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Klarinette

Die Klarinette ist ein Holzblasinstrument mit teils zylindrischer und teils konischer Bohrung. Ihr Mundstück ist wie beim Saxophon mit einem einfachen …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundlagen und Klangentstehung
  2. 2. Bau, Spielweise und Stimmung
  3. 3. Instrumente, Transposition und Griffsysteme
  4. 4. Entwicklung zum modernen Instrument
  5. 5. Verwendung und Lernen

Grundlagen und Klangentstehung

Die Klarinette ist ein Holzblasinstrument mit einfachem Rohrblatt, also einem dünnen schwingenden Blatt am Mundstück. Sie besitzt eine teils zylindrische und teils konische Innenbohrung und gehört als Aerophon zu den Blasinstrumenten. Ihr besonders großer Tonumfang beträgt ungefähr vier Oktaven. Zur Klarinettenfamilie zählen mehr als 20 unterschiedlich hohe und tiefe Instrumente, vom Sopranino bis zur Kontrabass- und Subkontrabasslage.

Beim Blasen bringt der Luftstrom das Rohrblatt zum Schwingen; dadurch schwingt die Luftsäule im Instrument. Die Klarinette verhält sich näherungsweise wie ein einseitig geschlossenes Rohr: am Mundstück geschlossen, am Trichter offen. Im Rohr liegt deshalb nur ein Viertel der Wellenlänge. Bei gleicher Rohrlänge klingt sie eine Oktave tiefer als eine beidseitig offene Flöte. Tonhöhe und Frequenz verändern sich, wenn durch Finger und Klappen Tonlöcher geöffnet oder geschlossen werden.

Die Klarinette überbläst mit der Duodezklappe in die Duodezime, also nicht wie Flöte oder Saxophon in die Oktave. Das dritte Register überbläst zwei Oktaven und eine Terz. Dadurch entsteht ihr großer Umfang. Das tiefe Chalumeau-Register klingt voll und dunkel, das mittlere Clarinregister heller und lieblich, das hohe Altissimo-Register kann durchdringend oder schrill wirken. Artikulation erfolgt meist durch Zungenschlag, für besonders weiche Einsätze auch allein durch kontrollierten Luftstrom.

Bau, Spielweise und Stimmung

Eine Klarinette besteht aus fünf ineinander gesteckten Teilen: Mundstück oder Schnabel mit Rohrblatt und Blattbefestigung, Birne oder Fässchen, Oberstück, Unterstück und Schalltrichter beziehungsweise Becher. Der Becher ist besonders für den Klang der tiefsten Töne wichtig. Die B-Klarinette ist ungefähr 66 cm lang, die A-Klarinette 71 cm; Bassett-Ausführungen sind etwa 18 cm länger. Ihre Innenbohrung ist ungefähr 14,6 bis 15,7 mm weit.

Der Korpus bestand ursprünglich aus Buchsbaum und wird heute meist aus dem harten, dichten Grenadillholz gefertigt. Weitere Materialien sind etwa Mopane, Bubinga, ABS-Kunststoff, Ebonit, selten Metall sowie Verbundwerkstoffe. Material und Bohrung beeinflussen den Klang. Tonlöcher werden direkt mit den Fingern oder durch Klappen geschlossen. Bei Klappentonlöchern sorgen versenkte Löcher, konische Ringe (Zwirle) und Leder- oder Gore-Tex-Polster für einen dichten Abschluss.

Das etwa 12,5 mm breite Rohrblatt besteht fast immer aus Pfahlrohr (Arundo donax), seltener aus Kunststoff. Es wird mit einer Ligatur oder Blattschraube befestigt; im deutschen System sind auch Blattschnüre üblich. Lippenstellung, Lippendruck und Luftstrom beeinflussen Klang und Intonation, also die Genauigkeit der Tonhöhe. Mundstück und Blatt müssen passend kombiniert werden; Blätter gibt es in verschiedenen Stärken und sie müssen eingespielt werden.

