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Oper
Die Arie ist der Oberbegriff für alle Sologesänge in der Oper. · Ensembles sind Gesänge für mehrere Solostimmen: Duett, Terzett, Quartett etc. · Der Chor bietet …
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Begriff und Aufbau
Die Oper ist eine musikalische Gattung des Theaters, die um 1600 mit Beginn des Barockzeitalters entstand; seit 1639 wird sie als „Oper“ bezeichnet. Auch ein Opernhaus oder eine aufführende Kompagnie kann so genannt werden. Eine Oper vertont eine dramatische Dichtung: Sängerinnen und Sänger führen die Handlung mit Begleitung eines Orchesters auf, manchmal kommen Chor und Ballett hinzu.
Zur Oper gehören mehrere Künste zugleich: Gesang, Schauspiel und Tanz auf einer Bühne, die durch Bühnenbild, Requisiten, Licht, Maske, Kostüme und Bühnentechnik gestaltet wird. Musikalisch leitet ein Dirigent, szenisch ein Regisseur; Bühnen- und Kostümbildner gestalten die Ausstattung, die Dramaturgie unterstützt im Hintergrund. Oper ist Teil des Musiktheaters, zu dem auch Tanz, Musical und Operette gehören. Die Grenzen zu Schauspiel, Ballett, Operette und Musical sind historisch wechselhaft und oft fließend.
Abgrenzung zu verwandten Formen
Die Oper unterscheidet sich vom Schauspiel nicht einfach dadurch, dass gesungen statt gesprochen wird. In der Theatergeschichte waren Mischformen aus Musik, Rezitation und Tanz häufig. Seit dem 18. Jahrhundert entstanden aus Formen der Opéra-comique Mischformen wie Ballad Opera, Singspiel oder Posse mit Gesang. Mozarts Singspiele werden zur Oper gerechnet, Nestroys Singspiele eher zum Schauspiel. Musik, die sich dem Schauspiel vollständig unterordnet, heißt Schauspielmusik.
Zum Ballett hatte die Oper besonders in Frankreich eine enge Verbindung: Seit dem Barock war Tanz in französischen Opern integriert. Im 19. Jahrhundert löste sich das klassische Ballett stärker aus dieser Verbindung, doch im 20. Jahrhundert bestätigten neoklassizistische Werke etwa von Igor Strawinsky oder Bohuslav Martinů erneut die Nähe von Oper und Ballett.
Operette und Musical grenzen sich vor allem durch gesprochene Dialoge, Unterhaltungsanspruch und stärkere Orientierung an Popularität oder kommerziellem Erfolg ab. Diese Abgrenzung wurde besonders seit dem späten 19. Jahrhundert wichtig, als die „komische Oper“ selbst zu einem höheren Genre wurde und die Operette als neues „niederes“ Genre entstand. Trotzdem gelten Operette und Musical ebenfalls als Kunstformen.
Entstehung und frühe Entwicklung
Die neuzeitliche Oper bezog sich immer wieder auf das antike griechische Theater, in dem szenische Aktion, Musik, Chor, Tanz und Kommentar verbunden waren. Im Mittelalter entstanden aus dem Gottesdienst gesungene geistliche Spiele, etwa Oster- und Passionsspiele. In der Renaissance entwickelten sich in Italien Intermedien, Tanzspiele, Masken- und Triumphaufzüge; in Frankreich war das Ballet comique de la reine von 1581 ein wichtiger Vorläufer.
Die Oper im heutigen Sinn entstand Ende des 16. Jahrhunderts in Florenz. Die Florentiner Camerata, ein Kreis aus Dichtern, Musikern, Philosophen, Adeligen und Mäzenen, wollte das antike Drama wiederbeleben. Wichtig war die Textverständlichkeit: Eine klare, einfache Gesangslinie mit sparsamer Generalbass-Begleitung sollte den Sinn der Worte hervorheben. Dieser rezitierende Gesang hieß recitar cantando; der neue Stil der einzelnen begleiteten Stimme wurde Monodie genannt.
