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Friedrich Schiller
Johann Christoph Friedrich Schiller, ab 1802 von Schiller (* 10. November 1759 in Marbach am Neckar; † 9. Mai 1805 in Weimar), war ein deutscher Dichter, …
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Bedeutung und Einordnung
Johann Christoph Friedrich Schiller, seit 1802 von Schiller, wurde am 10. November 1759 in Marbach am Neckar geboren und starb am 9. Mai 1805 in Weimar. Er war deutscher Dichter, Historiker und Philosoph. Neben Christoph Martin Wieland, Johann Wolfgang Goethe und Johann Gottfried Herder gilt er als einer der bedeutendsten Vertreter der klassischen deutschen Literatur.
Schiller prägte vor allem das deutschsprachige Drama. Seine frühen Stücke gehören zum Sturm und Drang, einer literarischen Bewegung, die Gefühl, Freiheit und den Widerstand gegen gesellschaftliche Zwänge betonte. Seine späteren Werke zählen zur Weimarer Klassik, die Vernunft und Gefühl, Freiheit und sittliche Verantwortung miteinander verbinden wollte. Zu den bis heute häufig gespielten Dramen gehören Die Räuber, Don Karlos, die Wallenstein-Trilogie, Maria Stuart, Die Jungfrau von Orléans und Wilhelm Tell.
Daneben schrieb Schiller bekannte Balladen und Gedichte, historische Darstellungen, Erzählungen sowie philosophische und ästhetische Abhandlungen. In seinem Werk stehen besonders Freiheit, Humanität, moralisches Handeln und die erzieherische Wirkung der Kunst im Mittelpunkt.
Leben und Weg zum Schriftsteller
Schiller war der einzige Sohn des württembergischen Offiziers und Wundarztes Johann Kaspar Schiller und seiner Frau Elisabetha Dorothea Schiller, geb. Kodweiß. Er wuchs mit seinen Schwestern unter anderem in Lorch und Ludwigsburg auf. Auf Befehl von Herzog Carl Eugen musste er am 16. Januar 1773 gegen den Willen seiner Eltern in die militärisch geführte Karlsschule eintreten. Zunächst studierte er Rechtswissenschaften, später Medizin. 1780 wurde er nach mehreren Anläufen mit der Dissertation Versuch über den Zusammenhang der thierischen Natur des Menschen mit seiner geistigen promoviert und anschließend Regimentsmedicus, also Militärarzt, in der württembergischen Armee.
Schon während des Studiums beschäftigte er sich mit Plutarch, Shakespeare, Voltaire, Rousseau und Goethe. 1776 begann er sein Freiheitsdrama Die Räuber. Das Stück erschien 1781 anonym und wurde am 13. Januar 1782 in Mannheim mit großem Erfolg uraufgeführt. Weil Schiller ohne Erlaubnis zur Aufführung gereist war, ließ Herzog Carl Eugen ihn später vierzehn Tage einsperren. Als ihm außerdem weitere nicht-medizinische Schriftstellerei verboten und Festungshaft angedroht wurde, floh er in der Nacht vom 22. auf den 23. September 1782 mit Andreas Streicher aus Stuttgart. Damit galt er als fahnenflüchtiger Militärarzt.
Unter dem Namen Dr. Ritter fand er in Bauerbach Schutz. Dort vollendete er Luise Millerin, später unter dem Titel Kabale und Liebe aufgeführt, und begann Don Karlos. 1783 wurde er Theaterdichter in Mannheim, doch sein Vertrag wurde nach einem Jahr nicht verlängert. In wirtschaftlicher Not reiste er 1785 zu seinem Freund und Förderer Christian Gottfried Körner nach Leipzig. In dessen Umfeld entstand die Ode An die Freude. 1787 kam Schiller nach Weimar und begegnete dort Herder, Wieland und Goethe.
