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Korinth (antike Stadt)
Korinth liegt etwa 75 km westlich von Athen. Der Isthmus wurde in der Antike mit Schiffen überquert, indem sie auf Schiffskarren in vorgefertigten Spurrillen …
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Lage und Bedeutung
Korinth war eine antike griechische Stadt am Isthmus von Korinth, der Landenge zwischen der Peloponnes und dem griechischen Festland. Sie liegt etwa 75 km westlich von Athen; westlich des Isthmus befindet sich der Golf von Korinth. Die Lage machte die Stadt zu einem wichtigen Verkehrs- und Handelsplatz: Schiffe wurden in der Antike auf Schiffskarren in vorgefertigten Spurrillen über die felsige Landenge gezogen. Diese Trasse heißt Diolkos. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts verläuft dort der Kanal von Korinth.
Korinth war von der Küstenebene Vocha im Westen, den Gerania-Bergen im Osten und den Oneia-Bergen im Süden umgeben. Erdbeben zerstörten die Stadt mehrfach und prägten ihre Geschichte erheblich.
Blütezeit und griechische Geschichte
Nach der Wiederbesiedlung durch die Dorer etwa im 10. Jahrhundert v. Chr. wurde Korinth durch Handel und Verkehr über den Isthmus sehr reich und konnte in dieser Hinsicht mit Athen und Theben konkurrieren. Bis zur Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. exportierte die Stadt schwarzfigurige Keramik in die gesamte griechische Welt. Auf der Akropolis Akrokorinth stand ein großer Aphrodite-Tempel; Korinth war ein wichtiger Ort des Aphroditekults und Gastgeber der Isthmischen Spiele.
Um 730 v. Chr. gründeten Korinther unter anderem Kerkyra auf Korfu und Syrakus auf Sizilien. Weitere Kolonien des 7. Jahrhunderts v. Chr. waren Poteidaia, Ambrakia, Apollonia und Anaktorion; gemeinsam mit Kerkyra entstanden Leukas und Epidamnos. Im Jahr 664 v. Chr. kämpften Korinth und Kerkyra in der ersten griechischen Seeschlacht der Geschichte gegeneinander.
Korinth nahm an den Perserkriegen teil und stellte in der Schlacht von Salamis nach Athen das zweitstärkste Flottenkontingent. Bei Plataiai 479 v. Chr. kämpfte die Stadt ebenfalls mit einem großen Aufgebot. Danach verschlechterte sich das Verhältnis zu Athen. Nach einem Krieg kam es 451 v. Chr. zunächst zu einem Waffenstillstand und später zu einem Friedensvertrag.
Der Konflikt mit Athen trug zum Peloponnesischen Krieg bei. Anlass waren Auseinandersetzungen um Epidamnos, eine kerkyrische Kolonie. 433 v. Chr. errang Korinth bei den Sybota-Inseln einen Sieg; Kerkyra bat anschließend Athen um Hilfe, während Korinth auf der Seite Spartas stand. Im Korinthischen Krieg kämpfte Korinth ab 394 v. Chr. zusammen mit Athen, Theben und Argos gegen Sparta. Von 392 bis 386 bestand ein staatlicher Zusammenschluss mit Argos. Nach dem allgemeinen Landfrieden von 386 v. Chr. musste Argos Korinth räumen; die Aristokraten orientierten sich wieder an Sparta.
337 v. Chr. geriet Korinth unter makedonische Herrschaft. 336 v. Chr. wählte die Bundesversammlung in Korinth Alexander den Großen zum gemeinsamen Strategen beziehungsweise Hegemon für den Perserfeldzug. 243 v. Chr. nahm Aratos, der Stratege des Achäischen Bundes, die Stadt ein; Korinth schloss sich diesem Bund an. Nach weiterer makedonischer Herrschaft zwang der römische Sieg bei Kynoskephalai 197 v. Chr. die makedonische Garnison zum Abzug. Korinth gehörte wieder zum Achäischen Bund und vertrat eine antirömische Politik.
146 v. Chr. wurde Korinth zum Zentrum des Widerstands gegen Rom. Der römische Feldherr Lucius Mummius belagerte und zerstörte die Stadt, ermordete oder versklavte die überlebenden Einwohner. Der größte Teil des Gebiets wurde römischer Staatsboden, ager publicus.
Römische Zeit bis zur Neuzeit
44 v. Chr. gründete Gaius Iulius Caesar Korinth als römische Bürgerkolonie neu: Colonia Laus Iulia Corinthiensis. Nach Appian waren die Siedler Freigelassene aus Rom. Die Stadt wurde Verwaltungssitz der Provinz Achaea und war über mehrere Jahrzehnte eine lateinische Sprachinsel in griechischer Umgebung.