Als erstes Werk der Gattung gilt Jacopo Peris La Dafne, uraufgeführt 1598, von der nur Fragmente erhalten sind. Peris Euridice von 1600 ist die älteste erhaltene Oper. Claudio Monteverdis L’Orfeo von 1607 gilt als wichtiger Schritt: reichere Instrumente, ausdrucksstärkere Harmonik, charakterisierende Instrumentation und ein stärker arienhafter Gesang erweiterten die frühe Oper. 1637 wurde in Venedig mit dem Teatro San Cassiano das erste öffentliche Opernhaus eröffnet. Venedig wurde ein Zentrum der Oper, später auch Neapel. In Paris prägte Jean-Baptiste Lully mit Philippe Quinault die französische Tragédie lyrique, in der Chor und Ballett besonders wichtig waren. Im deutschsprachigen Raum entstand mit Heinrich Schütz’ verschollener Dafne von 1627 eine frühe Oper eines deutschen Komponisten; die erste erhaltene deutschsprachige Oper ist Seelewig von Sigmund Theophil Staden aus dem Jahr 1644.
Formen und musikalische Bestandteile
Opern haben keine einheitliche Struktur. Grob lässt sich eine Entwicklung von der Nummernoper über Mischformen bis zur durchkomponierten Oper um 1900 erkennen. In der Nummernoper besteht das Werk aus einzelnen abgeschlossenen Musikstücken, den „Nummern“, die durch Rezitative oder im Singspiel durch gesprochene Dialoge verbunden werden. Eine Oper kann wie ein Schauspiel in Akte, Bilder, Szenen oder Auftritte gegliedert sein.
Wichtige instrumentale Teile sind die Ouvertüre, also das eröffnende Musikstück, das Vorspiel als meist kürzere Einleitung und Zwischenspiele zwischen Akten oder Szenen. Besonders die französische Oper enthält traditionell auch Ballettmusik. Zu den geschlossenen lyrischen Formen gehören Arien, also Sologesänge, in denen oft Gefühle, Erinnerungen oder Gedanken einer Figur dargestellt werden; Ensembles wie Duette, Terzette oder Quartette; und Chöre, die im 19. Jahrhundert häufig das Volk vertreten.
Handlungsbetonte Passagen sind vor allem Rezitative. Ein Rezitativ ist eine Textvertonung, die Sprachrhythmus und Sprachmelodie nachahmt und vor allem Handlung vermittelt. Beim Recitativo secco begleitet nur ein kleines Bass- und Harmonieinstrumentarium, beim Recitativo accompagnato ist die Begleitung vom Orchester auskomponiert. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich daraus die orchestrale Szene. Das Melodram verbindet gesprochenen Text oder Pantomime mit Musik.
Die durchkomponierte Großform stellt die Trennung zwischen Arie und Rezitativ infrage. Richard Wagner verlangte ab der Mitte des 19. Jahrhunderts ein durchgehendes musikalisches Ganzes mit Leitmotiven, also wiederkehrenden musikalischen Motiven für Figuren, Situationen oder Ideen. Für seine Werke setzte sich der Begriff Musikdrama durch. Im 20. Jahrhundert griffen manche Komponisten aber wieder auf das Nummernprinzip zurück.
Geschichte vom 18. bis 19. Jahrhundert
Im 18. Jahrhundert bildeten sich zwei wichtige Operntypen heraus: die Opera seria als ernste, höfisch geprägte Oper mit mythologischen oder historischen Stoffen und die Opera buffa als heitere, lebensnahe Form, die um 1720 entstand. In der Opera seria wurden Da-capo-Arien wichtig; Belcanto bezeichnete virtuose Gesangstechnik mit Spitzentönen, Trillern und Sprüngen. Beim Pasticcio wurden Arien und Ensembles verschiedener Werke je nach Besetzung neu zusammengestellt. Apostolo Zeno und Pietro Metastasio stärkten dagegen eine klare Handlung und eine feste Nummernfolge.
Die Opera buffa entstand in Neapel und Venedig. Sie griff Stoffe der Commedia dell’arte auf, häufig Verwechslungskomödien mit adeligen und dienenden Figuren. Daraus entwickelte sich Ende des 18. Jahrhunderts die Opera semiseria, eine halb ernste Form. In Frankreich wurde die Opéra-comique wichtig, in der Rezitative durch gesprochene Dialoge ersetzt wurden. Christoph Willibald Gluck reformierte die Oper mit Werken wie Orfeo ed Euridice (1762) und Alceste (1767): Musik, Handlung und Text sollten einfacher, klarer und dramatisch sinnvoller zusammenwirken.
