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Romantik
Die Romantik ist eine kulturgeschichtliche Epoche, die vom Ende des 18. Jahrhunderts bis weit in das 19. Jahrhundert hinein dauerte und sich insbesondere …
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Grundidee und zeitliche Einordnung
Die Romantik ist eine kulturgeschichtliche Epoche vom Ende des 18. Jahrhunderts bis weit in das 19. Jahrhundert. Sie prägte besonders Literatur, bildende Kunst und Musik, wirkte aber auch auf Philosophie, Theologie, Geschichte, Naturwissenschaften und Medizin. Im Mittelpunkt stehen Gefühl, Leidenschaft, Individualität, subjektives Erleben und die menschliche Seele, besonders ihre unbewussten, rätselhaften und leidvollen Seiten. Als wesentlich gilt die aus dem Idealismus, vor allem aus der Philosophie Johann Gottlieb Fichtes, stammende Betonung der Spontaneität des Subjekts.
Die Romantik reagierte auf die vernunftorientierte Aufklärung und auf das feste, an der Antike ausgerichtete Regelwerk des Klassizismus. Sie stellte der Vernunft die Natur, dem rationalen Fortschrittsoptimismus das Geheimnisvolle und Numinose, also das als übermächtig oder heilig Erfahrene, gegenüber. Sehnsucht, Phantasie, Traum, Mysterium und die Suche nach dem Unendlichen wurden wichtiger als eine objektive oder dokumentarische Darstellung. Romantische Kunst schafft daher häufig Traumwelten.
Für die Literatur wird die Epoche ungefähr auf 1795–1835 datiert: Die Frühromantik oder Jenaer Frühromantik reicht bis 1803, die Heidelberger oder Jüngere Romantik bis 1809 und die Spätromantik bis 1835. In der Malerei dauerte die Spätromantik bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, in der Musik bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts. Eine allgemeinere europäische Gliederung unterscheidet die Vorromantik seit etwa 1740/50, die Frühromantik von der Französischen Revolution bis zum Beginn der napoleonischen Herrschaft, die Hochromantik ab 1804 und die Spätromantik bis ungefähr 1830 oder 1835.
Entstehung und europäische Entwicklung
Zu den Ursprüngen gehören die englische Nacht- und Grabesdichtung seit 1740, die Entdeckung pittoresker Landschaften, das Gothic Revival und die Schauerliteratur. Horace Walpole ließ seinen Landsitz Strawberry Hill seit 1747 zu einem neogotischen Schloss-Kloster umbauen und veröffentlichte 1764 mit The Castle of Otranto den ersten Schauerroman. Im deutschen Sprachraum bereitete der Sturm und Drang mit Werken wie Goethes Die Leiden des jungen Werthers und Schillers Die Räuber die Romantik vor. Ein wichtiges frühes Zentrum war Jena; zu den prägenden Persönlichkeiten gehörten Friedrich Schlegel, Novalis und Ludwig Tieck. Friedrich Schleiermachers Über die Religion. Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern gab der Bewegung einen neuen religiösen Impuls.
Die Französische Revolution, die napoleonischen Kriege und die gesellschaftlichen Veränderungen förderten die Ausbreitung der Romantik. Gestiegene Bildung und wachsender Wohlstand ermöglichten einem größeren bürgerlichen Publikum den Zugang zu Büchern, Musikinstrumenten, Theater und Konzerten. Zugleich führten Industrialisierung, Verstädterung und Landflucht zu dem Gefühl, frühere Geborgenheit gehe verloren. Nach dem Scheitern revolutionärer Hoffnungen stärkten sich nationale, konservative und religiöse Strömungen. Nach den Befreiungskriegen, dem Wiener Kongress von 1815 und besonders den Karlsbader Beschlüssen von 1819 zogen sich viele Romantiker in melancholische, phantastische oder biedermeierliche Welten zurück.
