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Hamlet
Hamlet (frühneuenglisch The Tragicall Historie of Hamlet, Prince of Denmarke) ist ein Schauspiel von William Shakespeare. Der Stoff des Stückes geht auf …
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Gegenstand und Bedeutung
Hamlet (frühneuenglisch: The Tragicall Historie of Hamlet, Prince of Denmarke) ist ein Schauspiel von William Shakespeare und zählt zu seinen „Great Tragedies“. Im Mittelpunkt steht Prinz Hamlet von Dänemark, der den Mord an seinem Vater rächen soll. Sein Onkel Claudius hat den König im Schlaf mit Gift ermordet, die Krone übernommen und Gertrude, die Witwe des Königs, geheiratet. Hamlet versucht, die Schuld des neuen Königs aufzudecken und Vergeltung zu üben. Dabei geraten die dänische Herrscherfamilie und die Familie des königlichen Ratgebers Polonius in eine Katastrophe.
Die heute vorliegende Fassung wurde spätestens zwischen Februar 1601 und Sommer 1602 fertiggestellt und wahrscheinlich in diesen Jahren erstmals am Globe Theatre aufgeführt. Der Text erschien 1603 als nicht autorisierter Raubdruck und 1604/05 in einer deutlich längeren autorisierten Fassung. Die bekanntesten Formulierungen des Stücks sind „Sein oder Nichtsein“ und „Der Rest ist Schweigen“.
Handlung und Figuren
Die Handlung verbindet drei Erzählstränge: Hamlets Rache, den politischen Konflikt zwischen Dänemark und Norwegen sowie die Beziehung zwischen Hamlet und Ophelia. Zum politischen Hintergrund gehört ein alter Streit zwischen König Hamlet und dem „alten Norweg“. Dessen Sohn Fortinbras versucht zunächst, verlorene Gebiete zurückzugewinnen, wird aber diplomatisch dazu gebracht, mit seinen Truppen gegen Polen zu ziehen.
Zu Beginn erscheint der Geist des ermordeten Königs den Wachen von Helsingör. Hamlet erfährt von ihm, dass Claudius den Mord begangen hat, und schwört Rache. Um seine Absichten zu verbergen, nimmt er ein „wunderliches Wesen“ an und wirkt wahnsinnig. Claudius lässt Hamlet durch Rosencrantz und Guildenstern beobachten. Hamlet engagiert Schauspieler und lässt „Die Ermordung des Gonzago“ aufführen. Die Darstellung eines Mordes durch Gift im Ohr bringt Claudius so aus der Fassung, dass Hamlet und Horatio von seiner Schuld überzeugt sind.
Hamlet erhält mehrere Gelegenheiten, Claudius zu töten, zögert aber. Als Claudius betet, verschont er ihn, weil er befürchtet, Claudius könne dann mit gereinigter Seele sterben. In Gertrudes Gemach tötet Hamlet versehentlich Polonius, den er hinter einem Vorhang verborgen glaubt. Claudius schickt ihn daraufhin mit Rosencrantz und Guildenstern nach England und gibt ihnen einen Brief mit, der Hamlets Hinrichtung verlangt. Hamlet entdeckt den Plan, verändert den Brief zugunsten seiner eigenen Flucht und kehrt nach einem Piratenangriff nach Dänemark zurück.
Nach Polonius’ Tod wird Ophelia wahnsinnig und ertrinkt. Ob ihr Tod Selbstmord oder Unfall war, bleibt offen. Laertes kehrt zurück und fordert Vergeltung für seinen Vater und seine Schwester. Claudius bringt ihn dazu, Hamlet in einem manipulierten Duell mit einer scharfen und vergifteten Waffe zu töten. Zusätzlich bereitet Claudius einen vergifteten Siegestrunk vor. Im Kampf werden beide Gegner verwundet; Gertrude trinkt unbeabsichtigt den Giftwein, Laertes enthüllt den Plan, und Hamlet zwingt Claudius, den Kelch zu leeren. Gertrude, Claudius, Laertes und Hamlet sterben. Vor seinem Tod bestimmt Hamlet Horatio zum Bewahrer seines Andenkens und gibt Fortinbras seine Stimme als künftigem Herrscher Dänemarks. Fortinbras ordnet ein Begräbnis mit militärischen Ehren an.
Die wichtigsten Figuren sind Hamlet, Gertrude, Claudius, Ophelia, Laertes, Polonius, Horatio und Fortinbras. Hamlet und Fortinbras sind Halbwaisen; Laertes und Ophelia sind die Kinder des Ratgebers Polonius. Überlebende der zentralen Familienkonstellationen sind vor allem Horatio und Fortinbras.
