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Arnold Schönberg

Arnold Schönberg (* 13. September 1874 in Wien; † 13. Juli 1951 in Brentwood, Los Angeles) war ein österreichischer Komponist, Musiktheoretiker, …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Wer war Arnold Schönberg?
  2. 2. Leben bis zum Ersten Weltkrieg
  3. 3. Zwischen den Weltkriegen und in den USA
  4. 4. Werk und Zwölftontechnik
  5. 5. Schüler, Malerei und Sonstiges

Wer war Arnold Schönberg?

Arnold Schönberg (* 13. September 1874 in Wien; † 13. Juli 1951 in Brentwood, Los Angeles) war ein österreichischer Komponist, Musiktheoretiker, Kompositionslehrer, Maler, Dichter und Erfinder. Er wirkte ab 1901 abwechselnd in Berlin und Wien, emigrierte 1933 in die USA und nahm 1941 die US-amerikanische Staatsbürgerschaft an; danach schrieb er seinen Namen Arnold Schoenberg. Schönberg gilt zusammen mit Igor Strawinsky als einer der einflussreichsten Komponisten des frühen 20. Jahrhunderts nach Claude Debussy und war die zentrale Gestalt der Zweiten Wiener Schule (auch Wiener atonale Schule). Sein Bestreben, die Tonalität (die Dur-Moll-Tonartenzugehörigkeit der Musik) in ihrer spätromantischen Form konsequent zu Ende zu denken, mündete in die Zwölftontechnik – eine Kompositionsmethode mit zwölf nur aufeinander bezogenen Tönen. Er entwickelte sie um 1920, parallel zum weniger bekannten Josef Matthias Hauer. Die Zwölftontechnik wurde später zur seriellen Musik weiterentwickelt und von zahlreichen Komponisten der Neuen Musik aufgegriffen. Im Juli 1921 komponierte er in der Villa Josef in Traunkirchen mit dem Praeludium der Klaviersuite op. 25 das erste Stück in dieser Technik.

Leben bis zum Ersten Weltkrieg

Schönberg wuchs in bescheidenen Verhältnissen in Wien auf; der Vater, ein Schuhmacher, starb 1889, woraufhin Arnold die Schule verließ und eine Banklehre begann. Musikalisch war er Autodidakt, der seit seinem neunten Lebensjahr Violine spielte. Drei Personen förderten seine Entwicklung: Oskar Adler (Musiktheorie, Poesie, Philosophie), David Josef Bach (ethisches Bewusstsein) und Alexander von Zemlinsky, bei dem er einige Monate Kompositionsunterricht nahm und der ihm 1898 zur erfolgreichen Aufführung seines ersten Streichquartetts in D-Dur verhalf. Vor allem studierte er die Werke von Brahms, Wagner, Mahler, Bach und Mozart. 1901 heiratete er Mathilde Zemlinsky; aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. 1903 kehrte er nach Wien zurück und machte die Bekanntschaft Gustav Mahlers. 1904 gründete er mit anderen die Vereinigung schaffender Tonkünstler; Anton Webern und Alban Berg wurden seine Schüler. Es entstanden bedeutende Werke wie die beiden ersten Streichquartette, die 1. Kammersinfonie (1906), die Gurre-Lieder, die Harmonielehre (1911) und Pierrot Lunaire (1912). Die Uraufführungen wurden teils von Skandalen begleitet; berühmt wurde das von ihm geleitete „Watschenkonzert“ vom 31. März 1913. 1910 wurde seine Bewerbung um eine Wiener Professur abgelehnt, 1911 kehrte er als Dozent ans Stern’sche Konservatorium nach Berlin zurück. 1915 wurde er zum Militär einberufen und diente in einer Militärkapelle. Schönberg war 1898 aus dem Judentum ausgetreten und zum Protestantismus konvertiert. Ein antisemitischer Vorfall 1921 in Mattsee (die Gemeinde wollte „judenrein“ werden) sowie antisemitische Äußerungen Wassily Kandinskys bewirkten eine intensive Auseinandersetzung mit seiner jüdischen Herkunft. Nachdem er 1933 wegen seiner Herkunft seine Stelle an der Preußischen Akademie der Künste verloren hatte, trat er am 24. Juli 1933 in Paris – in Anwesenheit Marc Chagalls – wieder zum Judentum über.

