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Geschichte der römisch-katholischen Kirche

Das Christentum war zunächst eine Unterschichtreligion von Sklaven und kleinen Leuten. Gelegentliche Nachrichten von Christen aus der Oberschicht waren in …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Selbstverständnis und Anfänge
  2. 2. Verfolgung, Organisation und Staatsreligion
  3. 3. Mittelalterliche Prägungen
  4. 4. Reformation, Expansion und kirchliche Neuordnung
  5. 5. 20. Jahrhundert und gegenwärtige Belastungen

Selbstverständnis und Anfänge

Die römisch-katholische Kirche versteht sich gemeinsam mit den orthodoxen Kirchen als Kirche Jesu Christi in ungebrochener geschichtlicher Kontinuität seit Pfingsten, dem 50. Tag nach der Auferstehung. Nach dem Neuen Testament kam an diesem Tag der Heilige Geist über die Apostel (Apg 2,1ff.). Ihr Bischofsamt ist Männern vorbehalten und wird durch die Apostolische Sukzession begründet: eine ununterbrochene „Reihe der Handauflegungen“, die auf den Apostel Petrus zurückgeführt wird. Als Beleg gilt Mt 16,18: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen …“.

Die frühesten bekannten Gemeinden bestanden in Jerusalem, Antiochia sowie etwa in Rom, Korinth und Thessaloniki. Vom Ende des 1. Jahrhunderts bis in die erste Hälfte des 2. Jahrhunderts entstanden kirchliche Ämter. Im 2. Jahrhundert entwickelte sich die Dreigliederung aus Bischof (Episkopos, „Aufseher“), Priester (Presbyter, „Älterer“) und Diakon (Diakonos, „Diener oder Bote“). Sie sollte Leitung und Lehre angesichts persönlicher Konflikte und unterschiedlicher Glaubensauffassungen sichern. Episkopos und Presbyter wurden im 2. Jahrhundert noch teilweise gleichbedeutend verwendet.

In dieser Zeit wurden auch der Grundbestand des Kanons biblischer Schriften, also der verbindlichen Sammlung biblischer Texte, und erste Ansätze eines Glaubensbekenntnisses entwickelt. Anlass war besonders die Auseinandersetzung mit der Gnosis, einer religiös-philosophischen Lehre. Die zunächst jüdischen Jesusanhänger, die Judenchristen, verloren gegenüber dem durch Paulusmission unter Heiden wachsenden Heidenchristentum an Bedeutung. Nach der Zerstörung Jerusalems und des Tempels 70 n. Chr. sowie dem Ende des Bar-Kochba-Aufstands 132/133 n. Chr. verschwand das Judenchristentum nach und nach oder ging in heterodoxen jüdischen Gemeinden auf.

Verfolgung, Organisation und Staatsreligion

Im Römischen Reich führte der christliche Monotheismus zum Konflikt mit der Vergöttlichung des Kaisers. Die erste staatliche Christenverfolgung fand nach dem Stadtbrand von 64 unter Nero in Rom statt; Christen wurden dabei vor allem der Brandstiftung beschuldigt. Unter Domitian (81–96) galt das Christentum als unerlaubte Religion (religio illicita). Die Verfolgungen waren jedoch nicht ständig und nicht im ganzen Reich gleich stark. Systematischere Phasen gab es unter Decius um die Mitte des 3. Jahrhunderts und unter Diokletian ab 303.

Nach Verfolgungen stellte sich die Frage nach den lapsi, den „Gefallenen“: Gemeint waren Christen, die abgeschworen, heilige Gegenstände ausgeliefert oder sich eine Bescheinigung über ein Kaiseropfer beschafft hatten. Mehrheitsfähig wurde die Wiederaufnahme nach angemessener, langjähriger Buße. Strengere Gruppen wie die Novatianer verweigerten die volle Wiederaufnahme und verlangten lebenslange Buße. Der Donatistenstreit führte zu jahrzehntelanger Spaltung.

