendet, teils meint sie die menschliche Charaktereigenschaft der Unvernunft.

Der Begriff ist wichtig, weil er eine Grenze des rational Erklärbaren markiert: Etwas kann dem Verstand nicht zugänglich sein, also rational nicht erklärbar, oder es kann rationalen Kriterien widersprechen und deshalb als nicht möglich gelten.

Abgrenzung im Alltag

Im alltäglichen Sprachgebrauch hat „irrational“ mehrere Bedeutungen. Ein Sachverhalt kann als irrational gelten, wenn er möglicherweise besteht, aber dem Verstand nicht zugänglich ist. Er kann aber auch irrational heißen, wenn er rationalen Kriterien widerspricht, zum Beispiel dem Gebot der Widerspruchsfreiheit.

Das Irrationale ist vom psychologischen Begriff des Unbewussten zu unterscheiden. Unbewusst sind Inhalte, die zu einer bestimmten Zeit nicht bewusst sind, oder Vorgänge wie manche Gehirnprozesse, die grundsätzlich nie bewusst ablaufen. Solche Inhalte widersprechen der Vernunft nicht automatisch direkt.

Bezug zur Vernunft

Jede Überlegung, jeder Glaube und jedes Denken über das Irrationale findet innerhalb eines bestimmten begrifflichen Diskurses statt. Auch wer über das Irrationale spricht, benutzt Sprache und ist dabei grundsätzlich den logischen Regeln von Sprache und Vernunft unterworfen.

Der Begriff „ir-rational“ setzt daher immer schon das Rationale voraus. Das Irrationale wird negativ auf das Rationale bezogen: Es wird also durch seinen Gegensatz zur Vernunft bestimmt.

Mathematische Bedeutung

In der Mathematik heißt eine Zahl irrational, wenn sie nicht als endliche oder periodische Dezimalzahl darstellbar ist. Rationale Zahlen sind dagegen Zahlen, die sich als endliche oder periodische Dezimalzahlen schreiben lassen.

Irrationale Zahlen sind genau diejenigen reellen Zahlen, die nicht durch einen Bruch zweier ganzer Zahlen ausgedrückt werden können. Beispiele aus dem Artikel sind die Zahl √2 und die Kreiszahl π. Als Dezimalzahl kann eine irrationale Zahl niemals vollständig berechnet und angegeben werden.

Begriffsgeschichtlicher Überblick

Der Begriff der Irrationalität stammt aus der Mathematik. Philosophisch wurde er erstmals vom jüdischen Philosophen Salomon Maimon in seinem Werk Versuch über die Transzendentalphilosophie von 1790 verwendet. Diese Schrift war offenbar eine Reaktion auf Immanuel Kants Kritik der reinen Vernunft von 1781.

Danach wurde der Begriff in der Philosophie des Deutschen Idealismus aufgegriffen. Johann Gottlieb Fichte sprach 1801 und 1804 von der „proiectio per hiatum irrationalem“. Friedrich Wilhelm Joseph Schelling verwendete den Begriff 1802/1803 in seinen Vorlesungen zur Philosophie der Kunst, indem er Kunst als höhere Form der Vernunft darstellte, die für den analytischen Verstand irrational sei.

Später findet sich der Begriff auch bei Friedrich Schleiermacher in der Ästhetik und bei Georg Wilhelm Friedrich Hegel in der Wissenschaft der Logik. C. G. Jung unterschied in seiner analytischen Psychologie zwischen rationalen psychischen Funktionen, nämlich Denken und Empfinden, und irrationalen psychischen Funktionen, nämlich Intuieren und Fühlen. Im 19. Jahrhundert trug Fjodor Dostojewski zu einer Rehabilitierung des Irrationalen bei, die wenige Jahrzehnte später in die Begründung der Psychoanalyse mündete.

Lernvideos zu Irrational

Weiterlesen

Vernunft Vernunft bezeichnet in der modernen Verwendung ein durch Denken bestimmtes geistiges menschliches Vermögen zur Erkenntnis. Der Schlaf der Vernunft gebiert … Substantivierung ... Endung -es (jemand ... Substantive, die sich auf die vom Adjektiv repräsentierte Eigenschaft selbst beziehen, werden auch Adjektivabstrakta genannt. Adjektiv Ein Adjektiv oder Eigenschaftswort ist ein Wort, das ohne weiteres ein Substantiv modifizieren, d. h. als Attribut fungieren kann, unbeschadet der … Mathematik An deutschen Universitäten gehört die Mathematik meistens zur selben Fakultät wie die Naturwissenschaften, und so wird Mathematikern nach der Promotion in der … Zahl Zahlen sind abstrakte mathematische Objekte beziehungsweise Objekte des Denkens, die sich historisch aus Vorstellungen von Größe und Anzahl entwickelten. Irrationale Zahl In der Mathematik heißt eine reelle oder komplexe Zahl irrational, wenn sie keine rationale Zahl ist. Kennzeichen einer irrationalen Zahl ist also, dass sie … Dezimalsystem Daneben führen noch – fachsprachlich in der elektronischen Datenverarbeitung – das Dualsystem (Binärsystem) sowie das Sedezimalsystem (Hexadezimalsystem) ein … Rationale Zahl Die Dezimalbruchentwicklung einer rationalen Zahl ist endlich oder unendlich periodisch. Eine reelle Zahl, die keine rationale Zahl ist, wird als irrationale … Reelle Zahl Die reellen Zahlen bilden einen in der Mathematik bedeutenden Zahlenbereich. Er ist eine Erweiterung des Bereichs der rationalen Zahlen, womit die Maßzahlen … Ganze Zahl Die ganzen Zahlen (auch Ganzzahlen, lateinisch numeri integri) sind eine Erweiterung der natürlichen Zahlen. ℤ. Der Buchstabe Z mit Doppelstrich Kreiszahl Die erste (klassische!) Definition in der Geometrie (siehe Bild) beruht auf der Proportionalität von Umfang und Durchmesser eines Kreises. Entsprechend lässt … Diskurs Der Begriff Diskurs (von lateinisch discursus ‚Umherlaufen') wurde ursprünglich in der Bedeutung „erörternder Vortrag“ oder „hin und her gehendes Gespräch“ …