Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Herzogtum Berg
Das Herzogtum Berg (lateinisch Ducatus Montensis oder Ducatus Bergensis) war ein rechtsrheinisches Territorium des Heiligen Römischen Reiches deutscher …
Inhalt6 Abschnitte
Kern und geografische Lage
Das Herzogtum Berg, lateinisch Ducatus Montensis oder Ducatus Bergensis, war ein rechtsrheinisches, landständisch verfasstes Territorium des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation. Es gehörte zum Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis und war eine Monarchie: Bis 1380 bestand Berg als Grafschaft, danach bis 1806 als Herzogtum und anschließend bis etwa Ende 1813 in stark veränderter Form als Großherzogtum. Die Region war überwiegend römisch-katholisch und deutschsprachig.
Um 1800 umfasste Berg 2.975 km² und hatte 262.000 Einwohner. Es lag rechts des Rheins zwischen Reichsstift Essen, Reichsabtei Werden, Grafschaft Mark, Reichsherrschaft Homburg, Grafschaft Gimborn, Herzogtum Westfalen, Kurfürstentum Köln, Fürstentum Moers und Herzogtum Kleve. Im Westen bildete meist der Rhein die Grenze; einzelne kurkölnische Orte und Gebiete waren ausgenommen. Zum Herzogtum gehörten außerdem linksrheinische Gebiete und Exklaven, darunter Wesseling, Rodenkirchen, Orr, Langel und Rheinkassel. Im Norden reichte Berg ungefähr bis zur Ruhr, im Süden bis in den Raum südlich von Bad Honnef und südlich der Sieg, im Osten etwa entlang der Linie Schwelm–Wipperfürth–Gummersbach.
Heute entsprechen die rechtsrheinischen und südlich der Ruhr gelegenen Teile der Regierungsbezirke Düsseldorf und Köln ungefähr dem historischen Gebiet. Das Niederbergische und Oberbergische Land verdanken ihren Namen der fast 1000-jährigen Zugehörigkeit zu Berg. Die Herrschaftssitze lagen zunächst auf Burg Berge in Altenberg, ab 1133 auf Schloss Burg an der Wupper und ab dem späten 14. Jahrhundert in Düsseldorf. Für das Territorium sind zahlreiche Altkarten überliefert, unter anderem von Caspar Vopelius, Gerhard Mercator, Erich Philipp Ploennies und Carl Friedrich von Wiebeking.
Entstehung und erste Grafen
Vor der Entstehung Bergs war das Gebiet am Rhein von Ubiern, später von Tenkterern und Sugambrern bewohnt. Während der Römerzeit schlossen sich die im Rheinland lebenden Stämme zu den ripuarischen Franken zusammen. Die höher gelegenen, stark bewaldeten Teile wurden vor allem nach den Sachsenkriegen Karls des Großen besiedelt. Das Christentum breitete sich im Norden um 700 durch Suitbert und das Stift Kaiserswerth aus; im Süden ging die Christianisierung von Kölner und Bonner Stiften aus und dauerte im Bergland bis ins 10. Jahrhundert. Nach der fränkischen Gaueinteilung gehörten Teile des späteren Bergischen Landes zum Ruhrgau, Deutzgau und Auelgau.
Unter den salischen Kaisern (1024–1125) verlor die ältere Gauordnung an Bedeutung. Seit der Mitte des 11. Jahrhunderts entstand aus Allodialbesitz an der Dhünn, ererbten Besitzungen zwischen Rhein und Westfalen, Kirchenvogteien über Essen, Werden und Gerresheim, der Deutzer Vogtei, der Forsthoheit über den Königsforst, der Vogtei Siegburg mit dem Auelgau und dem Waldbezirk Miselohe allmählich die Grafschaft Berg. Die gebirgige Lage begünstigte die Bildung kleinerer Territorien. Nach einer Fehde unterlag Pfalzgraf Heinrich 1060 dem Kölner Erzbischof Anno II.; dadurch veränderten sich Besitz- und Pfandschaftsverhältnisse zwischen Sülz und Wupper. Anno vergab wichtige Königslehen an zuverlässige Gefolgsleute. In diesem Zusammenhang gewann das Geschlecht Berg an Bedeutung und errichtete Burg Berge beim heutigen Altenberg.
