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Heinrich Heine

Als kritischer, politisch engagierter Journalist, Essayist, Satiriker und Polemiker war Heine ebenso bewundert wie gefürchtet. Im Deutschen Bund mit …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und literarisches Profil
  2. 2. Herkunft, Ausbildung und frühe Werke
  3. 3. Paris, Journalismus und politische Dichtung
  4. 4. Politische Haltung, Sozialismus und Revolution
  5. 5. Krankheit, Religion und Spätwerk
  6. 6. Wirkung, Vertonungen und Erinnerung

Bedeutung und literarisches Profil

Christian Johann Heinrich Heine, geboren wahrscheinlich am 13. Dezember 1797 als Harry Heine in Düsseldorf und gestorben am 17. Februar 1856 in Paris, war einer der bedeutendsten deutschen Dichter, Schriftsteller und Journalisten des 19. Jahrhunderts. Er gilt zugleich als letzter Vertreter und als Überwinder der Romantik. Heine machte die Alltagssprache für Lyrik nutzbar, verband romantische Formen mit Ironie und politischen Inhalten und entwickelte Feuilleton und Reisebericht zu literarischen Kunstformen. Das Feuilleton ist der kulturelle und literarische Teil einer Zeitung.

Sein umfangreiches Werk umfasst Gedichte, Reiseberichte, Essays, politische Artikel, Satiren, Polemiken, Dramen und erzählende Prosa. Kennzeichnend sind sprachliche Leichtigkeit, Musikalität, Witz und scharfe Kritik. Heine wollte als unabhängiger Künstler weder einer Religion noch einer politischen Partei dienen. Dennoch setzte er sich für Freiheit, Demokratie, gesellschaftliche Gleichheit und Menschenrechte ein. Seine jüdische Herkunft, die verweigerte gesellschaftliche Gleichstellung, die Zensur und das Pariser Exil prägten sein Leben und Schreiben.

Heines Werk lässt sich keiner einzelnen literarischen Strömung zuordnen. Es enthält Elemente der Aufklärung, der Weimarer Klassik, der Romantik, des Realismus und des Symbolismus. Seine Gedichte und Prosatexte verbinden persönliche Themen wie unerfüllte Liebe, Krankheit und Fremdheit mit Kritik an Nationalismus, religiöser Bevormundung, politischer Unterdrückung und sozialer Not.

Herkunft, Ausbildung und frühe Werke

Heine wuchs als ältestes von vier Kindern des jüdischen Tuchhändlers Samson Heine und seiner Frau Betty in einem weitgehend assimilierten, von der jüdischen Aufklärung geprägten Elternhaus auf. Seine Jugend fiel in die französische Herrschaft über Düsseldorf. Napoleon verehrte er besonders wegen des Code civil von 1804, der Juden und Nicht-Juden gesetzlich gleichstellte. Das nachfolgende Metternichsche System erlebte er dagegen als politische Unterdrückung von Demokratie sowie Presse-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit.

Nach erfolglosen kaufmännischen Lehrjahren in Frankfurt am Main und Hamburg finanzierte sein wohlhabender Onkel Salomon Heine ein Studium. Von 1819 an studierte Heine Rechts- und Kameralwissenschaften in Bonn, Göttingen und Berlin. Literarisch und philosophisch beeinflussten ihn besonders August Wilhelm Schlegel und Georg Wilhelm Friedrich Hegel. In Berlin verkehrte er in literarischen Salons und beschäftigte sich im Verein für Cultur und Wissenschaft der Juden intensiv mit jüdischer Geschichte und Kultur.

1825 wurde Heine zum Doktor der Rechte promoviert. Kurz zuvor hatte er sich evangelisch-lutherisch taufen lassen und die Namen Christian Johann Heinrich angenommen. Die Taufe betrachtete er nicht als religiöse Bekehrung, sondern als „Entre Billet zur Europäischen Kultur“, das seine Berufschancen verbessern sollte. Dennoch blieb ihm eine juristische Laufbahn verschlossen, und er bedauerte den Schritt später. Die Platen-Affäre, ein erbitterter literarischer Streit mit August Graf von Platen, verschärfte die antisemitischen Angriffe auf ihn; Heines Gegenangriff machte wiederum Platens Homosexualität öffentlich und schadete beiden Autoren.

Seine ersten Gedichte erschienen 1816. Auf die Gedichte von H. Heine von 1822 und die erfolglosen Tragödien Almansor und William Ratcliff folgte 1826 mit Die Harzreise der erste große Publikumserfolg. Im Drama Almansor steht der berühmt gewordene Satz: „Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“ Das Buch der Lieder von 1827 begründete Heines dauerhaften Ruhm. Sein Grundmotiv ist die unerfüllte Liebe; der romantische und häufig volksliedartige Ton wird jedoch oft ironisch gebrochen. Zu den bekanntesten Gedichten gehört Die Loreley.

