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Paris
Paris (deutsch: [paˈʁiːs]; französisch: [paʁi]) ist die Hauptstadt der Französischen Republik und Hauptort der Region Île-de-France.
Inhalt6 Abschnitte
Hauptstadt, Lage und Gliederung
Paris ist die Hauptstadt der Französischen Republik, Hauptort der Region Île-de-France und zugleich eine Stadt sowie ein Département. Die Metropole ist Frankreichs politisches, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum und eine bedeutende Global City. Am 1. Januar 2023 lebten 2.103.778 Menschen auf 105,40 km²; mit 19.960 Einwohnern je km² ist Paris die am dichtesten besiedelte Großstadt Europas. Die Aire urbaine umfasst 17.174 km² und rund 12,53 Millionen Einwohner.
Paris liegt im Pariser Becken auf 28 bis 130 Metern Höhe. Die Seine war entscheidend für die Entstehung der Stadt, verbindet sie mit Burgund und dem Ärmelkanal und teilt sie in die Rive Droite, das rechte beziehungsweise nördliche Ufer, und die Rive Gauche, das linke beziehungsweise südliche Ufer. Das rechte Ufer gilt traditionell als Handels- und Finanzzentrum, während das linke Ufer mit dem Quartier Latin als Gebiet von Bildung und intellektuellem Leben bekannt ist. 365 Hektar der Seineufer gehören seit 1991 zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Die Île de la Cité ist der älteste Siedlungskern. Daneben liegen die Île Saint-Louis sowie die künstlich angelegte Île aux Cygnes. Die höchste natürliche Erhebung ist der 129 Meter hohe Montmartre. Paris ist von den Stadtwäldern Bois de Boulogne und Bois de Vincennes umgeben.
Administrativ besteht Paris aus 20 Arrondissements, also Stadtbezirken, die sich spiralförmig vom historischen Zentrum nach außen anordnen und die Postleitzahlen 75001 bis 75020 tragen. Seit dem 11. Juli 2020 bilden die ersten vier Arrondissements gemeinsam den Verwaltungssektor Paris Centre. Jedes Arrondissement gliedert sich weiter in Quartiers, also Stadtviertel.
Paris liegt in der gemäßigten Klimazone. Die Jahresmitteltemperatur beträgt 10,8 °C, der Jahresniederschlag 649,6 mm. Der Wärmerekord von 42,6 °C wurde am 25. Juli 2019, der Kälterekord von −23,9 °C am 10. Dezember 1879 gemessen.
Historische Entwicklung
Paris entstand seit der Mitte des 3. Jahrhunderts v. Chr. aus Lutetia, einer keltischen Siedlung der Parisii auf der heutigen Île de la Cité. Julius Caesar erwähnte Lutetia 53 v. Chr. Nach der römischen Eroberung entstand ab 52 v. Chr. auf dem linken Seineufer eine Stadt mit Forum, Thermen und Amphitheater. Im 4. Jahrhundert setzte sich der Name Paris durch.
508 wurde Paris unter Chlodwig I. Hauptstadt des Merowingerreiches. Die Kapetinger machten die Stadt später zur Hauptstadt Frankreichs. Philipp II. Augustus ließ sie um 1200 befestigen und am westlichen Stadtrand den Louvre errichten. Die Sorbonne entwickelte sich aus mittelalterlichen Schulen. Während des Hundertjährigen Krieges war Paris von 1420 bis 1436 englisch besetzt.
In der Bartholomäusnacht vom 24. August 1572 wurden in Paris Tausende Hugenotten ermordet. Unter Ludwig XIV. wurden Beleuchtung und Wasserversorgung verbessert, neue Krankenhäuser gebaut und die Stadtmauern durch die späteren Grands Boulevards ersetzt. Obwohl der Königshof 1682 nach Versailles zog, blieb Paris das politische und wirtschaftliche Zentrum. Ab 1789 wurde die Stadt zum Hauptschauplatz der Französischen Revolution; der Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 wurde zu deren Symbol.
Industrialisierung und Zuwanderung ließen die Bevölkerung stark wachsen: 1846 überschritt sie eine Million. Baron Haussmann gestaltete Paris im Zweiten Kaiserreich grundlegend um, ließ alte Viertel teilweise abreißen und breite Boulevards, Plätze, Parks und moderne Infrastrukturen anlegen. Nach dem Krieg von 1870/71 und der deutschen Belagerung entstand 1871 die Pariser Kommune. Die Belle Époque brachte vor 1914 eine wirtschaftliche und kulturelle Blüte. Sechs Weltausstellungen fanden 1855, 1867, 1878, 1889, 1900 und 1937 statt.
