Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Rohstoff
Energierohstoffe dienen der Erzeugung von Energie. Zu ihnen gehören fossile Rohstoffe wie Kohle, Erdöl und Erdgas, Luft, Wasser und Sonne als Grundlagen …
Inhalt5 Abschnitte
Begriff und Grundformen
Rohstoffe sind unbearbeitete Grundstoffe, die durch Urproduktion aus der Natur gewonnen werden. Sie werden entweder unmittelbar verbraucht oder industriell weiterverarbeitet. Geringfügig bearbeitete Grundstoffe, Halbfabrikate, Halbzeuge, Vorleistungsgüter, Zwischenprodukte und Endprodukte zählen nicht dazu. Naturprodukte, die unverarbeitet verbraucht werden können, gelten dagegen als Rohstoffe.
Daten sind keine Rohstoffe, weil sie durch ihre Nutzung nicht verbraucht werden. Erst ihre Interpretation erzeugt eine Information oder einen Mehrwert.
Man unterscheidet zwei Grundformen:
- Primärrohstoffe sind natürliche Ressourcen, die außer ihrer Herauslösung aus der natürlichen Quelle noch nicht bearbeitet wurden. Sie können direkt konsumiert oder als Arbeitsmittel, Ausgangsmaterial beziehungsweise Energieträger eingesetzt werden.
- Sekundärrohstoffe entstehen durch Wiederverwertung, also Recycling. Ihre Nutzung vermindert den Bedarf an neu gewonnenen Primärrohstoffen.
Die Gewinnung und Nutzung beider Arten gehört zur Rohstoffwirtschaft.
Einteilung nach Eigenschaften und Herkunft
Rohstoffe lassen sich nach ihren natürlichen Eigenschaften, ihrer Regenerierbarkeit, ihrer Herkunft sowie nach Gewinnung und Verwendungszweck ordnen.
Nach den natürlichen Eigenschaften werden organische und anorganische Rohstoffe unterschieden. Organische Rohstoffe stammen aus der belebten Natur; dazu gehören pflanzliche und tierische Stoffe sowie Mikroorganismen. Anorganische Rohstoffe stammen aus der unbelebten Natur, einschließlich Wasser und Luft.
Nach der Regenerierbarkeit gibt es erneuerbare und nichterneuerbare Rohstoffe. Erneuerbar sind nachwachsende Rohstoffe aus dem Tier- und Pflanzenreich sowie anorganische Ressourcen wie Wasser, Luft und Sonne. Mineralische und fossile Rohstoffe wie Metalle und Erdöl gelten als durch menschliche Einwirkung nicht erneuerbar, weil sie sich nur in geologischen oder astronomischen Zeiträumen bilden.
Die Herkunft kann den Erdsphären zugeordnet werden: Pflanzen und Tiere stammen aus der Biosphäre, Wasser und Fische aus der Hydrosphäre, Sauerstoff aus der Erdatmosphäre und mineralische Rohstoffe aus der Lithosphäre. Orte, an denen sich Rohstoffe in abbauwürdiger Form angereichert haben, heißen Lagerstätten. Ob sich ihr Abbau lohnt, hängt unter anderem von Menge, Qualität und Lage des Rohstoffs ab.
Gewinnung, Verwendung und Entwicklung des Verbrauchs
Nach Gewinnung und Verwendung werden Agrar- und Industrierohstoffe unterschieden. Agrarrohstoffe liefert die Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft. Getreide, Fleisch, Fisch und organische Öle werden beispielsweise zu Nahrungs-, Genuss- und Futtermitteln verarbeitet. Organische Abfälle können der Biogasproduktion dienen. Pflanzliche Erzeugnisse für technische Zwecke – etwa Holz, Kautschuk, Baumwolle, Industrieobst, Heilpflanzen und Raps – heißen industrielle pflanzliche Rohstoffe.
Industrierohstoffe aus anorganischen und fossilen Ressourcen werden meist als Bodenschätze im Bergbau gewonnen. Sie gliedern sich in vier Gruppen:
- Energierohstoffe dienen der Energieerzeugung. Dazu zählen Kohle, Erdöl, Erdgas und Uran sowie Luft, Wasser und Sonne als Grundlagen erneuerbarer Energie.
- Chemische Rohstoffe wie Kalk und Salz werden in der chemischen Industrie verarbeitet.