1789 erhielt Schiller in Jena eine zunächst unbezahlte außerordentliche Professur und lehrte als Historiker. Seine Antrittsvorlesung Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte? am 26. Mai 1789 zog so viele Zuhörer an, dass sie in den größten Saal der Universität verlegt werden musste. Am 22. Februar 1790 heiratete er Charlotte von Lengefeld. Seit Ende 1790 war Schiller schwer und vermutlich an Tuberkulose erkrankt. Eine auf drei Jahre befristete jährliche Pension von 1000 Talern aus einem dänischen Freundeskreis ermöglichte ihm ab 1791, sich stärker seinen philosophischen und ästhetischen Studien zu widmen. 1792 wurde er wegen Die Räuber Ehrenbürger der Französischen Republik. Die spätere Schreckensherrschaft der Französischen Revolution lehnte er jedoch entschieden ab.
Goethe, Weimar und letzte Jahre
Ab 1794 entwickelte sich zwischen Schiller und Goethe eine enge Freundschaft und Arbeitsgemeinschaft. Anfangs hatten beide einander als Konkurrenten betrachtet. Nun tauschten sie sich intensiv über Literatur, Philosophie und Naturwissenschaft aus, lasen ihre Arbeiten gegenseitig und motivierten einander. Schiller gewann Goethe als Mitarbeiter für die Zeitschrift Die Horen. Gemeinsam verfassten sie die Xenien, in denen sie literarische Missstände verspotteten.
1797 gilt als „Balladenjahr“, weil Goethe und Schiller besonders viele Balladen schrieben. Von Schiller entstanden unter anderem Der Taucher, Der Handschuh, Der Ring des Polykrates, Ritter Toggenburg, Der Gang nach dem Eisenhammer und Die Kraniche des Ibykus. 1798 folgten Die Bürgschaft und Der Kampf mit dem Drachen.
1799 zog Schiller mit seiner Familie nach Weimar. In diesem Jahr vollendete er den Wallenstein und Das Lied von der Glocke. Danach entstanden Maria Stuart (1800), Die Jungfrau von Orléans (1801), Die Braut von Messina (1803) und Wilhelm Tell, den er am 18. Februar 1804 abschloss. Das Drama Demetrius blieb unvollendet. 1802 wurde Schiller von Kaiser Franz II. in den Reichsadelsstand erhoben und durfte sich Friedrich von Schiller nennen.
Am 9. Mai 1805 starb Schiller im Alter von 45 Jahren in Weimar an einer vermutlich durch Tuberkulose verursachten akuten Lungenentzündung. Kurz zuvor hatte er noch Jean Racines Tragödie Phèdre übersetzt. Seine Gebeine konnten später nicht sicher bestimmt werden: DNA-Untersuchungen ergaben 2008, dass keiner der beiden zeitweise Schiller zugeschriebenen Schädel von ihm stammt. Auch das untersuchte Skelett enthielt Teile von mindestens drei verschiedenen Personen. Deshalb blieb sein Sarg in der Weimarer Fürstengruft leer.
Dramen, Lyrik und Erzählprosa
Schillers frühe Dramen richten sich gegen Willkürherrschaft und gesellschaftliche Schranken. Die Räuber stellt einen Freiheitskampf gegen Tyrannei dar. Kabale und Liebe verbindet den Konflikt zwischen Menschlichkeit und Herrschsucht mit einer nicht standesgemäßen Liebesbeziehung. Don Karlos gehört zur Übergangsphase zwischen Sturm und Drang und Klassik. In den späteren Geschichtsdramen wie Wallenstein, Maria Stuart, Die Jungfrau von Orléans und Wilhelm Tell gestaltet Schiller politische und moralische Konflikte mit historischen Stoffen.
Seine frühe Lyrik wurde unter anderem von Klopstock, Schubart, der Bibel, Ovid, Horaz, Shakespeare und dem jungen Goethe beeinflusst. Kennzeichnend waren eine kraftvolle Sprache und die Behandlung großer gesellschaftlicher und menschlicher Themen. Die Anthologie auf das Jahr 1782 enthielt vor allem eigene Gedichte und sollte ein rebellisches Gegenstück zu einer von Schiller als harmlos empfundenen Dichtung bilden.
An die Freude entstand 1785 und wurde mehr als 100 Mal vertont; besonders bekannt ist Ludwig van Beethovens Verarbeitung im Schlusssatz seiner 9. Sinfonie. Weitere wichtige Gedichte sind Der Spaziergang, Die Götter Griechenlandes, Das Lied von der Glocke und Nänie. Schillers Gedankenlyrik verbindet poetische Bilder mit philosophischen Fragen. Seine Balladen erzählen meist spannungsreiche Handlungen und prüfen dabei Werte wie Treue, Mut, Verantwortung und Menschlichkeit.
