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Journalist

Journalisten erbringen einen öffentlichen Dienst als aktive Verbreiter und Sammler von korrekten Informationen, wobei diese kritisch diskutiert werden (watchdog …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Aufgabe und Bedeutung
  2. 2. Arbeitsformen und Tätigkeitsfelder
  3. 3. Ausbildung, Fähigkeiten und Berufssituation
  4. 4. Demokratische Kontrollfunktion und Selbstverständnis
  5. 5. Historische Entwicklung und Medienwandel
  6. 6. Einfluss, Vertrauen und Risiken

Aufgabe und Bedeutung

Journalistinnen und Journalisten sammeln, prüfen, bearbeiten und verbreiten Nachrichten sowie Kommentare und andere Beiträge. Damit informieren sie die Öffentlichkeit und beeinflussen die öffentliche Meinungs- und Willensbildung. Nach der Definition des Deutschen Journalisten-Verbandes gehören auch die Veröffentlichung von Meinungen und Unterhaltung sowie die Arbeit in Pressestellen von Behörden und Unternehmen dazu.

Journalisten arbeiten unter anderem für Zeitungen, Zeitschriften, Online-Redaktionen, Hörfunk, Fernsehen, Nachrichtenagenturen und die Öffentlichkeitsarbeit. Sie veröffentlichen außerdem Bücher, Blogs, Webcasts, Podcasts, Beiträge in sozialen Medien oder fotografische Bildberichte. Lokalreporter berichten aus einem begrenzten Gebiet, Auslandskorrespondenten dauerhaft aus anderen Ländern.

Die Berufsbezeichnung „Journalist“ ist in Deutschland rechtlich nicht geschützt. Der freie Zugang zum Beruf folgt aus der Meinungs- und Pressefreiheit nach Artikel 5 des Grundgesetzes. Zu den wichtigsten Pflichten gehört die journalistische Sorgfalt: Vor einer Veröffentlichung müssen Inhalt, Herkunft und Wahrheitsgehalt einer Nachricht kontrolliert werden. Der deutsche Pressekodex verlangt als Selbstverpflichtung insbesondere „Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit“.

Arbeitsformen und Tätigkeitsfelder

Zu den journalistischen Funktionen zählen unter anderem Redakteur, Reporter, Korrespondent, Investigativjournalist, Foto- oder Videojournalist, Moderator, Kolumnist, Bildredakteur und Chef vom Dienst. Ein Redakteur bearbeitet Beiträge innerhalb einer Redaktion. Ein Reporter recherchiert häufig am Ort eines Geschehens. Ein Korrespondent berichtet für seine Heimatredaktion etwa aus Berlin, einer Landeshauptstadt oder dem Ausland. Ein Moderator präsentiert Hörfunk- oder Fernsehsendungen.

Journalistische Darstellungsformen erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Nachricht und Bericht vermitteln hauptsächlich Fakten. Interview, Reportage und Feature verwenden auch erzählende Elemente. Kommentar und Glosse bewerten, erklären oder ordnen einen Sachverhalt ein. Diese Formen kommen in Text, Fotografie, Film und Hörfunk vor; zunehmend entstehen Mischformen.

In Tageszeitungen arbeiten viele Lokaljournalisten. Überregionale Medien, Zeitschriften, Hörfunk und Fernsehen gliedern ihre Arbeit meist in Ressorts, also Fachbereiche wie Politik, Nachrichten, Sport, Wirtschaft, Kultur, Musik oder Wissenschaft. Weitere Aufgaben sind Recherche, Koordination, Seitengestaltung und das Formulieren von Überschriften. Pressesprecher und Pressereferenten in Unternehmen, Behörden und Organisationen gelten nach dem Deutschen Journalisten-Verband ebenfalls als journalistisch tätig; rund 75 % der Beschäftigten in Pressestellen haben eine journalistische Ausbildung.

2018 gab es in Deutschland etwa 41.250 hauptberufliche angestellte oder freie Journalisten; 2005 waren es 48.000 und 1993 etwa 54.000. Hinzu kamen 100.000 nebenberufliche freie Journalisten, die weniger als 50 % ihres Einkommens im Journalismus erzielten. Die Zahl der hauptberuflichen Freien sank von 18.000 im Jahr 1993 auf 9600 im Jahr 2018. Freie arbeiten meist für mehrere Redaktionen, werden nach Auftrag, gedruckten Zeilen oder Seiten bezahlt und tragen die Kosten ihres Büros selbst. Pauschalisten erhalten dagegen ein Pauschalhonorar, haben aber keine festen Arbeitszeiten. Sinkende Auflagen, Rationalisierung und Stellenabbau erhöhten die Bedeutung freier Mitarbeit, während Honorare und soziale Sicherheit vielfach abnahmen.