Bereits 1056 wird ein Adolf als Vogt des Stiftes Gerresheim erwähnt. Vögte schützten kirchliche Besitzungen, beaufsichtigten deren Güter und übten für die geistlichen Einrichtungen Rechtsgewalt aus. Innerhalb von etwa fünf Jahrzehnten erwarben die Herren von Berg so viele Güter und Ämter, dass sie zu einem mächtigen Geschlecht im Deutzgau wurden. Adolf wurde um 1080 als „vom Berge“ beziehungsweise „de Monte“ bezeichnet; 1101 führte ein Adolf von Berg in einer Urkunde Heinrichs IV. erstmals nachweisbar den Grafentitel. Dieser Adolf gilt als Adolf I. von Berg und starb 1106.
Die Überlieferung der frühen Familiengeschichte ist nicht vollständig einheitlich. Stammbäume wurden aufgrund neuer Urkunden und unterschiedlicher Auslegungen wiederholt verändert; auch die Namens- und Titelführung schwankt. Levold von Northofs „Chronica comitum de Marka“, 1358 vollendet, gilt nach Einschätzung der überwiegenden Mehrheit der Historiker als relativ glaubwürdige Quelle. Bis 1225 beruhte die bergische Herrschaft auf Grund-, Lehns- und Pfandbesitz, Rodungen, Kirchenvogteien, Grafengerichtsbarkeit, Stadtherrschaft, Forstgerechtigkeiten und Regalien.
Grafenhäuser und Erhebung zum Herzogtum
Adolf II. von Berg regierte von 1115 bis 1160. Durch seine Ehe mit Adelheid aus dem Hause Werl gelangten weitere Besitzungen zwischen Emscher und Ruhr sowie bei Bochum, Unna, Kamen, Hamm, Telgte und Warendorf an Berg. Um 1122 wurde Adolf Vogt des Prämonstratenserstifts Cappenberg; spätestens um diese Zeit traten die Berger auch als Klostervögte von Siegburg auf. Er ließ an der Wupper die neue Burg Novus Mons errichten, das heutige Schloss Burg. Um 1133 wurde die alte Burg Berge aufgegeben; auf ihrem Gelände entstand ab dem 25. August 1133 die Abtei Altenberg. Durch Vogteien, Pfandschaften und Erwerbungen dehnte sich Berg zwischen Wupper und Sieg sowie in Richtung Westfalen aus.
1160 teilte Adolf II. seinen Herrschaftsbereich zwischen seinen Söhnen Everhard und Engelbert. Everhard erhielt die westfälischen Besitzungen mit Altena und Hövel sowie die Vogteien Werden, Essen und Cappenberg. Er begründete die Altenaer Linie, deren Nachkommen später Grafen von der Mark wurden. Engelbert I. erhielt das rheinfränkische Erbe und führte den Namen Berg weiter. Er dehnte seinen Besitz an Agger, Sülz und Sieg aus, erwarb Vogteien über Kölner und Bonner Stifte, 1172 die Hälfte der Herrschaft Saffenberg, später die Vogtei Kaiserswerth sowie Besitzungen um Hilden, Haan und Düsseldorf. Vermutlich unter ihm entstanden erste Gerichte und Ämter zur Verwaltung des Landes.
Adolf III. von Berg erbte die nicht eingelösten Pfandgüter Arnold von Teverens und erwarb unter anderem die Vogtei über das Stift Gerresheim. Als Adolf III. 1218 auf dem Kreuzzug von Damiette ohne männlichen Erben starb, beanspruchte das Haus Limburg über seine Tochter Irmgard den gesamten bergischen Besitz. Adolfs Bruder, der Kölner Erzbischof Engelbert, wies diesen Anspruch zunächst mit Waffengewalt zurück und regierte als Engelbert II. selbst. Mit seiner Ermordung 1225 endete das Haus Berg in männlicher Linie.
Berg fiel an Heinrich von Limburg und anschließend an Adolf IV. (1246–1259), Adolf V. (1259–1296), Wilhelm I. (1296–1308) und Adolf VI. (1308–1348). Adolf V. nahm 1288 in der Schlacht von Worringen den Kölner Erzbischof gefangen und erklärte Düsseldorf zur Stadt. Der Sieg beseitigte die von Kurköln ausgehende dauernde Existenzgefährdung Bergs. Mit Adolf VI. erlosch 1348 die Linie Limburg-Berg; seine Nachfolge war bereits seiner Schwester Margarete und deren rechtmäßigen Erben zugesprochen worden.
