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Pfingsten

Ikonografisch wird Pfingsten auch Aussendung des Heiligen Geistes oder auch Ausgießung des Heiligen Geistes genannt. Der Pfingstsonntag ist der 50. Tag der …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kern und biblische Grundlage
  2. 2. Pfingsten im Neuen Testament
  3. 3. Entwicklung des Festes
  4. 4. Liturgie in den Kirchen
  5. 5. Symbole, Datum und Brauchtum
  6. 6. Bewegungen, Feiertag und Kritik

Kern und biblische Grundlage

Pfingsten ist ein christliches Fest. Sein Inhalt ist die Sendung des Geistes Gottes zu den Jüngern Jesu und seine bleibende Gegenwart in der Kirche. In der christlichen Tradition gilt das Pfingstereignis auch als Gründung der Kirche. Der Pfingstsonntag ist der 50. Tag der Osterzeit, also 49 Tage nach Ostersonntag. Er kann zwischen dem 10. Mai und dem 13. Juni liegen.

Der jüdische Hintergrund ist das Wochenfest Schawuot, eines der drei Pilgerfeste. Es wurde im griechischsprachigen Judentum als pentēkostḗ, „der fünfzigste“, bezeichnet: gemeint ist der 50. Tag nach dem Fest der ungesäuerten Brote. Schawuot ist ein Erntedankfest zum Abschluss der Gersten- und Weizenernte und erinnert auch an die Gabe der Tora an Mose auf dem Sinai. Die Apostelgeschichte erzählt das christliche Pfingstereignis so, dass sprachliche Bezüge zu dieser Gesetzgebung am Sinai entstehen.

Pfingsten im Neuen Testament

Im Neuen Testament wird pentēkostḗ dreimal erwähnt. Neben Apostelgeschichte 2 erscheint das jüdische Wochenfest zweimal in den Reiseplanungen des Paulus: Er will in Ephesus bis pentēkostḗ bleiben und möglichst an pentēkostḗ in Jerusalem sein.

Die wichtigste Darstellung steht in Apostelgeschichte 2,1–41. Die Jünger sind in Jerusalem versammelt. Plötzlich kommt ein Brausen vom Himmel wie ein heftiger Sturm, das Haus wird erfüllt, und es erscheinen „Zungen wie von Feuer“, die sich auf die Anwesenden verteilen. Alle werden vom Heiligen Geist erfüllt und beginnen in anderen Sprachen zu reden. Menschen aus vielen Ländern hören sie jeweils in ihrer Muttersprache. Dieses Ereignis wird als Pfingstwunder bezeichnet; gemeint ist Xenoglossie, also das wunderhafte Reden oder Verstehen fremder Sprachen.

Der Apostel Petrus deutet das Geschehen in einer Predigt. Er bezieht es auf die Verheißung des Propheten Joel, dass Gott in den letzten Tagen seinen Geist über alles Fleisch ausgießen werde. Außerdem erklärt er, dass die Sendung des Geistes zeige, dass der auferstandene Jesus von Gott zum Herrn und Christus erhöht wurde. Auf die Frage der Zuhörer nennt Petrus Umkehr und Taufe auf den Namen Jesu Christi als Weg zum Empfang des Heiligen Geistes. Nach der Apostelgeschichte wurden an diesem Tag etwa dreitausend Menschen zur Gemeinschaft hinzugefügt.

Das Johannesevangelium schildert die Gabe des Geistes anders: Der Auferstandene kommt am Abend des Ostertages zu seinen Jüngern, haucht sie an und sagt: „Empfanget den Heiligen Geist!“

Entwicklung des Festes

Eine fünfzigtägige Festzeit nach Ostern ist bereits im frühen 2. Jahrhundert in der Epistula Apostolorum bezeugt. Tertullian beschreibt sie als Freudenzeit, in der bevorzugt Taufen stattfanden. Weitere Belege stammen aus dem 3. Jahrhundert aus Rom und Ägypten. Nach Ambrosius von Mailand waren diese Tage „wie ein einziger Sonntag“. Der fünfzigste Tag war zunächst der Abschluss dieser Festzeit, hatte aber noch keinen eigenständigen Festcharakter.

Im späten 4. Jahrhundert entstand der Brauch, Stationen der Passions- und Ostergeschichte an besonderen Terminen liturgisch zu feiern. In Jerusalem und Umgebung hing dies mit Kirchenbau und Pilgertourismus zusammen. Die fünfzigtägige Zeit nach Ostern wurde nun stärker gegliedert: regional wurde teils der 40., teils der 50. Tag als Fest begangen, zunächst mit den Themen Himmelfahrt Christi und Sendung des Heiligen Geistes. Um 400 setzte sich allgemein durch, den 40. Tag als Himmelfahrt und den 50. Tag als Fest der Geistausgießung zu feiern. Predigten von Johannes Chrysostomos, Gregor von Nazianz, Augustinus von Hippo und Leo dem Großen zeigen, dass Pfingsten zunehmend als Erfüllung von Ostern verstanden wurde.

Liturgie in den Kirchen

In den orthodoxen Kirchen blieb der Charakter der fünfzigtägigen Festzeit besonders deutlich erhalten: Sie endet mit dem Pfingstsonntag. Im byzantinischen Ritus gilt Pfingsten als Vollendung der Selbstoffenbarung des dreieinigen Gottes. Es ist zugleich Geburtsfest der Kirche und Beginn der Kirchengeschichte, weil die Apostel nun das Evangelium verkünden. Am Vortag wird als „Seelensabbat“ der Verstorbenen gedacht. Am Pfingstsonntag spielen die Geistsendung und die Dreifaltigkeit eine zentrale Rolle; in der Vesper werden drei feierliche Kniegebete gesprochen.

