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Jerusalem

Die Mauern der Altstadt umschließen einige bedeutende Orte der drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam: die Klagemauer, die …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Stadt, Bedeutung und umstrittener Status
  2. 2. Frühe Geschichte bis zur römischen Zeit
  3. 3. Herrschaftswechsel vom 7. Jahrhundert bis 1917
  4. 4. Teilung, Konflikt und Rechtspositionen
  5. 5. Geographie, Bevölkerung und Religion
  6. 6. Kultur, Wirtschaft, Verkehr und Bildung

Stadt, Bedeutung und umstrittener Status

Jerusalem ist eine Großstadt in den judäischen Bergen zwischen Mittelmeer und Totem Meer. Sie hat 125,2 km² Fläche und 1.005.919 Einwohner (2022); die Metropolregion hatte 2018 etwa 1.700.000 Einwohner. Die Altstadt ist in ein jüdisches, christliches, armenisches und muslimisches Viertel gegliedert und von einer osmanischen Stadtmauer umgeben. Dort liegen die Klagemauer, die Grabeskirche sowie die Al-Aqsa-Moschee und der Felsendom.

Die Stadt ist politisch besonders bedeutsam und ihr Status ist Teil des Nahostkonflikts. Israel kontrolliert das gesamte Stadtgebiet und erklärte Jerusalem 1980 durch das Jerusalemgesetz zu seiner „vereinigten und unteilbaren“ Hauptstadt. In der Neustadt sitzen unter anderem Staatspräsident, Knesset und Oberstes Gericht Israels. Die Vereinten Nationen und die Mehrheit ihrer Mitgliedstaaten erkennen Jerusalem jedoch nicht als israelische Hauptstadt an. Der Staat Palästina beansprucht Jerusalem ebenfalls als Hauptstadt; gemäßigte palästinensische Organisationen fordern vor allem Ostjerusalem als Hauptstadt eines zukünftigen Staates, radikale Organisationen die ganze Stadt.

Der Name ist bereits in ägyptischen Texten des 19. und 18. Jahrhunderts v. Chr. belegt. Wahrscheinlich bedeutet er „Gründung des [Gottes] Schalim“ oder „Palast/Stadt des Schalim“. Die populäre Deutung „Stadt des Friedens“ aus dem hebräischen schalom ist eine Volksetymologie.

Frühe Geschichte bis zur römischen Zeit

Die ältesten nachgewiesenen Siedlungsspuren im heutigen Stadtgebiet stammen aus der Kupfersteinzeit, um 4500–3150 v. Chr. In der Mittelbronzezeit IIA (2000–1750 v. Chr.) entstand auf dem Südosthügel die befestigte Stadt Uruschalimum/Urusalim; die Gihonquelle wurde gesichert. Biblische Aussagen über die Frühzeit sind häufig nicht außerbiblisch oder archäologisch bestätigt und liegen in überlieferter Form erst Jahrhunderte nach den geschilderten Ereignissen vor.

Nach dem biblischen Bericht eroberte König David Jerusalem um 1000 v. Chr., verlegte seinen Regierungssitz von Hebron dorthin und machte die „Davidsstadt“ politisch und religiös zum Mittelpunkt, indem die Bundeslade dorthin gebracht worden sei. Laut Finkelstein gibt es aber keine Belege für einen zentral verwalteten Staat oder eine einheitliche Kultur zur Zeit Davids; Jerusalem könnte kaum mehr als ein typisches Bergdorf gewesen sein.

Salomo soll um 969–930 v. Chr. den ersten Tempel für JHWH errichtet haben. Nach der Teilung des Königreichs wurde Jerusalem Hauptstadt des Südreichs Juda. Hiskija (725–697) sicherte nach biblischem Bericht Stadt und Wasserversorgung, unter anderem mit dem Hiskija-Tunnel. Joschija (638–609) bestimmte den Tempel Jerusalems als einzige legitime Kultstätte JHWHs. Nebukadnezar II. eroberte die Stadt 597 und 586 v. Chr.; 586 wurden Jerusalem und der Tempel zerstört, Teile der Führungsschicht ins babylonische Exil geführt.

Kyros II. erlaubte 538 v. Chr. die Heimkehr exilierter Juden und den Wiederaufbau des Tempels. Unter den Hasmonäern wurde Jerusalem Hauptstadt eines unabhängigen jüdischen Staates, bis Pompeius die Stadt 63 v. Chr. eroberte. Herodes regierte 30 bis 4 v. Chr. als römischer Klientelkönig und ließ Jerusalem stark ausbauen; sein wichtigstes Projekt war der herodianische Tempel. Titus zerstörte Stadt und Tempel am Ende des Jüdischen Krieges im Jahr 70 n. Chr.

