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Heinrich Heine „Nachtgedanken"

Lyrik für Puristen2:30 175.652 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 16 Zeilen
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  1. Nachtgedanken. Denke ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf
  2. gebracht. Ich kann nicht mehr die Augen schließen und meine heißen Tränen fließen. Die Jahre kommen und vergehen,
  3. seit ich die Mutter nicht gesehen. Zwölf Jahre sind schon hingegangen. Es wächst mein Sehnen und
  4. Verlangen. Mein Sehnen und Verlangen wächst. Die alte Frau hat mich behext. Ich denke immer an die alte, die alte
  5. Frau, die Gott erhalte. Die alte Frau hat mich so lieb und in den Briefen, die sie schrieb,
  6. sehe ich, wie ihre Hand gezittert, wie tief das Mutterherz erschüttert. Die Mutter liegt mir stets
  7. im Sinn. Zwölf lange Jahre flossen hin. Zwölf lange Jahre sind
  8. verflossen, seit ich sie nicht ans Herz geschlossen. Deutschland hat ewigen Bestand. Es ist ein kerngesundes Land.
  9. Mit seinen Eichen, seinen Linden werde ich es immer wiederfinden. Nach Deutschland lächzt
  10. ich nicht so sehr, wenn ich die Mutter dorten wäre. Das Vaterland wird nie verderben,
  11. jedoch die alte Frau kann sterben. Seit ich das Land verlassen habe, so viele sankten dort ins Grab,
  12. die ich geliebt. Wenn ich sie zähle, so will verbluten meine
  13. Seele. Und zählen muss ich. Mit der Zahl schwillt immer höher meine Qual.
  14. Mir ist das Weltsten sich die Leichen auf meine Brust. Gott lob sie
  15. weichen. Gott lob. Durch meine Fenster bricht französisch haltes Tageslicht. Es kommt mein Weib schön wieder
  16. morgen und lächelt fort die deutschen Sorgen. M.

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