Ausbildung, Fähigkeiten und Berufssituation

Obwohl sich jeder ohne vorgeschriebene Qualifikation Journalist nennen darf, hat sich ein professionelles Ausbildungsmodell entwickelt. Üblich ist ein Hochschulstudium, häufig in Journalistik oder Publizistik, gefolgt von einem Volontariat. Das Volontariat ist eine praktische Ausbildung in einer oder mehreren Redaktionen und dauert zwischen 15 und 24 Monaten. Weitere Zugänge bieten Journalistenschulen und ein Journalismusstudium. Quereinsteiger haben besonders mit Fach- oder Spezialwissen Chancen.

Viele Redaktionen setzen für ein Volontariat ein abgeschlossenes Studium voraus. Schon während des Studiums sollen Bewerber durch Praktika oder freie Mitarbeit, beispielsweise in einer Lokalredaktion, praktische Erfahrungen sammeln. Journalistenschulen sind stärker auf die Medienpraxis ausgerichtet als Universitätsstudiengänge und werden oft nach oder parallel zu einem Studium besucht.

Wichtige Voraussetzungen sind sichere Kommunikation in Sprache, Foto oder Film, gesellschaftliches und soziales Verantwortungsbewusstsein, logisches und analytisches Denken, Kreativität und Kontaktfähigkeit. Lokaljournalisten sollen meist vielseitige Allrounder sein; in größeren Print-, Hörfunk- und Fernsehredaktionen werden zunehmend Fachleute gesucht.

Der Frauenanteil unter den 48.000 hauptberuflich journalistisch Tätigen lag 2005 bei 37 % und 2016 bei etwa 40 %. In Führungspositionen betrug er 2016 nur 20 %. Für zehn Leitmedien wurde 2019 in leitenden Positionen ein Durchschnitt von 25 % ermittelt, allerdings mit großen Unterschieden. Bei Regionalzeitungen waren nur 8 von 100 Chefredaktionen mit Frauen besetzt. Die Angaben zeigen, dass Frauen zwar einen erheblichen Teil des Berufsstandes bilden, in Führungspositionen aber weiterhin unterrepräsentiert sind.

Demokratische Kontrollfunktion und Selbstverständnis

Journalismus wird häufig als „Vierte Gewalt“ bezeichnet, weil Medien staatliches, politisches und gesellschaftliches Handeln beobachten und Missstände aufdecken. Die Presse ist dabei keine offizielle Staatsgewalt, soll aber gegenüber den drei Staatsgewalten eine Kontrollfunktion erfüllen. Artikel 5 des Grundgesetzes garantiert die Pressefreiheit. Das Bundesverfassungsgericht bezeichnete 1966 eine „freie, nicht von der öffentlichen Gewalt gelenkte, keiner Zensur unterworfene Presse“ als Wesenselement des freiheitlichen Staates und als für die moderne Demokratie unentbehrlich.

Für Journalisten gilt das Gebot der Staatsferne. Sie dürfen nicht staatlich gelenkt werden und können sich vor Gericht auf ein Zeugnisverweigerungsrecht berufen. Dadurch können Informanten geschützt werden, was besonders für investigativen Journalismus wichtig ist. Pressegesetze gewähren außerdem Auskunfts- oder Informationsrechte gegenüber Behörden; die Rechtsprechung hat solche Ansprüche bei notwendigen Recherchen teilweise auch auf Unternehmen ausgedehnt.

Zum idealtypischen Selbstbild gehören nach Marc Deuze fünf Werte: öffentlicher Dienst und kritische Kontrollfunktion, Objektivität und Fairness, berufliche Autonomie und Unabhängigkeit, ein Gespür für Aktualität sowie ethisches und glaubwürdiges Arbeiten. Befragungen von 1993 und 2005 zeigen jedoch einen Wandel: Der Anteil der Journalisten, die Missstände kritisieren wollten, sank von 63 % auf 57 %, der Kontrollanspruch gegenüber Politik, Wirtschaft und Gesellschaft von 37 % auf 24 %. Zugleich stieg das Ziel, neutral und präzise zu informieren, von 74 % auf 89 % und komplexe Sachverhalte zu erklären von 74 % auf 80 %.

Befragungen im deutschsprachigen Raum ergaben, dass viele Journalisten sich politisch links der Mitte einordnen. Die Ergebnisse unterscheiden sich jedoch je nach Land, Medium und beruflicher Position. Die Studienersteller der Freien Universität Berlin betonten 2019, dass die redaktionelle Linie eines Mediums für die Berichterstattung gewöhnlich wichtiger sei als die persönliche politische Orientierung einzelner Journalisten.