Kaiser Hadrian gründete 130 auf dem Gelände die römische Kolonie Aelia Capitolina. Die Gründung einer paganen Stadt trug zum Bar-Kochba-Aufstand bei. Unter Konstantin wurde Jerusalem zu einer christlich geprägten Stadt; nach dem Konzil von Nicäa 325 entstanden die Anastasis, also die Grabeskirche, und die Eleona-Kirche auf dem Ölberg.

Herrschaftswechsel vom 7. Jahrhundert bis 1917

614 eroberten die Sassaniden Jerusalem, zerstörten mehrere christliche Kirchen und übertrugen die Verwaltung zunächst bis 617 der jüdischen Bevölkerung. 629 fiel die Stadt wieder an Byzanz. 637 nahmen arabische Truppen im Auftrag des Kalifen Umar Jerusalem nach sechsmonatiger Belagerung ein. Christen konnten die Stadt verlassen, die jüdische Bevölkerung durfte zurückkehren. Unter den Umayyaden wurde die Tempelplattform für den Islam ausgebaut; der Felsendom wurde um 692 vollendet. Die muslimische Tradition verband den Tempelberg fortan mit Mohammeds nächtlicher Reise und Himmelfahrt.

Unter Abbasiden, Fatimiden und Seldschuken wechselten Phasen von Toleranz und Diskriminierung gegenüber Juden und Christen. Die Grabeskirche wurde 1009 oder 1008 zerstört. Erdbeben, besonders 1033, verursachten weitere Schäden. 1099 eroberten Kreuzritter Jerusalem. Neuere Forschung geht bei der Einnahme von etwa 3.000 getöteten Einwohnern aus; wesentlich höhere Zahlen älterer christlicher und muslimischer Quellen gelten als zweifelhaft. Es entstand das christliche Königreich Jerusalem. Saladin eroberte die Stadt 1187 zurück. Jerusalem war danach zeitweise wieder unter Kreuzfahrerherrschaft, wurde aber 1244 endgültig von choresmischen Söldnern eingenommen und blieb anschließend unter muslimischer Verwaltung.

Seit 1516 gehörte Jerusalem zum Osmanischen Reich. Sultan Süleyman I. ließ nach 1535 die noch heute prägende Stadtmauer errichten. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden erstmals jüdische Wohnviertel außerhalb der Mauern. Um 1880 war etwa die Hälfte der rund 30.000 Einwohner jüdisch. 1892 erhielt die Stadt mit der Bahnstrecke Jaffa–Jerusalem einen modernen Verkehrsanschluss. Britische Truppen unter Edmund Allenby zogen am 9. Dezember 1917 ein; die osmanische Übergabe erfolgte kampflos, um historische Stätten zu schonen.

In der britischen Mandatszeit war Jerusalem Sitz des Hohen Kommissars. Ein Gesetz schrieb Häuser aus Jerusalemer Stein vor. 1920 kam es bei den Nabi-Musa-Unruhen zu einem arabischen Pogrom gegen Juden mit sechs Toten und über 200 Verletzten. 1929 folgten im Streit um die Westmauer weitere Ausschreitungen und Angriffe auf jüdische Zivilisten.

Teilung, Konflikt und Rechtspositionen

Der UN-Teilungsplan von 1947 plante Jerusalem als corpus separatum: eine international verwaltete, entmilitarisierte und neutrale Stadt mit freiem Zugang zu den heiligen Stätten. Die UN-Vollversammlung nahm den Plan am 29. November 1947 mit Resolution 181 an, doch er wurde nie umgesetzt.

Im Palästinakrieg 1948–1949 wurde Jerusalem geteilt: Israel kontrollierte Westjerusalem, Transjordanien Ostjerusalem einschließlich der Altstadt. Die jüdische Bevölkerung Ostjerusalems wurde vertrieben, das jüdische Viertel zerstört und Juden der Zugang zur Klagemauer verweigert. Israel erklärte am 4. Januar 1950 seinen Teil der Stadt zur Hauptstadt. Im Sechstagekrieg 1967 eroberte Israel Ostjerusalem und die Altstadt. Danach wurden das israelische Recht und die Verwaltung auf das erweiterte Stadtgebiet ausgedehnt. Arabische Bewohner erhielten nicht automatisch die israelische Staatsbürgerschaft, konnten sie aber beantragen. Israel gewährte Muslimen Zugang zu ihren heiligen Stätten und ließ den Tempelberg durch den muslimischen Waqf verwalten.

Die Rechtslage wird unterschiedlich ausgelegt. Nach einer Position ist Israel über West- und Ostjerusalem souverän, weil beide Teile in Selbstverteidigung erobert worden seien. Eine zweite Position sieht die Palästinenser als souverän an; eine dritte die Vereinten Nationen. Eine vierte, nur auf Ostjerusalem bezogene Auffassung sah Jordanien als früheren Souverän. Die israelische Knesset fasste am 30. Juli 1980 beide Stadtteile und Umlandgemeinden im Jerusalemgesetz zusammen. Der UN-Sicherheitsrat erklärte dieses Gesetz mit Resolution 478 vom 20. August 1980 für nichtig.

