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Chor (Musik)

Unter einem Chor (von altgriechisch χορός chorós „Tanzplatz, Reigen, tanzende Schar“) versteht man in der Musik eine Gemeinschaft von Singenden, in der jede …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Arten von Chören
  2. 2. Stimmgruppen und Chorbesetzung
  3. 3. SATB und weitere Standardbesetzungen
  4. 4. Stimmteilung und mehrchörige Formen
  5. 5. Historische Formen, Statistik und weitere Bedeutungen

Begriff und Arten von Chören

Ein Chor ist in der Musik eine Gemeinschaft von Singenden, in der jede Stimme mehrfach besetzt ist. Die Mitglieder werden gelegentlich Choristen genannt. Als „Chor“ wird außerdem ein Stück bezeichnet, das von diesem Ensemble aufgeführt wird.

Chöre lassen sich nach verschiedenen, häufig überlappenden Kriterien beschreiben; eine einheitliche Einteilung gibt es nicht. Nach den Stimmlagen unterscheidet man zunächst:

  • Gemischte Chöre: In ihnen kommen Frauen- und Männerstimmen vor. Dazu zählen auch Knabenchöre, wenn Tenor und Bass besetzt sind.
  • Gleichstimmige Chöre: Dazu gehören Frauenchöre, Kinderchöre in einer der Frauenchorbesetzung entsprechenden Stimmlage und Männerchöre.

Weitere Unterscheidungen beziehen sich auf die Größe, die angestrebte künstlerische Qualität, die Funktion oder Institution, die Stilrichtung und die vertretene Gruppe. Ein Kammerchor umfasst etwa 15 bis 30 Mitglieder. Bei einem Vokalensemble sind die Stimmen nur solistisch oder höchstens zweifach besetzt, sodass sie sich nicht chorisch mischen.

Beispiele für Funktions- oder Institutionsbezeichnungen sind Kirchenchor beziehungsweise Kantorei, Gesangverein, Rundfunkchor, Opernchor, Studiochor, Singakademie, Philharmonischer Chor, Schulchor, Kurrende, Showchor, Polizeichor, Hochschulchor, Akademischer Chor, Werkschor, Landesjugendchor, integrative Kantorei und Theaterchor. Stilrichtungen oder Repertoirebezüge werden etwa durch Schola, Madrigalchor, Oratorienchor, Shantychor, Popchor, Gospelchor, Barbershop-Chor und Jazzchor bezeichnet. Nach der vertretenen Klientel gibt es unter anderem Kinder-, Mädchen-, Knaben-, Jugend- und Seniorenchöre sowie Arbeiter-, Bergmanns-, Schwulen-, Lesben-, Winzer-, deutsch-französische und Gebärdendinge Chöre.

Viele Chöre tragen den Namen eines bevorzugten Komponisten, etwa Bachchor, Monteverdi-Chor, Heinrich-Schütz-Chor, Mozart-Chor, Mendelssohn-Chor, Reger-Chor oder Hugo-Distler-Chor. Im 21. Jahrhundert entstand außerdem der virtuelle Chor: Eine Gruppe führt ein Musikstück über das Internet auf, wobei sich die einzelnen Sänger und der Dirigent nicht im selben Raum befinden und die Anwesenheit ausschließlich über das Internet vermittelt wird.

Stimmgruppen und Chorbesetzung

Sänger mit gleicher Stimmlage werden zu Stimmgruppen zusammengefasst. Die Aufteilung dieser Gruppen richtet sich nach dem aufzuführenden Stück und heißt Besetzung. In einem Werk können verschiedene Besetzungen vorkommen. Zur Kennzeichnung schreibt man die Anfangsbuchstaben der Stimmgruppen hintereinander und nennt diese Abkürzung meist zusammen mit dem Stücktitel.

Bei Frauenstimmen unterscheidet man vor allem Sopran und Alt, bei Männerstimmen Tenor, Bariton und Bass. Der Sopran ist die hohe Frauenstimme, der Alt die tiefere Frauenstimme; der Tenor ist die hohe Männerstimme, der Bass die tiefe Männerstimme. Der Bariton liegt zwischen Tenor und Bass. Ein Chor kann nur wenige Mitglieder haben, aber auch aus etwa 20 bis 50 Sängern in größeren Besetzungen oder aus 100 und mehr Mitwirkenden bestehen.

Ein extremes Beispiel ist Havergal Brians Gothic Symphony mit 500 Gesangsstimmen. Große Besetzungen werden zur besseren Übersicht häufig in zwei SATB-Chöre eingeteilt. Dies gilt auch für Mahlers 8. Sinfonie, die „Sinfonie der Tausend“. Große oder geteilte Chöre gab es bereits in der späten Renaissance. Thomas Tallis’ 40-stimmige Komposition Spem in alium ist für acht fünfstimmige Chöre geschrieben; ein weiteres historisches Beispiel ist die Venezianische Mehrchörigkeit.

SATB und weitere Standardbesetzungen

Die gewöhnliche Besetzung eines gemischten Chores teilt die Frauenstimmen in die hohe Sopran- und die tiefere Alt-Lage und die Männerstimmen in die hohe Tenor- und die tiefe Bass-Lage. Die Abkürzung dafür lautet SATB: Sopran, Alt, Tenor, Bass.

Die im Sologesang üblichen Zwischenlagen Mezzosopran und Bariton erscheinen in der Chormusik eher als Sopran II beziehungsweise Alt I sowie als Bass I, der auch Bassbariton genannt wird.

