Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Industrie

Die Industrie befasst sich als Teil der Wirtschaft mit der gewerblichen Gewinnung, Bearbeitung und Weiterverarbeitung von Rohstoffen oder Zwischenprodukten …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Kennzeichen
  2. 2. Abgrenzung zu anderen Bereichen
  3. 3. Industrialisierung und digitale Revolution
  4. 4. Betriebsgrößen und Kosten
  5. 5. Volkswirtschaftliche Einordnung und Branchen

Begriff und Kennzeichen

Industrie ist ein Teil der Wirtschaft. Sie gewinnt, bearbeitet und verarbeitet Rohstoffe oder Zwischenprodukte gewerblich zu Sachgütern weiter. Kennzeichnend sind die Massenproduktion annähernd homogener Güter, standardisierte Produktionsverfahren, Arbeitsteilung, Mechanisierung und Automatisierung.

Die heutige Industriebetriebslehre definiert Industrie als „gewerbliche Sachgüterproduktion im Fabriksystem“. Industrie gehört damit zum Sekundärsektor. Nach Erich Gutenberg (1951) müssen industrielle Produktionsfaktoren in einem bestimmten Verhältnis eingesetzt werden und sind nicht beliebig teilbar; dies heißt Produktionsfunktion vom Typ B.

Abgrenzung zu anderen Bereichen

Bezeichnungen wie Tourismus-, Musik-, Unterhaltungs- oder Finanzindustrie meinen oft nicht Industrie im engeren Sinn, sondern Dienstleistungsbranchen. Ursache kann die Mehrdeutigkeit des englischen Wortes industry sein, das auch „Branche“ oder „Wirtschaftszweig“ bedeutet. Die Bezeichnung kann Massenproduktion kritisch hervorheben oder einen hohen Grad von Technisierung und Automatisierung positiv betonen, etwa bei der Softwareindustrie.

Auch Bergbauindustrie und Bauindustrie sind Grenzfälle: Bergbau wird eher dem primären Sektor zugeordnet; Bauindustrie eher dem Handwerk. Sie hat einen geringeren Mechanisierungs- und besonders Automatisierungsgrad sowie eine höhere Personal- als Anlagenintensität. Industrielle Landwirtschaft oder Agrarindustrie bedeutet den Einsatz industrieller Methoden im Agrarsektor und ist aus Umwelt- und Tierschutzgründen umstritten.

Industrialisierung und digitale Revolution

Die Industriegeschichte gliedert sich in vorindustrielle Epoche (vor 1770), erste moderne Industrie (1770–1820), Frühindustrialisierung (1820–1860), Spätindustrialisierung (1860–1890) und Hochindustrialisierung (seit 1890). Seit 1969 besteht der Zeitabschnitt der digitalen Revolution. Als Hauptursachen der Industrialisierung gelten technische Erfindungen und die Rationalisierung der Arbeitsorganisation.

Vorformen waren das Verlagssystem mit dezentraler Heimarbeit und zentralem Vertrieb sowie die Manufaktur: zentralisierte Lohnarbeiter fertigten in Werkstätten überwiegend von Hand, meist Luxusgüter. Ab 1769 setzte sich die Fabrik durch, in der Arbeiter vor allem maschinelle Arbeitsmittel einsetzten. Richard Arkwrights Waterframe führte 1771 in Cromford zur ersten industriellen Baumwollspinnerei der Welt.

Die von James Watt 1769 patentierte Dampfmaschine trieb zunächst Textilmaschinen an und förderte danach unter anderem Schiffbau, Eisenbahnbau, Montanindustrie und Stahlindustrie. Die erste industrielle Revolution verwandelte viele Agrarstaaten in Industriestaaten. In England gab es 1821 bereits 1500 Dampfmaschinen für die industrielle Fertigung. Elektrische Energie, Verbrennungsmotor, Dampfturbinen und die Fernübertragung von Drehstrom (Oskar von Miller, 1891) machten Standorte zunehmend unabhängiger von örtlichen Energiequellen.

Die Automobilindustrie begann 1897 in den USA; Henry Ford führte 1913 das erste permanente Fließband ein. Seine Produktion stieg auf das Achtfache. Arbeitsteilung wurde durch Frederick Winslow Taylors Forschungen ab 1911 organisatorisch weiterentwickelt. Nach der Zerstörung deutscher Industrieanlagen im Zweiten Weltkrieg begann ab 1946 der Wiederaufbau. Bezogen auf 1936 = 100 % betrug die reale Industrieproduktion 1946 34 %, 1947 40 % und 1948 60 %. 1950 erzielte die deutsche Industrie 80 Mrd. DM Umsatz, gegenüber 27 Mrd. DM im Handwerk und 9,4 Mrd. DM in der Landwirtschaft.

Die digitale Revolution wurde durch digitale Technologien und neue Wirtschaftszweige geprägt. Wichtige Schritte waren die Entwicklung des Internets seit Oktober 1969, Intels erster kommerzieller Mikroprozessor im November 1971, der Mikrocomputer Micral N im Februar 1973, Microsoft im April 1975, der Apple II im April 1977 und IBMs erster PC im August 1981. Digitale Ton- und Bildträger sowie das erste digitale GSM-fähige Mobiltelefon, Motorola International 3200 (September 1991), erweiterten die Digitalisierung.