- Metallrohstoffe werden aus Erzen gewonnen. Eisen, Aluminium und Stahl sind wichtig für den Maschinen-, Schiff- und Automobilbau. Gold, Silber und Platin dienen unter anderem der Schmuckindustrie; zusammen mit Kupfer, Zinn und Halbleitern sind Metalle außerdem Grundlagen von Elektroindustrie und Elektronik.
- Bau- und Keramikrohstoffe wie Sand, Kies, Tonmineral, Kaolin und Werksteine werden aus Gesteinen oder Sedimenten gewonnen.
Rohstoffe wurden zu allen Zeiten genutzt und gehandelt; Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit sind sogar nach prägenden Werkstoffen benannt. Welche Rohstoffe benötigt werden, hängt stark vom Stand der Technik ab. Durch technologische Veränderungen verlieren manche Stoffe an Bedeutung, während andere erstmals nutzbar werden. Seit Beginn der industriellen Revolution stiegen Bedarf und Ansprüche. Die Studie „Die Grenzen des Wachstums“ von 1972 und die anschließende Ölkrise machten breiten Bevölkerungsschichten bewusst, dass Rohstoffe nicht unbegrenzt verfügbar sind.
Heute werden weltweit jährlich 100 Milliarden Tonnen Rohstoffe verbraucht, dreimal so viel wie in den 1970er-Jahren. 2012 war der Pro-Kopf-Verbrauch in Europa viermal so hoch wie in Asien und fünfmal so hoch wie in Afrika. Deutschland lag 2012 mit 200 kg pro Kopf und Tag weltweit mit an der Spitze.
Welthandel, Märkte und Geldanlage
Rohstoffe machen mehr als ein Drittel aller Güter im Welthandel aus. Anbau oder Förderung und Weiterverarbeitung erfolgen häufig in verschiedenen Ländern. Viele mineralische und fossile Rohstoffe erfordern hohe Investitionen und werden von wenigen multinationalen Konzernen gewonnen; solche oligopolartigen Strukturen beeinflussen die Preise. Schnell wachsende Staaten wie Indien, Brasilien und China sind als große Käufer hinzugekommen, unter anderem bei Eisenerz.
Der Gegensatz zwischen Export- und Importländern macht Rohstoffhandel zu einem politischen Thema. Grundzüge einer internationalen Rohstoffpolitik wurden 1927 auf der Weltwirtschaftskonferenz in Genf festgelegt. Industriestaaten sind auf freien Marktzugang angewiesen. Gleichzeitig sollen Regeln verhindern, dass beim Einkauf nur der Preis und nicht ethische, soziale und ökologische Bedingungen in den Abbauländern beachtet werden. Wichtige internationale Einrichtungen und Abkommen sind UNCTAD, Welthandelsorganisation (WTO), UN-Seerechtsübereinkommen, Antarktisvertrag und OPEC.
Rohstoffe werden besonders über Terminbörsen gehandelt. Die New York Mercantile Exchange (NYMEX) ist die weltgrößte Warenterminbörse. Die 1848 gegründete Chicago Board of Trade (CBOT) ist die älteste Terminbörse und gehört zur CME Group. Die London Metal Exchange (LME) ist besonders für Industriemetalle wichtig. ICE Futures ist Europas größte Terminbörse für Optionen und Futures auf Erdöl, Erdgas und Elektrizität. Gold und Silber werden vor allem am außerbörslichen London Bullion Market gehandelt; dort wird seit 1919 der Weltmarktpreis für Gold und seit 1897 der für Silber festgestellt.
Rohstoffindizes zeigen Preisentwicklungen. Der Thomson Reuters/Jefferies CRB Index misst 19 für den Welthandel wichtige Rohstoffe. Er wurde erstmals 1958 berechnet und 2005 grundlegend verändert; der ursprüngliche Index läuft als Continuous Commodity Index weiter. Der FAO Food Price Index erfasst Weltmarktpreise verschiedener Agrarrohstoffe und Nahrungsmittel. Rohstoffaktienindizes messen dagegen die Kursentwicklung von Rohstoffunternehmen. Der seit 1985 täglich veröffentlichte Baltic Dry Index bildet die Kosten des Seetransports wichtiger Massengüter wie Kohle, Eisenerz und Getreide ab und gilt als Stimmungsbarometer für Welthandel und Weltkonjunktur. Über 90 % des Welthandels, fast 95 % des EU-Außenhandels und nahezu 70 % des deutschen Im- und Exports erfolgen über See.
