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Hamlet (Dean)
Hamlet ist eine Oper in zwei Akten von Brett Dean (Musik) mit einem Libretto von Matthew Jocelyn nach Shakespeares Tragödie Hamlet. Sie wurde am 11.
Inhalt5 Abschnitte
Grunddaten und Handlungskern
Hamlet ist eine Oper in zwei Akten von Brett Dean nach einem Libretto von Matthew Jocelyn, das auf Shakespeares Tragödie Hamlet beruht. Die Originalsprache ist Englisch. Die Oper dauert etwa 2 ¼ Stunden und spielt in Elsinore in Dänemark. Im Mittelpunkt steht Hamlets Versuch, den Mord an seinem Vater aufzuklären und zu rächen. Der Geist des verstorbenen Königs beschuldigt dessen Bruder Claudius, ihn ermordet zu haben, und fordert Hamlet auf, Claudius zu töten.
Zu den wichtigsten Figuren gehören Hamlet (lyrisch-dramatischer Tenor), Ophelia (dramatischer Koloratursopran), Claudius (dramatischer Bassbariton), Gertrude (lyrischer Mezzosopran), Polonius (Charaktertenor), Horatio (lyrischer Bariton) und Laertes (Tenor). Rosencrantz und Guildenstern sind Countertenöre. Außerdem treten der Geist, ein Totengräber und ein Schauspieler als dramatischer tiefer Bass auf. Ein Chor auf der Bühne umfasst mindestens 32 Stimmen, ein Semi-Chor im Orchestergraben mindestens 8 Stimmen. Ein Akkordeonspieler wirkt auf der Bühne mit.
Trauer, Geist und Entlarvung
Zu Beginn betrauert Hamlet in einem Monolog den Tod seines Vaters, des Königs von Dänemark. Währenddessen feiert Claudius, der Bruder des Verstorbenen, seine Krönung und gibt seine Hochzeit mit der Königinwitwe Gertrude bekannt. Hamlet ist empört darüber, dass seine Mutter so schnell über den Tod ihres Mannes hinweggeht, und wirft dem neuen Königspaar vor, sich mit der schnellen Heirat gegen die Natur zu versündigen.
Laertes warnt seine Schwester Ophelia vor einer dauerhaften Beziehung mit Hamlet und kündigt seine Abreise nach Frankreich an, das er Dänemark unterwerfen will. Polonius erfährt von Ophelias Liebe zu Hamlet und lehnt die Verbindung trotz ihrer Versicherung ab, Hamlet meine es ernst. Hamlets Freunde Horatio und Marcellus berichten ihm, dass sie den Geist seines Vaters gesehen haben. Der Geist erscheint erneut und erklärt, Claudius habe den König ermordet. Er verlangt von Hamlet Rache und den Tod Claudius’.
Claudius und Gertrude beauftragen Rosencrantz und Guildenstern, Hamlet auszuspionieren. Polonius hält Hamlet für wahnsinnig und führt dessen Verhalten auf Ophelias Zurückweisung zurück. Bei einem belauschten Treffen weist Hamlet Ophelia tatsächlich zurück: Er erklärt, er habe sie einst geliebt, dies sei aber vorbei, und rät ihr, in ein Kloster zu gehen. Claudius bleibt dennoch unsicher, ob Liebeskummer die Ursache für Hamlets Verhalten ist.
Hamlet plant daraufhin eine Theatervorführung. Er überredet einen Schauspieler, Die Ermordung des Gonzago aufzuführen, ein Stück mit Parallelen zum Mord an seinem Vater, das Hamlet passend ergänzt hat. Er will Claudius’ Reaktion beobachten. Das Spiel löst bei Claudius einen Eklat aus; der König und die Gäste verlassen empört das Theater. Für Hamlet ist dies ein ausreichender Beweis für Claudius’ Schuld.
Claudius sucht vergeblich nach einem Gebet, das ihn von seiner Schuld reinigen könnte. Hamlet betritt den Raum mit dem Vorsatz, seinen Vater zu rächen, kann Claudius aber noch nicht töten. Im Gemach seiner Mutter ersticht Hamlet Polonius, der sich bei seinem Herannahen in einem Kleiderschrank versteckt hat. Danach beschuldigt er Gertrude schwer, seinen Vater verraten zu haben. Der Geist erscheint ein weiteres Mal und erinnert Hamlet an seine Aufgabe, bleibt für Gertrude jedoch unsichtbar.
Wahnsinn, Intrige und Untergang
Nach dem Tod seines Vaters Polonius kehrt Laertes aus Frankreich zurück. Zunächst verdächtigt er Claudius, erfährt aber von ihm, Gertrude, Rosencrantz und Guildenstern die Wahrheit über Hamlets Tat. Ophelia ist nach Hamlets Zurückweisung und dem Mord an ihrem Vater wahnsinnig geworden. Sie stürzt sich in einen Fluss und stirbt.
Hamlet und Horatio beobachten einen Totengräber beim Ausheben eines Grabes. Sie sprechen über den dort bestatteten früheren Hofnarren Yorick, den Hamlet aus seiner Kindheit kennt. Als die Trauergesellschaft mit Laertes, Claudius und Gertrude erscheint, erfährt Hamlet erst jetzt, dass das Grab für Ophelia bestimmt ist. Zwischen Hamlet und Laertes kommt es zum Streit.
