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Holzblasinstrument

Holzblasinstrument ist die fachliche Bezeichnung für Blasinstrumente, bei denen die Schwingung der Luftsäule mittels Luftblatt (flach geformter Luftstrom) …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Abgrenzung
  2. 2. Tonerzeugung und Klang
  3. 3. Überblasen, Länge und Tonhöhe
  4. 4. Arten von Holzblasinstrumenten
  5. 5. Grundtonleiter und Stimmung
  6. 6. Geschichte und frühe Funde

Begriff und Abgrenzung

Ein Holzblasinstrument ist ein Blasinstrument, bei dem die Luftsäule durch ein Luftblatt, also einen flach geformten Luftstrom, oder durch ein Rohrblatt in Schwingung versetzt wird. Die Einteilung richtet sich nach der Hornbostel-Sachs-Systematik: Entscheidend ist die Tonerzeugung, nicht das Material. Deshalb können Holzblasinstrumente auch aus Metall, Kunststoff oder Knochen bestehen. Umgekehrt zählt ein Instrument aus Holz nicht automatisch zu den Holzblasinstrumenten; der Zink besteht zum Beispiel aus Holz, gehört wegen seiner Schwingungserzeugung aber zu den Blechblasinstrumenten.

Der Begriff „Holzblasinstrument“ kommt in der Hornbostel-Sachs-Systematik selbst nicht als Oberbegriff vor. Er wird als Gegensatz zu „Blechblasinstrument“ für zwei Gruppen verwendet: „Schneideninstrumente oder Flöten (421)“ und „Schalmeien (422)“, heute meist Rohrblattinstrumente genannt. Zu den Flöten gehören etwa Querflöte und Blockflöte. Die Rohrblattinstrumente werden in Instrumente mit Doppelrohrblatt (422.1, zum Beispiel Oboe und Fagott), Einfachrohrblatt (422.2, zum Beispiel Klarinette und Saxophon) und Durchschlagzungeninstrumente (422.3) unterteilt.

Bei typischen Holzblasinstrumenten wird die Tonhöhe durch die Länge der schwingenden Luftsäule bestimmt. Diese Länge verändert der Spieler meist durch Öffnen und Schließen von Tonlöchern, direkt mit den Fingern oder über Klappen. In einem erweiterten Sinn zählen auch Instrumente ohne Tonlöcher dazu, wenn sie nur eine einzige Tonhöhe erzeugen, etwa Pfeifen der Panflöte, Trillerpfeifen oder Labialpfeifen der Orgel. In einem noch weiteren Sinn werden auch Instrumente mit elastischer Zunge einbezogen, bei denen die Tonhöhe vor allem durch die Eigenfrequenz dieser Zunge bestimmt wird, etwa Bordunpfeifen einer Sackpfeife oder Zungenpfeifen einer Orgel. Diese werden wegen ähnlichen Aufbaus oder Klangs oft mit Rohrblattinstrumenten verwechselt.

Tonerzeugung und Klang

Bei Holzblasinstrumenten regt der Spieler am Mundstück die Luftsäule im Instrument zu Schwingungen an. Dabei gibt es drei Grundarten: Erstens trifft ein Luftblatt auf eine Anblaskante oder ein Labium und gerät dort ins Schwingen, wie bei Flöten. Zweitens schwingt ein einzelnes Rohrblatt gegen eine feste Öffnung, wie bei Klarinetten und Saxophonen. Drittens schwingt ein symmetrisches Paar von Rohrblättern gegeneinander, wie bei Oboe und Fagott.

Durch Tonlöcher wird ausgewählt, welche Länge der Luftsäule schwingen kann. In dieser Luftsäule bildet sich eine stehende Welle; dadurch entsteht eine bestimmte Tonhöhe. Der tiefste Ton entsteht, wenn alle Tonlöcher geschlossen sind und somit fast die gesamte Instrumentenlänge als Luftsäule schwingt. Bei den meisten Instrumenten entspricht die Luftsäulenlänge dabei der halben Wellenlänge, bei einigen einem Viertel der Wellenlänge.

