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Betriebswirt

Der Betriebswirt hat eine höhere kaufmännische Ausbildung und erfüllt kaufmännische oder betriebswirtschaftliche Fach- und Führungsaufgaben in …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Berufsbild und zentrale Aufgaben
  2. 2. Marketing, Personal und Organisation
  3. 3. Wege zum Betriebswirt in Deutschland
  4. 4. Duale Ausbildung und staatlicher Abschluss
  5. 5. Aufstiegsfortbildungen und Schweiz

Berufsbild und zentrale Aufgaben

Ein Betriebswirt verfügt über eine höhere kaufmännische Ausbildung und übernimmt kaufmännische oder betriebswirtschaftliche Fach- und Führungsaufgaben. Typische Einsatzbereiche sind Marketing, Controlling, Personalwesen, Rechnungswesen und Steuerwesen.

Zu den grundlegenden Kompetenzen gehört die Finanzierung: Betriebswirte sollen die Liquidität, also die Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens, sichern, Eigen- und Fremdkapital beschaffen und geeignete Möglichkeiten der Innen- oder Außenfinanzierung vorschlagen können. Sie verantworten außerdem Controlling mithilfe von Managementsystemen und Kennzahlen.

Im Rechnungswesen erstellen sie unter anderem Kosten- und Leistungsrechnungen, leiten Lohn- und Finanzbuchhaltung, erstellen die BWA, führen Investitionsrechnungen durch und verwalten Etats, etwa für Marketing oder Personalentwicklung. Weitere Aufgaben können strategisches, operatives und Bereichscontrolling sein.

Marketing, Personal und Organisation

Im Marketing analysiert der Betriebswirt Marktsituationen, nutzt Marktforschung und legt Elemente des Marketing-Mix fest. Er kann Beschaffungsmarketing, Vertrieb und Mitarbeiterführung im Verkauf steuern sowie Reklamationen und Qualitätsmanagement mit Blick auf Kundenbindung und Image betreuen.

Im Personalwesen sind Personalbedarfs- und Personaleinsatzplanung, Personalbeschaffung, Personalkosten und Personalentwicklung wichtige Themen. Hinzu kommen Personalverwaltung, Lohnbuchhaltung, Fürsorge sowie die Einhaltung der Arbeitsstättenverordnung und Maßnahmen zur Unfallverhütung. Als Personalleiter kann auch die Begleitung konfliktfreier Entlassungen zu den Aufgaben zählen.

In der Organisation gestaltet der Betriebswirt Aufbau- und Ablauforganisation, initiiert und betreut einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP), führt Qualitätsmanagement und koordiniert Logistik, also den Waren- und Dienstleistungsfluss. In der Produktion plant er Kapazitäten gemeinsam mit Technikern oder Dienstleistern, berechnet die Wirtschaftlichkeit von Materialwirtschaft, Standorten oder Fremdfertigung und koordiniert Zertifizierungsverfahren. Er soll außerdem Rationalisierungsmethoden kennen. Im Wirtschaftsrecht sind insbesondere Handels-, Wettbewerbs-, Arbeits- und Sozialversicherungsbestimmungen einzuhalten; auch betriebliche Geschäftsbedingungen und gegebenenfalls einfache erstinstanzliche Gerichtsprozesse in Vertretung des Unternehmers gehören dazu.

Wege zum Betriebswirt in Deutschland

In Deutschland bezeichnet „Betriebswirt“ unterschiedliche Aus-, Fort- und Weiterbildungen. Sie können zu akademischen Graden wie Diplom, Bachelor oder Master, zu staatlichen Abschlüssen wie dem Staatlich geprüften Betriebswirt, zu öffentlich-rechtlich anerkannten Berufsabschlüssen wie dem Geprüften Betriebswirt der IHK oder HWK oder zu privatrechtlichen Weiterbildungsabschlüssen führen.

Ein Studium der Betriebswirtschaftslehre ist an Universitäten, Fachhochschulen, Dualen Hochschulen oder Berufsakademien möglich. Früher dauerte das Diplom-Studium an Fachhochschulen sieben bis acht Semester und führte häufig zum Diplom-Betriebswirt (FH); an Universitäten dauerte es meist acht bis zehn Semester und endete häufig mit dem Diplom-Kaufmann. Im Bologna-Prozess wurden Diplom-Studiengänge durch Bachelor- und Master-Studiengänge ersetzt.

Akademische Betriebswirte werden durch zahlreiche Bachelor-Studiengänge zunehmend spezialisiert ausgebildet, etwa in Marketing, Produktion, Personal, Rechnungswesen, Controlling oder Steuern. Institutionelle Spezialisierungen betreffen beispielsweise Bankwesen, Gesundheitswesen, öffentlichen Dienst oder Industrie. Das weiterbildende MBA-Studium richtet sich auch an Absolventen anderer Fachrichtungen, etwa Ingenieure, Natur- und Geisteswissenschaftler, Juristen und Mediziner, die sich auf Managementpositionen vorbereiten möchten. Je nach Programm können sich auch Wirtschaftswissenschaftler damit spezialisieren.