Im 19. Jahrhundert lösten ausnotierte Orchesterfassungen die alten Generalbass-Rezitative zunehmend ab. In Deutschland wurde Beethovens Fidelio zur Rettungsoper, also zu einer Oper, in der die Befreiung eines Menschen aus großer Gefahr zentral ist. Carl Maria von Webers Der Freischütz von 1821 stärkte die deutsche romantische Oper. Richard Wagner veränderte die Oper besonders stark: Er löste die Nummernoper auf, stellte Singstimmen und Orchester gleichberechtigt nebeneinander und verwendete Leitmotive. Sein Ring des Nibelungen, komponiert 1853–1876, ist ein vierteiliger Opernzyklus mit etwa 16 Stunden Aufführungszeit.
In Frankreich entstand die Grand opéra mit historischen und politischen Stoffen, großem Apparat und oft Ballett; wichtige Namen sind Auber, Scribe, Meyerbeer und auch Verdi mit Don Carlos. In Russland schufen Glinka, Mussorgski, Borodin und Tschaikowski nationale Operntraditionen. In Italien prägten Rossini, Bellini, Donizetti und besonders Giuseppe Verdi das Jahrhundert. Verdi wurde seit Nabucco als Nationalkomponist Italiens gesehen; zu seinen populärsten Opern gehören La traviata (1853) und Aida (1871). Um 1900 wurde in Italien der Verismo wichtig, ein ungeschönter Naturalismus, etwa bei Mascagnis Cavalleria rusticana (1890) und Leoncavallos Pagliacci (1892). Giacomo Puccini blieb mit La Bohème, Tosca, Madama Butterfly und Turandot besonders erfolgreich.
Moderne Aufführungspraxis und Gegenwart
Im frühen 20. Jahrhundert entstanden sehr unterschiedliche Opernsprachen. Debussys Pelléas et Mélisande von 1902 setzte der wagnerischen „unendlichen Melodie“ ein rezitativisches, fein nuanciertes Gegenmodell entgegen. Richard Strauss blieb mit Werken wie Salome, Elektra, Der Rosenkavalier und Ariadne auf Naxos im Repertoire. Alban Bergs Wozzeck und Lulu brachten freitonale und zwölftönige Verfahren auf die Opernbühne. Arnold Schönbergs Erwartung ist eine Oper für eine einzige Sängerin; Moses und Aron blieb bewusst unvollendet.
Der Zweite Weltkrieg war ein großer Einschnitt. In Deutschland wurden Opern mit modernen Klängen kaum noch gespielt, Werke wurden als „entartet“ verboten, und Komponisten wie Paul Hindemith gingen ins Exil. Nach 1945 wurden Oper und Musiktheater internationaler und individueller. Komponisten arbeiteten mit Literatur, Politik, neuen Medien, Elektronik, Schauspiel, Tanz und Performance. Beispiele sind Bernd Alois Zimmermanns Die Soldaten, Aribert Reimanns Lear, Luigi Nonos Intolleranza 1960, Philip Glass’ Einstein on the Beach und Karlheinz Stockhausens siebenteiliger Zyklus LICHT mit insgesamt 29 Stunden Musik. Auch Kinderopern wurden wiederholt komponiert, etwa von Hans Werner Henze, Oliver Knussen und Wilfried Hiller.
Das Opernrepertoire ist schwer zu zählen: Aktuelle Auflistungen nennen etwa 5800 bis 6000 bekannte Werke; mit verschollenen und verlorenen Werken, besonders aus dem 18. und frühen 19. Jahrhundert, könnte die Gesamtzahl bei etwa 60.000 liegen. Im Spielbetrieb hat sich ein nicht festgeschriebener Kernkanon von etwa 150 Opern herausgebildet. Eine neue Oper wird bei ihrer ersten öffentlichen Darbietung uraufgeführt; die erste Aufführung einer neuen Inszenierung heißt Premiere.
Bis zur Mitte der 1960er Jahre wurden Opern meist in der Landessprache des Aufführungsortes gesungen. Seit Herbert von Karajan 1956 an der Wiener Staatsoper das Prinzip der Originalsprache stärkte, setzten sich Aufführungen in der ursprünglichen Sprache immer mehr durch. Heute zeigen große Opernhäuser meist Übertitel. Kleinere Theater, besonders im Osten Deutschlands, spielen weiterhin auch Übersetzungen; bei Singspiel, Operette und Musical bleiben übersetzte Aufführungen wegen der Dialoge verbreitet.
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