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Essay

Der oder das Essay (Plural: Essays), auch Essai geschrieben, ist eine Abhandlung, in der wissenschaftliche, kulturelle oder gesellschaftliche Themen …

Inhalt3 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Funktion
  2. 2. Entwicklung der Gattung
  3. 3. Essayistische Form und Methode

Begriff und Funktion

Der oder das Essay, auch Essai genannt (Plural: Essays), ist eine Abhandlung über wissenschaftliche, kulturelle oder gesellschaftliche Themen. Er bleibt hauptsächlich ein Sachtext, möchte aber zugleich rhetorisch überzeugend und unterhaltsam sein. Im Mittelpunkt steht häufig die persönliche Auseinandersetzung des Autors mit einem Thema. Deshalb beruht der Essay vor allem auf subjektiven Erfahrungen und Urteilen des Essayisten und ist nicht an die formalen Kriterien wissenschaftlicher Methodik gebunden.

Ein Essay kann Fragen aufwerfen, neu stellen oder eine andere Sichtweise auf ein Problem eröffnen. Erkenntnisse und Folgerungen werden häufig nur so weit ausgeführt, dass der Leser sie selbst assoziierend erschließen kann. Der Essay präsentiert daher meist keine dogmatische Lehrmeinung und verzichtet im Gegensatz zum Traktat oder zur wissenschaftlichen Abhandlung auf objektive Nachweise und definitive Antworten. Das schließt eine deutliche Parteinahme jedoch nicht aus.

Ähnliche Textarten sind das Traktat, der Aufsatz und die Causerie. Verwandte journalistische Formen sind die Glosse, die Kolumne, der journalistische Kommentar und der Leitartikel. Der Aphorismus gilt als Kurzform, die oft ein ähnliches Ziel wie der Essay verfolgt.

Entwicklung der Gattung

Der Essay als literarische Form oder Gattung geht auf den französischen Autor Michel de Montaigne (1533–1592) zurück. Montaigne entwickelte ihn aus den Adagia des Erasmus von Rotterdam. Während diese noch eine Sammlung von Sprüchen, Aphorismen und Weisheiten waren, ergänzte Montaigne solche Inhalte durch Kommentare und Kritik. Aus skeptischer Grundhaltung stellte er seine eigenen Erfahrungen und Abwägungen dem scholastischen Absolutheitsanspruch entgegen.

Montaigne erscheint dabei als Fragender, der nach Antworten sucht, manche Fragen aber offen lässt. Seine Betonung der Subjektivität und sein Zweifel an der Existenz einer absoluten Wahrheit widersprachen der damaligen offiziellen Lehrmeinung des Vatikans. Der Vatikan veröffentlichte 1559 erstmals den Index Librorum Prohibitorum. Montaignes Essays (Les essais) wurden 1676, also 84 Jahre nach seinem Tod, auf diesen Index gesetzt.

Der Engländer Francis Bacon entwickelte die Gattung anschließend in Richtung einer belehrenden und moralisierenden Form mit deduktiver Beweisführung. Seitdem bewegt sich der Essay zwischen Montaignes persönlichem, fragendem Ansatz und Bacons stärker belehrender Ausrichtung. Dadurch wurde er auch für Moralisten und Aufklärer zu einer beliebten literarischen Form.

Die Enzyklopädisten übernahmen die ursprünglich literarisch-philosophische Form und passten sie an einen wissenschaftlichen Stil an. Essays können trotz des Verzichts auf objektive Nachweise für eine Position eintreten. Virginia Woolf setzte sich beispielsweise in „Ein eigenes Zimmer“ für Frauenrechte ein; Jonathan Lethem plädierte in „Bekenntnisse eines Tiefstaplers“ für einen großzügigen Umgang mit dem Kopieren von Ideen. Walter Benjamin deutete in seinem Text Lebenslauf III die Aufgabe seiner Essays darin, durch die Analyse von Kunstwerken den Integrationsprozess der Wissenschaft zu fördern und in Kunstwerken die religiösen, metaphysischen, politischen und wirtschaftlichen Tendenzen einer Epoche zu erkennen.

Essayistische Form und Methode

Die essayistische Methode ist ein experimenteller Zugang zu einem Gegenstand. Der Autor betrachtet ihn aus verschiedenen Perspektiven und entwickelt die Gedanken unmittelbar vor den Augen des Lesers. Nicht allein der behandelte Gegenstand ist entscheidend, sondern vor allem der gedankliche Entwicklungsprozess.

Ein Essay behandelt eine literarische oder wissenschaftliche Frage in knapper und anspruchsvoller Form. Häufig verbindet er Leichtigkeit, stilistische Ausgefeiltheit, Verständlichkeit und Humor. Neue Begriffe werden eingeführt und vorgestellt. Handlungen werden chronologisch erzählt, Zitate deutlich gekennzeichnet. Im Allgemeinen enthält der Essay jedoch nur wenige Zitate, Fußnoten und Randbemerkungen. Mitunter ist er auch eine stilisierte und ästhetisierte Plauderei.

Im Unterschied zur wissenschaftlichen Analyse muss ein Essay sein Thema nicht systematisch und umfassend darstellen. Er ist eher dialektisch aufgebaut: Die Methodik kann streng sein, die Darstellung folgt aber keiner vollständigen Systematik. Essays sind Denkversuche und Deutungen, die unbefangen und teilweise zufällig wirkend erscheinen können. Überzeugend wird ein Essay, wenn seine Gedanken scharf, seine Form klar und sein Stil „geschmeidig“ ist.

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