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Diakon

Diakone in der Neuzeit · Römisch-katholische Kirche · Anglikanische Kirchen · Altkatholische Kirche · Evangelische Kirchen · Selbständige Evangelisch-Lutherische …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Grundaufgaben
  2. 2. Entwicklung des Amtes
  3. 3. Römisch-katholischer Diakonat
  4. 4. Evangelische Formen und Beruf
  5. 5. Andere Kirchen und Gemeinschaften

Begriff und Grundaufgaben

Ein Diakon bekleidet ein geistliches Amt innerhalb der Kirche, den Diakonat. Das Amt ist nicht nur auf Diakonie, also den Dienst an Bedürftigen, beschränkt. Es umfasst auch Verkündigung, Gottesdienst beziehungsweise Liturgie und je nach Kirche Verwaltungs- oder Leitungsaufgaben. Ursprünglich waren Diakone Gehilfen der Apostel: Sie unterstützten die Verwaltung des gemeinsamen Vermögens und die Leitung gemeinsamer Mahlzeiten, vermutlich auch im Zusammenhang mit der Eucharistie.

In der römisch-katholischen, orthodoxen, anglikanischen und altkatholischen Kirche ist die Weihe zum Diakon die erste Stufe des Weihesakraments; darauf folgen Priesteramt und Bischofsamt. Die Aufnahme in den Klerus geschieht durch sakramentale Weihe mit Handauflegung des Bischofs und einem Bittgebet um den Heiligen Geist und die nötigen Gnadengaben.

In evangelischer, besonders reformierter Tradition wird der Diakon nach Calvins Genfer Kirchenordnung als eines von vier kirchlichen Ämtern verstanden. Pastoren sind dort vor allem für Verkündigung zuständig, Presbyter für Gemeindeleitung und Gemeindezucht, Lehrer für Erziehung und Diakone für Arme, Bedürftige, Kranke und Verwaltung. Der Begriff Diakonat kann außerdem das Wohn- oder Amtsgebäude eines Diakons bezeichnen.

Entwicklung des Amtes

Die ersten sieben Diakone werden in der Apostelgeschichte (Apg 6,1–7) genannt. Weil die Apostel Verkündigung und Armenversorgung nicht gleichzeitig bewältigen konnten, wählte die Jerusalemer Urgemeinde sieben Männer „von gutem Ruf und erfüllt von Geist und Weisheit“: Stephanus, Philippus, Prochorus, Nikanor, Timon, Parmenas und Nikolaus, einen Proselyten aus Antiochia am Orontes. Anlass waren Klagen der Hellenisten in der Gemeinde. Aufgrund der griechischen Namen wird angenommen, dass diese Männer auch Sprecher oder Leiter des hellenistischen Teils der Jerusalemer Urgemeinde waren.

Im 1. Timotheusbrief werden Anforderungen an Diakone beschrieben: Sie sollen achtbar, nicht doppelzüngig, nicht dem Wein ergeben, nicht gewinnsüchtig und im Glauben zuverlässig sein; sie sollen geprüft und unbescholten sein, nur einmal verheiratet sein und ihrer Familie gut vorstehen. Schon in der frühen Kirche scheint der Diakonat von Männern und Frauen ausgeübt worden zu sein. Bis zum Ende des oströmischen Reiches gab es Diakoninnen, die ähnliche Aufgaben hatten wie Diakone, allerdings ohne vollzogenen Altardienst und mit besonderer Rolle bei der Taufe weiblicher Katechumenen.

Im 2. Jahrhundert bildete sich ein dreistufiges geistliches Amt heraus: Diakon, Presbyter und Bischof. Als Presbyter stärker Eucharistiefeier und Gemeindeleitung übernahmen, wurden Diakone zunehmend Gehilfen der Priester. In der katholischen Kirche verkümmerte der Diakonat im 9. Jahrhundert weitgehend zu einer Durchgangsstufe auf dem Weg zum Priestertum. In der Reformationszeit erneuerte Johannes Calvin das Diakonenamt als eigenständiges Amt neben Pfarramt, Presbyteramt und Lehramt. Im lutherischen Bereich wurde „Diakon“ bis ins 19. Jahrhundert oft für studierte, ordinierte Hilfsgeistliche verwendet, nicht für ein Amt im Sinn des diakonischen Dienstes. Johann Hinrich Wichern gilt später als wichtiger Erneuerer des Diakonenamtes in der evangelisch-lutherischen Kirche.

