Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Koloratursopran
Als Koloratursopran bezeichnet man in der Klassischen Musik eine Sopran-Stimme mit Koloratur-Fähigkeit, das heißt einer besonderen Beweglichkeit vor allem …
Inhalt4 Abschnitte
Grundbegriff und Einteilung
Ein Koloratursopran ist in der Klassischen Musik eine Sopranstimme mit Koloratur-Fähigkeit. Das bedeutet: Die Stimme ist besonders beweglich, vor allem in der hohen Lage, und kann schnelle Tonfolgen ausführen.
Das Koloraturfach wird nach Größe, Gewicht und Timbre eingeteilt. Timbre bezeichnet die Klangfarbe einer Stimme. Die drei Abstufungen sind Koloratursoubrette beziehungsweise leichter Koloratursopran, lyrischer Koloratursopran und dramatischer Koloratursopran. Übergänge zwischen diesen Fächern sind häufig; die Zuordnung hängt daher auch von Stimmfarbe und Repertoire ab.
Leichter Koloratursopran
Diese Stimme ist sehr leicht, zart und sehr agil, also besonders beweglich. Ihr Tonumfang reicht von a bis f''' und höher. Sie kann schnelle Koloraturen singen; ihr klares, helles Timbre erinnert an eine Querflöte.
Französische Bezeichnungen sind Soprano léger oder Soprano colorature, italienische Soprano leggero di coloratura und Soprano di agilità. In Deutschland hat sich die Bezeichnung „Leichter Koloratursopran“ in Agenturen und Theatern noch nicht durchgesetzt. Wegen häufiger Überschneidungen werden solche Stimmen dort je nach Stimmfarbe und Repertoire auch als Soubrette oder lyrischer Koloratursopran eingeordnet.
Typische Rollen sind Lakmé in Léo Delibes’ Lakmé, Olympia in Jacques Offenbachs Hoffmanns Erzählungen, Zerbinetta in Richard Strauss’ Ariadne auf Naxos und Adele in Johann Strauss’ Die Fledermaus. Häufiges Liedrepertoire stammt unter anderem von Claude Debussy, Léo Delibes, Francis Poulenc, Aribert Reimann, Richard Strauss und Hugo Wolf.
Lyrischer Koloratursopran
Der lyrische Koloratursopran ist ebenfalls leicht und agil und reicht von a bis f'''. Gegenüber einer leichten Koloraturstimme ist er in der Tessitur, also der vorherrschenden Tonlage einer Partie, etwas schwerer und insgesamt tragfähiger. Er beherrscht dennoch schnelle Koloraturen.
Im Französischen heißt dieses Fach Soprano lyrique colorature, im Italienischen Soprano lirico di coloratura. Es gibt Überschneidungen mit Koloratursoubretten, leichten Koloratursopranen und lyrischen Sopranen. Lyrische Koloratursopranistinnen werden deshalb vielfältig und teils auch fachfremd eingesetzt. Einige Partien des dramatischen Koloratursoprans werden heute ebenfalls von ihnen gesungen, etwa Lucia in Lucia di Lammermoor, Violetta Valéry in La traviata und Cleopatra in Giulio Cesare.
Beispiele für lyrische Koloraturrollen sind Elvira in Bellinis I puritani, Amina in La sonnambula, Gilda in Verdis Rigoletto und Zerbinetta in Ariadne auf Naxos. Rosina aus Rossinis Der Barbier von Sevilla war eigentlich für Koloratur-Mezzosopran geschrieben; im 20. Jahrhundert wurde die Partie jedoch oft für Koloratursopran umgearbeitet, indem Rosinas Arie um einen Halbton nach oben transponiert und einige Stellen höher gelegt wurden. Häufiges Liedrepertoire umfasst Claude Debussy, Robert Schumann, Franz Schubert, Richard Strauss und Hugo Wolf.
Dramatischer Koloratursopran
Der dramatische Koloratursopran ist eine schwere, kraftvolle Stimme mit dem hohen Tonumfang von a bis e3, selten f3. Zugleich besitzt sie die Beweglichkeit für agile, schnelle Koloraturen. Ihre Partien liegen meist nicht so hoch wie die der beiden leichteren Arten; eine Ausnahme ist die Königin der Nacht, für die jedoch nicht unbedingt eine dramatische Stimme erforderlich ist.
Italienisch lautet die Bezeichnung Soprano dramatico di coloratura beziehungsweise d'agilità, französisch Soprano dramatique colorature. Kennzeichnend sind große Tragfähigkeit und Durchschlagskraft: Die Stimme kann dramatische Höhepunkte gestalten und zugleich Koloraturen bewältigen. Dramatische Koloratursoprane sind allgemein seltener als leichtere Koloraturstimmen. Überschneidungen mit lyrischen Koloratursopranen und dramatischen Sopranen sind möglich. Außerdem können manche Sängerinnen dramatische Effekte erzeugen, ohne die volle Substanz eines wirklich dramatischen Stimmmaterials zu besitzen.
Typische Rollen sind Norma in Bellinis Norma, die Königin der Nacht in Mozarts Die Zauberflöte, Konstanze in Die Entführung aus dem Serail, Abigaille in Verdis Nabucco und Chiang Ch'ing in John Adams’ Nixon in China. Lucia aus Lucia di Lammermoor und Cleopatra aus Händels Giulio Cesare können auch lyrische Koloratursopranrollen sein; Violetta Valéry aus La traviata wird ebenfalls beiden Fächern zugeordnet. Häufiges Liedrepertoire findet sich bei Vincenzo Bellini, Johannes Brahms, Wolfgang Rihm, Max Reger, Franz Schubert, Richard Strauss, Hugo Wolf und Giuseppe Verdi.