Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Substantivierung
... Endung -es (jemand ... Substantive, die sich auf die vom Adjektiv repräsentierte Eigenschaft selbst beziehen, werden auch Adjektivabstrakta genannt.
Inhalt5 Abschnitte
Begriff und Grundformen
Substantivierung, auch Nominalisierung oder Hauptwortbildung, ist die Überführung eines Wortes – meist eines Verbs oder Adjektivs – in die Wortart Substantiv. Die Bezeichnung ist nicht einheitlich: Im engen Sinn meint sie vor allem die Konversion, also einen Wortartwechsel ohne Veränderung der äußeren Form, etwa lachen → das Lachen. Im weiten Sinn umfasst sie zusätzlich die Derivation, also die Ableitung mithilfe von Präfixen oder Suffixen, etwa lach- → das Gelächter oder der Lacher.
„Nominalisierung“ wird stets in der weiten Bedeutung verwendet und schließt Ableitungen durch Affixe ein. Die umgekehrte Überführung eines Substantivs in eine andere Wortart heißt Desubstantivierung. Da viele Lehr- und Handbücher keine genaue Definition geben, muss jeweils aus dem Zusammenhang erschlossen werden, ob „Substantivierung“ eng oder weit verstanden wird.
Substantivierte Verben
Die einfache Infinitivform eines Verbs kann ohne Formänderung als Substantiv gebraucht werden. Das entstehende Substantiv ist immer ein deklinierbares Neutrum und ein Singularetantum, also ein Wort, das nur im Singular verwendet wird: gehen → das Gehen, Genitiv des Gehens. Beispiele sind „Das Gehen fällt mir schwer“ und „Alle Gerichte auch zum Mitnehmen“.
Zunächst bleibt die verbale Bedeutung erhalten. Ein Verbalnomen bezeichnet dann das Ereignis oder die Tätigkeit selbst, etwa „Das Schreiben mit der rechten Hand fällt ihm schwer“. Durch Bedeutungswandel kann das Wort jedoch einen Gegenstand oder ein Ergebnis bezeichnen: In „Das Schreiben wurde verspätet zugestellt“ bedeutet Schreiben einen geschriebenen Gegenstand. Dies heißt Resultatsnominalisierung oder Nomen resultatis und zählt zwar weiterhin zur Konversion, aber nicht zur Substantivierung im dargestellten engen Sinn.
Bei reflexiven Verben entfällt sich normalerweise: sich verhalten → das Verhalten. Eine gelegentliche, situationsbezogene Konversion kann jedoch zusammengeschrieben werden, etwa das Sichbeklagen. In „Sich (zu) regen bringt Segen“ ist regen dagegen nicht substantiviert und wird kleingeschrieben.
Aus einer Verbsubstantivierung und einem Objekt kann ein Kompositum entstehen, beispielsweise das Teetrinken. Bei komplexen Verbindungen ist eine Durchkopplung möglich: das Geld-zum-Fenster-Hinauswerfen.
Substantivierte Adjektive
Adjektive und adjektivische Partizipien können ebenfalls ohne äußere Formänderung zu Substantiven werden: krank → ein Kranker, angestellt → ein Angestellter, studierend → die Studierenden. Meist behalten sie die adjektivische Beugung: die neue Kollegin → die Neue.
Maskuline und feminine Formen bezeichnen gewöhnlich Personen, etwa die Unbekannte, ein Verwandter oder jeder Delegierte. Im Singular wird das Geschlecht unterschieden, im Plural nicht: die Großen, Studierende. Neutrumformen beziehen sich meist auf Unbelebtes und nicht Zählbares, etwa das Böse, etwas Hübsches oder alles Brauchbare. Sie können aber auch Jungtiere oder Kinder bezeichnen: die Bärin und ihr Junges, das Kleine von Herrn Meyer. Feststehende elliptische Ausdrücke können Zählbares meinen, zum Beispiel ein Helles, einen Roten trinken, eine Linke, eine Gerade oder eine Diagonale.
Nach jemand, niemand, etwas und wer steht im Nominativ und Akkusativ normalerweise -es: jemand Unbekanntes, niemand Bekanntes treffen, wen Nettes kennenlernen. Im Dativ steht -em: mit jemand Unbekanntem. Regional kommen auch andere zulässige Formen vor. Steht ein attributives Adjektiv davor, gilt standardsprachlich eine besondere Beugung: anderes Schöne, mein ganzes Innere, einiges Interessante. Formen wie anderes Schönes sind von der Standardsprache abweichend, aber zulässig und weit verbreitet.
Ursprünglich substantivierte Adjektive können sich zu selbstständigen Substantiven entwickeln, etwa der Junge oder der Oberst(e). Dann kann sich auch ihre Beugung ändern: mehrere variable Größen, aber mehrere Variablen; der Schnitt zweier gerader Linien, aber der Schnitt zweier Geraden. Teilweise wird die Unterscheidung zwischen starker und schwacher Form auf Wörter übertragen, die nicht mehr als Adjektive gelten: der Angestellte/ein Angestellter, der Beamte/ein Beamter, der Deutsche/ein Deutscher. Ein Sonderfall ist das Junge/ein Junges der Katze gegenüber der kleine/ein kleiner Junge für eine Person.