Weitere Besetzungen sind beispielsweise:

  • SAMst: Sopran, Alt und Männerstimme; diese reduzierte Fassung von SATB entsteht oft wegen Männermangels in Chören.
  • SSAA: Sopran I/II und Alt I/II.
  • SSA: Sopran I/II und Alt.
  • SAA: Sopran sowie Alt I/II.
  • TTBB: Tenor I/II und Bass I/II.
  • TTBar.B: Tenor I/II, Bariton und Bass.
  • TTB: Tenor I/II und Bass.
  • TBB: Tenor sowie Bass I/II.
  • TBar.B: Tenor, Bariton und Bass.

Daneben gibt es reine Knaben- oder Frauenchorbesetzungen und verschiedene Männerchorbesetzungen.

Stimmteilung und mehrchörige Formen

Jede Stimmgruppe kann unabhängig von den anderen Stimmen weiter geteilt werden. Häufig ist die erste Stimme höher und die zweite tiefer. In der Abkürzung wird der Buchstabe der betreffenden Stimme verdoppelt. SSAATTBB bezeichnet beispielsweise Sopran I/II, Alt I/II, Tenor I/II und Bass I/II, also einen achtstimmigen gemischten Chor. SSATB steht für Sopran I/II, Alt, Tenor und Bass, also ein fünfstimmiges Stück mit geteiltem Sopran. Noch weitergehende Teilungen kommen etwa in Jazzchören vor, zum Beispiel SSATBB oder SSAAATTBBB.

Teilt sich ein Chor in selbstständige Teilchöre, wird dies ebenfalls in der Abkürzung angegeben. SATB/SATB bezeichnet einen Doppelchor mit Sopran I, Alt I, Tenor I, Bass I sowie Sopran II, Alt II, Tenor II und Bass II. Das unterscheidet sich vom oben genannten achtstimmigen gemischten Chor: Beim Doppelchor bestehen zwei vollständige, jeweils vierstimmige Chöre. Die Doppelchörigkeit ist besonders für die Barockmusik typisch, etwa für die Venezianische Mehrchörigkeit und einige Motetten Johann Sebastian Bachs.

Bei mehrchöriger Aufteilung spielt der Tonumfang, also der Ambitus, der Stimmen keine Rolle. Ein Sopran im ersten Chor singt daher nicht höher als ein Sopran im zweiten Chor. Doppelchöre werden üblicherweise stimmlich ausgewogen gebildet. Schon seit der Renaissance wurden Werke für mehr als zwei Chöre geschrieben. Einige Stücke aus Heinrich Schütz’ Psalmen Davids von 1619 gehen von vier Chören aus; bei Bedarf können bestimmte Stimmen oder ganze Chöre instrumental ausgeführt werden.

Historische Formen, Statistik und weitere Bedeutungen

Neben der heutigen musikalischen Praxis gibt es historische Sonderformen. Hohe Männerstimmen, sogenannte Countertenöre, können die Sopran- oder Diskantlage und/oder die Altstimme übernehmen. Theorien der historischen Aufführungspraxis gehen außerdem davon aus, dass bestimmte Chorwerke des Spätmittelalters, der Renaissance und des Barock in den jeweiligen Stimmen grundsätzlich solistisch, also mit nur einem Sänger, besetzt wurden. In der alten Kantoreipraxis konnten zusätzlich zu den Vokalstimmen Instrumentalstimmen mitlaufen.

Für Deutschland gibt es keine vollständig gesicherte Gesamtzahl der Chöre und Sänger, weil viele Chöre keiner Organisation angehören und beispielsweise die Schulchorarbeit nicht systematisch erfasst wird. Die Chorverbände Deutscher Chorverband, Verband Deutscher Konzertchöre, Cäcilienverband und Chorverband in der Evangelischen Kirche in Deutschland gehen von 1.790.000 Menschen in 45.000 deutschen Chören aus. Weitergehende Schätzungen nennen 3,3 Millionen Menschen in 61.000 Chören. Damit singen etwa 2–3 % der deutschen Gesamtbevölkerung in einem Chor.

Nach Sparten entfallen etwa 45 % auf gemischte Chöre, 31 % auf Kinder- und Jugendchöre, 16 % auf Männerchöre und 8 % auf Frauenchöre. Als älteste gemischte Chöre der Welt im heutigen Sinne nennt der Artikel die Singgesellschaft Wetzikon von 1755, die Sing-Akademie zu Berlin von 1791, das Singinstitut in Zürich von 1805 und die Dreyssigsche Singakademie in Dresden von 1807. Diese Einrichtungen sind nicht mit jahrhundertealten kirchlichen Chören, teilweise vokal besetzten Collegia musica ab dem 16. Jahrhundert oder englischen Glee-Clubs und Madrigal-Societies ab dem 18. Jahrhundert gleichzusetzen, da letztere nur elitären Kreisen zugänglich waren.

Das einzige Chormuseum Deutschlands befindet sich in Feuchtwangen in Mittelfranken.

„Chor“ kann auch bei Instrumenten eine Gruppe gleichartiger Instrumente in verschiedenen Größen bezeichnen, die gemeinsam Vokalmusik nachspielen können. Üblich sind etwa die Bezeichnungen Posaunenchor und Blockflötenchor. Bei Zupfinstrumenten werden gleichgestimmte Saitenpaare, die gemeinsam gegriffen und angeschlagen werden, ebenfalls „Chöre“ genannt. Eine ähnliche Klangwirkung kann ein elektronisches Effektgerät, der „Chorus“, erzeugen. Zu den im Artikel bildlich dargestellten Chorformen gehören Kinderchor, Knabenchor, Frauenchor, Männerchor, Gospelchor, Kammerchor, Oratorienchor, Sinfonischer Chor, Kirchenchor in Südtirol und Choralschola.

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