Aufbau, Quellen und Textgeschichte
Die Grundzüge der Handlung gehen auf ältere antike und mittelalterliche Erzählungen zurück, besonders auf die Amlethus-Erzählung des Saxo Grammaticus. Einzelne Elemente könnten außerdem aus zeitgenössischen Theaterstücken oder philosophischen Schriften stammen. In vielen Fällen ist jedoch unsicher, ob Shakespeare eine bestimmte Quelle tatsächlich kannte und bewusst verwendete oder ob nur zufällige Übereinstimmungen vorliegen.
Die Datierung ist nicht endgültig gesichert. Honigmann und Jenkins setzen die Entstehung zwischen die Jahreswende 1599/1600 und Ende Februar 1601. Edwards und Hibbard beziehen ebenfalls die Zeit um 1600 und den internen Hinweis auf das „Childrens Chapter“ ein. Thompson und Taylor nehmen in der Arden³-Ausgabe an, dass Shakespeare das Werk zwischen der Hinrichtung des Earl of Essex im Februar 1601, dem Eintrag im Stationers’ Register im Juli 1602 und dem Druck von Q1 im Jahr 1603 abschloss. Über den Beginn der Arbeit gibt es nur Vermutungen; möglicherweise arbeitete Shakespeare längere Zeit am Stück.
Für die Textgeschichte sind drei Textzeugen besonders wichtig: Quarto 1 (Q1) von 1603, eine kurze Fassung; Quarto 2 (Q2) von 1604/05, eine deutlich längere Version; und die Folioversion (F1) von 1623 in Shakespeares gesammelten Werken. Diese Fassungen unterscheiden sich in Umfang und Textbestand.
Gattungsgeschichtlich ist Hamlet eine Tragödie. In der Shakespearezeit wurde Tragödie häufig mit dem „Fall of Princes“ verbunden: Eine hochgestellte Person fällt aus großem Wohlstand und hohem Rang in Unglück und endet elend. Hamlet enthält typische Elemente wie das unglückliche Schicksal eines Thronfolgers, den Tod Unschuldiger, den Fall eines Usurpators sowie die Bedrohung und teilweise Wiederherstellung staatlicher Ordnung. Die Einordnung als Rachetragödie ist allerdings umstritten. Hamlet entwickelt keinen geradlinigen Mordplan; seine Monologe behandeln auch den Inzestvorwurf gegen seine Mutter, Selbstmordgedanken, Gewissensfragen und den Vergleich mit Fortinbras. Das Theaterstück im Stück dient zunächst dazu, Claudius’ Schuld zu prüfen, nicht unmittelbar dazu, ihn zu töten.
Kritik und Interpretationen
Hamlet gehört zu den am häufigsten untersuchten Texten der Literatur- und Theaterwissenschaft; bis in die jüngere Vergangenheit erschienen beinahe 400 wissenschaftliche Publikationen jährlich dazu. Ein Schwerpunkt der Kritik ist die Frage, warum Hamlet so zögert. Samuel Taylor Coleridge sah in ihm einen Menschen, bei dem Abstraktion und Nachdenken das praktische Handeln überwältigen. Goethe beschrieb die Tragödie als eine große Tat, die auf eine Seele gelegt ist, welche ihr nicht gewachsen sei. Schlegel bezeichnete Hamlet als „Gedankentrauerspiel“ und betonte seinen Skeptizismus. Hermann Ulrici erklärte Hamlets Hemmung eher mit moralischen Bedenken: Die Rache bleibe im christlichen Sinne eine Sünde, weil Hamlet Claudius ohne Urteil und Recht töten würde. Nietzsche deutete Hamlet nicht als bloßen Träumer, sondern als Menschen, dessen Erkenntnis das Handeln lähmt, weil er die Welt als grundlegend aus den Fugen geraten erkennt.
Psychoanalytische Deutungen, die an Freud anknüpfen, erklären Hamlets Racheaufschub teilweise mit dem Ödipuskomplex und einer unbewussten Identifikation mit Claudius. Andere Ansätze betonen die Mutter-Sohn-Beziehung, den mythischen Bezug zu Orestes oder die symbolische Bedeutung des Geistes. Hamlets Sprache und seine Monologe werden als Ausdruck einer Identitätskrise gelesen. Nach der Begegnung mit dem Geist verändert sich seine Persönlichkeit; in der „Closet Scene“ im Gemach seiner Mutter (III.4) kommt es zu einer Versöhnung, und im fünften Akt gibt Hamlet seinen gespielten Wahnsinn auf. Die Spannungen und Stimmungswechsel des Dramas spiegeln sich in seiner Sprache.