Im 2. Jahrhundert n. Chr. war Korinth Bischofssitz, spätestens im 4. Jahrhundert Sitz eines Metropoliten. Diese Stellung behielt die Stadt bis zum Wiederaufstieg Athens am Beginn des 9. Jahrhunderts. Zerstörungen durch Goten und Heruler 267, die Plünderung durch Alarich I. 395 sowie ein schweres Erdbeben 521 unterbrachen die Entwicklung; nach 521 ließ Kaiser Justin I. die Stadt wieder aufbauen. Mit den Slaweneinfällen um 580 kam das antike Stadtleben fast vollständig zum Erliegen. Erst Jahrzehnte später setzte ein bescheidener wirtschaftlicher Wiederaufstieg ein.
Im Mittelalter und in der Neuzeit wechselten die Herrschaften häufig. 1147 besetzte der Normanne Roger II. Korinth und ließ einheimische Seidenweber gewaltsam nach Palermo umsiedeln. 1210 wurde die Stadt Teil des Fürstentums Achaia und damit des Lateinischen Kaiserreiches. Von 1421 bis 1458 gehörte sie wieder zum Byzantinischen Reich, 1458 übernahmen die Osmanen. Von 1687 bis 1715 herrschten Venezianer; damals hatte der Ort nur noch 1500 Einwohner. 1821 zählte Korinth am Ende der osmanischen Herrschaft 15000 Einwohner, verlor während der Griechischen Revolution jedoch rasch Einwohner. Ein Erdbeben zerstörte am 21. Februar 1858 das alte Korinth mit damals etwa 4000 Einwohnern. Die Stadt wurde sechs Kilometer nordöstlich neu aufgebaut; neben dem antiken Siedlungsgelände liegt Archea Korinthos.
Ausgrabungen und Museum
Die archäologischen Reste zeigen besonders das römische Korinth. Der archaische Apollon-Tempel aus der Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. liegt oberhalb der Agora; sieben größere Säulen stehen noch. Die große Agora hatte wahrscheinlich bereits im 4. Jahrhundert v. Chr. weitgehend ihre heute erkennbare Form.
Östlich der Agora liegen Reste der Basilica Iulia, eines 44 n. Chr. von Kaiser Claudius errichteten Gerichtsgebäudes. Im Zentrum befindet sich die Basis der Rednertribüne Bema, an der sich Paulus vor dem römischen Prokonsul verantworten musste. Die Propyläen aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. führten zur Lechaion-Straße. An dieser Straße lagen Läden, eine Basilika und eine erhaltene Latrine; sie bildete offenbar die Einkaufs- und Lebensachse des spätantiken Korinth.
Die 154 m lange Süd-Stoa ließ Philipp II. von Makedonien nach 338 v. Chr. als Gästehaus für Abgeordnete des Korinthischen Bundes bauen. In römischer Zeit wurde ihr südlicher Teil Verwaltungssitz der Isthmischen Spiele. Weitere wichtige Bauten sind das Brunnenhaus der klaren Peirene-Quelle mit sechs von Augustus erbauten Arkaden, ein Theater aus dem 4. Jahrhundert v. Chr., das später durch einen römischen Arenabau ersetzt wurde, sowie ein Odeion aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. Im Süden liegen Reste einer Bischofskirche aus dem 5. Jahrhundert; sie wurde im 11. und im 13. Jahrhundert umgestaltet. Vom 146 v. Chr. zerstörten Mauerring sind noch Abschnitte von bis zu 40 m Länge erhalten.
Das Museum auf dem Ausgrabungsgelände zeigt antike Vasen, Mosaiken, Wandmalereien und plastische Arbeiten aus griechischer und römischer Zeit.
Korinth im Neuen Testament
Das Korinth der Bibel war eine multikulturelle und multireligiöse Stadt mit verschiedenen Ethnien. Paulus besuchte die Stadt erstmals 51 oder 52, als Gallio, der Bruder des Philosophen Seneca, Prokonsul war. Paulus blieb 18 Monate in Korinth und traf dort Aquila und Priszilla; nach seiner Abreise kam Apollos aus Ephesos.
Um 55 n. Chr., etwa zwanzig Jahre nach dem Entstehen der Ur-Kirche in Jerusalem, schrieb Paulus von Ephesos aus den ersten Brief an die Gemeinde in Korinth. Während seines dritten Aufenthalts im Frühjahr 58 entstand vermutlich der Brief an die Römer. Der 2. Korintherbrief spiegelt die Schwierigkeiten wider, in der kosmopolitischen Stadt eine christliche Gemeinschaft aufrechtzuerhalten.