Claudius schlägt einen Zweikampf zwischen Hamlet und Laertes vor und verspricht dem Sieger ein hohes Preisgeld. Laertes plant jedoch gemeinsam mit Claudius einen Mord. Vor dem Hof bittet Hamlet Laertes um Verzeihung und erklärt seine Tat mit seinem Wahnsinn; Laertes lehnt eine Versöhnung ab. Er lässt sich ein Florett geben, das in Gift getaucht wurde. Auch der Wein, den Claudius Hamlet anbietet, ist vergiftet.
Hamlet gewinnt zunächst zwei Gänge. Gertrude trinkt trotz Claudius’ vergeblichen Warnungen aus dem vergifteten Becher. Im nächsten Gang wird Hamlet am Arm verletzt, trifft Laertes aber tödlich. Laertes enthüllt vor seinem Tod den Verrat mit dem vergifteten Florett und dem Wein. Hamlet lässt die Tore schließen und tötet im allgemeinen Tumult Rosencrantz, Guildenstern und Claudius. Danach bricht er selbst zusammen. In seinen letzten Worten bittet er Horatio, der Welt seine Geschichte mitzuteilen.
Dramaturgie und musikalische Gestaltung
Die Oper besteht aus zwei Akten und insgesamt zwölf Szenen. Der erste Akt ist beinahe doppelt so lang wie der zweite. Matthew Jocelyn stellte den Text aus den drei relevanten Originalquellen von Shakespeares Hamlet zusammen. Er konzentrierte die Handlung im Wesentlichen auf Hamlets Rache und seine Beziehung zu Ophelia, behielt aber den originalen Wortlaut bei. An einigen Stellen ordnete er Textstellen neu oder wies sie anderen Personen beziehungsweise dem Chor zu. Den zweiten Teil von Hamlets berühmten Worten „To be or not to be“ („Sein oder Nichtsein“) stammelt Hamlet bereits in der Eröffnungsszene; vollständig spricht sie erst einer der Schauspieler in der Theaterszene.
Brett Dean legt musikalisch besonderen Wert auf Atmosphäre und Personencharakterisierung. Der Semi-Chor im Orchestergraben wird sinfonisch und geräuschhaft eingesetzt, unter anderem mit Rasseln, Klicken, Zischen und Wispern. Elektronische Effekte verwendet Dean nur sparsam. Im Theater verteilte Schlagzeuger, Klarinetten und Trompeten schaffen eine räumliche Wirkung. In der Geisterszene dominiert ein „hohler“ Spaltklang zwischen hohen und tiefen Instrumenten. Rosencrantz und Guildenstern werden mit Countertenören besetzt, was auf Traditionen des Elisabethanischen Zeitalters anspielt. Die Totengräberszene erinnert durch jazzige Trompetenklänge an Kurt Weill. Beim tragischen Ende begleitet ein langsames Absacken von Chor und Streichern die vielen Tode; Hamlets Tod in Horatios Armen wird von einer Cellokantilene begleitet. In der Theaterszene spielt ein Akkordeonspieler.
Orchester und Aufführungsgeschichte
Das Orchester umfasst drei Flöten, zwei Oboen, fünf Klarinetten, zwei Fagotte, vier Hörner, vier Trompeten, drei Posaunen, Tuba, Pauken, Schlagzeug mit vier Spielern, Akkordeon, Harfe, Keyboard mit Klavier und Laptop sowie Streicher mit zehn Violinen 1, acht Violinen 2, sechs Bratschen, sechs Violoncelli und vier Kontrabässen. Mehrere Instrumente übernehmen Zusatzinstrumente: Flöten spielen auch Piccolo oder Altflöte, Oboen auch Englischhorn, Klarinetten auch Bass-, Kontrabassklarinette und Theaterpartien, Fagotte auch Kontrafagott. Zwei identische Trios aus je einer Klarinette, einer Trompete und einem Schlagzeuger werden im Theater verteilt.
Die Uraufführung fand am 11. Juni 2017 im Glyndebourne Opera House bei Lewes im Rahmen des Glyndebourne Festivals statt. Vladimir Jurowski dirigierte den Glyndebourne Chorus und das London Philharmonic Orchestra; Regie führte Neil Armfield. Die Titelrolle sang Allan Clayton, Ophelia Barbara Hannigan. Ein Video-Mitschnitt wurde auf der Website des Glyndebourne Festivals und bei Culturebox bereitgestellt.
Die deutsche Erstaufführung erfolgte am 24. November 2019 in der Oper Köln unter der Leitung von Duncan Ward. 2022 wurde die Produktion an die Metropolitan Opera weitergegeben. Im Sommer 2023 war sie bei den Opernfestspielen in München zu sehen. Mehrere Sänger der Uraufführung wirkten erneut mit. Allan Clayton erkrankte während der Münchner Festspiele und wurde in den letzten Vorstellungen durch David Butt Philip ersetzt; Sophie Koch übernahm die Gertrude, und Caroline Wettergreen sang die Ophelia.