Paris, Journalismus und politische Dichtung

Nach der französischen Julirevolution von 1830 zog Heine 1831 nach Paris. Anfangs war dies noch kein Exil im strengen Sinn; die Verbote seiner Werke von 1833 in Preußen und 1835 im gesamten Deutschen Bund machten Paris jedoch endgültig dazu. Heine lebte dort bis zu seinem Tod und wirkte als Vermittler zwischen Deutschland und Frankreich. Er erklärte deutschen Lesern französische Politik und Kultur und machte das französische Publikum mit deutscher Literatur und Philosophie bekannt.

Als Korrespondent der Augsburger Allgemeinen Zeitung verfasste er die Artikelserie Französische Zustände, die 1832 als Buch erschien. Sie gilt als Meilenstein des modernen politischen Journalismus: Heine beschrieb und deutete die Gegenwart in einem persönlichen, eleganten und zugleich kritischen Stil. Die Behörden reagierten mit Zensur, Beschlagnahmungen und Verboten. 1844 erließ Preußen zudem Grenzhaftbefehle gegen Heine, Karl Marx und weitere Mitarbeiter sozialistischer Zeitschriften.

Wichtige Pariser Werke waren Die romantische Schule von 1836, das Romanfragment Der Rabbi von Bacherach von 1840 und Ludwig Börne. Eine Denkschrift von 1840. In Die romantische Schule erklärte Heine die romantische Literatur, kritisierte aber ihre Hinwendung zum katholischen Mittelalter und zu einem engen, franzosenfeindlichen Patriotismus. Mit Goethes Tod sah er die wirklichkeitsferne „Kunstperiode“ beendet. Der Streit mit dem radikalen Republikaner Ludwig Börne behandelte die bis heute wichtige Frage, ob Literatur einer politischen Partei oder Gesinnung verpflichtet sein müsse. Heine verteidigte die Eigenständigkeit der Kunst, schrieb aber selbst engagierte politische Texte.

Seine bedeutendsten politischen Dichtungen entstanden in den 1840er Jahren. Das Versepos Atta Troll. Ein Sommernachtstraum verteidigt die Autonomie der Kunst. Deutschland. Ein Wintermärchen von 1844 kritisiert dagegen Staat, Kirche, Nationalismus und soziale Ungleichheit in Deutschland. Das ebenfalls 1844 entstandene Gedicht Die schlesischen Weber greift das Elend der Arbeiter während der Industrialisierung auf. Der „dreifache Fluch“ gegen Gott, König und Vaterland bezieht sich auf den preußischen Schlachtruf „Mit Gott für König und Vaterland!“. Das verbotene Gedicht wurde in 50.000 Exemplaren als Flugblatt in den Aufstandsgebieten verteilt.

Politische Haltung, Sozialismus und Revolution

Heine stand Karl Marx und Friedrich Engels persönlich nahe und unterstützte die sozialen Anliegen der entstehenden Arbeiterklasse. Kontakte pflegte er außerdem zu frühen Sozialisten wie den Saint-Simonisten, Pierre Leroux, Louis Blanc und Ferdinand Lassalle. Dennoch übernahm er keine politische Lehre vollständig. Am Kommunismus erkannte er die logische Forderung an, „daß alle Menschen das Recht haben zu essen“. Zugleich fürchtete er, dessen Materialismus und Radikalität könnten Kunst und europäische Kultur zerstören. Seine Position wird daher als libertärer und hedonistischer Sozialismus beschrieben: Er verband den Wunsch nach sozialer Gleichheit mit persönlicher Freiheit und Lebensgenuss.

Die Revolutionen von 1848/49 beurteilte Heine widersprüchlich. Er unterstützte das Ziel eines demokratisch verfassten deutschen Nationalstaats, betrachtete aber die Pariser Februarrevolution mit Sorge. Die Versuche der Frankfurter Nationalversammlung, eine Monarchie mit erblichem Kaiser zu schaffen, erschienen ihm als rückwärtsgewandte Träumerei. Schwarz-Rot-Gold verband er damals mit dem Nationalismus der Burschenschaften, erklärte aber zugleich, er würde sein „bestes Herzblut“ für diese Fahne geben, wenn sie zur „Standarte des freien Menschtums“ werde.

Nach dem Scheitern der Revolution kritisierte Heine die politische Schwäche ihrer Anführer und ihre fehlende Verbindung zu den sozialen Anliegen von Kleinbürgern, Bauern, Handwerkern und Arbeitern. Trotzdem hielt er eine zukünftige deutsche Revolution für unvermeidlich. Seine politischen Texte warnen besonders vor einem Nationalismus, dessen Vaterlandsliebe sich als Hass auf fremde Länder und Völker äußert. Sein Einsatz für Menschenrechte mündete in die Forderung nach „Gottesrechten des Menschen“: Damit wollte er dem Recht universelle und ewige Gültigkeit geben.

