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Exil

Exil. Abwesenheit von der eigenen Heimat aufgrund Ausweisung, Verbannung, Vertreibung, Ausbürgerung, Zwangsumsiedlung, religiöser oder politischer Verfolgung.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Merkmale
  2. 2. Formen und rechtliche Lage
  3. 3. Freiwilliges Exil, Zwangsexil und Landesverweisung
  4. 4. Historische Beispiele
  5. 5. Beschönigende Verwendung des Begriffs

Begriff und Merkmale

Exil bezeichnet die Abwesenheit eines Menschen oder einer Volksgruppe von der eigenen Heimat. Ursache können Ausweisung, Verbannung, Vertreibung, Ausbürgerung, Zwangsumsiedlung, religiöse oder politische Verfolgung sowie unerträgliche Verhältnisse sein, die zur Auswanderung führen. Meist verhindern Bedrohungen oder Einschränkungen in der Heimat die freie Entfaltung der Betroffenen.

Anders als bei einer Deportation kann der Staat, der das Exil verursacht hat, am neu gewählten Aufenthaltsort keine weiteren Freiheitsbeschränkungen durchsetzen. Weil Exil typischerweise unfreiwillig ist, wird es meist als unerwünscht und bedrückend empfunden. Viele Betroffene hoffen auf eine Rückkehr, sobald der ursprüngliche Fluchtgrund entfällt, beispielsweise nach einem Regierungswechsel.

Formen und rechtliche Lage

Menschen im Exil heißen Exulanten oder Exilierte; die Bezeichnung Exilierte wird besonders für Personen verwendet, deren Exil staatlich angeordnet wurde. In Verbindung mit einer Nationalität entstehen Bezeichnungen wie Exiliraner, Exilrusse oder Exilkubaner. Der Dalai Lama gehört zu den weltweit bekannten Exulanten.

In vielen Staaten, darunter Deutschland, können Exilierte unter bestimmten Voraussetzungen politisches Asyl beantragen. Dieser rechtliche Status entspricht einer Aufenthaltserlaubnis und schützt davor, in die Heimat abgeschoben und dort erneut den Fluchtgründen ausgesetzt zu werden. In Großbritannien sind Bürger aus Commonwealth-Ländern aufenthaltsrechtlich britischen Staatsangehörigen gleichgestellt, sodass für sie ein solches politisches Asyl nicht erforderlich ist.

Eine besondere Härte kann entstehen, wenn jemand lange oder sogar lebenslang legal in einem Land gelebt hat, aber die Staatsangehörigkeit eines anderen Landes besitzt. Eine Abschiebung in dieses offizielle Heimatland ist auch dann möglich, wenn die Person keine Beziehungen mehr dorthin hat oder nicht einmal dessen Sprache spricht. Eine Alternative zum äußeren Exil war besonders während des Nationalsozialismus die innere Emigration, also der Rückzug vom herrschenden politischen und kulturellen System, ohne das Land zu verlassen.

Freiwilliges Exil, Zwangsexil und Landesverweisung

Auswanderung wird manchmal als freiwilliges Exil bezeichnet. Zwangsexil entsteht dagegen durch staatlichen oder politischen Druck. Während der NS-Zeit konnten viele Juden dem Holocaust nur durch die Flucht ins Exil entkommen. Nach dem November-Pogrom von 1938 erzwangen die Nationalsozialisten Auswanderungen als Voraussetzung für die Entlassung aus der Konzentrationslagerhaft. Kurz nach der Besetzung Österreichs durch den NS-Staat wiederholte sich dieser Vorgang in ähnlicher Form.

Die Flucht führte zunächst häufig in die Tschechoslowakei, nach Großbritannien und Frankreich. Große jüdische Exilgemeinden aus Deutschland entstanden außerdem in Istanbul, São Paulo, New York, London, Shanghai, Buenos Aires und Palästina. In Shanghai kam es zeitweise zu Internierungen durch Japan. Die Exilierten organisierten teilweise gegenseitige Hilfe und hielten über Jahrzehnte miteinander Kontakt.

