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Adam Smith

... Arbeitsteilung. Der freie innere und internationale Verkehr bewirkt nach Smith nicht allein eine zweckmäßige örtliche und zeitliche Verteilung von Kräften …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Hauptgedanken
  2. 2. Arbeit, Tausch und Wohlstand
  3. 3. Preise, Wettbewerb und Löhne
  4. 4. Freihandel, Kapital und staatliche Aufgaben
  5. 5. Leben und Schriften

Bedeutung und Hauptgedanken

Adam Smith (getauft am 16. Juni 1723 in Kirkcaldy, Schottland; † 17. Juli 1790 in Edinburgh) war Moralphilosoph, Aufklärer und Begründer der klassischen Nationalökonomie. Sein wichtigstes ökonomisches Werk ist Der Wohlstand der Nationen (1776; Originaltitel: An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations). Es gilt als Geburtsstunde der englischen Nationalökonomie, weil Smith wirtschaftliche Vorgänge wissenschaftlich untersuchte und nicht nur aus Sicht des Staates oder einzelner Kaufleute beschrieb.

Smith verband Ökonomie mit Moral. In Theorie der ethischen Gefühle (1759) nennt er die Sympathie – das natürliche Gefühl der Verbundenheit mit anderen Menschen – eine Grundlage der Moral. Handlungen werden dabei auch am „inneren Richter“ oder „unparteiischen Beobachter“ gemessen: Er fragt, ob sie gesellschaftlich anerkannt und legitimierbar sind. Im Wohlstand der Nationen untersucht Smith, wie persönliches Gewinnstreben innerhalb solcher gesellschaftlichen Grenzen zum allgemeinen Wohlstand beitragen kann.

Arbeit, Tausch und Wohlstand

Für Smith ist Arbeit Quelle und Maßstab des Wertes von Gütern. Anders als die Physiokraten, für die die Natur die einzige Wertquelle war, betrachtet er jede nützliche Arbeit als produktiv. Damit entwickelte er die klassische Arbeitswertlehre weiter: Wert wird durch „Arbeit schlechthin“ geschaffen, unabhängig von ihrer konkreten Form.

Entscheidend für wachsenden Wohlstand ist die Arbeitsteilung, also die Aufteilung eines Herstellungsprozesses in spezialisierte Einzeltätigkeiten. Sie steigere die produktiven Kräfte der Arbeit stärker als alles andere. Smith erläutert dies mit der Stecknadelproduktion: Ein ungelernter Arbeiter könne „sicherlich keine zwanzig Nadeln und vielleicht nicht einmal eine Nadel am Tag herstellen“. In einer kleinen spezialisierten Manufaktur stellten dagegen zehn Arbeiter täglich etwa 48.000 Stecknadeln her, also 4.800 je Arbeiter.

Die Arbeitsteilung entsteht nach Smith aus der menschlichen Neigung zum Verhandeln, Tauschen und Kaufen. Mehr Handel ermöglicht mehr Spezialisierung; Güter können dadurch wirksamer produziert und günstiger getauscht werden. Die Marktwirtschaft ist bei Smith deshalb kein Nullsummenspiel: Wirtschaftliches Wachstum kann grundsätzlich allen Bevölkerungsschichten zugutekommen.

Die oft mit Smith verbundene „unsichtbare Hand“ bezeichnet keine wörtliche Marktregel, sondern eine Metapher. Im Wohlstand der Nationen verwendet Smith sie nur einmal, im Zusammenhang mit Handelsbeschränkungen. Wer aus Eigeninteresse seine Produktivität und Erträge steigert, fördert dabei häufig auch das gesellschaftliche Interesse, obwohl dies nicht beabsichtigt war.

Preise, Wettbewerb und Löhne

Smith unterscheidet natürlichen Preis und Marktpreis. Der natürliche Preis deckt nach den üblichen oder natürlichen Sätzen Grundrente, Arbeitslohn und Kapitalgewinn, die bei Produktion, Verarbeitung und Transport einer Ware anfallen. Der Marktpreis ist der tatsächlich gezahlte Preis; er kann höher, niedriger oder gleich hoch sein.

Liegt der Marktpreis über dem natürlichen Preis, lohnt sich die Herstellung und das Angebot wächst. Dadurch sinkt der Marktpreis. Liegt er darunter, deckt er Arbeitslohn, Kapitalgewinn oder Grundrente nicht ausreichend; das Angebot sinkt und der Marktpreis steigt. Der natürliche Preis ist somit der „zentrale, auf den die Preise aller Güter ständig hinstreben“.