Der Klang eines Holzblasinstruments besteht nicht nur aus dem Grundton, sondern auch aus Obertönen. Obertöne sind zusätzliche Teilschwingungen, die zusammen mit dem Grundton die Klangfarbe bestimmen. Ihre Anteile hängen unter anderem von der Art der Anregung ab, also Luftblatt, einfaches Rohrblatt oder Doppelrohrblatt, außerdem vom Blasdruck, vom Material und besonders von den Reflexions- und Dämpfungseigenschaften der Innenwand. Auch die Form der Bohrung ist wichtig: Sie kann konisch mit größtem Durchmesser am Schallbecher sein, wie bei Oboe und Saxophon, konisch mit größtem Durchmesser am Mundstück, wie bei Blockflöte und Traversflöte, oder überwiegend zylindrisch, wie bei Klarinette und Böhm-Querflöte. Unregelmäßigkeiten und Rauigkeiten der Innenwand, darunter die Tonlöcher, beeinflussen ebenfalls die Klangfarbe.

Zu Beginn jedes Tons muss sich die Schwingung der Luftsäule erst aufbauen. Dieser Einschwingvorgang erklärt, warum Holzblasinstrumente langsamer reagieren als zum Beispiel ein Schlaginstrument oder Klavier. Eine gute „Ansprache“ bedeutet, dass dieser Einschwingvorgang bei allen Tönen kurz ist. Der Artikel weist außerdem darauf hin, dass die Physik der Tonentstehung in Holzblasinstrumenten trotz langer Forschung noch nicht in allen Einzelheiten verstanden ist.

Überblasen, Länge und Tonhöhe

Überblasen bezeichnet Techniken, mit denen ein Holzblasinstrument in einer höheren Lage gespielt wird. Dazu erhöht der Spieler zum Beispiel den Blasdruck oder nutzt andere Maßnahmen. In der Luftsäule entstehen dann ein oder mehrere zusätzliche Schwingungsknoten. Je nach Anzahl dieser Knoten wird nicht der Grundton, sondern ein höherer Naturton angeregt. Die Frequenz liegt dabei um ein ganzzahliges Vielfaches höher. In der Praxis lassen sich Holzblasinstrumente mit Ausnahme einiger Flöten meist nur bis zum dritten oder vierten Naturton überblasen.

Die Länge der Luftsäule hängt eng mit der Tonhöhe zusammen. Physikalische Forschungen von Helmholtz, Raleigh und anderen zeigten einen wichtigen Unterschied: Bei einem Rohrblattinstrument mit zylindrischer Bohrung, wie der Klarinette, ist im tiefsten Register die Wellenlänge des Tons viermal so groß wie die Länge der Luftsäule. Bei allen anderen Holzblasinstrumenten ist sie dagegen nur doppelt so groß. Weil beim tiefsten Ton die Luftsäule ungefähr der ganzen Instrumentenlänge entspricht, kann eine Klarinette trotz ähnlicher Baugröße deutlich tiefere Töne spielen als eine Flöte oder Oboe.

Arten von Holzblasinstrumenten

Holzblasinstrumente lassen sich nach der Art ihrer Tonerzeugung einteilen. Eine große Gruppe sind die Luftblattinstrumente oder Flöten. Bei ihnen trifft ein Luftstrom auf eine Kante. Man unterscheidet Flöten ohne Kernspalt, zum Beispiel Längsflöten und Querflöten, und Flöten mit Kernspalt, die Kernspaltflöten. Auch die Labialpfeifen der Orgel gehören zu den Kernspaltflöten.

Eine zweite Gruppe bilden Instrumente mit einfachem Rohrblatt. Dazu zählen unter anderem Chalumeau, Saxophon, Klarinette, Bassettklarinette, Bassetthorn und Bassklarinette. Bei ihnen schwingt ein einzelnes Rohrblatt.

Eine dritte Gruppe sind Instrumente mit Doppelrohrblatt. Bei Schalmeieninstrumenten hält der Spieler das Doppelrohrblatt zwischen den Lippen. Beispiele sind Schalmei, Pommer, Oboe, Englischhorn, Oboe d’amore, Heckelphon, Fagott, Kontrafagott, Dulzian, Rankett, Suona und Duduk. Daneben gibt es Instrumente mit Doppelrohrblatt in einer Windkapsel, zum Beispiel Krummhorn, Rauschpfeife und die Spielpfeife einiger Sackpfeifen.

