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Produktionsfaktor
Als Produktionsfaktor bezeichnet man in der Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre jene in der Produktion verwendeten materiellen und …
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Grundbegriff und Bedeutung
Ein Produktionsfaktor ist ein materielles oder immaterielles Gut, das in der Produktion eingesetzt wird, um andere Güter oder Dienstleistungen herzustellen. Sein Einsatz, also der Input, ist aus technischen oder wirtschaftlichen Gründen notwendig. Produktionsfaktoren sind deshalb ein Grundbegriff der Betriebswirtschaftslehre und der Volkswirtschaftslehre.
Die beiden Wissenschaften verwenden den Begriff unterschiedlich, weil sie verschiedene Untersuchungsgegenstände haben. In der Volkswirtschaftslehre werden meist Arbeit, Boden und Kapital betrachtet. In der Betriebswirtschaftslehre werden diese Kategorien stärker auf den einzelnen Betrieb bezogen: Arbeit wird zum Beispiel in dispositive Arbeit und ausführende Arbeit gegliedert, Boden erscheint eher als Werkstoffe, und Kapital wird vor allem als Betriebsmittel verstanden.
Produktionsfaktoren können selbst gehandelt werden. Der Markt dafür heißt Faktormarkt. Der Preis eines Produktionsfaktors heißt Faktorpreis, und seine Beschaffung verursacht beim Nachfrager Faktorkosten.
Volkswirtschaftliche Produktionsfaktoren
Die klassische Volkswirtschaftslehre unterscheidet seit Adam Smith und besonders David Ricardo die Produktionsfaktoren Arbeit, Kapital und Boden. Jean-Baptiste Say ergänzte 1845 die „unternehmerische Tätigkeit“. Neuerdings werden häufig auch Wissen, also Humankapital, oder Energie als eigenständige Produktionsfaktoren genannt.
Da Produktionsfaktoren knapp sind, haben sie in der klassischen Nationalökonomie einen Preis: Arbeit erhält Lohn, Boden erhält Bodenrente, und Kapital erhält Zins. Der Faktor Boden meinte ursprünglich Ackerboden, wurde später auf Bodenschätze ausgeweitet. Wegen der Verknappung von Produktionsmitteln wie Luft und Wasser spricht man heute auch vom Produktionsfaktor Natur oder Umwelt.
Der Faktor Arbeit bezeichnet die auf Einkommenserzielung ausgerichtete Tätigkeit von Menschen. Die Natur liefert keine gebrauchsfertigen Güter, sondern Rohstoffe und Energiequellen, die der Mensch durch Arbeit gewinnen oder erschließen muss. Arbeit hat eine quantitative Seite, nämlich die Zahl der Arbeitskräfte, und eine qualitative Seite, nämlich den Ausbildungsstand der Arbeitskräfte.
Kapital ist der Teil des Produktionsergebnisses früherer Perioden, der zur Produktion in der betrachteten Periode beiträgt. Sachkapital oder Realkapital meint produzierte Produktionsmittel wie Gebäude, Maschinen und Werkzeuge. Geldkapital ist Geld, das als allgemeines Tauschmittel durch Investitionen in Sachkapital umgewandelt oder auch für Konsumzwecke verwendet werden kann.
Produktionsfaktoren sind meist nur begrenzt substituierbar, also ersetzbar. Kapitalbildung kann zum Beispiel die Produktivität der Arbeit erhöhen. Wegen der hohen Elastizität des Produktionsfaktors Energie besteht ein starker ökonomischer Druck, Arbeit im Rahmen technischer und organisatorischer Grenzen durch Energie und Kapital zu ersetzen.
Betriebswirtschaftliche Einteilung
In der Betriebswirtschaftslehre ist eine genauere Einteilung nötig, weil der einzelne Betrieb im Mittelpunkt steht. Eine klassische Gliederung stammt von Erich Gutenberg und hat sich weitgehend bis heute erhalten. Sie wird durch die Begriffe Repetierfaktoren und Potentialfaktoren von Edmund Heinen ergänzt.
Gutenberg unterscheidet Elementarfaktoren und dispositive Faktoren. Elementarfaktoren sind die menschliche Arbeit, Betriebsmittel und Werkstoffe. Die menschliche Arbeit wird weiter in objektbezogene Arbeit und dispositive Arbeit aufgeteilt. Objektbezogene Arbeit ist Ausführung, also Arbeit am Erzeugnis. Dispositive Arbeit meint Leitung, unterstützt durch Planung, Organisation und Kontrolle.
Der dispositive Faktor verbindet die Elementarfaktoren zu einer produktiven Einheit. Er ist wichtig für die optimale Faktorkombination und beschreibt den planerischen sowie strategisch-operativen Einsatz der Elementarfaktoren im Unternehmen. Er ist ein immaterielles Gut und nur begrenzt substituierbar.
Nach ihrer Verwendung unterscheidet man außerdem Repetierfaktoren und Potentialfaktoren. Repetierfaktoren oder Verbrauchsfaktoren werden bei der Leistungserstellung unmittelbar verbraucht oder physikalisch beziehungsweise chemisch umgewandelt. Sie müssen für eine kontinuierliche Produktion ständig neu beschafft werden. Potentialfaktoren oder Bestandsfaktoren werden nur mittelbar verbraucht beziehungsweise gebraucht und sind meist nicht teilbar.