Bei Farben und Sprachen gibt es neben Formen mit Deklinationsendung wie ins Schwarze, im Dunkeln und aus dem Italienischen auch endungslose lexikalische Substantivierungen: ein reines Schwarz, welch ein Dunkel, das Italienisch Dantes. Weitere endungslose Substantivierungen sind ein kühles Nass, das Rund der Erde, Spitz, Tief sowie Arm und Reich, Jung und Alt oder Gut und Böse. Davon zu unterscheiden sind nicht substantivierte Adjektive in festen Verbindungen wie für dumm verkaufen, seit ewig, von klein auf oder durch dick und dünn.
Weitere Wortarten und Erkennungsmerkmale
Auch andere Wortarten können substantiviert werden: direktionale Partikeln in das Auf und Ab, Konjunktionen in ohne Wenn und Aber, die Antwortpartikel in ein Nein, Adverbien in das Gestern und das Heute, ein Pronomen in die Grenzen des Ich und ein Zahlwort in die Drei. Zitierte Laute, Buchstaben, Wörter, Sätze und Werktitel können grammatisch ebenfalls wie Substantive behandelt werden, etwa das lange I, die Form eines U, ein „nicht wahr?“ oder „Krieg und Frieden“.
Die Unterscheidung ist für die Rechtschreibung wichtig, weil Substantive großgeschrieben werden. Ein wichtiges Merkmal ist, dass das Wort den Kern einer Nominalphrase bildet und beispielsweise als Subjekt oder Prädikativ auftritt: Julia liebt Schwimmen; Vorbeugen ist besser als Heilen; seine Lieblingsfarbe ist Rot. Dieses Merkmal ist aber nicht immer eindeutig: Infinitive als Kern einer Nominalphrase müssen nicht zwingend substantiviert sein, und in „er isst nur weißen“ liegt eine Ellipse vor, weil ein ausgelassenes Substantiv ergänzt werden kann.
Weitere Hinweise sind: • ein vorausgehender Artikel oder ein Demonstrativpronomen: ein Raunen, beim Lernen, dieses Warten, die Neuen; • eine Genitivkonstruktion oder ein Possessivpronomen: ihr Zögern, Lillis Weinen, das Schweigen der Lämmer, deine Vier in Latein; • eine Präposition: aus Versehen, mit Bangen, durch Üben, ans Eingemachte; • ein vorausgehendes gebeugtes Adjektiv oder Partizip: zustimmendes Nicken, betretenes Schweigen, dunkles Violett, treue Liebende; • ein Indefinitpronomen: kein Schelten, viel Essen, viel Neues, alles Mögliche, nichts Berauschendes.
Diese Merkmale sind nur Faustregeln. Scheinbar ähnliche Fälle können Ellipsen sein, etwa „die großen Fische fressen die kleinen“, „meine zwei Kinder sind mir lieber als Paulas vier“, „in kalten Gewässern eher als in warmen“ oder „lieber alte, aber weiche Socken als kratzige neue“.
Substantivierung durch Ableitung
Im weiten Sinn umfasst Substantivierung auch die Derivation: Aus einer anderen Wortart entsteht durch Affixe oder andere Veränderungen ein Substantiv. Bei Verben können so Verbalabstrakta oder Nomina actionis entstehen, die Ereignisse, Sachverhalte oder Handlungen bezeichnen: die Lauferei mit dem Suffix -erei, die Lieferung mit -ung, das Geheul(e) mit dem Präfix Ge- sowie die Tat aus tun durch Ablaut zu a und das Suffix -t.
Andere Ableitungen bezeichnen einen Gegenstand oder eine Person, die im verbalen Ereignis eine wichtige Rolle spielt. Ein Nomen agentis bezeichnet die handelnde Person, also das Agens: Schreiber aus schreib- und -er. Ein Nomen instrumenti bezeichnet ein Werkzeug: Filzschreiber. Ein Nomen acti bezeichnet einen hervorgebrachten Gegenstand oder ein Ergebnis: Lieferung in „Die Lieferung war beschädigt“.
Affixe können mehrdeutig sein. Das Suffix -er kann beispielsweise ein Agens, ein Instrument oder etwas anderes bezeichnen. Lieferung kann sowohl das Ereignis des Lieferns als auch die gelieferten Gegenstände meinen. Gegenüber einer engen Substantivierung unterscheiden sich solche Bildungen durch das Ableitungsaffix; bei Resultats-, Personen- oder Instrumentbezeichnungen kommt außerdem eine Bedeutungsverschiebung vom Ereignis zu einem damit verbundenen Gegenstand hinzu.
Auch aus Adjektiven entstehen durch Ableitung Substantive. Bezeichnen sie die Eigenschaft selbst, heißen sie Adjektivabstrakta. Beispiele sind die Länge aus lang mit dem Suffix -e, die Reinheit aus rein mit -heit und die Lauterkeit aus lauter mit -keit.
Lernvideos zu Substantivierung
5:33
Groß- und Kleinschreibung: Substantivierung einfach erklärt l Deutsch lernen
musstewissen Deutsch · 345.781 Aufrufe
8:56
Wortbildung: Substantivierung / Nominalisierung - kurz & knackig | Deutsch
Diego Hagen · 35.195 Aufrufe
5:31
Substantivierung - Großschreibung einfach erklärt | Deutsch lernen
Nachhilfe vom Lehrer · 17.534 Aufrufe