Paris war außerdem ein bedeutender Zufluchtsort für politisch Verfolgte. Bis 1939 lebten etwa 10.000 deutsche Flüchtlinge dort, rund 80 % der nach Frankreich geflohenen deutschen Exilanten; die meisten waren als Juden verfolgt. Viele lebten unter wirtschaftlich schwierigen Bedingungen und waren beruflichen Beschränkungen ausgesetzt.
Am 14. Juni 1940 besetzte die Wehrmacht das zuvor zur offenen Stadt erklärte Paris. Unter deutscher Besatzung und unter Mitwirkung des Vichy-Regimes wurden Juden verfolgt, verhaftet und über Lager wie Drancy deportiert. Bei der Rafle du Vélodrome d’Hiver im Juli 1942 wurden über 13.000 Juden zusammengetrieben; die Erwachsenen wurden ab dem 19. Juli nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Paris wurde am 25. August 1944 befreit. Der deutsche Stadtkommandant Dietrich von Choltitz kapitulierte und verweigerte Hitlers Zerstörungsbefehl.
Nach 1945 prägten unter anderem der Algerienkrieg, die Studentenrevolten und Massenstreiks von 1968 sowie die Vorortunruhen von 2005 die Stadt. Beim Massaker vom 17. Oktober 1961 tötete die Polizei mindestens 150 Demonstranten. Islamistische Anschläge forderten im Januar 2015 insgesamt 17 Tote; am 13. November 2015 starben bei Angriffen in Paris und Saint-Denis 130 Menschen, 683 wurden verletzt.
Bevölkerung, Gesellschaft und Politik
Paris erreichte 1921 mit knapp drei Millionen Einwohnern seinen historischen Höchststand. Danach sank die Bevölkerung der Kernstadt auf etwas über zwei Millionen, während die Metropolregion von 4,85 Millionen Einwohnern im Jahr 1921 auf 12,53 Millionen im Jahr 2015 wuchs. Im engeren Stadtgebiet ohne die beiden Stadtwälder lebten 2023 etwa 25.000 Menschen je km².
Hohe Immobilienpreise und Gentrifizierung, also die soziale Aufwertung von Vierteln mit Verdrängung einkommensschwächerer Bewohner, verändern die Stadt. Der durchschnittliche Wohnungspreis betrug im ersten Quartal 2025 9.530 Euro je Quadratmeter. Wohlhabende Gebiete liegen besonders im Zentrum und Westen; ärmere und kulturell vielfältigere Viertel sowie Vororte befinden sich häufiger im Norden und Osten.
Paris ist seit Langem ein Einwanderungsziel. Auf Italiener und osteuropäische Juden im späten 19. Jahrhundert folgten unter anderem Armenier, Polen, Russen und Ukrainer sowie nach 1945 Menschen aus Süd- und Osteuropa und den ehemaligen französischen Kolonien. 20,4 % der Pariser Bevölkerung sind nicht in Frankreich geboren, 14,4 % außerhalb Europas. Da Frankreich ethnische und religiöse Zugehörigkeiten nicht amtlich erfasst, sind genaue Angaben zur Zusammensetzung begrenzt.
Etwa 60 % der Einwohner bekennen sich zum römisch-katholischen Glauben. Genannt werden außerdem 73 protestantische, 21 griechisch-, russisch- oder rumänisch-orthodoxe Kirchen, sieben Synagogen für etwa 220.000 Juden und 19 Moscheen für rund 80.000 Muslime.
Seit dem 1. Januar 2019 bilden Gemeinde und Département die Gebietskörperschaft Ville de Paris mit Sonderstatus. Der Bürgermeister wird vom Conseil de Paris gewählt und ist zugleich dessen Präsident. Laut Artikel ist Emmanuel Grégoire seit dem 29. März 2026 Bürgermeister. Der Stadtrat umfasst 163 Mitglieder und wird für sechs Jahre nach Arrondissements gewählt; die Angaben zur Zusammensetzung 2020–2026 werden im Artikel teilweise als veraltet gekennzeichnet. Der Haushalt für 2026 sieht Ausgaben von 7.561.800.000 Euro vor, vor allem für Gesundheit und soziale Maßnahmen, Wohnungsbau und ökologischen Wandel. Paris unterhält seit 1956 seine einzige formelle Städtepartnerschaft mit Rom sowie zahlreiche Freundschafts- und Kooperationsabkommen.