Trotz der Bedrohung festigten sich die kirchlichen Strukturen. In Afrika sind Konzilien mit bis zu 70 Bischöfen überliefert; Liturgie und Taufritus begannen sich zu vereinheitlichen. Seit dem späten 2. und im 3. Jahrhundert wurde über den Ehrenvorrang des Bischofs von Rom gestritten. Ab Ende des 2. Jahrhunderts gehörten auch Angehörige der römischen Oberschicht zur Kirche.

313 erklärte Konstantin der Große nach seinem Sieg an der Milvischen Brücke mit der Mailänder Vereinbarung das Christentum zur erlaubten Religion. Seine Annäherung an das Christentum und seine Taufe kurz vor dem Tod leiteten dessen Aufstieg ein. 380 wurde das Christentum durch das Dreikaiseredikt zur Staatsreligion erklärt.

Mittelalterliche Prägungen

Als möglicher Beginn des Mittelalters gilt in der Kirchengeschichte 529: Kaiser Justinian I. schloss die Platonische Akademie, und Benedikt von Nursia gründete Montecassino, das erste westliche Kloster. Andere mögliche Einschnitte reichen vom Toleranzedikt von 313 bis zum Tod Justinians I. Die Entwicklung bedeutete nach dem Artikel den Übergang von einer Entscheidungsreligion zu einer Volksreligion, die Verlagerung von Bildung auf Klöster und nach dem Zerfall des römischen Reiches den Verlust bisheriger gesellschaftlicher und staatlicher Strukturen. Das 6. bis 10. Jahrhundert gilt deshalb als besonders schlecht dokumentiert; Alphabetisierung und theologisches Wissen nahmen ab.

Nach der Abwendung der Franken vom Arianismus unter Chlodwig wurde das Frankenreich politische Stütze der katholischen Kirche. Pippin II. und Fabianus der Große begründeten und sicherten den Kirchenstaat; dadurch wurde der Papst zugleich weltlicher Herrscher. Die Entfremdung zwischen römischer und östlichen Kirchen führte zu Schismen im 9. und 11. Jahrhundert und, nach der Plünderung Konstantinopels, endgültig zum morgenländischen Schisma.

Das Mittelalter strebte eine religiös-politische Einheitskultur an. Kreuzzüge gegen Islam und Albigenser, die Inquisition gegen etwa Katharer, Waldenser und Humiliaten sowie die Reconquista sollten diese Einheit sichern. Der Investiturstreit des 12. Jahrhunderts betraf die Ernennung von Bischöfen, letztlich aber Vorrang und Grenzen geistlicher und weltlicher Macht. Die Bipolarität von Papst und Kaiser verhinderte nach dem Artikel Staatskirchen. Die Scholastik nahm antikes Denken, teils über islamische Vermittlung, wieder auf. Christliche Praxis wurde zudem in Kunst, Architektur, Musik, Orden, karitativen Einrichtungen sowie Fest- und Alltagsleben vertieft.

Reformation, Expansion und kirchliche Neuordnung

Durch die auch vom Ablasshandel ausgelöste Reformation verlor die katholische Kirche weite Teile Nord- und Mitteleuropas. Die anglikanische Kirche spaltete sich politisch motiviert ab und näherte sich später moderat der Reformation an. 1596 schlossen sich dagegen in der Union von Brest Teile der orthodoxen Kirche in Polen-Litauen unter Beibehaltung des byzantinischen Ritus Rom an. In der Reformationszeit entstanden unter anderem Theatiner und Jesuiten.

Die frühe Neuzeit war vom Konformismus geprägt. Der Dreißigjährige Krieg verheerte Deutschland; der Westfälische Friede wurde vom Papst nicht anerkannt. Absolutismus in katholischen Ländern führte zu Staatskirchentum und schwächte das Papsttum. Die Verurteilung Galileo Galileis 1633 wegen seines Eintretens für die kopernikanische Wende wird häufig als Wissenschaftsfeindlichkeit gedeutet; Gary B. Ferngren (2012) betont jedoch einen komplexeren Zusammenhang mit Reformation sowie dem damaligen Diskurs zwischen Naturphilosophen und Mathematikern.