In der älteren römisch-katholischen Praxis begann Pfingsten mit einer Vigil, ähnlich der Ostervigil, und hatte wie Ostern eine eigene Festwoche, die Pfingstoktav. Nach dem Missale Romanum von 1540 besaßen die Messen der Pfingstwoche ein eigenes Proprium; Mittwoch, Freitag und Samstag waren Quatembertage.

Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil ist Pfingsten in der römisch-katholischen Kirche ein Hochfest und der feierliche Abschluss der Osterzeit, auch als „8. Ostersonntag“ verstanden. Die Festwoche nach Pfingsten entfiel; der Pfingstmontag gehört liturgisch wieder zur Zeit im Jahreskreis. Zur Vorbereitung gehört die Pfingstnovene, das neuntägige Gebet um das Kommen des Heiligen Geistes zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten. Zum Hochfest gehören unter anderem die Pfingstsequenz Veni Sancte Spiritus und die Feier vom Vorabend bis zur zweiten Vesper des Pfingstsonntags. Papst Franziskus bestimmte 2018 den Pfingstmontag zum Gedenktag der seligen Jungfrau Maria, Mutter der Kirche.

In der evangelischen Kirche betont das Präfationsgebet, dass Gott an Pfingsten das österliche Geheimnis vollendet und seinen Geist über Junge und Alte ausgießt. Das Evangelische Gottesdienstbuch behält die traditionelle westkirchliche Pfingstoktav bei; dadurch endet die Osterzeit erst am Samstag vor Trinitatis.

Symbole, Datum und Brauchtum

Wichtige Pfingstsymbole sind Taube, Feuer, Wind und die Farbe Rot. Die Taube steht für den Heiligen Geist, Frieden und Reinheit; biblisch knüpft sie an die Taufe Jesu an, bei der der Geist in Gestalt einer Taube erscheint. Feuer und Flammen erinnern an die „Zungen wie von Feuer“ in der Apostelgeschichte und stehen für Erleuchtung, Begeisterung und die verwandelnde Kraft des Geistes. Rot ist im Westen eine wichtige liturgische Farbe und steht für Freude und Eifer des Heiligen Geistes. Wind symbolisiert die bewegende, geheimnisvolle Kraft des Geistes; dazu gehört das biblische Bild: „Der Wind weht, wo er will.“ Blumen, rote Pflanzen und grüne Zweige können Erneuerung des Lebens, Sommerbeginn und Wachstum der Kirche ausdrücken.

Das Pfingstdatum hängt vom beweglichen Osterdatum ab. Wie Schawuot sieben Wochen nach Pessach liegt, feiert das Christentum Pfingsten sieben Wochen nach Ostern. Weil Ostern als Auferstehungstag Jesu am Sonntag gefeiert wird, fällt auch Pfingsten immer auf einen Sonntag. Seit Einführung des Gregorianischen Kalenders fiel Pfingsten nur viermal auf den frühesten Termin, den 10. Mai, und viermal auf den spätesten Termin, den 13. Juni.

Das weltliche Pfingstbrauchtum ist vielfach Frühlingsbrauchtum. Es bezieht sich auf Fruchtbarkeit, Gedeihen von Pflanzen, Nahrungsmitteln und Tieren sowie auf den Sommerbeginn. Beispiele sind Pfingstbaumpflanzen, Pfingstkranz, Schmücken des Pfingstochsen, Wäldchestag, Knoblauchsmittwoch, Geißbockversteigerung, Pfingstkirmes, Birkenstecken, Pfingstsingen, Wasservogelsingen und der Kötztinger Pfingstritt. In der Jugendarbeit sind Pfingstzeltlager und Pfingstfreizeiten verbreitet.

Bewegungen, Feiertag und Kritik

Die Pfingstbewegung ist eine weltweite christliche Bewegung, aus der zahlreiche Denominationen hervorgingen. Außerdem wirkte sie innerhalb traditioneller Kirchen und Freikirchen, etwa in der Charismatischen Bewegung. Für alle Richtungen der Pfingstbewegung ist das Werk des Heiligen Geistes zentral für Lehre und Glaubenspraxis. In den meisten theologischen Fragen steht sie in der Tradition des Evangelikalismus.

Der Pfingstmontag ist ein gesetzlicher Feiertag in Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Liechtenstein, Luxemburg, Ungarn, Dänemark, Norwegen und in weiten Teilen der Schweiz. In Brandenburg werden Pfingstsonntag und Pfingstmontag ausdrücklich als Feiertage genannt. In mehreren deutschen Bundesländern ist der Pfingstdienstag bis heute ein Ferientag in den Schulen oder Beginn beziehungsweise Ende mehrtägiger Pfingstferien. In Frankreich ist der Pfingstmontag seit 2008 wieder Feiertag; in Schweden wurde er 2005 abgeschafft. In Italien wurde er 1977 als gesetzlicher Feiertag abgeschafft, außer in Südtirol.

Kritisiert wird, dass Pfingsten in westlichen Staaten anders als Weihnachten und Ostern kaum Teil der Zivilreligion ist und viele Menschen seine christliche Bedeutung nicht kennen. Kirchenvertreter sehen darin Ignoranz gegenüber christlichen Wurzeln. Viele Menschen verbinden die Pfingsttage vor allem mit Reise und Urlaub. Kirchliche Bemühungen, Pfingsten stärker als „Geburtstag der Kirche“ zu profilieren, werden wiederum von Kritikern als mögliche Umdeutung zu einem christlichen Ideenfest gesehen.

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