Romantik wurde zu einer europäischen Bewegung, nahm aber regional unterschiedliche Formen an. In England wird die Literaturepoche meist von 1798, dem Erscheinen der Lyrical Ballads von William Wordsworth und Samuel Taylor Coleridge, bis 1832, dem Todesjahr Walter Scotts, angesetzt. Sie bevorzugte Vergangenheit, Exotik, Landschaft, gesellschaftliche Randgruppen und das einsam nachdenkende Subjekt. In Frankreich entwickelte sich ab etwa 1820 eine romantische Bewegung gegen den Neoklassizismus; wichtige Impulse kamen von Germaine de Staëls De l'Allemagne (1810) und der französischen Übersetzung von August Wilhelm Schlegels Vorlesungen zur Kunst und Literatur (1813). In Polen verband sich Romantik wegen des Verlusts des eigenen Staatsgebiets eng mit Nationalismus. Auch in Italien und Spanien war sie gegen napoleonische beziehungsweise fremde Vorherrschaft gerichtet. Die russische Romantik nutzte Phantastik, Traum und seelische Grenzsituationen teilweise zur verschlüsselten Gesellschaftskritik. Über die Rezeption E. T. A. Hoffmanns beeinflusste sie zudem nordamerikanische Autoren wie Edgar Allan Poe und Nathaniel Hawthorne.
Gestaltungsprinzipien und Menschenbild
Die Romantik löst feste Grenzen auf. Lieder, Gedichte, Märchen und Erzählungen können miteinander vermischt werden; ebenso verbinden sich Poesie, Philosophie und wissenschaftliche Spekulation. Auch verschiedene Künste wirken zusammen, etwa bei der Vertonung von Gedichten oder in der Verbindung von Literatur und Musik. Das Unbewusste erhält gegenüber dem rationalen Bewusstsein besondere Bedeutung.
Friedrich Schlegels Begriff der „progressiven Universalpoesie“ bezeichnet das Ziel, Philosophie, Prosa, Poesie, Genialität und Kritik miteinander zu verbinden. Anders als in der klassischen Regelpoetik sollen keine festen Schemata gelten. Auch die drei aristotelischen Einheiten von Raum, Zeit und Handlung verlieren an Bedeutung. Der Künstler gilt als frei schaffendes Genie; der Roman wird zu seinem subjektiven Spielfeld. Unfertige Handlungsstränge und Fragmente sollen den fortdauernden Werdensprozess der Dichtung sowie die Freiheit des Dichters sichtbar machen.
Ein weiteres Verfahren ist die romantische Ironie: Der Autor steht erkennbar über seinem Werk und kann eine erzeugte Stimmung oder Handlung plötzlich zerstören oder verändern. Dazu gehören Selbstbezüge, etwa wenn eine Theaterfigur ihre Rettung damit begründet, dass man nicht mitten im fünften Akt sterbe. Diese Ironie zeigt zugleich ein Grundproblem romantischer Kunst: Sie richtet sich auf das Absolute und auf einen Zustand ohne Entfremdung, weiß aber, dass dieser für den modernen Menschen unerreichbar und nicht vollständig darstellbar ist. Das Werk stellt deshalb seine eigene Künstlichkeit und Begrenztheit aus.
Im Gegensatz zur Klassik mit ihrem Streben nach Klarheit, Maß, Harmonie, Vernunft, fester Ordnung und geschlossener Form sucht die Romantik das Unendliche, Leidenschaftliche, Dunkle und Grenzenlose. Sie überschreitet Grenzen zwischen Verstand und Phantasie, Wissenschaft und Poesie, Traum und Wirklichkeit sowie zwischen literarischen Gattungen. Dennoch sind Klassik und Romantik nachträgliche Zuordnungen; ihre Vertreter verstanden sich nicht immer selbst unter diesen Bezeichnungen.
