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Adjektiv

Ein Adjektiv oder Eigenschaftswort ist ein Wort, das ohne weiteres ein Substantiv modifizieren, d. h. als Attribut fungieren kann, unbeschadet der …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundbegriff und Funktionen
  2. 2. Abgrenzung und Formen im Deutschen
  3. 3. Verwendung im Satz und Bedeutung
  4. 4. Zusammensetzungen und Schreibung
  5. 5. Adjektive in anderen Sprachen

Grundbegriff und Funktionen

Ein Adjektiv, auch Eigenschaftswort, ist ein Wort, das sich ohne Weiteres mit einem Substantiv verbinden und dieses als Attribut näher bestimmen kann. Typische Adjektive bezeichnen Eigenschaften wie „gut“ oder Zustände wie „nass“. In der Grundschule heißt es auch Wiewort, weil man nach einer Eigenschaft mit „Wie ist etwas?“ fragen kann. Diese Frage ist aber keine genaue Definition: Auch Substantive wie „Schönheit“ können Eigenschaften bezeichnen.

Adjektive können drei zentrale Funktionen haben:

  • attributiv bei einem Substantiv: „schneller Gepard“;
  • prädikativ als Teil der Satzaussage, oft mit einer Kopula wie „sein“: „Der Gepard ist schnell“;
  • adverbial zur näheren Bestimmung eines Verbs: „Der Gepard läuft schnell“.

Das Wort „ohne Weiteres“ grenzt Adjektive von Wörtern anderer Wortarten ab, die erst umgebildet werden müssen, um als Attribut zu dienen. Zum Verb „laufen“ kann beispielsweise das Partizip „laufend“ gebildet werden; in „laufendes Verfahren“ ist es ein Attribut.

Adjektive können mit ihrem Bezugsnomen in Genus, Numerus und Kasus übereinstimmen; dies heißt Kongruenz. Eigenschaften können außerdem unterschiedlich stark zutreffen. Deshalb lassen sich typische Adjektive mit Wörtern wie „mehr“ oder „höchst“ verändern oder, besonders in indogermanischen Sprachen, steigern: „schnell – schneller – am schnellsten“.

Abgrenzung und Formen im Deutschen

Deutsche Adjektive haben normalerweise kein festes Genus, sondern richten sich nach ihrem Bezug. Sie werden dekliniert und sind meist steigerbar. Damit unterscheiden sie sich unter anderem von Substantiven, nicht deklinierbaren Adverbien und Pronomen. Es gibt jedoch auch Adjektive, die nicht dekliniert oder nicht gesteigert werden und aufgrund ihrer Stellung im Satz trotzdem Adjektive sind.

Bei der Deklination ändern sich Adjektive nach Genus, Kasus, Numerus und Determiniertheit. Determiniertheit zeigt sich daran, ob eine Nominalphrase bestimmt oder unbestimmt ist. Daher gibt es starke und schwache Endungen; manche Grammatiken unterscheiden zusätzlich eine gemischte Flexion:

  • stark: „heißer Ofen“;
  • gemischt: „ein heißer Ofen“;
  • schwach: „der heiße Ofen“.

Die Steigerung heißt Komparation. Ihre Stufen sind Positiv („schön“), Komparativ („schöner“) und Superlativ („am schönsten“). Auch substantivierte Adjektive können gesteigert werden: „das Schöne, Schönere, Schönste“. Bei manchen Adjektiven ändert sich der Stamm: „gut, besser, am besten“ sowie „viel, mehr, am meisten“.

Unveränderliche Adjektive wie viele Fremdwörter und entlehnte Farbbezeichnungen, etwa „rosa“, können weder dekliniert noch gesteigert werden. Absolutadjektive wie „schwanger“ und „tot“ können zwar dekliniert, aber nicht gesteigert werden, weil sie absolute Eigenschaften bezeichnen. „Blau“ kann dagegen gesteigert werden. Umgangssprachlich und in Dialekten können auch sonst nicht komparierbare Wörter gesteigert werden, etwa „rosa – rosaner“.

Manchmal werden Abstufungen mit Hilfswörtern gebildet, zum Beispiel „mehr offenbar“, „weniger bedeutsam“, „am stärksten verbrannt“ oder „schwächer grün“. Manche Sprachen kennen außerdem den Elativ, einen „absoluten Superlativ“, der keinen Vergleich ausdrückt. Im Deutschen wird er mit „sehr“, „äußerst“ oder „höchst“ umschrieben. Italienisch bildet ihn wie den Superlativ mit -issim-: „bellissimo“ kann je nach Kontext „der schönste“ oder „sehr schön“, „am allerschönsten“ bedeuten.

Verwendung im Satz und Bedeutung

Die Wortart Adjektiv ist nicht davon abhängig, welche Funktion das Wort gerade im Satz hat. Im Deutschen kommen Adjektive unter anderem so vor:

  • attributiv als Beifügung zu einem Substantiv oder Adjektiv: „Sie hatte braune Augen.“
  • prädikativ mit „sein“, „werden“, „bleiben“ und ähnlichen Verben: „Er war neugierig. Er blieb immer freundlich.“
  • als freies Prädikativ zum Subjekt oder Objekt: „Italiener trinken den Kaffee schwarz“ und „Wir fahren fröhlich nach Hause“;
  • modal-adverbial zur Art und Weise: „Sie singt schön.“
  • satz-adverbial: „Er weint schnell.“ Hier bedeutet „schnell“, dass es schnell dazu kommt, dass er weint, und nicht, wie er weint.