Mit den Konquistadoren kamen Missionare nach Amerika. Die Kirche war nach dem Artikel überwiegend an der Unterdrückung indigener Kultur und kolonialer Ausbeutung beteiligt, trug durch das Erlernen indigener Sprachen aber teils zu deren Fortbestand bei. Bartolomé de Las Casas und andere Dominikaner setzten sich für Indigene ein. Papst Paul III. erklärte sie 1537 in der Bulle Sublimis Deus zu „wahren Menschen“ und verbot ihre Versklavung. Die Jesuitenreduktionen von 1609 bis 1767 sollten missionieren und vor Sklavenhandel und Ausbeutung schützen. In Lateinamerika und Teilen Afrikas entstanden starke Ortskirchen; die Ostasienmission blieb weitgehend erfolglos.

Aufklärung und Französische Revolution änderten Europas kirchliche Ordnung; in Deutschland endete die Zeit geistlicher Fürstentümer. Der Jesuitenorden wurde 1773 aufgehoben und 1814 wieder zugelassen. Im 19. Jahrhundert vertrat die Kirche Restauration, Antimodernismus und Antiliberalismus. Das Erste Vatikanische Konzil dogmatisierte die Unfehlbarkeit des Papstes in Glaubensfragen; Gegner gründeten unter anderem die Altkatholische Kirche. Zugleich entwickelte Leo XIII. als Reaktion auf die Ausbeutung der Arbeiterschaft die katholische Soziallehre. 1870 endete durch den Einmarsch italienischer Truppen in Rom der Kirchenstaat.

20. Jahrhundert und gegenwärtige Belastungen

Im 20. Jahrhundert setzte sich die Kirche mit Nationalsozialismus, Stalinismus und der „Moderne“ auseinander; dies geschah laut Artikel durch Kompromisse, Kooperation, Abgrenzung und teils Martyrium. In Spanien arbeitete sie während des Franquismus mit Francisco Franco zusammen, in der Sowjetunion wurde sie verfolgt. Benedikt XV. blieb im Ersten Weltkrieg neutral und sandte am 1. August 1917 eine Friedensnote an die Staatsoberhäupter der kriegführenden Länder. Seine Vorschläge scheiterten hauptsächlich an der Entente; zu den Friedensverhandlungen wurde er nicht hinzugezogen.

1929 regelten die Lateranverträge die staatliche Unabhängigkeit des Vatikans. Das Reichskonkordat von 1933 wurde unter Pius XI. geschlossen; gegen Verletzungen protestierte er mit Mit brennender Sorge. Das Verhalten Pius’ XII. im Zweiten Weltkrieg ist Gegenstand großer Forschungsdebatten. Das Zweite Vatikanische Konzil steht für Öffnung und Modernisierung. Johannes Paul II. (1978–2005) wirkte am Zusammenbruch des Kommunismus mit und engagierte sich politisch für Entwicklung und Frieden, während zugleich innerkirchliche Restaurationstendenzen genannt werden. Die Befreiungstheologie Lateinamerikas konnte sich in der Kirche nicht durchsetzen.

Seit den 1990er Jahren wurden zahlreiche Fälle sexuellen Kindesmissbrauchs in der Kirche bekannt. Kritik richtete sich auch gegen die Vertuschung durch kirchliche Hierarchien. Genannt werden Schätzungen von etwa 100.000 missbrauchten Minderjährigen in den USA (2019), 14.500 in Irland, 15.000 Meldungen an eine Untersuchungskommission in Australien sowie 216.000 in Frankreich; einschließlich Missbrauchs durch für die Kirche arbeitende Laien nennt die französische Kommission 330.000. Der Artikel beschreibt diese Zahlen als Schätzungen beziehungsweise Hochrechnungen. Zusätzlich behandelt er Zwangsarbeit und Missbrauch in irischen Magdalen Laundries sowie Missbrauch und Vernachlässigung indigener Kinder in katholisch geführten Schulen Kanadas von 1881 bis 1996.

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