Motive, Symbole und politische Spannungen
Das zentrale Symbol ist die Blaue Blume. In Novalis’ fragmentarischem Roman Heinrich von Ofterdingen steht sie für Sehnsucht, das Streben nach dem Unendlichen und die Verbindung verschiedener Sinneswahrnehmungen und Erkenntnisebenen. Eng damit verbunden sind Wandern, Reisen, Fernweh, Müßiggang, Liebe und Nacht. Die Natur erscheint meist idealisiert und spiegelt häufig die Gefühle des Menschen. Caspar David Friedrichs Der Mönch am Meer (1808/10) zeigt beispielsweise die Vereinzelung des Menschen angesichts der erhabenen Unendlichkeit der Schöpfung.
Ein zweiter Motivkreis umfasst das Unheimliche und Numinose. Typisch sind Spiegel und Doppelgänger, Gespenster, dunkle Wälder, Moore, Höhlen, Friedhöfe, Ruinen und alte Burgen. Das Geschehen kann übernatürlich, naturmagisch oder märchenhaft sein. E. T. A. Hoffmann verwendete etwa in Elixiere des Teufels (1815) das Doppelgängermotiv. Sigmund Freud kennzeichnete das Unheimliche 1919 durch „Urteilsunsicherheit“: Figuren oder Publikum schwanken darüber, wie das Wahrgenommene zu beurteilen ist.
Das Mittelalter wurde idealisiert und als Gegenbild zur Gegenwart verherrlicht. Man sammelte sogenannte Volkspoesie, etwa Grimms Märchen und Des Knaben Wunderhorn. Da die Herausgeber die Texte literarisch bearbeiteten und verschönerten, wurden sie schon damals dafür kritisiert, keine bloßen Chronisten zu sein. Die Mittelalterbegeisterung förderte außerdem Neogotik, Neoromanik und eine Burgenrenaissance.
Politisch ist die Romantik widersprüchlich. Häufig zeigt sie Weltflucht, Rückzug ins Private und Hinwendung zur Vergangenheit. Zugleich verband sie sich mit nationalistischen Strömungen, besonders durch die Suche nach nationaler Identität und die Idealisierung des Mittelalters. Heinrich Heine nahm eine Sonderstellung ein, weil er angedeutete politische Spannungen zu ausdrücklicher Gesellschaftskritik an deutschen Verhältnissen verschärfte, etwa in Deutschland. Ein Wintermärchen.
Literatur, Musik und bildende Kunst
Die deutsche romantische Literatur entstand hauptsächlich zwischen 1790 und 1830. Ihre frühen Zentren waren Jena und Berlin, später auch Heidelberg und Dresden. Friedrich Schlegels Theorie und Fichtes Philosophie waren wichtige Grundlagen. Zu den zentralen Autoren zählen Novalis, Ludwig Tieck, E. T. A. Hoffmann, Clemens Brentano, Achim von Arnim und Joseph von Eichendorff. Ob Jean Paul, Friedrich Hölderlin und Heinrich von Kleist zur Romantik gehören, ist in der Literaturwissenschaft umstritten.
In der Musik wurden romantische Ideen in den 1820er Jahren wirksam. Gegenüber der klassischen Formvollendung rückten das Irrationale, Märchenhafte und Phantastische in den Vordergrund. Neben der Sinfonie gewannen kleinere Formen wie das Impromptu und das Lied an Bedeutung. Ludwig van Beethoven war ein wichtiges Vorbild; Beethoven und Franz Schubert gelten zugleich als Übergangsfiguren zwischen Klassik und Frühromantik. Bedeutende romantische Komponisten sind Robert Schumann, Frédéric Chopin, Franz Liszt, Felix Mendelssohn Bartholdy und Hector Berlioz. Eine scharfe zeitliche Trennung zwischen Klassik und Romantik ist in der Musik nicht möglich. Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts werden Werke noch als romantisch, spätromantisch oder neuromantisch bezeichnet. Richard Wagners Bühnenschaffen verwirklichte in besonderer Weise die frühromantische Forderung nach der Vereinigung der Künste.