Freier Wettbewerb ist für Smith wichtig, während Monopole, Kartelle und Zünfte ihn schädigen. Er kritisierte besonders, dass Unternehmer wegen ihrer geringeren Zahl leichter gemeinsame Lohnsenkungen durchsetzen könnten als Arbeiter ihre Interessen. Zugleich betrachtete er auch gewaltsame Arbeiterverbindungen kritisch. Für die Lohnhöhe befürwortete er einen freien Arbeitsmarkt: Wächst die Nachfrage nach Arbeitskräften dauerhaft, konkurrieren Unternehmer um Arbeiter und treiben den Lohn nach oben.

Löhne müssten mindestens die Existenz sichern und meist darüber liegen, damit Arbeiter Familien gründen könnten. Nicht der absolute Reichtum eines Landes sei ausschlaggebend, sondern sein anhaltendes Wachstum: Die höchsten Löhne gebe es in Ländern, die am schnellsten reich würden. Eine gesetzliche Festlegung von Löhnen lehnte Smith ab.

Freihandel, Kapital und staatliche Aufgaben

Smith sah den Wohlstand am besten in einem System der natürlichen Freiheit verwirklicht. Wegen der komplizierten Arbeitsteilung könne der Staat die gesamte Produktion nicht sinnvoll planen. Private Interessen sollten daher innerhalb eines verlässlichen Rechtsrahmens verfolgt werden.

Dem Staat weist Smith vier zentrale Aufgaben zu:

  • Organisation der Landesverteidigung;
  • Schutz aller Mitglieder der Gesellschaft vor Ungerechtigkeit und Unterdrückung;
  • Errichtung und Unterhalt öffentlicher Einrichtungen, die Private nicht ausreichend bereitstellen können, etwa Unterrichts- und Transportwesen;
  • Durchsetzung des Privateigentums.

Öffentliche Bildung war Smith besonders wichtig. Arbeitsteilung könne Arbeiter „verdummen“, wenn sie nur wenige Handgriffe ausführen. Deshalb solle der Staat die Erziehung der Jugend sowie die Unterrichtung und Ausbildung von Menschen jeden Alters sichern, besonders für das „einfache Volk“.

Smith trat grundsätzlich für freien Binnen- und Außenhandel ein, weil dieser Arbeit, Kapital und Güter günstiger verteile und den Wohlstand fördern könne. Handelsfreiheit war für ihn aber kein ausnahmsloses Prinzip. Die englischen Navigationsakte befürwortete er, weil Landesverteidigung für ihn wichtiger als Wohlstand war. Auch gleiche Steuern auf importierte und inländische Waren hielt er für zulässig. Zölle und Einfuhrverbote sollten außerdem langsam und mit Vorankündigung abgebaut werden, wenn andernfalls Beschäftigte und Unternehmer plötzlich schwere Verluste erleiden würden.

Ein allgemeines Zinsverbot lehnte Smith ab, weil es Wucher verstärken könne. Einen gesetzlichen Höchstzins hielt er jedoch für sinnvoll, wenn er etwas über dem üblichen Marktzins liegt. Ein zu hoher Höchstzins, etwa 8 oder 10 % in England, könne Geld an unseriöse Geschäftsleute und „Plänemacher“ lenken.

Leben und Schriften

Smith studierte von 1737 bis 1740 an der Universität Glasgow, unter anderem bei Francis Hutcheson, und von 1740 bis 1746 Philosophie am Balliol College in Oxford. Ab 1748/49 hielt er öffentliche Vorlesungen in Edinburgh. 1751 wurde er, nach anderer Quelle 1750, Professor für Logik in Glasgow; 1752 übernahm er dort den Lehrstuhl für Moralphilosophie. Zu seinen Freunden gehörte der Philosoph David Hume.

Von Anfang 1764 bis Ende 1766 begleitete Smith als Tutor Henry Scott, 3rd Duke of Buccleuch, auf einer Bildungsreise durch Frankreich und die Schweiz. In Toulouse begann er 1764 mit der Arbeit an Der Wohlstand der Nationen. In Frankreich lernte er unter anderem Voltaire, Turgot und François Quesnay kennen; Quesnay war ein führender Vertreter des Physiokratismus.

Nach dem Erscheinen des Wohlstands der Nationen 1776 lebte Smith überwiegend in Kirkcaldy. 1778 wurde er Zollkommissar von Schottland und zog nach Edinburgh. 1783 war er Gründungsmitglied der Royal Society of Edinburgh. Er starb 1790; auf seinen testamentarischen Wunsch wurden zahlreiche private Aufzeichnungen vernichtet.

Zu seinen wichtigsten Werken zählen Theorie der ethischen Gefühle (1759), Der Wohlstand der Nationen (1776), Essays on Philosophical Subjects (postum 1795), Lectures on Jurisprudence (postum 1976) und Lectures on Rhetoric and Belles Lettres (postum 1976).

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