Seit 1993 soll der endgültige Status im Oslo-Friedensprozess verhandelt werden. Der Konflikt führte wiederholt zu Terroranschlägen in Jerusalem. Die internationale Anerkennung bleibt begrenzt: Die meisten diplomatischen Vertretungen, darunter jene Deutschlands, Österreichs, der Schweiz und Luxemburgs, befinden sich weiter in Tel Aviv. Die UN-Generalversammlung verwies in Resolution ES-10/24 vom 18. September 2024 auf die Rechtswidrigkeit der Ausrufung Jerusalems zur Hauptstadt Israels nach dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs.

Geographie, Bevölkerung und Religion

Jerusalem liegt auf einem südlichen Plateauausläufer der Judäischen Berge; die Altstadt liegt etwa 760 m hoch. Im Osten liegen Ölberg und Kidrontal, südlich die Schlucht Gehinnom. Tel Aviv-Jaffa und das Mittelmeer liegen 60 km westlich, das Tote Meer etwa 35 km östlich. Die Gihonquelle war über Jahrtausende die wichtigste Frischwasserquelle. Die Wasserversorgung erforderte Aquädukte, Tunnel, Teiche und Zisternen.

Das Klima hat eine deutlich abgegrenzte Regenzeit ungefähr vom 14. Oktober bis zum 6. Mai. Der Jahresniederschlag beträgt 554,1 mm, die Zahl der Regentage 62. Im Juli und August fällt im Mittel kein Niederschlag. Die mittlere Tageshöchsttemperatur reicht von 11,8 °C im Januar bis 29,4 °C im August; die mittlere Tagesminimumtemperatur von 6,4 °C im Januar und Februar bis 19,5 °C im August.

2015 waren 63 % der Einwohner jüdisch, 35 % muslimisch und 2 % christlich. 2021 betrugen die Anteile 62 % Juden und 38 % Araber. 2012 lebten 497.000 jüdische Israelis in Jerusalem, davon mehr als 200.000 auf besetztem palästinensischem Gebiet.

Jerusalem ist für Judentum, Christentum und Islam heilig. Das statistische Jahrbuch nennt 1204 Synagogen, 158 Kirchen und 73 Moscheen. Für Juden sind der Ort des salomonischen Tempels, der Tempelberg und die Klagemauer zentral. Christen verbinden die Stadt mit Leidensgeschichte, Kreuzigung und Auferstehung Jesu. Für Muslime ist sie traditionell nach Mekka und Medina die drittheiligste Stadt; der Koran nennt Jerusalem nicht namentlich, aber die „ferne Moschee“ wird in sunnitischer Tradition mit dem Felsendom beziehungsweise Tempelberg verbunden.

Kultur, Wirtschaft, Verkehr und Bildung

Die Altstadt gehört seit 1981 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Wichtige Bauwerke sind die Klagemauer, der Felsendom, die Al-Aqsa-Moschee, die Grabeskirche, die Via Dolorosa und die Zitadelle. Zu bedeutenden Museen zählen Yad Vashem, das Israel-Museum mit dem „Schrein des Buches“, das Bible Lands Museum, das Tower of David-Museum und das Rockefeller Museum. Jerusalem ist außerdem Sitz des Jerusalem Symphony Orchestra.

Die Wirtschaft beruht vor allem auf religiöser und kultureller Bedeutung, Verwaltung, Bildung und Tourismus. Etwa 180 Hightech-Firmen beschäftigen rund 12.000 Menschen. Palästinenser stellen ein Drittel der Bevölkerung, erhalten laut Artikel aber nur ein Zehntel der Ausgaben für öffentliche Dienstleistungen.

Die Nationalstraße A1 verbindet Jerusalem in etwa einer Stunde mit Tel Aviv-Jaffa. Der öffentliche Verkehr ruht wegen des Schabbats von Freitagmittag bis Samstagabend. Wichtigster Busanbieter ist Egged. Der Hochgeschwindigkeitszug zwischen Tel Aviv und dem unterirdischen Bahnhof Jitzchak Navon in Jerusalem verkehrt seit dem 22. Dezember 2019; vorgesehen sind 30 Minuten Fahrzeit. Die Stadtbahn wurde am 19. August 2011 eröffnet. Linie L1 ist 13,8 km lang und hat 23 Haltestellen zwischen Pisgat Ze’ev und Herzlberg. Der Flughafen Atarot ist seit 2001 geschlossen; der internationale Flughafen Ben Gurion liegt rund 60 km nordwestlich.

Zu den wichtigen Bildungsinstitutionen zählen die 1918 eröffnete Hebräische Universität Jerusalem, die Bezalel Academy of Arts and Design, die Jerusalem Academy of Music and Dance, die palästinensische al-Quds-Universität, die Israelische Akademie der Wissenschaften sowie die Israelische Nationalbibliothek.

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