Duale Ausbildung und staatlicher Abschluss

Der frühere Diplom-Betriebswirt (BA) wurde nach einem sechssemestrigen betriebswirtschaftlichen Ausbildungsgang an Berufsakademien als staatlicher Abschluss vergeben, unter anderem in Baden-Württemberg, Sachsen und Berlin. Berufsakademien dürfen inzwischen Bachelorabschlüsse vergeben; diese Bachelor-Ausbildungsgänge sind hochschulrechtlich Hochschul-Bachelorabschlüssen gleichgestellt. Die Duale Hochschule Baden-Württemberg ist Nachfolgerin der baden-württembergischen Berufsakademien. Frühere BA-Absolventen können ihren staatlichen Abschluss Diplom-Betriebswirt (Berufsakademie), der kein akademischer Grad ist, auf Antrag zum akademischen Grad Diplom-Betriebswirt (Duale Hochschule) nachgraduieren lassen.

Das Berufsakademie-Studium wird zusammen mit einer betrieblichen Ausbildung absolviert und ist daher praxisbezogen. Sein Fächerspektrum ist auf ein bestimmtes Fachgebiet oder Berufsfeld, etwa Steuern und Prüfungswesen oder Dienstleistungsmarketing, ausgerichtet. Der Betriebswirt (BA) ist DQR-Level 6 zugeordnet und damit einem Bachelorabschluss gleichgestellt.

Der Staatlich geprüfte Betriebswirt – Bachelor Professional in Wirtschaft wird durch einen zweijährigen Fachschulbesuch in Vollzeit oder optional drei bis vier Jahre Teilzeit erworben. Fachakademien oder Fachschulen für Wirtschaft verlangen mindestens 2400 Stunden Lehrumfang und eine bestandene staatliche Prüfung. Üblicherweise werden eine abgeschlossene kaufmännische Berufsausbildung und mindestens 12 Monate Berufserfahrung vorausgesetzt. Fachschulprüfungen werden von Lehrkräften erstellt und staatlich genehmigt; an bayerischen Fachakademien erstellt das Kultusministerium die Prüfungen zentral. Die Qualifikation liegt auf DQR-/EQR-Niveau 6.

Aufstiegsfortbildungen und Schweiz

Berufliche Fortbildungen bauen im Unterschied zu Hochschulabschlüssen auf Berufsausbildung und Berufserfahrung auf und sind stärker praxisbezogen. Sie unterscheiden sich unter anderem nach zeitlichem Umfang, Vollzeit- oder berufsbegleitender Form, Zulassung und Abschlussart.

Der Geprüfte Betriebswirt – Master Professional in Business Management, früher Betriebswirt IHK, ist eine kaufmännische Aufstiegsfortbildung mit öffentlich-rechtlicher IHK-Prüfung. Er bildet zusammen mit Geprüftem Technischen Betriebswirt und Geprüftem Berufspädagogen die oberste Stufe des IHK-Aufstiegsfortbildungssystems. Der DIHK-Rahmenplan sieht 810 Unterrichtsstunden vor; meist ist zuvor eine IHK-Aufstiegsfortbildung zum Fachkaufmann oder Fachwirt erforderlich. Der Abschluss hat DQR-/EQR-Niveau 7.

Der Geprüfte Technische Betriebswirt nach dem Berufsbildungsgesetz bereitet auf Aufgaben an der Schnittstelle von Technik, Produktion und Betriebswirtschaft vor. Der Rahmenplan umfasst 680 Unterrichtsstunden. Voraussetzungen sind in der Regel eine Fortbildung etwa zum Industriemeister, Techniker oder Geprüften Technischen Fachwirt oder ein Ingenieursstudium ohne betriebswirtschaftlichen Teil. Auch dieser Abschluss liegt auf Niveau 7.

Der Geprüfte Betriebswirt nach der Handwerksordnung, früher Betriebswirt (HWK) beziehungsweise Betriebswirt (dH), ist die höchste Ausbildung im Handwerk („Meister Plus“). Die bundesweit anerkannte Prüfung erfolgt vor der Handwerkskammer; der Zeitrichtwert für Präsenzunterricht beträgt 700 Stunden. Voraussetzung ist normalerweise ein Meisterbrief. Erfolgreiche Absolventen der Landesakademie des Handwerks Baden-Württemberg e. V. führen nach der Prüfungsordnung vom 28. Juli 2016 (§ 14) die Berufsbezeichnung Staatlich anerkannte(r) Betriebswirt/-in des Handwerks.

In der Schweiz sind Diplomierter Betriebswirtschafter HF oder Betriebsökonom FH eidgenössisch anerkannte Berufsbezeichnungen. Das Diplom folgt auf ein dreijähriges berufsbegleitendes, praxisorientiertes Studium an einer Höheren Fachschule. Der Diplomierte Betriebswirtschafter NDS HF ist eine anschließende eidgenössisch anerkannte Ausbildung für Personen mit aktuellen oder künftigen Führungs- und Managementaufgaben.

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