Schillers erzählerisches Werk ist klein. Zu seinen vier eigenen Erzählungen gehören Spiel des Schicksals, Eine großmütige Handlung, Der Verbrecher aus verlorener Ehre und der fragmentarische Roman Der Geisterseher. Der Geisterseher wurde mit Motiven wie Geisterbeschwörung und Spiritismus zu einem einflussreichen Werk der Schauerliteratur. In den übrigen Erzählungen griff Schiller reale Begebenheiten auf, konzentrierte sich auf die psychologische Entwicklung der Figuren und machte teilweise auf gesellschaftliche Missstände wie den Strafvollzug aufmerksam.
Philosophie, Geschichte und literarisches Programm
Seit etwa 1791 beeinflusste besonders Immanuel Kants Philosophie Schillers Denken. Kant erklärte, dass der Mensch die „Dinge an sich“ nicht erkennen könne, sondern nur ihre Erscheinungen. Moralisches Handeln beruhe für ihn nicht auf Neigung oder dem Wunsch nach Glück, sondern auf freier Einsicht in das Sittengesetz, den kategorischen Imperativ. Schönheit beschrieb Kant als Gegenstand eines „interesselosen“ Wohlgefallens: Ein schönes Objekt gefällt, ohne dass sein Besitz oder praktischer Nutzen entscheidend ist.
Schiller übernahm wichtige Gedanken Kants, setzte aber eigene Schwerpunkte. Seine berühmte Formel lautet, Schönheit sei „Freiheit in der Erscheinung“. Während Kant stärker vom Urteil des betrachtenden Menschen ausging, fragte Schiller auch nach den Eigenschaften des Kunstwerks. Ein schönes Werk erscheint ihm autonom: Es folgt keinem äußeren Zweck, sondern seinen eigenen inneren Gesetzen.
In Über Anmut und Würde und Über die ästhetische Erziehung des Menschen suchte Schiller eine Verbindung zwischen Pflicht und Neigung, Vernunft und Sinnlichkeit. Sein Ideal war die „schöne Seele“, in der Sinnlichkeit und Vernunft harmonieren und deren sichtbarer Ausdruck die Grazie ist. Kunst sollte die sinnlichen und geistigen Kräfte des Menschen ausgewogen ausbilden. Ästhetische Erziehung bedeutet daher, den Menschen durch Schönheit zur Freiheit und Vernunft zu führen.
In Über naive und sentimentalische Dichtung unterschied Schiller zwei dichterische Grundhaltungen. Der „naive“ Dichter ahmt im Zustand natürlicher Einfachheit die Wirklichkeit nach und richtet sich auf das Schöne; Goethe galt ihm als wichtigstes Beispiel. Der „sentimentalische“ Dichter steht im Zustand der Kultur und stellt ein Ideal dar. Damit beschrieb und rechtfertigte Schiller zugleich seine eigene, stärker reflektierende Dichtung.
Als Historiker verfasste Schiller die Geschichte des Abfalls der vereinigten Niederlande von der spanischen Regierung und die Geschichte des Dreißigjährigen Krieges. Geschichte hatte für ihn eine erzieherische Funktion. Er rückte den Menschen ins Zentrum und verband historische Analyse mit anthropologischen und ästhetischen Fragen. Diese Geschichtsauffassung prägte auch seine klassischen Geschichtsdramen.
Literaturgeschichtlich steht Schiller am Übergang vom absolutistischen zum bürgerlichen Zeitalter und im Umfeld der Französischen Revolution. Seine frühen Werke stärken mit ihrem Pathos und ihrer Empfindsamkeit bürgerliches Selbstbewusstsein gegen aristokratische Willkür. Seine klassischen Dramen sollten Verstand und Gefühl verbinden und den „ästhetischen Menschen“ formen. Diese Bildung verstand er als Voraussetzung für einen gewaltfreien Übergang zu einem vernünftigen Staat. In Über die ästhetische Erziehung des Menschen bezeichnete er den „Bau einer wahren politischen Freiheit“ als das „vollkommenste aller Kunstwerke“.
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