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Tenor

Die Notation der Tenorstimme erfolgt normalerweise im nach unten oktavierenden Violinschlüssel. Teilt sich die Tenorstimme ein Notensystem mit der Bassstimme, …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Definition und Notation
  2. 2. Tonumfang und hohe Tenorvarianten
  3. 3. Stimmfächer
  4. 4. Durchlässige Grenzen zwischen den Fächern

Definition und Notation

Tenor bezeichnet sowohl die hohe männliche Gesangsstimmlage als auch einen Sänger mit dieser Stimmlage. In Chorsätzen bildet der Tenor üblicherweise eine der vier Stimmen der SATB-Besetzung: Sopran, Alt, Tenor und Bass.

Die Tenorstimme wird normalerweise im nach unten oktavierenden Violinschlüssel notiert: Die Töne klingen eine Oktave tiefer, als sie geschrieben stehen. Teilt sich der Tenor mit dem Bass ein Notensystem, etwa in einem zweizeilig notierten SATB-Chorsatz, steht die Tenorstimme untransponiert im Bassschlüssel.

Tonumfang und hohe Tenorvarianten

Der Tonumfang eines Tenors reicht von c, teilweise auch von B, bis a′, teilweise bis c″. Als Tessitur bezeichnet man den Tonhöhenbereich, in dem sich eine Partie überwiegend bewegt. Das Zentrum der tenoralen Tessitur liegt in den meisten Partien zwischen f und g′; übliche Partien umfassen insgesamt meist den Bereich von c bis a′.

Seit dem Belcanto dienen Spitzentöne über a′, besonders das sprichwörtliche „hohe C“ beziehungsweise c″, als emotionales Ausdrucksmittel und als Leistungsnachweis eines Tenors. In der alten Musik war der durchdringende Klang solcher Spitzentöne dagegen unerwünscht, weshalb dort Noten über a′ selten vorkommen.

In Wolfgang Amadeus Mozarts Oper „Mitridate, re di Ponto“, die er im Alter von 14 Jahren schrieb, wird der Tenor über den vollen Umfang von c bis c″ geführt. Das c″ erscheint dort sowohl als Durchgangsnote als auch als hervorgehobener Spitzenton. Der höchste in der Opernliteratur für einen Tenor vorkommende Ton ist f″, eine weitere Quart über dem hohen C. Ein Beispiel ist die Partie des Arturo im Schlussensemble von Vincenzo Bellinis „I puritani“, die für Giovanni Battista Rubini komponiert wurde.

Diese besonders hohe, vor allem bei Rossini, Bellini und Donizetti in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eingesetzte Tenorart heißt tenorino oder tenore di grazia, manchmal auch tenore contraltino. Ihre hohen Spitzentöne wurden mit dem sogenannten falsettone und nicht mit der Bruststimme gesungen.

Eine sehr ähnliche oder möglicherweise identische hohe Variante ist der haute-contre. Er kommt besonders in der französischen Barockmusik vor und wird im Unterschied zum Countertenor nicht im Falsett, sondern in der Bruststimme gesungen. Sein Umfang reicht von d oder e bis d″. Ein Beispiel ist die Titelrolle in Jean-Philippe Rameaus lyrischer Komödie „Platée“.

Stimmfächer

Stimmfächer ordnen Tenorstimmen nach Klangqualität, Umfang und Volumen sowie nach den gesanglichen und darstellerischen Anforderungen. Die Einteilung entstand vor allem aus der Bühnenpraxis und hilft dabei, Sängern passende Rollen zuzuweisen.

• Tenore leggero oder Tenore di grazia: eine sehr schlanke, leichte Stimme mit ausgezeichneter Beweglichkeit und Koloratur, also der Fähigkeit, schnelle und verzierte Tonfolgen auszuführen. Typische Partien sind der Evangelist in Bachs Passionen, der Graf in Rossinis „Der Barbier von Sevilla“ und Don Ramiro in „La Cenerentola“.

• Lyrischer Tenor: eine weiche, leichte und bewegliche Stimme mit schönem Schmelz und weicher Höhe. Beispiele sind Tamino in Mozarts „Die Zauberflöte“, Belmonte in „Die Entführung aus dem Serail“ und der Duca di Mantova in Verdis „Rigoletto“.

• Spieltenor oder Tenorbuffo: eine bewegliche, besonders charakterisierungsfähige Stimme; zugleich wird großes darstellerisches Geschick verlangt. Typische Rollen sind Pedrillo in „Die Entführung aus dem Serail“ und Monostatos in „Die Zauberflöte“.

• Charaktertenor: ein sogenanntes Zwischenfach mit besonderem Charakterisierungsvermögen. Dazu gehören Mime in Wagners „Siegfried“ sowie Mime und Loge in „Rheingold“.

• Jugendlicher Heldentenor: eine metallisch klingende Stimme mit edler tenoraler Färbung, die sowohl lyrische Abschnitte als auch dramatische Höhepunkte gestalten kann. Typische Rollen sind Florestan in Beethovens „Fidelio“, Max in Webers „Der Freischütz“, Adolar in „Euryanthe“ sowie die Titelrollen in Wagners „Parsifal“ und „Lohengrin“.

• Tenore spinto: das italienische Gegenstück zum jugendlichen Heldentenor. Im Vordergrund stehen ein weicher Stimmklang, Beweglichkeit und eine strahlende Höhe; das reine Stimmvolumen ist weniger wichtig. Dieses Fach gilt als Prototyp des „italienischen Tenors“. Beispiele sind Radames in Verdis „Aida“, Manrico in „Il trovatore“, Rodolfo in Puccinis „La Bohème“, Cavaradossi in „Tosca“ und Canio in Leoncavallos „Pagliacci“.

• Heldentenor: eine schwere, voluminöse Stimme mit sehr tragfähiger Mittellage und Tiefe, häufig mit baritonaler Färbung. Typische Rollen sind Tristan in Wagners „Tristan und Isolde“, Tannhäuser, Siegfried in „Siegfried“ und „Götterdämmerung“ sowie die Titelrolle in Verdis „Otello“.

Der im Barbershop-Gesang als Tenor bezeichnete Sänger ist wegen seiner hohen Lage im eigentlichen Sinn kein Tenor, sondern eher ein Countertenor.

Durchlässige Grenzen zwischen den Fächern

Die Stimmfächer sind keine starren Grenzen. Kaum ein Sänger übernimmt während seiner gesamten Laufbahn ausschließlich Rollen eines einzigen Fachs. Fritz Wunderlich begann beispielsweise als reiner lyrischer Tenor und sang gegen Ende seines Lebens zunehmend Partien des tenore lirico spinto und sogar des jugendlichen Heldentenors.

Francisco Araiza, ebenfalls ein lyrischer Tenor und neben Wunderlich eine der beiden letzten Referenzen als Mozart-Tenor, sang Rollen aus allen Kategorien: vom Grafen in „Der Barbier von Sevilla“ über Rodolfo in „La Bohème“ sowie Lohengrin und Stolzing bis zu Siegmund in „Die Walküre“.

Auch Plácido Domingo, eigentlich ein tenore spinto, übernahm Partien anderer Fächer. Dazu gehören Nemorino in „Liebestrank“, Don Ottavio in „Don Giovanni“, Max im „Freischütz“, Lohengrin sowie Parsifal und Tannhäuser. Die Beispiele zeigen, dass sich das Repertoire eines Sängers im Verlauf seiner Karriere über mehrere Stimmfächer erstrecken kann.

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