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Harmonielehre

Unter Harmonielehre wird die systematische Erfassung der Akkordgestalten und des tonalen Klangraumes verstanden, verbunden mit methodischen Anleitungen …

Inhalt3 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Aufgaben
  2. 2. Historische Entwicklung der Theorien
  3. 3. Bedeutung für Unterricht und Musikanalyse

Gegenstand und Aufgaben

Harmonielehre ist die systematische Erfassung der Akkordgestalten und des tonalen Klangraumes. Sie verbindet diese theoretische Beschreibung mit methodischen Anleitungen, etwa im Tonsatz, damit Klangverbindungen möglichst fehlerfrei und nach den traditionellen Vorgaben der Musik gehandhabt werden können. Im Mittelpunkt steht daher nicht nur der Aufbau einzelner Akkorde, sondern besonders ihre Verbindung zu musikalisch logischen Folgen.

Der Gegenstandsbereich bezieht sich vor allem auf die Epoche der Dur-Moll-Tonalität, die ungefähr von 1600 bis ins 20. Jahrhundert reicht. Dur und Moll bezeichnen dabei die beiden grundlegenden Tongeschlechter, in deren tonalem Klangraum Akkorde und ihre Beziehungen betrachtet werden. Als Unterrichtsfach ist Harmonielehre somit zugleich eine theoretische und eine praktische Handwerkslehre: Sie erklärt musikalische Zusammenhänge und vermittelt Regeln für das Schreiben, Verbinden und Analysieren von Klängen.

Historische Entwicklung der Theorien

Der Begriff „Harmonielehre“ stützt sich auf Jean-Philippe Rameaus (1683–1764) Traité de l’Harmonie von 1722. Dieses Traktat entstand noch während der Zeit des Generalbasses und nutzte die Erkenntnisse der Fundamentalbass-Theorie für eine stärker analytisch ausgerichtete Theorie.

Die Stufentheorie wurde von Jacob Gottfried Weber (1779–1839) entwickelt und später von Simon Sechter (1788–1867) sowie Arnold Schönberg (1874–1951) ausgebaut. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde sie durch die von Hugo Riemann (1849–1919) begründete Funktionstheorie ergänzt. Beide Systeme, Stufentheorie und Funktionstheorie, haben sich mit Modifikationen und Erweiterungen bis in die heutige Zeit erhalten.

Arnold Schönbergs 1911 erschienenes Werk Harmonielehre bildete außerdem ein theoretisches Fundament für die atonale Zwölftonmusik. Heinrich Schenker (1868–1935) verband in seiner Harmonielehre die Kontrapunktlehre mit der Akkordlehre. Dadurch wurde die Stimmführung als „Horizontalisierung“ der vertikalen Harmonik verstanden. Diese Auffassung steht mit dem Ursatz in Verbindung, einem Begriff der von Schenker begründeten Reduktionsanalyse.

Bedeutung für Unterricht und Musikanalyse

Harmonielehre wird an Musikhochschulen, Musikschulen und im Musikunterricht an Gymnasien unterrichtet. Sie erfasst die Harmonik, also einen Teilaspekt der Musikgeschichte, unter satztechnischen und analytischen Gesichtspunkten. Satztechnisch untersucht sie, wie musikalische Stimmen und Klänge verbunden werden; analytisch beschreibt und deutet sie die Beziehungen zwischen Akkorden und tonalen Klangräumen.

Die Harmonielehre verfolgt vor allem eine pädagogische Absicht: Sie soll eine Handwerkslehre vermitteln. Weil sich der musikalische Stil über mehr als 300 Jahre entwickelt hat, muss diese Vermittlung mit Abstraktionen und Vereinfachungen arbeiten. Trotzdem besitzt Harmonielehre weiterhin eine zentrale Bedeutung. Sie ermöglicht Einblicke in stilistische und damit auch interpretatorische Grundfragen der Musik zwischen 1600 und 1900. Grundkenntnisse sind darüber hinaus für das Verständnis der sogenannten Populärmusik und des Jazz unabdingbar.

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