Eine historische Form der Landesverweisung im Römischen Reich war die Aquae et ignis interdictio, wörtlich die „Untersagung der Gemeinschaft von Feuer und Wasser“. Der Betroffene wurde dabei für vogelfrei erklärt und sein Besitz konfisziert.

Historische Beispiele

Zwangsexil gab es bereits im Altertum. Nebukadnezar II. ließ Israeliten im babylonischen Exil in Babylonien ansiedeln; auch Assyrien setzte solche Maßnahmen häufig ein. Durch die Vermischung der einheimischen Bevölkerung mit fremden Kulturen oder die Umsiedlung von Bevölkerungsteilen in entfernte Gebiete sollten aufständische Regionen politisch beruhigt werden.

Im antiken Rom konnte der Senat das Exil über einzelne Menschen, Familien oder ganze Gebiete verhängen. Der Dichter Ovid musste Rom verlassen und nach Tomis am Schwarzen Meer, dem heutigen Constanța, ziehen. Dort schrieb er in den „Tristia“ über seine Empfindungen im Exil.

Nach 1933 flohen viele Juden sowie zahlreiche deutsche Künstler, Intellektuelle und Wissenschaftler vor dem Nationalsozialismus. An den Universitäten wurde etwa ein Fünftel der Lehrenden vertrieben; 60 % der Betroffenen emigrierten. Zunächst waren die Niederlande und Frankreich häufige Zufluchtsorte. Nach der deutschen Besetzung vieler Nachbarländer zu Beginn des Zweiten Weltkriegs mussten zahlreiche Exilierte erneut fliehen, viele von ihnen in die USA. In dieser Zeit entstand eine eigene Exilliteratur. Klaus Mann schilderte im Roman „Der Vulkan“ die deutsche Exilantenszene in Paris; ein weiteres Beispiel ist Anna Seghers’ Roman „Das siebte Kreuz“.

Nach der Machtübernahme der argentinischen Militärdiktatur 1976 kam es ebenfalls zu einem bedeutenden Exodus. Im selbst erklärten „Schmutzigen Krieg“ gegen linksgerichtete Personen wurden bis zu 30.000 Menschen ermordet. Viele verschwanden spurlos und wurden als Desaparecidos bezeichnet. Bereits nach dem Putsch Augusto Pinochets in Chile 1973 hatten viele staatlich verfolgte Chilenen in der DDR oder in Westdeutschland Zuflucht gefunden.

Nach der US-geführten Invasion des Irak 2003 und der anschließenden Besetzung verschlechterte sich die Lage der irakischen Christen erheblich. Zunehmende Kämpfe zwischen Schiiten, Sunniten und Kurden sowie islamistischer Terrorismus verschärften seit 2005 die Bedrohung. 2010 lebten von zuvor mehreren Millionen Christen nur noch 600.000 im Irak. Innerhalb von zehn Jahren flohen insgesamt etwa 1,5 Millionen nach Syrien oder Jordanien; weitere Menschen gingen in die Türkei, den Libanon, nach Europa oder in die USA. Manche Beobachter sahen dadurch die fast 2000-jährige Geschichte des Christentums auf dem Gebiet des heutigen Irak bedroht.

Beschönigende Verwendung des Begriffs

Im Russischen Kaiserreich und später in der Sowjetunion diente „Exil“ als beschönigendes Wort für die gerichtlich angeordnete Verbringung von Kriminellen oder als zaren- beziehungsweise staatsfeindlich geltenden Menschen nach Sibirien. Diese euphemistische Bezeichnung wurde auch von den Betroffenen und ihren Angehörigen übernommen.

Ein Urteil auf „Exil“ bedeutete nicht zwingend die Einweisung in ein Arbeitslager. Es konnte die verurteilte Person stattdessen dazu zwingen, ausschließlich in einem zugewiesenen Gebiet oder einer bestimmten sibirischen Stadt zu leben. Beispiele aus den 1980er Jahren sind die Urteile gegen Oles Berdnyk und Andrei Sacharow.

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