Betriebsmittel und Werkstoffe
Betriebsmittel nehmen in der betriebswirtschaftlichen Einteilung eine Sonderstellung ein, weil sie sowohl Repetierfaktoren als auch Potentialfaktoren sein können. Betriebsmittel, die dem Gebrauch dienen, gehören zu den Potentialfaktoren. Dazu zählen materielle Betriebsmittel wie Grundstücke, Gebäude, Anlagen und Geldmittel sowie immaterielle Betriebsmittel wie Rechte, Lizenzen, Patente, Wissen und Informationen.
Davon abgegrenzt werden Betriebsmittel, die verbraucht werden. Dazu gehören Betriebsstoffe wie Energie-, Treib-, Schmier- und Putzstoffe. Wenn man nicht zwischen Repetier- und Potentialfaktoren unterscheidet, können Betriebsstoffe vollständig den Werkstoffen zugeordnet werden.
Werkstoffe lassen sich in Rohstoffe und Hilfsstoffe gliedern; zusätzlich können auch Betriebsstoffe einbezogen werden. Rohstoffe sind wesentliche Bestandteile des Endprodukts, zum Beispiel Holz bei einem Holzstuhl. Hilfsstoffe sind keine wesentlichen Bestandteile, zum Beispiel Holzkleber bei einem Holzstuhl.
Ursprüngliche und abgeleitete Faktoren
Originäre Faktoren sind die Elementarfaktoren sowie jener Teil menschlicher Arbeit, der in Betriebs- und Geschäftsleitung über die Kombination und den Einsatz der Elementarfaktoren entscheidet. Dieser leitende Teil wird durch derivative, also abgeleitete Faktoren unterstützt: Planung, Organisation und Kontrolle.
Für Unternehmen ist die Bereitstellung der Produktionsfaktoren entscheidend, wenn sie ein optimales güterwirtschaftliches Gleichgewicht gestalten wollen. In der Bereitstellungsphase müssen Produktionsfaktoren in der erforderlichen Art, Güte und Menge rechtzeitig und am richtigen Ort für den Kombinationsprozess bereitstehen. Nach dem ökonomischen Prinzip sollen dabei die Bereitstellungskosten minimiert werden.
Die Bereitstellung hat zwei Aufgaben. Die technische Aufgabe der Bereitstellungsplanung soll eine störungsfreie Produktion, eingehaltene Fertigungstermine und die Erfüllung von Qualitätsstandards sichern. Die ökonomische Aufgabe leitet sich aus den Erfolgszielen des Unternehmens ab.
Neue Faktoren und Kostenrechnung
Das klassische System Gutenbergs ist vor allem auf Produktion und Industriebetriebe ausgerichtet. Mit der wachsenden Bedeutung des Dienstleistungssektors wurde die Mitwirkung der Kunden wichtiger. Rudolf Maleri prägte 1970 dafür den Begriff des externen Produktionsfaktors: Er bezeichnet den für die Leistungserstellung zwingend notwendigen aktiven oder passiven Beitrag weiterer Leistungserbringer außerhalb des Unternehmens.
Weitere Ergänzungen betreffen besondere Branchen und Rahmenbedingungen. Hans-Dieter Deppe ergänzte in der Bankbetriebslehre den monetären Faktor mit „Haftungsleistung“ und „Zahlungsleistung“. Im Handel spielt der Faktor Zeit eine besondere Rolle und wird auch Quasi-Produktionsfaktor genannt. Handelsbetriebe verwenden häufig die Begriffe produktive Faktoren oder Leistungsfaktoren, weil sie im Regelfall keine Werkstoffe einsetzen. Schenk stellte 66 Felder zusammen, in denen Zeitprobleme wegen ihres Einflusses auf Leistung und Kosten gelöst werden müssen.
Walther Busse von Colbe und Gert Laßmann ergänzten öffentliche Leistungen des Staates, der Gemeinden, Gemeindeverbände, Kreditinstitute und Versicherungen. Helmut Kurt Weber führte 1980 das Rechtssystem als eigenständige Kategorie im Faktorsystem ein. Wissen etabliert sich zunehmend als vierter eigenständiger Produktionsfaktor, obwohl es schon im dispositiven Faktor enthalten sein kann. Peter Drucker beschrieb 1968 Wissen als wichtigen Produktionsfaktor und prägte dabei den Begriff Informationsgesellschaft. Umstritten ist, ob auch andere Arten von Information als Produktionsfaktor gelten können.
In der Kosten- und Leistungsrechnung ist die Hauptaufgabe der Nachweis des Werteverzehrs von betriebswirtschaftlichen Produktionsfaktoren entlang der Wertschöpfungskette in einer Rechnungsperiode. Der Einsatz von Produktionsfaktoren verursacht Faktorkosten, die durch die erbrachte Leistung am Markt wieder erlöst werden müssen. Betriebe können nach dem vorherrschenden Produktionsfaktor eingeteilt werden: arbeitsintensive Betriebe mit Personalkosten, anlagenintensive mit Abschreibungen, kapitalintensive mit Zinsaufwand und Dividenden, materialintensive mit Materialaufwand, energieintensive mit Energiekosten und informationsintensive mit Kosten für Informationstechnik.
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