Römisch-katholischer Diakonat

In der römisch-katholischen Kirche gehören Diakone zum Klerikerstand. Bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil wurde das Amt meist nur als Durchgangsstufe zum Priestertum gesehen. Nach Vorarbeiten wie denen von Hannes Kramer und dem Freiburger Diakonatskreis griff das Konzil die Idee eines eigenständigen Diakonats auf. Es richtete den Ständigen Diakonat ein und stellte damit einen frühkirchlichen Zustand wieder her. Seit 1968 können auch verheiratete Männer zu Diakonen geweiht werden. Sie können hauptberuflich in der Seelsorge arbeiten oder einen Zivilberuf ausüben. Unverheiratete Diakone müssen vor der Weihe das Zölibatsgelübde ablegen; verwitwete Diakone können grundsätzlich nicht wieder heiraten.

Zu den liturgischen Aufgaben gehören die Assistenz in der Messe, die Verkündigung des Evangeliums und die Predigt. Diakone können taufen, kirchliche Trauungen und Begräbnisfeiern leiten, Wortgottesdienste feiern, die Kommunion spenden und Segnungen erteilen. Die Krankensalbung dürfen sie nach der geltenden katholischen Ordnung nicht spenden; eine Ausweitung wird zwar diskutiert, aber unter anderem wegen der Verbindung mit dem Bußsakrament und der sündenvergebenden Wirkung der Krankensalbung abgelehnt.

Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt im Dienst an Armen und Benachteiligten. Diakone gelten deshalb als „soziales Gewissen“ der Kirche. In Notsituationen, etwa wenn für eine Gemeinde dauerhaft kein Pfarrer gefunden wird, kann ein Bischof einen Diakon als Bezugsperson einer Gemeinde einsetzen und ihm besonders die geistliche Leitung übertragen.

Für verheiratete Bewerber, sogenannte viri probati, gilt ein Mindestalter von 35 Jahren; für zölibatär lebende Bewerber 25 Jahre, bei geplanter späterer Priesterweihe 23 Jahre. Bei verheirateten Bewerbern ist die Zustimmung der Ehefrau nötig. Die Weihe setzt neben der Berufung ein theologisches Studium und meist eine vierjährige Ausbildungszeit voraus. In den deutschen Bistümern gab es am 1. Januar 2013 insgesamt 3.166 Diakone. Der Diakonat für Frauen ist in der katholischen Weltkirche umstritten. Papst Franziskus kündigte 2016 eine Kommission zur Erforschung des Diakonats der Frau in der Urkirche an; sie endete ohne klare Ergebnisse. Das Thema wurde auf der Weltsynode im Oktober 2024 ausgeschlossen.

Evangelische Formen und Beruf

In evangelischen Kirchen wird der Begriff Diakon uneinheitlich verwendet. In lutherischen Kirchen bezeichnete er früher oft den zweiten Geistlichen einer größeren Gemeinde; solche Diakone waren ordiniert und konnten kirchliche Handlungen wie Pfarrer ausüben, hatten aber weniger Verwaltungsbefugnisse. In reformierten Kirchen stand der Begriff stärker für Personen, die nach der Vierämterlehre für Armenfürsorge zuständig waren.

Der moderne evangelische Diakonat liegt an der Schnittstelle von Verkündigung und Sozialarbeit. Nach dem Diakonengesetz der Union Evangelischer Kirchen nimmt die Gemeinde im Diakonat ihren „Dienst der Liebe“ wahr. Diakoninnen und Diakone arbeiten in Sozial- und Bildungsarbeit, Pflege, Erziehung, Verkündigung, Seelsorge und Beratung. Typisch ist eine Doppelqualifikation: eine staatlich anerkannte Ausbildung oder ein Studium in einem Sozial- oder Pflegeberuf und zusätzlich eine theologische Ausbildung. Die Ausbildung dauert in der Regel drei bis fünf Jahre. Je nach Ausbildungsstätte gibt es Fachschulabschlüsse, Bachelor- oder Masterstudiengänge; neu genannt wird auch der Titel Bachelor Professional.

Historisch wichtig sind die Ausbildungen, die Johann Hinrich Wichern 1833 in Hamburg und Theodor Fliedner 1844 in Duisburg einrichteten. Wichern bildete Gehilfen für Erziehungs- und Sozialaufgaben aus, Fliedner wollte das altkirchliche Amt des Diakons wiederbeleben. Wichtige Arbeitsfelder waren Gefängnisseelsorge, Resozialisierung entlassener Sträflinge, Stadtmission, Einrichtungen der „rettenden Liebe“, Seemannsmission und Wandererfürsorge. Die Ausbildung sollte breit angelegt sein: Allgemeinbildung, Bibelkunde, Theorie der Inneren Mission sowie wirtschaftliche und erzieherische Fertigkeiten gehörten dazu. Wichern sah eine Ausbildungsdauer von vier Jahren vor.