Zwischen den Weltkriegen und in den USA

1918 zog Schönberg nach Mödling bei Wien; dort gründete er am 23. November 1918 den „Verein für musikalische Privataufführungen“, der neue und wichtige Werke aufführte; 1922 entstand in seinem Umfeld die Internationale Gesellschaft für Neue Musik (IGNM/ISCM). In Mödling unterrichtete er später bekannte Musiker wie Hanns Eisler, Rudolf Kolisch, Erwin Ratz, Max Deutsch und Karl Rankl. 1921 begründete er die Zwölftontechnik, die er selbst allerdings nie lehrte. Nach Mathildes Tod 1923 heiratete er 1924 Gertrud Kolisch; mit ihr hatte er drei Kinder. 1925 wurde er als Nachfolger Ferruccio Busonis an die Preußische Akademie der Künste berufen und erhielt damit auch die preußische Staatsangehörigkeit. Im September 1933 wurde ihm die Professur aus rassistischen Gründen durch die NS-Gesetzgebung entzogen; einen Monat nach seiner Rekonversion emigrierte er in die USA. Dort lehrte er zunächst am Malkin Conservatory der Boston University, ab 1934 an der University of Southern California, später an der University of California. Ab 1936 wohnte er in Brentwood bei Los Angeles; zu seinem Freundeskreis gehörte anfangs auch George Gershwin. In den USA vollendete er bekannte Werke: das vierte Streichquartett (1936), Kol Nidre (1938), das Klavierkonzert (1942) und Ein Überlebender aus Warschau (1947) über die Erfahrungen eines Mannes im Warschauer Ghetto. Dort entstanden auch vier seiner theoretischen Bücher. Von 1948 bis 1950 gab es eine Kontroverse mit Thomas Mann, dessen Roman Doktor Faustus die „Erfindung“ der Zwölftontechnik einer Fiktivfigur zuschreibt. 1949 erhielt er die Bürgerurkunde der Stadt Wien. Schönberg, der sich vor der Zahl 13 fürchtete, starb am Freitag, dem 13. Juli 1951, an einem Herzleiden. Unvollendet blieben die Kantate Die Jakobsleiter, die Oper Moses und Aron und der Zyklus Moderne Psalmen. Moses und Aron, uraufgeführt 1954 konzertant und 1957 szenisch in Zürich, wurde als zweiaktiges Werk ein großer Erfolg. Sein Ehrengrab am Wiener Zentralfriedhof gestaltete Fritz Wotruba.