Zum Stimmen werden Birnen unterschiedlicher Länge verwendet oder die Birne einige Millimeter herausgezogen, um tiefer zu intonieren. Der Kammerton a¹ wird heute auf 440 bis 444 Hz gestimmt. Die Klarinette ist beim Stimmton empfindlich, weil sie in die Duodezime überbläst; der Spielraum für Korrekturen ist begrenzt. Ein leichtes Blatt macht Töne etwas tiefer, ein härteres etwas höher.

Instrumente, Transposition und Griffsysteme

Fast alle Klarinetten sind transponierende Instrumente: Der notierte Ton und der klingende Ton sind verschieden. Ausnahme sind die C-Sopranklarinette und die Bassettklarinette in C. Die B-Klarinette, die gebräuchlichste Form, klingt eine große Sekunde tiefer als notiert; die A-Klarinette klingt eine kleine Terz tiefer. Bei der B-Klarinette reicht der normale notierte Umfang von E3 bis C7, klingend von D3 bis B6.

Am häufigsten verwendet werden B-Klarinette, A-Klarinette, Es-Klarinette und Bassklarinette in B. Die B-Klarinette wird in klassischer Musik, Jazz und Volksmusik eingesetzt. Im Orchester ergänzt sie die A-Klarinette: B-Tonarten liegen auf der B-Klarinette, Kreuz-Tonarten auf der A-Klarinette spieltechnisch günstiger. Die B-Klarinette wird als glanzvoller und kräftiger beschrieben, die A-Klarinette als dunkler und kantabler. Die hohe Es-Klarinette ist etwa 49 cm lang, klingt eine kleine Terz höher als notiert und wird für helle bis schrille Klangwirkungen verwendet. Die Bassklarinette in B klingt eine Oktave tiefer als die B-Klarinette und reicht bei der langen, üblichen Bauform bis zum notierten C3.

Weitere Familienmitglieder sind C- und D-Klarinette, Bassettklarinette, Bassetthorn in F oder G, Altklarinette in Es, Kontraaltklarinette in Es und Kontrabassklarinette in B. Die Bassettklarinette ist nach unten bis zum notierten C erweitert. Die Kontrabassklarinette klingt zwei Oktaven tiefer als die B-Sopranklarinette und besitzt mit notiert C3 bis G7 den größten Umfang: vier Oktaven und eine reine Quinte. Die 2025 vorgestellte Octokontrabassklarinette reicht klingend bis Subsubkontra-B.

Es gibt drei moderne Griffsysteme. Das Böhm-System, auch französisches System, und das Oehler-System, auch deutsches System, sind am wichtigsten. Das Oehler-System dominiert im deutschsprachigen Raum, das Böhm-System im Rest der Welt. Das Albert-System findet sich heute fast nur noch in osteuropäischer Volksmusik. Eine Standard-Böhm-Klarinette hat 17 Klappen und 6 Ringe; die 1905 vorgestellte Oehler-Klarinette hat 22 Klappen, vier Rollen und fünf Ringe.

Entwicklung zum modernen Instrument

Die Klarinette entstand zu Beginn des 18. Jahrhunderts aus dem Chalumeau. Johann Christoph Denner ergänzte ein Chalumeau in Altlage um Klappen. Entscheidend war die Möglichkeit, in die Duodezime zu überblasen. Nach einer Verlängerung des Bechers und einer dritten Klappe reichte der Tonumfang nach unten bis e⁰; damit war der Grundumfang normaler Klarinetten festgelegt. Um 1750 setzte sich die Klarinette als Orchesterinstrument durch, und zur Zeit Beethovens, etwa 1780–1820, gehörte sie fest zum Orchester.

Mozart regte eine Erweiterung der Klarinette nach unten bis c⁰ an. Daraus entstand die etwa 18 cm längere Bassettklarinette. Anton Stadler spielte ein von Theodor Lotz gebautes Instrument; für diese Bauform entstanden 1789 das Klarinettenquintett und 1791 das Klarinettenkonzert A-Dur von Mozart.