Kultur, Bauwerke und Stadtbild
Paris besitzt etwa 160 Museen, rund 200 Kunstgalerien, circa 100 Theater, über 650 Kinos und mehr als 10.000 Restaurants. Zu den bekanntesten Wahrzeichen zählen Eiffelturm, Notre-Dame, Louvre, Triumphbogen und Sacré-Cœur.
Der Louvre wurde 1793 als Museum eröffnet. Er besitzt über 380.000 Werke, von denen etwa 35.000 ausgestellt sind. Das Musée d’Orsay zeigt besonders Kunst von 1848 bis 1914 und eine bedeutende Sammlung französischer Impressionisten. Das Centre Georges-Pompidou beherbergt unter anderem das Musée National d’Art Moderne. Weitere wichtige Einrichtungen sind das Musée Picasso, das Musée national du Moyen Âge, das Musée du quai Branly, das Muséum national d’histoire naturelle sowie die privaten Sammlungen der Fondation Louis Vuitton und der Collection Pinault.
Die Kathedrale Notre-Dame wurde von 1163 bis 1345 erbaut. Die Sainte-Chapelle aus dem 13. Jahrhundert ist für ihre großflächigen Buntglasfenster bekannt. Weitere bedeutende Kirchen sind Saint-Germain-des-Prés, Saint-Sulpice, der Invalidendom mit dem Grab Napoleons I., La Madeleine und die 1875 begonnene, 1914 fertiggestellte Basilique du Sacré-Cœur.
Die Stadt zeigt Baukunst vieler Epochen: gallo-römische Überreste wie Arènes de Lutèce und Thermen von Cluny, mittelalterliche Bauten des Palais de la Cité, frühneuzeitliche Stadtpaläste, den Palais du Luxembourg, den Palais Royal, den Élysée-Palast und das Panthéon. Im 19. Jahrhundert entstanden unter anderem die Opéra Garnier und der Eiffelturm. Dieser wurde für die Weltausstellung 1889 errichtet, ist 300,51 Meter hoch beziehungsweise 324,8 Meter mit Antenne und empfängt jährlich mehr als sechs Millionen Besucher. Moderne Großprojekte umfassen Centre Pompidou, Opéra Bastille, Bibliothèque nationale de France, Tour Montparnasse und die Grande Arche in La Défense.
Etwa 40 Seinebrücken verbinden die zentralen Arrondissements. Die Pont Neuf ist die älteste erhaltene Pariser Seinebrücke, die 2006 eröffnete Passerelle Simone-de-Beauvoir überspannt 194 Meter ohne Strebepfeiler. Bedeutende Stadträume sind Place des Vosges, Place Vendôme, Place de la Concorde und die Avenue des Champs-Élysées. Diese bildet einen Teil der Axe historique, einer Sichtachse vom Louvre über den Triumphbogen bis zur Grande Arche.
Paris verfügt innerhalb seiner Grenzen über 2.437 Hektar städtische Grünflächen. Dazu gehören Bois de Vincennes, Bois de Boulogne, Jardin des Tuileries, Jardin du Luxembourg und Parc de la Villette. Bekannte Friedhöfe sind Père-Lachaise, Montmartre, Montparnasse und Passy.
Wirtschaft, Verkehr und Bildung
Paris ist Frankreichs wichtigstes Wirtschaftszentrum. Die Hauptstadtregion erzeugt etwa ein Drittel des französischen Bruttoinlandsprodukts. Eine Studie bezifferte das kaufkraftbereinigte BIP des Großraums 2014 auf 715 Milliarden US-Dollar. Wichtige Bereiche sind Finanzwesen, Dienstleistungen, Medien, Verlagswesen, Handel, Tourismus, Luxusgüter, Chemie, Elektrogeräte, Fahrzeuge und Maschinen. Viele Unternehmen sitzen in Paris oder im westlich gelegenen Geschäftsviertel La Défense. Der Lebensmittelgroßmarkt Rungis gilt als bedeutendster Großmarkt der Welt für Lebensmittel.