Werk und Zwölftontechnik

Die frühen Kompositionen Schönbergs werden der Spät- bzw. Nachromantik zugerechnet; sie zeichnen sich durch reich differenzierte Instrumentation aus, von Kammermusik bis zum sehr großen Orchester (Gurre-Lieder). Brückenwerke sind die 1. Kammersinfonie für 15 Instrumente (1906) und die erst 1939 fertiggestellte 2. Kammersinfonie. Vielfach setzte er sich mit Literatur der Romantik und des Fin de siècle auseinander, etwa in Verklärte Nacht (nach Richard Dehmel), Pelleas und Melisande (nach Maeterlinck), Friede auf Erden und den Gurre-Liedern. Ab 1908 verließen seine Werke die Dur-Moll-Tonalität; das 2. Streichquartett gilt als Schlüsselwerk der atonalen Musik (Atonalität = Musik ohne Tonartenzentrum). Die Phase der „Freien Atonalität“ führte Schönberg in eine Schaffenskrise, da er Wege suchte, den dissonanten Charakter solcher Harmonien zu rechtfertigen. Im Juli 1921 schrieb er seinem Schüler Josef Rufer: „Heute habe ich etwas entdeckt, das die Überlegenheit der deutschen Musik für die nächsten hundert Jahre versichern wird.“ Die entstandene „Methode des Komponierens mit zwölf nur aufeinander bezogenen Tönen“ (Zwölftontechnik oder Dodekaphonie) entstand unabhängig von Josef Matthias Hauers Technik und gab jedem Werk ein theoretisch inneres Gefüge. Seine Schüler erschlossen sie sich durch Analyse seiner Werke; Lehrbücher schrieben später andere, etwa Ernst Krenek (Studies in Counterpoint, 1940). Ab 1945 wurde die Technik von vielen Komponisten adaptiert, z. B. von Strawinsky in Agon (1953–57); Theodor W. Adorno würdigte sie in der Philosophie der neuen Musik (1949). Schönberg benutzte sie bis zu seinem Lebensende für sein Hauptwerk; für Gelegenheitswerke kehrte er teils zur Tonalität zurück. Er schrieb auch selbst die Libretti (Textbücher) zu seinen Opern Die glückliche Hand und Moses und Aron. Sein Einfluss auf die Musik des 20. Jahrhunderts – von der Atonalität über die Zwölftontechnik zur seriellen und elektronischen Musik – ist enorm, das breite Publikum haben er und seine Nachfolger allerdings noch nicht erobert.

Schüler, Malerei und Sonstiges

Um Schönberg bildete sich mit Alban Berg und Anton Webern ein Kreis Gleichgesinnter, die Wiener Schule; daneben gab es eine Berliner Schule um ihn. Namhafte Interpreten wie die Pianisten Artur Schnabel und Eduard Steuermann, die Dirigenten Hans Rosbaud und Hermann Scherchen sowie sein Schwager, der Geiger Rudolf Kolisch, setzten sich für ihn ein. Eng befreundet war er mit dem Architekten Adolf Loos, der seine Kompositionen förderte; Schönbergs Forderung „Musik soll nicht schmücken, sie soll wahr sein“ lässt sich auf Loos’ Ästhetik beziehen. Neben der Musik malte Schönberg intensiv in den Jahren 1906–1912 und 1913; sein 361 Bilder umfassendes Werk umfasst Selbstporträts, Porträts, „Visionen“ und „Blicke“, Landschaften und Bühnenbildentwürfe. Er betrachtete sich als Amateur, seine Bilder wurden aber u. a. in der von Kandinsky initiierten Ausstellung Der Blaue Reiter gezeigt und gewinnen nach seinem Tod an Bedeutung. Als Erfinder entwarf er in den 1920er Jahren eine Schachvariante für vier Spieler namens Koalitionsschach (10 × 10 Felder, 36 Figuren), Möbel, eine mechanische Notenschreibmaschine, Spielkarten und eine Methode zur Dokumentation von Tennisspielen. Sein Nachlass wird seit 1998 im Arnold Schönberg Center in Wien aufbewahrt (seit Mai 2011 im UNESCO-Memory-of-the-World-Register); im Januar 2025 wurden bei den Bränden in Los Angeles numerous Manuskripte und Druckwerke aus dem Belmont Music Publishers in Pacific Palisades vernichtet. Ehrungen sind u. a. der Schönbergplatz in Wien-Penzing (1952), ein Arnold-Schönberg-Platz in Berlin-Weißensee (seit 1998), der Asteroid (4527) Schoenberg (1990) und der Arnold-Schönberg-Preis (seit 2001). Zu seinen wichtigsten Werken zählen op. 4 Verklärte Nacht (1899), die Gurre-Lieder (1900–1911), op. 10 das Zweite Streichquartett (1907–1908), op. 21 Pierrot lunaire (1912), op. 25 Suite für Klavier (1921–1923), op. 31 Variationen für Orchester, die Oper Moses und Aron (1923–1937, Fragment) und op. 46 A Survivor from Warsaw (1947).

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