Krankheit, Religion und Spätwerk

Seit 1832 litt Heine unter Lähmungen, Kopfschmerzen und Sehschwächen. Nach einem Zusammenbruch im Mai 1848 war er fast vollständig gelähmt und verbrachte seine letzten acht Lebensjahre bettlägerig in seiner sogenannten „Matratzengruft“. Die genaue Krankheit ist bis heute umstritten. Genannt wurden Neurosyphilis, eine komplexe tuberkulöse Erkrankung, chronische Bleivergiftung, amyotrophe Lateralsklerose und multiple Sklerose. Trotz der Schmerzen und zunehmenden Erblindung blieb seine geistige Schaffenskraft erhalten. Er diktierte Texte und prüfte Druckvorlagen weiterhin selbst.

Heine war weder ein frommer Jude noch ein überzeugter Christ oder Atheist. Seine Taufe war pragmatisch gewesen. Im Alter wandte er sich wieder dem Glauben an einen persönlichen Gott und die Unsterblichkeit der Seele zu, schloss sich aber keiner Kirche an. Im Nachwort zum Romanzero widersprach er ausdrücklich dem Gerücht einer kirchlichen Bekehrung. Auch in seinem Testament bekannte er sich zu einem einzigen Gott, lehnte jedoch die Teilnahme jeder Geistlichkeit an seiner Beerdigung ab.

Das wichtigste Spätwerk ist der Gedichtband Romanzero von 1851 mit den Teilen Historien, Lamentationen und Hebräische Melodien. Darin verbindet Heine sein körperliches Leiden mit Erinnerung, politischer Enttäuschung und dem „Judenschmerz im Exil“. In Enfant Perdu beschreibt er sich als verlorenen Posten im Freiheitskrieg, dessen Waffen nicht gebrochen seien, obwohl sein Herz breche. Die Vermischten Schriften von 1854 enthalten unter anderem Geständnisse, späte Gedichte und Lutezia, ungekürzte Berichte über Kunst, Politik und Pariser Leben.

Heine starb am 17. Februar 1856 im Alter von 58 Jahren in Paris und wurde auf dem Friedhof Montmartre beigesetzt. Seine Frau Augustine Crescence Mirat, die er Mathilde nannte und 1841 geheiratet hatte, wurde später im selben Grab bestattet.

Wirkung, Vertonungen und Erinnerung

Heines Wirkungsgeschichte war lange von heftigen Gegensätzen geprägt. Bewunderer priesen seine Lyrik, seinen Witz und seinen modernen Prosastil; nationalistische und antisemitische Gegner bekämpften ihn wegen seiner jüdischen Herkunft, seines Exils und seiner Kritik an Deutschland. Im Nationalsozialismus wurde sein Werk unterdrückt und 1940 offiziell verboten. Für die häufig wiederholte Behauptung, Die Loreley sei damals mit der Angabe „Verfasser unbekannt“ gedruckt worden, gibt es laut Artikel keinen Beleg.

Auch Denkmäler für Heine waren jahrzehntelang umstritten. Projekte in Düsseldorf und Hamburg scheiterten wiederholt an nationalistischen und antisemitischen Widerständen; mehrere Denkmäler wurden von den Nationalsozialisten zerstört. Das 1913 errichtete Frankfurter Denkmal überstand als einziges deutsches Heine-Denkmal die Diktatur und den Zweiten Weltkrieg und steht seit 2023 wieder in der Friedberger Anlage. Düsseldorf ehrte Heine offiziell erst 1981 mit einem Denkmal von Bert Gerresheim. Seit 1988 trägt die Düsseldorfer Universität seinen Namen.

In der DDR wurde Heine früh als politischer Dichter gewürdigt, wobei Deutschland. Ein Wintermärchen und seine Verbindung zu Marx besonders betont wurden. In der Bundesrepublik nahm das Interesse seit den 1960er- und 1970er-Jahren deutlich zu. Danach wich der ideologische Streit zunehmend einer Aufnahme Heines in den literarischen Kanon, in Lehrpläne und in die Forschung. Weltweit wurde Heine früh übersetzt und beeinflusste andere Literaturen; in Israel blieb er wegen seiner Taufe teilweise umstritten.

Besonders groß ist seine Bedeutung für die Musik. Günter Metzners Bibliografie zählt 6.833 Vertonungen von Heine-Texten. Allein 1884 entstanden 1.093 Stücke von 538 Musikern und Komponisten. Zu den bekannten Bearbeitungen gehören Robert Schumanns Liederkreis op. 24 und Dichterliebe op. 48, Teile von Franz Schuberts Schwanengesang D 957 sowie Friedrich Silchers Die Lorelei. Mehr als 300 Komponisten vertonten Du bist wie eine Blume. Heines Lyrik gehört damit zu den am häufigsten vertonten und übersetzten Werken deutscher Sprache; sein eleganter, ironischer Prosastil prägt außerdem das deutschsprachige Feuilleton bis in die Gegenwart.

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