Historische Entwicklung und Medienwandel

Die Entwicklung des Berufs ist eng mit Zeitung und Zeitschrift verbunden. Dieter Paul Baumert unterschied 1928 vier dominante Phasen: ein bis Mitte des 16. Jahrhunderts nur gelegentlich betriebenes Nachrichtenwesen; den bis Mitte des 18. Jahrhunderts neutral vermittelnden, noch nicht redaktionell bearbeiteten Journalismus; den schriftstellernden und argumentierenden Journalismus bis zum Ende des Vormärz; sowie anschließend den redaktionellen Journalismus mit planmäßigem Zusammenwirken von Nachrichten und Tagesliteratur. Heinz Pürer ergänzte für die Veränderungen seit etwa 1975 eine fünfte Phase des redaktionstechnischen Journalismus.

Im 17. und 18. Jahrhundert waren Journalisten häufig Schriftsteller, Herausgeber und Kommentatoren. Nach Einführung eines stabileren Presserechts ab 1871 wurden Analyse und Kommentar stärker Teil der Zeitung, und der Journalismus entwickelte sich vom Nebenberuf zum Hauptberuf. Recherche, Aufbereitung und Bereitstellung aktueller Informationen rückten in den Mittelpunkt.

Zwischen 1933 und 1945 trugen besonders Nachrichtenagenturen zur Gleichschaltung von Presse und Rundfunk bei. Nach dem Zweiten Weltkrieg kritisierten britische Journalismuslehrer die in Deutschland unzureichende Trennung von Nachricht und Meinung und die mangelnde Unabhängigkeit von Staat und Politik.

Technischer Fortschritt erweiterte gegen Ende des 20. Jahrhunderts die Aufgaben: Journalisten übernahmen mit digitaler Hard- und Software zunehmend auch Tätigkeiten aus Layout, Bildbearbeitung und Produktion. Die Medienkrise ab 2002 führte wegen sinkender Anzeigeneinnahmen zum Abbau redaktioneller Stellen. Gleichzeitig nahmen Arbeitsdruck, Produktionsaufgaben und die Bedeutung freier Beschäftigung zu. Als Gegenmodell zu Sensationsjournalismus und bloßer Inhaltsproduktion steht der Investigativjournalismus, der seit den späten 1960er Jahren durch intensive Recherche Missstände aufdecken will.

Einfluss, Vertrauen und Risiken

Journalisten wirken als „Gatekeeper“, also als Auswahlstellen für Informationen: Sie entscheiden mit, welche Themen die Öffentlichkeit erreichen. Beim Agenda Setting können Auswahl, Gewichtung, Aufmachung und Platzierung bestimmte Themen in den Mittelpunkt rücken. Agenda Cutting bezeichnet dagegen das Verhindern, Ausblenden oder Verzögern von Themen.

Das Vertrauen fällt je nach Befragung und Medium unterschiedlich aus. 2010 vertrauten europaweit 27 % von 32.000 Befragten der Berufsgruppe. In Deutschland gaben 2018 38 % an, Journalisten „voll und ganz“ oder „überwiegend“ zu vertrauen. Nach einer Forsa-Umfrage von 2022 besaßen Journalisten bei 32 % ein „sehr hohes oder hohes Ansehen“; 2007 waren es 47 %. In einer Befragung von 2015 hielten 52 % die deutschen Medien für glaubwürdig. Die Werte reichten von 77 % für öffentlich-rechtliches Fernsehen und 71 % für öffentlich-rechtliches Radio bis zu 7 % für die Boulevardpresse. Das allgemeine Vertrauen in Nachrichten sank in Deutschland von 60 % im Jahr 2013 auf 50 % im Jahr 2022.

Als Korruptionsrisiken gelten Abhängigkeiten von Anzeigeninteressen, Geschenke, bezahlte Reisen und Journalistenrabatte. Transparency International forderte unter anderem redaktionelle Unabhängigkeit, die Offenlegung finanzieller Unterstützung und von Nebentätigkeiten, die Ablehnung von Rabatten und geldwerten Vorteilen, transparente Produkttests sowie klare Regeln und Sanktionen.

Journalisten sind wegen ihrer Veröffentlichungen weltweit durch Terroristen und Machthaber gefährdet. Für 2020 nannte Press Emblem Campaign mindestens 92 getötete Journalisten; Reporter ohne Grenzen zählte 50 Fälle, bei denen ein direkter Zusammenhang mit der Arbeit als sicher galt. Ende 2020 waren weltweit 387 Journalisten und andere Medienschaffende inhaftiert, darunter 117 in China; 54 waren entführt und vier verschollen. Angaben von 2004 zufolge trat Berufsunfähigkeit bei Journalisten im Durchschnitt mit 50 Jahren beziehungsweise nach 16 Berufsjahren ein. Häufig waren psychische und neurologische Beschwerden sowie Erkrankungen des Bewegungsapparates und des Herz-Kreislauf-Systems.

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