Der Tourismus ist ein zentraler Wirtschaftsfaktor. 2024 kamen 48,7 Millionen Besucher in die Region Paris und erzeugten 83 Millionen Übernachtungen. Die Gastronomie ist international geprägt: Im Dezember 2024 gab es 15.230 gastronomische Betriebe, darunter rund 6.000 traditionelle Restaurants, 3.000 Brasserien, 4.000 Schnell- oder Mitnahmebetriebe und über 2.000 Bars und Cafés. Bedeutend für den Einzelhandel sind Le Bon Marché, Galeries Lafayette, Printemps, Märkte, Antiquitätengeschäfte, Bouquinistes und Modehäuser.
Paris ist Frankreichs wichtigster Verkehrsnotenpunkt. Sechs Kopfbahnhöfe verbinden die Stadt mit dem nationalen und europäischen Hochgeschwindigkeitsnetz: Gare d’Austerlitz, Gare de l’Est, Gare de Lyon, Gare Montparnasse, Gare du Nord und Gare Saint-Lazare. Vier internationale Flughäfen dienen der Region. 2017 fertigten Paris-Charles-de-Gaulle, Paris-Orly, Beauvais-Tillé und Paris-Le Bourget zusammen etwa 106 Millionen Passagiere ab.
Das Nahverkehrssystem umfasst Métro, RER, Transilien, Straßenbahnen und Busse. Die 1900 eröffnete Métro besitzt 16 Linien, 245,6 Kilometer Strecke und 321 Stationen mit 405 Haltepunkten; täglich nutzen sie rund fünf Millionen Menschen. Der seit 2015 gebaute Grand Paris Express soll bis 2031 vier neue Linien, zwei Verlängerungen, 200 Kilometer Strecke und 71 Stationen schaffen. Das RER verbindet Paris mit den Vororten, der Transilien erschließt die weitere Île-de-France. 2025 verzeichnete der regionale Nahverkehr 4,542 Milliarden Fahrgäste. Die Straßenbahn umfasst 15 Linien auf 196,6 Kilometern, das Busnetz rund 1.900 Linien.
Paris versucht, Luftverschmutzung und Autoverkehr zu verringern. Uferstraßen wurden in Fußgängerbereiche umgewandelt, eine Umweltzone eingeführt und auf den meisten Straßen gilt seit dem 30. August 2021 Tempo 30. Das Fahrradverleihsystem Vélib’ besteht seit 2007. Nach einer Bürgerbefragung endeten die Lizenzen für E-Tretroller-Verleihsysteme im August 2023.
Der Großraum bündelt zahlreiche führende Bildungseinrichtungen, darunter Sorbonne, Sciences Po, École polytechnique, HEC, ENS und EHESS. Die Sorbonne wurde 1257 gegründet; 1968 wurde die Universität Paris in 13 unabhängige Universitäten geteilt. Die Bibliothèque nationale de France umfasst mehr als zehn Millionen Bände.
Sport und Veranstaltungen
Paris ist regelmäßig Schauplatz großer Sportereignisse. Dazu gehören die Schlussetappe der Tour de France, der Marathon de Paris, die French Open im Tennis, Rugbyspiele des Sechs-Nationen-Turniers und der Prix de l’Arc de Triomphe im Pferderennsport. Paris war Gastgeber der Olympischen Sommerspiele 1900, 1924 und 2024.
Das für die Fußball-Weltmeisterschaft 1998 gebaute Stade de France in Saint-Denis fasst bis zu 80.000 Zuschauer und dient den französischen Fußball- und Rugby-Nationalmannschaften. Das Prinzenparkstadion mit rund 49.000 Plätzen ist vor allem Heimstätte von Paris Saint-Germain. Weitere wichtige Anlagen sind Stade Jean-Bouin, U Arena, Stade Sébastien Charléty, Stade Olympique Yves-du-Manoir und die Pferderennbahn Longchamp.
Zu den bedeutenden regelmäßigen Kulturveranstaltungen zählen Modenschauen, Buch- und Musikfestivals, die Fête de la Musique am 21. Juni, die Militärparade zum Nationalfeiertag am 14. Juli, Paris-Plages im Sommer, die Tage des Kulturerbes im September und die Nuit Blanche im Oktober. Paris hat zudem eine besondere Filmgeschichte: Die Brüder Lumière stellten 1895 ihren Cinématographen vor, der Filme aufnehmen und wiedergeben konnte; später wurde die Stadt zu einem bedeutenden Produktionszentrum und einer häufig genutzten Filmkulisse.