Als Geldanlage bilden Rohstoffe eine eigene, stark schwankende Anlageklasse. Investiert wird meist über Termingeschäfte oder Exchange-traded Commodities (ETCs), nicht durch den Besitz der physischen Ware. Hauptgruppen sind Agrarrohstoffe, Edelmetalle, Industriemetalle und Energierohstoffe. Anlagen in Agrarrohstoffe sind ethisch umstritten. Besonders beliebt sind Edelmetalle, vor allem Gold, das häufig als Absicherung gegen Inflation und Krisen angesehen wird.
Umwelt, Knappheit und Reichweite
Rohstoffgewinnung in großem Maßstab kann Menschen und Umwelt erheblich schädigen. Genannt werden Schadstofffreisetzungen beim Coltan- und Urantagebau, Ölunfälle, Rodungen und Überweidung für Holzgewinnung und Energiepflanzen sowie die Zerstörung von Landschaften und Ökosystemen durch Braunkohletagebau. Unternehmen, Regierungen und internationale Organisationen entwickeln deshalb Verhaltenskodexe und Standards für ökologisch und sozial nachhaltige Gewinnung, Verarbeitung und Handel. In vielen Ländern werden diese jedoch nur eingeschränkt umgesetzt und kontrolliert; manche Schäden sind irreversibel.
Wirtschaftswachstum wird bei einer gegebenen Produktionstechnik durch den knappsten Produktionsfaktor begrenzt. Ist dieser endlich oder nur beschränkt erneuerbar, wird weiteres Wachstum möglich, wenn neue Verfahren ihn ersetzen. Beginnt die Entwicklung von Ersatztechniken erst kurz vor der Erschöpfung, kann der Übergang krisenhaft verlaufen. Beginnen Substitution und Prozessinnovationen früh, können alte und neue Techniken wegen langer Lern- und Verbreitungsprozesse eine Zeit lang nebeneinander bestehen. In einer offenen Volkswirtschaft können Importe einen nationalen Mangel abmildern. Überlegene neue Technik kann außerdem den knappen alten Rohstoff wirtschaftlich entwerten und neue Exportmöglichkeiten schaffen.
Die statische Reichweite eines nichterneuerbaren Rohstoffs bezeichnet die Zahl der Jahre, für die die bekannten und wirtschaftlich förderbaren Vorkommen beim gegenwärtigen Verbrauch reichen. Sie ist nur ein grobes Maß, weil sowohl die Nachfrage als auch die Zahl bekannter Lagerstätten verändert werden. Viele heute bekannte hochgradige Vorkommen reichen weniger als einhundert Jahre. Rohstoffkonflikte können globale Machtpolitik auslösen. Projekte untersuchen den Tiefseebergbau, etwa von Manganknollen; außerdem bestehen theoretische Überlegungen zum Asteroidenbergbau.
Bei Knappheit steigen zunächst die Preise. Dadurch werden weniger ergiebige Lagerstätten, effizientere Verfahren, Recycling und Substitute wirtschaftlich interessanter, beispielsweise Photovoltaik anstelle von Kohleverstromung. Eine Nutzung kann dennoch unmöglich bleiben, wenn ein Stoff zu fein verteilt ist: Meerwasser enthält zwar einige Millionen Tonnen Gold, doch seine Gewinnung ist auf absehbare Zeit unwirtschaftlich. Zink aus verzinkten Eisenteilen und Platin aus Fahrzeugkatalysatoren werden ebenfalls fein in der Umwelt verteilt.
Besonders problematisch sind technologisch schwer ersetzbare Metalle wie Indium. Oft existieren nur wenige räumlich begrenzte Vorkommen. Weil solche Stoffe in sehr kleinen Mengen eingesetzt werden, lassen sie sich derzeit praktisch nicht zurückgewinnen. Wegen ihrer Bedeutung für elektronische Bauteile und andere Zukunftstechnologien werden teilweise kurzfristige Engpässe erwartet.
Lernvideos zu Rohstoff
42:13
Ressource Wasser - unser wertvollster Rohstoff wird knapp! | Doku
Hessischer Rundfunk · 61.484 Aufrufe
11:37
Vom Abfall zum Rohstoff–wie Software die Kreislaufwirtschaft steuert | Welt der Wunder–Das Interview
Welt der Wunder · 49.107 Aufrufe
4:30
Mehrstufige Produktionsprozesse: Rohstoff-Endprodukt-Matrix berechnen (Matrizen multiplizieren)
Irgendwas mit Mathe · 21.034 Aufrufe
6:00
Rohstoff Wasser - Süßwasser Vorkommen, Verbrauch, Nutzung, Virtuelles Wasser & Wasserfußabdruck
Die Merkhilfe · 1.921 Aufrufe