Im 20. Jahrhundert professionalisierte sich der Beruf weiter. 1913 gründeten Diakone einen Berufsverband. Später wurden Pädagogik, Psychologie und Sozialrecht wichtiger. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Beruf neu organisiert; seit den 1960er Jahren öffnete sich die westdeutsche Diakonie für Frauen. Die erste Diakonin wurde 1968 in Hamburg ausgebildet. 1991 schlossen sich west- und ostdeutsche Gemeinschaften zusammen; seit 2007 heißt der Verband Verband Evangelischer Diakonen-, Diakoninnen- und Diakonatsgemeinschaften in Deutschland e. V. In der EKD werden für ähnliche Tätigkeiten auch Bezeichnungen wie Gemeindepädagoge, Gemeindehelfer, Jugendreferent, Katechet oder Religionspädagoge verwendet.

Andere Kirchen und Gemeinschaften

In den anglikanischen Kirchen arbeiten viele Diakone mit Randgruppen innerhalb und außerhalb der Kirche: Armen, Kranken, Hungrigen und Gefangenen. Anders als in der römisch-katholischen und orthodoxen Kirche dürfen anglikanische Diakone auch nach der Ordination heiraten. Viele bereiten sich auf das Priestertum vor und werden meist nach sechs Monaten oder einem Jahr Priester; andere bleiben dauerhaft Diakon. Viele anglikanische Kirchen ordinieren Männer und Frauen. Diakone dürfen taufen, teilweise Trauungen durchführen und Wortgottesdiensten mit Kommunionfeiern vorstehen.

In der altkatholischen Kirche entsprechen die Aufgaben meist denen eines römisch-katholischen Diakons. In Deutschland können Diakone im Einvernehmen mit dem Bischof auch Begräbnisfeiern leiten, die Krankensalbung spenden und Trauungen vornehmen. Diese Ausweitung ist theologisch umstritten, weil sie die Grenze zwischen Diakonat und Presbyterat undeutlich machen kann. Die Utrechter Union erklärte 1982, dass dem Diakonat der Frau nichts im Wege stehe; 1987 wurde in der Schweiz die erste Frau zur Diakonin geweiht, 1988 Angela Berlis in Deutschland.

In der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche wird zwischen Pfarrdiakonen und Diakonen beziehungsweise Diakoninnen unterschieden. Pfarrdiakone sind theologisch qualifizierte Laien mit Recht zur Wortverkündigung, aber ohne Sakramentsverwaltung. Diakone sind hauptamtlich tätig, meist sozialpädagogisch und zusätzlich kirchlich ausgebildet; Predigt und Sakramentsverwaltung sind ihnen nicht gestattet.

In den Reformierten Kirchen der Niederlande ist der Diakon eines von drei Ämtern neben Pfarrer und Ältesten. Ihm sind besonders Werke der Barmherzigkeit anvertraut. Die Diakonie jeder Gemeinde ist eine eigene juristische Einheit mit eigenen Finanzmitteln, verwaltet durch Diakone. In der Evangelisch-methodistischen Kirche gibt es seit den Beschlüssen von 1996 und 2004 ein ordiniertes Diakonenamt auf Lebenszeit; Diakone vertreten den Dienst der Kirche an der Welt durch diakonische Arbeit, Verkündigung und Lehre, dürfen aber keine Sakramente verwalten.

In täuferischen Gemeinden gehört der Diakon neben Ältestem und Prediger zu einem dreigliedrigen Gemeindemodell; seine Aufgaben sind Betreuung älterer und kranker Gemeindeglieder und Unterstützung des Predigers. In vielen Freikirchen sind Diakone gewählte Mitglieder der Gemeindeleitung für Bereiche wie Kasse, Gebäude, Jugendarbeit oder Hauskreise; im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden können hauptamtliche Diakone ordiniert und dienstrechtlich Pastoren gleichgestellt sein.

In der Neuapostolischen Kirche ist das Diakonenamt die niedrigste Stufe der Ämterhierarchie. Diakone helfen beim Gottesdienst, besuchen Gemeindemitglieder seelsorgerlich, unterrichten Kinder und Jugendliche und können in Ausnahmefällen Gottesdienste ohne Sündenvergebung und Abendmahl leiten. Sie sind Laien, ehrenamtlich und unentgeltlich tätig. In der Apostolischen Gemeinschaft gibt es seit 2004 auch Diakoninnen; Diakone und Diakoninnen dienen der fürsorglichen Versorgung der Gemeinde, übernehmen organisatorische und seelsorgerliche Aufgaben und können im Gottesdienst mitwirken, aber Taufe, Versiegelung sowie Kasualien wie Hochzeit oder Trauerfeier nicht durchführen. Bei Zeugen Jehovas heißen Diakone „Dienstamtgehilfen“ und unterstützen die Ältesten; sie müssen erwachsene, getaufte Männer sein. In der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist Diakon das erste Amt des aaronischen Priestertums. Jungen können im Normalfall mit zwölf Jahren ordiniert werden; Diakone bereiten und verteilen das Abendmahl, helfen Bedürftigen und Älteren, wirken als Friedensstifter und unterstützen bei Pflege und Instandhaltung von Kirchengebäuden.

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