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Erich Gutenberg
Mai 1984 in Köln) war ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler. Er gilt als Begründer der modernen deutschen Betriebswirtschaftslehre (BWL) nach dem Zweiten …
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Bedeutung für die Betriebswirtschaftslehre
Erich Gutenberg (* 13. Dezember 1897 in Herford; † 22. Mai 1984 in Köln) war ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler. Er gilt als Begründer der modernen deutschen Betriebswirtschaftslehre (BWL) nach dem Zweiten Weltkrieg. Seine zentrale Leistung war ein neues, umfassendes System der BWL: Einen Betrieb betrachtete er nicht getrennt nach einzelnen Abteilungen, sondern als Zusammenwirken der Funktionen Produktion, Absatz und Finanzen.
Sein grundlegendes Werk war die dreibändige Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre, die 1951 bis 1969 erschien. Wegen ihrer großen Bedeutung wurde sie im studentischen Sprachgebrauch „Gutenberg-Bibel“ genannt.
Ausbildung und wissenschaftliche Laufbahn
Gutenberg stammte aus einer Fabrikantenfamilie; das Unternehmen stellte unter anderem Dreschmaschinen und andere landwirtschaftliche Produkte her. Nach dem Abitur im Frühjahr 1918 begann er 1919 zunächst ein naturwissenschaftliches Studium mit Physik und Chemie in Hannover. Noch 1919 wechselte er zur Nationalökonomie, zunächst in Würzburg, dann in Halle/Saale. Dort promovierte er im Dezember 1921 über Thünens Isolierter Staat als Fiktion.
Nach Berufspraxis in einem Maschinenbauunternehmen studierte er von April 1925 bis März 1926 Betriebswirtschaftslehre in Frankfurt am Main und schloss als Diplom-Kaufmann ab. Seine Habilitation in Münster erfolgte im Mai 1928 mit der Arbeit Die Unternehmung als Gegenstand betriebswirtschaftlicher Theorie.
Er arbeitete anschließend unter anderem als Wirtschaftsprüfer und wurde 1933 Vorstandsmitglied der Deutschen Wirtschaftsprüfungs-AG. 1937 erhielt er einen Lehrauftrag in Rostock; im selben Jahr beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai 1937 aufgenommen. Er war außerdem Mitglied des NS-Dozentenbundes und seit 1939 der SA. Von 1941 bis 1947 hatte er den Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre in Jena inne und nahm dort an Widerstandsaktivitäten der Neubauer-Poser-Gruppe teil. Nach Professuren in Frankfurt am Main wurde er 1951 Nachfolger Eugen Schmalenbachs in Köln. Dort blieb er bis zu seiner Emeritierung 1966 im Alter von 69 Jahren.
Zentrale Konzepte seines Werks
Ausgangspunkt von Gutenbergs Modellierung war die mikroökonomische Theorie. Im Mittelpunkt steht die Produktionsfunktion: Sie beschreibt die Produktivitätsbeziehung zwischen Input und Output, also zwischen den eingesetzten Mitteln und dem erzielten Ergebnis eines Produktionsprozesses. Gutenberg unterschied dabei wirtschaftssystemunabhängige und wirtschaftssystemabhängige Einflussgrößen der Produktion.
1951 nahm er noch an, dass das für die Agrarproduktion aufgestellte Ertragsgesetz auch in Industriebetrieben gelte. In der zweiten Auflage von 1955 verwarf er diese Annahme und postulierte limitationale Produktionsfunktionen. Diese wurden als Gutenberg-Produktionsfunktion vom Typ B bekannt.
Außerdem entwickelte er eine Einteilung der Produktionsfaktoren in der BWL. Sein Ausgleichsgesetz der Planung besagt: Alle Teilpläne sollen sich am Engpass orientieren. Ein Engpass ist ein Teilbereich, der andere Teilbereiche in ihrem Handeln einschränkt. Wenn der Absatz der Engpass ist, soll die Planung auf den Kunden ausgerichtet und damit marketingorientiert sein.
Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre
Gutenbergs Hauptwerk gliedert die betriebliche Gesamtaufgabe in drei Funktionen:
- Band 1: Die Produktion, 1951; 1983 erschien die 24. Auflage.
- Band 2: Der Absatz, 1955; 1984 erschien die 17. Auflage.
- Band 3: Die Finanzen, 1969; 1980 erschien die 8. Auflage.
Zu seinen weiteren Schriften gehören Die Unternehmung als Gegenstand betriebswirtschaftlicher Theorie (Berlin 1929) und Untersuchungen über die Investitionsentscheidungen industrieller Unternehmen (Köln 1959).
Anerkennung und Wirkung
Gutenberg erhielt sechs Ehrendoktorate: von den Universitäten Berlin (1957), Münster (1962), München (1967), Saarbrücken (1968), Göttingen (1977) und Frankfurt (1978). 1968 wurde ihm das Große Bundesverdienstkreuz verliehen.
Er war von 1954 bis 1966 Mitglied des wissenschaftlichen Beirats beim Bundeswirtschaftsministerium und von 1964 bis 1978 alleiniger Herausgeber der Zeitschrift für Betriebswirtschaft. Sein Werk wurde unter anderem durch die Erich-Gutenberg-Arbeitsgemeinschaft Köln e. V. und durch seinen wissenschaftlichen Schüler Horst Albach weitergeführt. Gutenberg zählt zu den meistzitierten deutschsprachigen Betriebswirten.