Margaretes Tochter Margarete von Ravensberg-Berg war mit Gerhard von Jülich verheiratet. Dadurch kam Berg 1348 an das Haus Jülich-Heimbach. Gerhard und seine Nachfolger verbanden Berg mit Jülich und Ravensberg. Am 24. Mai 1380 erhielt Wilhelm II. von Berg auf dem Reichstag zu Aachen von König Wenzel die Herzogswürde. Damit wurde die Grafschaft zum Herzogtum erhoben. Noch 1380 verlegte Wilhelm den Regierungssitz von Schloss Burg nach Düsseldorf.
Jülich-Kleve-Berg und die Wittelsbacher
Durch die Verbindung mit Jülich entstand zunächst eine Personal- und später eine Realunion mehrerer Territorien. 1423 erhielt Herzog Adolf VII. nach dem Aussterben der Jülicher Hauptlinie auch Jülich und Geldern bestätigt. Seit 1461 wurden Kleve und Mark gemeinsam verwaltet. Ein 1496 mit den Landständen abgestimmter Heirats- und Erbvertrag führte dazu, dass der klevische Thronerbe 1510 die Tochter des letzten Herzogs von Jülich-Berg heiratete. 1521 entstand die Personalunion von Kleve-Mark mit Jülich-Berg-Ravensberg. 1500 war Berg Teil des Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreises geworden.
Nach dem Erlöschen des jülich-bergischen Hauses 1521 vereinigte das Haus Mark die Herzogtümer Jülich, Kleve und Berg, zeitweilig auch Geldern, sowie die Grafschaften Mark und Ravensberg und die Herrschaften Ravenstein und Lippstadt. Es regierten Johann der Friedfertige, Wilhelm V. der Reiche und Johann Wilhelm I. Nach dem Aussterben des männlichen Herzogstammes 1609 begann der Jülich-Klevische Erbfolgestreit. 1614 fiel die Nachfolge in Jülich, Berg und Ravenstein an das Haus Pfalz-Neuburg unter Wolfgang Wilhelm. 1651 scheiterte ein Besetzungsversuch des brandenburgischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm im sogenannten Düsseldorfer Kuhkrieg.
Unter Wolfgang Wilhelm wurde Berg etwa in den 1640er-Jahren in 37 Steuerbezirke gegliedert: 19 Ämter, 8 Freiheiten und 10 Städte. Die Landkanzlei wurde durch den jülich-bergischen Hofrat ersetzt. 1666 beendete der Vertrag von Kleve den Erbstreit mit Brandenburg. Johann Wilhelm II., seit 1690 auch Kurfürst von der Pfalz, blieb als „Jan Wellem“ besonders mit Düsseldorf verbunden. Ab 1708 nahm Erich Philipp Ploennies Berg auf; 1715 erschien seine „Topographia Ducatus Montani“.
Karl III. Philipp verlegte den Regierungsschwerpunkt ab 1720 nach Mannheim, nachdem die Düsseldorfer Landstände geforderte Gelder nicht bewilligt hatten. 1742 kam Berg an Karl Theodor aus der Sulzbacher Linie und wurde 1777 Nebenland von Kurpfalz-Bayern. Nach Karl Theodors Tod 1799 erbte Maximilian Joseph. Er richtete 1802 die Bergische Landesdirektion ein und überließ Berg am 30. November 1803 seinem Schwager Herzog Wilhelm in Bayern als Apanage, behielt aber die Souveränität.
Napoleonische Zeit und Ende des Territoriums
Am 15. März 1806 trat König Maximilian I. Joseph von Bayern das Herzogtum Berg an Napoleon ab. Bayern hatte sich dazu 1805 im Vertrag von Schönbrunn im Tausch gegen das Fürstentum Ansbach verpflichtet. Napoleon übertrug die Souveränität über Berg und Kleve noch am selben Tag seinem Schwager Joachim Murat. Murat nahm das Land am 19. März 1806 in Köln als Herzog von Kleve und Berg in Besitz; acht Tage später ließ er sich in Düsseldorf von den Landständen huldigen.
Das später territorial erweiterte Großherzogtum Berg sollte neben dem Königreich Westphalen als Musterstaat und Vorbild für andere Rheinbundstaaten dienen. Es wurden Reformen in Verwaltung, Rechtswesen, Wirtschaft und Landwirtschaft durchgeführt. Gleichzeitig verursachte Napoleons Zollpolitik erhebliche wirtschaftliche Probleme. Die Einberufungen zum Militär führten zu wachsendem Unmut, der sich im Januar 1813 im Knüppelrussenaufstand entlud.