Grundtonleiter und Stimmung

Holzblasinstrumente werden oft mit einem Tonnamen beschrieben. Wenn man sagt, die Oboe sei ein C-Instrument oder „stehe in C“, meint man die Grundtonleiter: die Durtonleiter, die auf dem Instrument am leichtesten und besten spielbar ist. Beispiele sind C-Dur auf der Sopranblockflöte und F-Dur auf der Altblockflöte. Je stärker eine Tonart von der Grundtonleiter abweicht, desto schwieriger ist sie spieltechnisch. Klarinettisten im Symphonieorchester verwenden deshalb je nach Tonart und nach Vorgaben des Komponisten verschiedene Klarinetten, etwa in A oder in B.

Die Formulierung „in C gestimmt“ kann auch bedeuten, dass die Noten für das Instrument in der wirklichen Tonhöhe geschrieben werden und nicht transponiert sind. Bei manchen Instrumenten bedeutet „in B gestimmt“, zum Beispiel bei der Klarinette, dass die übliche Notierung um einen Ganzton höher liegt als der wirkliche Klang. Für Blockflöten sind transponierte Noten dagegen nicht üblich, obwohl es sie in verschiedenen Grundtonleitern gibt.

Stimmung kann außerdem die absolute Höhe eines bestimmten Tons meinen, meist des a¹. Diese Höhe ist durch den Bau des Instruments festgelegt und lässt sich anders als bei Saiteninstrumenten nur in engen Grenzen verändern, etwa um einen Viertelton. Moderne Instrumente haben zum Beispiel a¹ = 440 oder 442 Hz. Barockinstrumente, original oder nachgebaut, liegen oft zwischen 395 und 415 Hz, Renaissanceinstrumente auch bei 466 Hz.

Geschichte und frühe Funde

Die ältesten nachweisbaren Blasinstrumente und zugleich einige der ältesten Musikinstrumente überhaupt wurden aus Tierknochen, besonders Vogelknochen, und aus Mammutelfenbein hergestellt. Eine Flöte aus dem Flügelknochen eines Singschwans aus einer Höhle bei Blaubeuren wird auf ein Alter von mehr als 40.000 Jahren geschätzt. Als älteste erhaltene Musikinstrumente der Welt gelten etwa 43.000 bis 40.000 Jahre alte steinzeitliche Knochen- und Mammutelfenbeinflöten von der Schwäbischen Alb. Sie zeigen, dass Menschen schon im Jungpaläolithikum Musik machten.

Wichtige Fundorte sind Hohle Fels bei Schelklingen, die Geißenklösterle-Höhle und die Vogelherdhöhle. Eine aus dem Knochen eines Gänsegeiers hergestellte Flöte wurde 2008 in der Höhle Hohle Fels gefunden. In der Geißenklösterle-Höhle wurden relativ gut erhaltene oder rekonstruierbare Flöten mit Grifflöchern entdeckt. Zwei bestehen aus Schwanenknochen, eine dritte aus zwei zusammengefügten Halbröhren aus Mammutelfenbein. Sie hatte mindestens drei ungefähr im Terzabstand gestimmte Grifflöcher; ein viertes könnte weggebrochen sein. Fragmente weiterer Flöten stammen aus der Vogelherdhöhle, darunter ein Fragment aus Gänsegeierknochen mit zwei angeschnittenen Grifflöchern. Diese Flöte ist Teil des UNESCO-Welterbes „Höhlen und Eiszeitkunst im Schwäbischen Jura“.

Für die antike Welt ist bereits ein breites Spektrum an Holzblasinstrumenten durch Quellen und einzelne Funde belegt. In Europa gab es im ausgehenden 15. Jahrhundert einen ersten Entwicklungsschub. Instrumente wurden in vielen Größen gebaut, meist Sopran, Alt, Tenor und Bass nach dem Vorbild des Gesangsquartetts. Besonders Doppelrohrblattinstrumente wurden in vielen Formen neu entwickelt oder aus mittelalterlichen Instrumenten weiterentwickelt. Im Barock gerieten viele Renaissance-Holzblasinstrumente wieder in Vergessenheit. Anfang des 19. Jahrhunderts begann in Europa ein zweiter Entwicklungsschub, vor allem durch neue Fertigungstechniken für komplizierte Klappenmechaniken. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts werden auch Instrumente aus Mittelalter und Renaissance wieder nachgebaut und teilweise weiterentwickelt.

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