1812 stellte Iwan Müller eine Klarinette mit 13 Klappen vor. Versenkte Tonlöcher mit Zwirlen und weiche Lederpolster dichteten besser ab als frühere Filzpolster und ermöglichten mehr Klappen. Seine Bauart wurde in den 1820er Jahren weltweit zum Standard. Zwischen 1839 und 1843 übertrugen Hyacinthe Klosé und Louis Auguste Buffet das Ring- und Achsklappensystem Theobald Böhms auf die Klarinette und veränderten zugleich Griffe und Innenbohrung: Es entstand die Böhm-Klarinette. Eugène Albert entwickelte 1852 eine Variante mit Böhms Ringklappen, aber ohne grundlegenden Wechsel des Müller-Griffsystems.

Carl Baermann und Georg Ottensteiner entwickelten um 1860 eine Klarinette mit Verbindungshebeln und mehreren Griffmöglichkeiten. Oskar Oehler perfektionierte diese Tradition 1905 zur deutschen Klarinette. Fritz Wurlitzer entwickelte Ende der 1940er Jahre die Reform-Böhm-Klarinette, deren Klang dem deutschen System angenähert sein sollte. Heute lässt sich das System bei Blindtests und Aufnahmen selbst von Fachleuten oft kaum erkennen, weil auch Spielweise und Klangvorstellung den Klang stark bestimmen.

Verwendung und Lernen

Die Klarinette wird solistisch, in Kammermusik, im Sinfonieorchester, Blasorchester, Jazz und Volksmusik eingesetzt. In der Barockmusik kam sie selten vor; frühe Beispiele sind Vivaldis Concerti grossi RV 559 und RV 560 von 1716. Im klassischen Stil wurde sie zunehmend Teil des Orchesters. Mozart förderte ihre Orchester- und Kammermusikrolle besonders und schrieb für Anton Stadler das Klarinettenquintett KV 581 sowie das Klarinettenkonzert KV 622.

In der Romantik wurde die Klarinette zu einem festen Orchesterinstrument mit lyrischen, fröhlichen, dramatischen oder tragischen Solostimmen. Die Klarinettenwerke Carl Maria von Webers gehören zum Kernrepertoire. In der modernen Musik des frühen 20. Jahrhunderts entstanden Solowerke, Kammermusik und Konzerte; berühmt ist das einleitende virtuose Glissando in George Gershwins Rhapsody in Blue. In Sergej Prokofjews Peter und der Wolf verkörpert die Klarinette die Katze. Zeitgenössische Musik nutzt auch neue Spielweisen, Elektronik und große Klarinettenensembles.

Im Blasorchester spielen meist mehrere B-Klarinetten, oft ergänzt durch Es-, Alt- und Bassklarinette. Sie übernehmen in Bearbeitungen sinfonischer Werke häufig Geigenstimmen und spielen schnelle Solopassagen. In der böhmisch-mährischen Blasmusik haben Es- und B-Klarinette neben Soli oft eine verzierende Funktion. Im frühen Jazz war die Klarinette zentral, besonders in Dixieland und Big Bands der 1930er und 1940er Jahre; später verlor sie diese Stellung, bleibt aber in Improvisationsmusik präsent. Auch im Klezmer, auf dem Balkan, in türkischer und griechischer Volksmusik spielt sie eine wichtige Rolle.

Klarinettenspiel kann privat, an Musikschulen, Konservatorien oder Kunsthochschulen gelernt werden. Vor dem Instrumentenkauf soll der künftige Lehrer zur Wahl von System und Instrument beraten. Wichtige Lernbereiche sind Grifftechnik, Haltung, Atemtechnik, Ansatz und die Bearbeitung des Rohrblatts. Spielpraxis erhalten Fortgeschrittene in Klarinettenensembles sowie Amateur-, Schul- oder Blasorchestern. Für ein Symphonieorchester ist ein erfolgreiches Probespiel mit Konzertsoli und schwierigen Orchesterstellen erforderlich.

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