Die romantische Malerei wird ungefähr auf 1790–1850 datiert. Landschaften, mittelalterliche Geschichte, Märchen, Sagen und der Orient wurden wichtige Motive. Caspar David Friedrich stellte häufig einsame Figuren und gotische Ruinen dar; seine Landschaften sollten nicht nur Natur, sondern sein Seelenleben ausdrücken. William Turner konzentrierte sich auf Wind, Wetter, Farbe und Licht und wurde durch die Auflösung fester Formen zu einem Vorläufer des Impressionismus. Die Nazarener, darunter Peter Cornelius und Julius Schnorr von Carolsfeld, verbanden religiöse und nationalistische Historienmalerei mit dem Ziel einer „typisch deutschen“ Kunst. In Frankreich behandelten Eugène Delacroix und Théodore Géricault besonders Revolution und ihre Folgen. Francisco de Goyas Einordnung ist wegen seines sechs Jahrzehnte umfassenden Schaffens zwischen Klassizismus, Romantik und Naturalismus schwierig.
Architektur und Bildhauerei wurden stärker von Klassizismus und Historismus bestimmt. Dennoch beeinflussten Ruinenkult, Rheinromantik und Mittelalterbegeisterung den Burgenbau, die Neogotik und Nationaldenkmäler wie das Hermannsdenkmal. Die kritische Haltung zur Industrialisierung und das Interesse am mittelalterlichen Kunsthandwerk wirkten möglicherweise auf das spätere Arts and Crafts Movement voraus.
Philosophie, Religion und Lebensauffassung
Die romantische Philosophie ist eine Teilströmung des deutschen Idealismus. Sie beschäftigt sich mit Natur, Geschichte, Mythos, Sprache und Literatur und wendet sich gegen eine rein rationalistische Trennung von Materie und Geist beziehungsweise Natur und Geschichte. Die romantische Naturphilosophie sucht eine organische Vermittlung zwischen diesen Bereichen. Der Kunst kommt dabei eine zentrale Rolle zu: Sie soll zwischen Natur und Geschichte vermitteln, weshalb Natur- und Kunstphilosophie eng verbunden sind. Romantiker wie Wilhelm und Jacob Grimm begründeten durch sprachgeschichtliche und etymologische Forschung zugleich Anfänge der wissenschaftlichen Sprachwissenschaft.
Religion und Kunst galten besonders in der Frühromantik als eng verbunden; der Künstler wurde als Träger von Religion verstanden. Friedrich Schlegel wollte Philosophie, Poesie, Mythologie und biblische Tradition zu einem ganzheitlichen Religionskonzept vereinigen. Friedrich Schleiermacher war der wichtigste evangelische Theologe der Romantik. Ein bedeutendes Zentrum katholischer romantischer Theologie war die bayerische Landesuniversität in München, unter anderem mit Franz von Baader und Joseph Görres.
Romantische Werke zeigen ihre Hauptfiguren oft als isolierte Außenseiter, die zwischen extremen Gefühlen schwanken und zum Scheitern verurteilt sind. Dieses Bild darf jedoch nicht unmittelbar auf alle Autoren übertragen werden: Viele Romantiker hatten bürgerliche Berufe, etwa E. T. A. Hoffmann als Jurist, die Brüder Grimm und Friedrich Schelling als Professoren sowie Eichendorff als juristischer Beamter. Auch Frauen wie Dorothea Schlegel, Caroline Schlegel und Bettina von Arnim wirkten als Autorinnen, Übersetzerinnen oder Mitarbeiterinnen an literarischen Projekten.
Geselligkeit und geistiger Austausch galten der Frühromantik als Voraussetzung persönlicher Entwicklung, blieben jedoch auf die „Gebildeten“ beschränkt. Freundschaften, der Jenaer Kreis und Berliner Salons verbanden die Beteiligten. Das romantische Künstlerideal verlangte außerdem ein unabhängiges Schaffen, bei dem finanzieller Erfolg und Anerkennung zweitrangig sein sollten. Spätere Bewegungen wie Symbolismus und Neuromantik zu Beginn des 20. Jahrhunderts sowie die in den 1980er Jahren entstandene Gothic-Szene griffen romantische Vorstellungen und Motive erneut auf.
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