Zwischen einem definiten Artikel und einem Substantiv können im Deutschen nur Adjektive stehen, wenn Grundzahl- und Ordnungszahlwörter ebenfalls als Adjektive gelten.

Semantisch, also nach ihrer Bedeutung, werden Eigenschaftswörter im engeren Sinn oder qualifizierende Adjektive, Beziehungsadjektive oder relationale Adjektive, Zahladjektive oder quantifizierende Adjektive sowie expressive Adjektive wie „verdammt“ oder „verflixt“ unterschieden.

Adjektive machen etwa ein Sechstel des gesamten deutschen Wortschatzes aus. Die meisten werden aus Substantiven, Verben oder Präpositionen abgeleitet oder als Zusammensetzungen gebildet. Häufige Suffixe sind -bar, -haft, -ig, -isch, -lich, -los, -sam, -en und -ern; Präfixe sind beispielsweise be-, ge- und un-. Abgesehen von Farben sowie Fremd- und Lehnwörtern gibt es nur etwa 250 primäre, also eigenständige, Adjektive im Deutschen.

Zusammensetzungen und Schreibung

Auch Adjektive können Komposita, also Zusammensetzungen, bilden, zum Beispiel „dummdreist“, „nasskalt“, „süßsauer“ und „taubstumm“. Spezifizierende Komposita engen die Bedeutung des Grundadjektivs ein: „himmelblau“ bedeutet „so blau wie der Himmel“.

Intensivierende Komposita verstärken die Bedeutung idiomatisch. „Mordslustig“ bedeutet nicht „so lustig wie ein Mord“, sondern „sehr lustig“. Weitere Beispiele sind „blutjung“, „kreuzfidel“, „spottbillig“, „sturmfrei“, „vogelfrei“ und „stockbesoffen“. Solche Verstärkungen können aus drei oder mehr Teilen bestehen, etwa „fuchsteufelswild“, „kohlpechrabenschwarz“ oder „mucksmäuschenstill“.

Einige Komposita sind je nach Zusammenhang spezifizierend oder intensivierend. „Steinreiche Alpwiesen“ sind reich an Steinen, „steinreiche Menschen“ dagegen sehr reich. Die prädikative Stellung kann dies an der Betonung zeigen: Bei „Die Alpwiese ist steinreich“ liegt sie auf „stein“, bei „Der Mensch ist steinreich“ auf „stein“ und „reich“.

Eine Adjektivierung ist die Bildung eines Adjektivs aus einer anderen Wortart, etwa „hölzern“ aus „Holz“ oder „lächerlich“ aus „lachen“. Im Deutschen werden Adjektive grundsätzlich kleingeschrieben. Groß geschrieben werden unter anderem substantivierte Adjektive („im Trüben fischen“) sowie Bestandteile von Eigennamen, Titeln und Ehrenbezeichnungen, besonderen Kalendertagen und bestimmten fachsprachlichen Benennungen. Bei „erste/Erste Hilfe“, „aufs schärfste/Schärfste“ und „von neuem/Neuem“ ist Groß- oder Kleinschreibung möglich. Nicht deklinierbare geografisch abgeleitete Wörter auf -er wie „Elsässer“ werden großgeschrieben.

Adjektive in anderen Sprachen

Im Englischen kann ein Adjektiv ein Substantiv näher bestimmen („He is a clever boy“) oder prädikativ stehen („He is clever“). Englische Adjektive werden nicht nach Fall, Zahl oder Geschlecht flektiert, können aber gesteigert werden. Adverbien können Verben, Adjektive, andere Adverbien, Substantive oder ganze Sätze näher bestimmen.

Im Spanischen stimmt das Adjektiv mit seinem Bezugsnomen in Genus und Numerus überein. Es steht meist nach dem Substantiv, kann aber auch davor stehen. Die Voranstellung kann eine stilistische Wirkung haben und besondere Intentionalität oder subjektive Betrachtungsweise ausdrücken. Auch das Register kann die Stellung beeinflussen: „la primera vez“ gehört zur gesprochenen Sprache, „la vez primera“ zur Schriftsprache. Zu den fünf genannten Funktionen gehören die Beifügung zum Substantiv, die Verwendung mit einem Kopulativverb, die prädikative Ergänzung, der Kern einer Adjektivgruppe und der Kern einer Präpositionalgruppe.

Im Lateinischen werden Adjektive gesteigert, nach Genus, Numerus und Kasus dekliniert und stimmen darin mit dem Bezugsnomen überein. Diese KNG-Kongruenz kann die syntaktische Beziehung auch dann erkennen lassen, wenn Adjektiv und Substantiv getrennt stehen. Diese Trennung heißt Hyperbaton; ein Beispiel ist „magna cum laude“ („mit großem Lob“).

Japanisch hat verbal flektierende i-keiyōshi, die in der Wörterbuchform auf -i enden und unter anderem Tempora, Verneinung und eine Konverb-Form bilden, jedoch keinen Imperativ. Daneben gibt es nicht flektierende Nominaladjektive oder na-keiyōshi. Sie stehen nominal mit na, seltener no, adverbial mit ni und brauchen als Prädikat eine Kopula wie da oder desu.

Nicht alle Sprachen haben eine eigene Wortart Adjektiv. Igbo hat nur eine kleine, geschlossene Klasse mit den Bedeutungen „groß“, „klein“, „gut“, „schlecht“, „alt“, „neu“, „weiß“ und „schwarz“. Im Warrungu werden Eigenschaften durch Substantive, im Wayãpi und Bororo durch stative Verben ausgedrückt.

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