Betriebsgrößen und Kosten

Die Industriebetriebslehre untersucht typische Merkmale von Industriebetrieben. Wegen hoher Anlagenintensität, also eines hohen Anteils an Maschinen und Anlagen, neigt Industrie zu großen Betrieben mit hohem Kapitalbedarf.

Großindustrie kann durch Massenproduktion und Skaleneffekte kostengünstiger produzieren als kleine und mittlere Unternehmen. Bei steigender Kapazitätsauslastung sinkt nach dem Gesetz der Massenproduktion der Fixkostenanteil je Stück. Sinkende Kosten infolge einer Kapazitätserhöhung heißen Economies of Scale oder statische Skaleneffekte. Just-in-time-Produktion kann Lagerrisiken senken; nahegelegene Industrieparks können sie unterstützen. Große Marktanteile können außerdem zu Marktmacht und Preisführerschaft führen. Bei hoher Technologieorientierung ist Technologieführerschaft typisch.

In Deutschland bedienen zahlreiche mittelständische Hidden Champions und Familienunternehmen industrielle Marktnischen durch Spezialisierung und Innovationskraft. Über 63 Prozent der 1.000 größten deutschen Familienunternehmen sind der Industrie zuzurechnen.

Volkswirtschaftliche Einordnung und Branchen

In der Einteilung des Statistischen Bundesamts gehört Industrie zum Produzierenden Gewerbe. Dieses umfasst Bergbau, Verarbeitende Industrie, Energie- und Wasserversorgung sowie Bauindustrie. Die verarbeitende Industrie gliedert sich in Vorleistungs-, Investitionsgüter-, Gebrauchsgüter- und Verbrauchsgüterindustrie. Das Statistische Bundesamt definierte Industrie 1979 als Institutionen, deren Tätigkeit überwiegend darin besteht, Elektrizität, Gas, Fernwärme und Waren zu erzeugen oder zu gewinnen oder sie zu be- oder verarbeiten, um andere Waren herzustellen.

Bedeutende Industriezweige sind unter anderem Montan- und Schwerindustrie, Metallindustrie, Maschinenbau, Fahrzeugbau, Elektroindustrie, chemische Industrie, Recycling- und Abfallindustrie sowie Konsumgüter- oder Leichtindustrie. Zur Einteilung dienen insbesondere die ISIC der UNO und die NACE der EU.

Nach ISIC Rev. 4 stehen die Nummern 10–18 für Lebensmittel, Getränke, Tabak, Textilien, Bekleidung, Leder, Holz und Kork, Papier sowie Druckerzeugnisse; 19–25 für Kohle-, Öl- und nukleare Brennstoffe, Chemie, pharmazeutische Erzeugnisse, Gummi und Plastik, Nichtmetall, Metalle und Metallwaren; 26–33 für Datenverarbeitungsgeräte sowie elektronische und optische Erzeugnisse, Elektrogeräte, Maschinen und Ausrüstung, Fahrzeuge, sonstige Transportgeräte, Möbel, sonstige Waren sowie Reparatur und Installation von Maschinen und Ausrüstungen.

Lernvideos zu Industrie

Weiterlesen

Wirtschaft Wirtschaft oder Ökonomie ist die Gesamtheit aller Einrichtungen und Handlungen, die der planvollen Befriedigung der Bedürfnisse dienen. Gewerbe Ein Gewerbe ist jede erlaubte wirtschaftliche selbständige Tätigkeit, die auf eigene Rechnung, eigene Verantwortung und auf eine gewisse Dauer mit … Rohstoff Energierohstoffe dienen der Erzeugung von Energie. Zu ihnen gehören fossile Rohstoffe wie Kohle, Erdöl und Erdgas, Luft, Wasser und Sonne als Grundlagen … Zwischenprodukt Unter einem Zwischenprodukt (oder Intermediat) versteht man in der Chemie das Produkt einer chemischen Reaktion, das aus chemischen, technischen oder … Allegorie Unter Allegorese (allegorische Deutung) versteht man die Deutung von Allegorien jeder Art, so etwa spricht man von Buchstaben-, Edelstein-, Farb-, Kleider- und … Frankreich Die Französische Republik wird in ihrer Verfassung als unteilbar, laizistisch, demokratisch und sozial erklärt. Ihr Grundsatz lautet: „Regierung des Volkes … Adam Smith ... Arbeitsteilung. Der freie innere und internationale Verkehr bewirkt nach Smith nicht allein eine zweckmäßige örtliche und zeitliche Verteilung von Kräften … Friedrich Schiller Johann Christoph Friedrich Schiller, ab 1802 von Schiller (* 10. November 1759 in Marbach am Neckar; † 9. Mai 1805 in Weimar), war ein deutscher Dichter, … Arbeitsteilung Wirtschaftssubjekt, Vorteile, Nachteile. Arbeitgeber, Steigerung der Arbeitsproduktivität, bessere Ertragslage, Arbeitsqualität nimmt zu, geringe Flexibilität … Betriebswirt Der Betriebswirt hat eine höhere kaufmännische Ausbildung und erfüllt kaufmännische oder betriebswirtschaftliche Fach- und Führungsaufgaben in … Erich Gutenberg Mai 1984 in Köln) war ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler. Er gilt als Begründer der modernen deutschen Betriebswirtschaftslehre (BWL) nach dem Zweiten … Produktionsfaktor Als Produktionsfaktor bezeichnet man in der Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre jene in der Produktion verwendeten materiellen und …