Politische Interpretationen stellen die Frage nach Thronfolge und Staatsordnung in den Mittelpunkt. Dänemark erscheint als Wahlmonarchie, in der Hamlet als Königssohn das erste Zugriffsrecht gehabt hätte. Claudius kann zwar als gewählter Herrscher gelten, ist als Brudermörder und Thronräuber jedoch illegitim. Seine Diplomatie verhindert einen Krieg mit Norwegen, zugleich behandelt er Hamlet tyrannisch und setzt ausländische Söldner ein. Die Totengräberszene wurde unter anderem marxistisch und kulturmaterialistisch als Darstellung sozialer Spannungen, des Todes als Gleichmacher und des Übergangs zum bürgerlichen Individuum interpretiert.
Genderbezogene Ansätze untersuchen Hamlets Frauenfeindlichkeit und seinen Ekel gegenüber Sexualität sowie die Figuren Gertrude und Ophelia. Ob Gertrude schon zu Lebzeiten König Hamlets ein Verhältnis mit Claudius hatte oder am Mord beteiligt war, bleibt offen. Ophelia wird als Opfer eines patriarchalisch geprägten Umfelds dargestellt: Vater und Bruder bevormunden sie, und sie gehorcht ihnen. Ihr Wahnsinn und Tod wurden sowohl als Befreiung von Schweigsamkeit und Zwang als auch als Folge patriarchalischer Unterdrückung gedeutet.
Rezeption, Aufführungen und Bearbeitungen
Hamlet wurde schon kurz nach seiner Entstehung erfolgreich aufgeführt und blieb durch zahlreiche Druckausgaben, Übersetzungen und Bearbeitungen dauerhaft präsent. Richard Burbage gilt als Darsteller der Uraufführung; gesicherte Einzelheiten zu Aufführungen der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts sind jedoch selten. Hofaufführungen sind für 1619 und 1637 belegt.
Im englischsprachigen Theater prägten unter anderem Thomas Betterton, der die Rolle 48 Jahre lang spielte, David Garrick (1742–1776), John Philip Kemble, Edmund Kean und Henry Irving die Aufführungsgeschichte. Sarah Bernhardt spielte Hamlet Ende des 19. Jahrhunderts in einer Hosenrolle. Im 20. Jahrhundert folgten unter anderem die unterschiedlichen Deutungen von Robert Helpmann und Paul Scofield 1948 sowie David Warners jugendlich-moderner Hamlet in der Royal Shakespeare Company 1965. In London entfiel zwischen 1918 und 1939 etwa ein Zehntel aller Shakespeare-Produktionen auf Hamlet.
Im deutschsprachigen Raum gab es vermutlich 1626 in Dresden eine frühe Aufführung einer Hamletversion. Wielands Übersetzung von 1762–1766 machte Shakespeare einem breiten Publikum bekannt; Schlegel und Tieck schufen zwischen 1797 und 1833 eine einflussreiche Versübersetzung. Friedrich Ludwig Schröders Bearbeitung prägte die Aufführungspraxis des späten 18. Jahrhunderts. Im 19. Jahrhundert waren Emil Devrient und später Josef Kainz wichtige Hamlet-Darsteller. Politisch akzentuierte Inszenierungen entstanden unter anderem 1926 bei Leopold Jessner und 1968 sowie 1981 in Bearbeitungen Maximilian Schells. Bedeutend waren ferner die ungekürzte Aufführung mit Bruno Ganz 1982, Heiner Müllers Doppelaufführung Hamlet/Die Hamletmaschine 1990 und Peter Zadeks Inszenierung von 1999 mit Angela Winkler als Hamlet. Bis in die jüngste Vergangenheit gab es auf deutschsprachigen Bühnen jährlich 15 bis 20 Hamletinszenierungen.
Die erste französische Druckausgabe erschien 1745, eine russische Adaption entstand 1748, die erste spanische Übersetzung 1772. Übertragungen in außereuropäische Sprachen folgten unter anderem ins Arabische 1902, ins Japanische ab 1909 und ins moderne Chinesisch 1922. Zu den wichtigen musikalischen Bearbeitungen gehören Ambroise Thomas’ Oper Hamlet von 1868, Franz Liszts sinfonische Dichtung von 1858 sowie zahlreiche spätere Opern, Musiktheaterstücke und Lieder. Hamlet-Ballette entstanden seit 1788.
Es gibt über 50 Verfilmungen und Aufzeichnungen des Stücks. Besonders hervorgehoben werden Svend Gades und Heinz Schalls Film von 1920/21 mit Asta Nielsen als Hamlet, Laurence Oliviers Verfilmung von 1948, Kosinzews Film von 1964 sowie Franco Zeffirellis Film von 1990. Oliviers Produktion gewann als bisher einzige Shakespeare-Verfilmung den Oscar als Bester Film. Kenneth Branaghs ungekürzte Version von 1996 und Almereydas Adaption von 2000 wurden eher kritisch bewertet.
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