Nach der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 löste sich das Großherzogtum faktisch auf. Von 1813 bis 1815 bestand für das rechtlich noch fortbestehende Gebiet das Generalgouvernement Berg als Übergangsverwaltung. Nach Artikel XXIV der Hauptakte des Wiener Kongresses fielen die meisten Landesteile an Preußen. Preußen bildete daraus mit weiteren links- und rechtsrheinischen Besitzungen die Provinz Jülich-Kleve-Berg mit Verwaltungssitz in Köln. Diese wurde am 22. Juni 1822 mit der Provinz Großherzogtum Niederrhein zur preußischen Rheinprovinz mit Verwaltungssitz in Koblenz vereinigt. Der Titel „Großherzog von Kleve und Berg“ ging auf den König von Preußen und das Haus Preußen über.
Ämter, Recht, Abgaben und Wappen
Die bergische Verwaltung beruhte seit dem 13. beziehungsweise der Mitte des 14. Jahrhunderts auf Ämtern. Fast jedes Amt hatte eine Burg oder einen befestigten Platz als Mittelpunkt; aus kleinen Burgbezirken entwickelten sich größere Verwaltungsbezirke. In ihrer späteren Form waren die Ämter der Zentralverwaltung unmittelbar unterstellte Bezirke für Finanz- und Polizeiverwaltung, öffentliche Sicherheit und teilweise auch Gerichtsbarkeit. An ihrer Spitze stand der adelige, vom Landesherrn ernannte Amtmann. Ihm unterstanden der Schultheiß oder Richter für Verwaltung und Gericht sowie der Kellner oder Rentmeister für Steuern, Hofgüter, Gerichtsgebühren und Strafgelder. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts bildeten sich die Amtsbezirke; 1363 sind acht Hauptämter genannt: Steinbach, Angermund, Mettmann, Solingen, Monheim, Miselohe, Bornefeld und Porz-Bensberg. 1789 bestanden 16 Ämter und Unterherrschaften.
Die Gerichtsbarkeit war hierarchisch gegliedert. Landgerichte in den Kirchspielen entschieden über Angelegenheiten der Honschaften und über Fälle von „Hoheit, Gewalt, Schuld und Schulden“. Die Hauptgerichte dienten als Konsultationsgerichte für zweifelhafte Rechtsfragen; eine Appellation war an den Herzog in Düsseldorf möglich. Oberstes Konsultationsgericht war bis 1559 das Hauptland- und Rittergericht in Opladen, danach der jülich-bergische Hofrat in Düsseldorf. Es war zugleich Gericht für den bergischen Adel und Versammlungsort von Ritter- und Landtag. Hofgerichte behandelten vor allem bürgerliche Rechtsangelegenheiten wie Erbfälle, Verkäufe, Schenkungen, Teilungen, Tausch und Verpfändungen. Botenämter, meist deckungsgleich mit Kirchspielen, waren für Steuer-, Gebühren- und Strafgeldeinzug zuständig. Das geistliche Sendgericht ahndete unter anderem Ketzerei, Ehebruch, Unkeuschheit, Wucher und Zank.
Zu den Einnahmen gehörten Zölle, Zehnten, Kürmut, Schatz, Zins und andere Gefälle. Der Zehnte verlangte den zehnten Teil landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Der große Zehnt wurde von Getreide und Großvieh, der kleine Zehnt von Gemüse, Obst und landwirtschaftlichen Kleintieren erhoben. Außerdem gab es unter anderem Personal-, Vermögens-, Grund-, Vieh-, Gewinn- und Gewerbe-, Verbrauchs- sowie Kriegssteuer. Die Stände genehmigten die Steuern durch Stimmenmehrheit. Seit dem 13. Jahrhundert sind Zölle belegt; um 1500 betrug der Zoll für ein Pferd oder eine Karrenladung 8 Albus, für eine Wagenladung das Doppelte. Das Bergregal gab dem Landesherrn das Recht an Bodenschätzen. Bei einer Mutung musste der Muter den Gang innerhalb von zwei Wochen entblößen; für jede Fundgrube und Maß wurden zunächst 10, später 20 Albus Quatembergeld verlangt.
Das ursprüngliche bergische Wappen war ein schwarzer Wechselzinnenbalken. Seit 1210 ist ein silberner Schild mit zwei schwarzen Wechselzinnenbalken bezeugt. Nach 1225 setzte sich der rote, doppelschwänzige, blau bewehrte und blau gekrönte Bergische Löwe auf silbernem beziehungsweise weißem Grund durch. Er geht auf den Limburgischen Löwen zurück und erscheint noch heute in zahlreichen Wappen von Städten und Kreisen der Region.