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Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik

Die Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik ist die des von 1949 bis 1990 bestehenden ostdeutschen Teilstaats. Berlin, DDR-Gründung, 9.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Entstehung und Charakter der DDR
  2. 2. Machtaufbau und sozialistische Umgestaltung
  3. 3. Aufbauphase, Aufstand und Mauer
  4. 4. Stabilisierung unter Ulbricht und Honecker
  5. 5. Krise, Opposition und Friedliche Revolution
  6. 6. Deutsche Einheit und Ende des Staates

Entstehung und Charakter der DDR

Die Deutsche Demokratische Republik (DDR) war ein ostdeutscher Teilstaat, der von 1949 bis 1990 bestand. Sie wurde bis 1989 im Sinne der „Diktatur des Proletariats“ diktatorisch regiert und war ein realsozialistischer Staat, also ein Staat mit von der kommunistischen Partei gelenkter Gesellschaft und Planwirtschaft. Ihre Hauptstadt war Ost-Berlin, der sowjetische Sektor Berlins.

Nach dem Zweiten Weltkrieg teilten USA, Großbritannien, Frankreich und Sowjetunion Deutschland in vier Besatzungszonen und Berlin in vier Sektoren. Die Sowjetische Besatzungszone (SBZ) entwickelte sich zunehmend anders als die westlichen Zonen: Die Sowjetunion setzte Demontagen als Reparationen fort und verhinderte die Teilnahme am Marshallplan. Die westlichen Zonen schlossen sich 1947 zur Bizone zusammen; 1948 führten sie eine Währungsreform ein. Die sowjetische Zone reagierte mit einer eigenen Währungsreform. Die Berlin-Blockade endete nach elf Monaten am 12. Mai 1949, nachdem die Westalliierten West-Berlin durch eine Luftbrücke versorgt hatten.

Am 23. Mai 1949 entstand die Bundesrepublik Deutschland. Der 2. Deutsche Volksrat erklärte sich am 7. Oktober 1949 zur Provisorischen Volkskammer und setzte die DDR-Verfassung in Kraft. Damit war die DDR gegründet. Die SBZ beziehungsweise DDR erbrachte insgesamt mehr als 90 Prozent aller deutschen Reparationen nach dem Zweiten Weltkrieg.

Machtaufbau und sozialistische Umgestaltung

Die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) kontrollierte in der SBZ Politik und Gesellschaft. Für den Aufbau der Verwaltung war die Gruppe Ulbricht wichtig. Walter Ulbricht formulierte ihre Vorgehensweise mit dem Satz: „Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben.“

Zwar wurden KPD, SPD, CDU und LDP zunächst zugelassen, doch die SMAD bevorzugte die KPD stark. 1946 wurden KPD und Ost-SPD durch massiven Druck zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) vereinigt. Diese Zwangsvereinigung machte die SED zur entscheidenden Partei. Bei den Landtagswahlen im Oktober 1946 erhielt sie dennoch nur 47,5 Prozent. Über Volkskongresse, Blockparteien und kommunistisch dominierte Massenorganisationen entstand eine von der SED beherrschte Nationale Front. Die Wahl des 3. Volkskongresses im Mai 1949 war manipuliert: Ungültige Stimmzettel wurden als Ja-Stimmen gewertet; offiziell wurden 66,1 Prozent Ja-Stimmen bekannt gegeben.

Die Wirtschaft war durch Demontagen schwer geschwächt. Bis Ende 1946 ließ Stalin über 1000 Betriebe abbauen. Insgesamt verlor die DDR etwa die Hälfte der bei Kriegsende vorhandenen industriellen Kapazität; die Industrialisierung fiel auf den Stand von 1936 zurück. Die offiziell genannten Reparationen betrugen etwa 4,3 Milliarden Dollar, andere Schätzungen liegen bei 15 bis 18 Milliarden Dollar.

Die Bodenreform ab September 1945 lief unter dem Motto „Junkerland in Bauernhand“. Großgrundbesitzer mit mehr als 100 Hektar sowie NSDAP-Mitglieder, Funktionäre und Kriegsverbrecher wurden entschädigungslos enteignet. Rund 3,2 Millionen Hektar wurden verteilt, überwiegend an landlose Bauern, Landarbeiter und Flüchtlinge. Ab 1952 setzte die DDR verstärkt auf Kollektivierung: Bauern sollten in Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPG) eintreten. Dabei wurden auch Druck, Zwangsabgaben und Verhaftungen eingesetzt.

Aufbauphase, Aufstand und Mauer

Erster Präsident der DDR wurde Wilhelm Pieck, erster Ministerpräsident Otto Grotewohl. Walter Ulbricht wurde 1950 Generalsekretär des Zentralkomitees der SED. Wahlen fanden mit der von der SED dominierten Einheitsliste der Nationalen Front statt; offiziell erhielt sie 1950 99,3 Prozent, 1954 99,46 Prozent und 1958 99,7 Prozent der Stimmen.

Ab 1951 wurde die Wirtschaft zentral durch Fünfjahrespläne gelenkt. Diese Planwirtschaft bedeutete, dass die Staatliche Plankommission langfristige Ziele festlegte und die Wirtschaft kontrollierte. Betriebe wurden als Volkseigene Betriebe (VEB) geführt. Gesellschaftlich entstanden Kinderkrippen, Kindergärten und Horte; das Schulsystem wurde mit der Polytechnischen Oberschule (POS) umgestaltet.

1950 entstand das Ministerium für Staatssicherheit (MfS oder Stasi) als „Schild und Schwert der Partei“. Es sicherte die SED-Herrschaft durch Überwachung, politische Säuberungen und Verhaftungen. 1950/51 wurden 150.000 SED-Mitglieder ausgeschlossen. An der innerdeutschen Grenze entstanden Sperr-, Schutz- und Kontrollstreifen; 1952 wurden als „unzuverlässig“ geltende Grenzbewohner bei der Aktion Ungeziefer zwangsumgesiedelt.

Die verschärfte sozialistische Umgestaltung führte 1953 zur Krise. Am 28. Mai beschloss die SED eine Erhöhung der Arbeitsnormen um 10,3 Prozent. Der am 11. Juni verkündete „Neue Kurs“ nahm zwar manche Belastungen zurück, ließ die Normerhöhung aber bestehen. Aus Streiks in Ost-Berlin entwickelte sich am 17. Juni 1953 ein landesweiter Aufstand, den sowjetische Truppen niederschlugen. Nach heutigen Erkenntnissen starben etwa 50 Demonstranten und 5 Angehörige der Volkspolizei.

Bis 1961 hatten knapp drei Millionen Menschen die DDR verlassen, häufig gut ausgebildete Personen. Das bedrohte Wirtschaft und Staat. Deshalb begann am 13. August 1961 der Bau der Berliner Mauer. Die DDR kriminalisierte das Verlassen ohne Genehmigung als „Republikflucht“; nach dem Mauerbau wurde der Einsatz von Schusswaffen gegen Flüchtlinge befohlen.

Stabilisierung unter Ulbricht und Honecker

Nach dem Mauerbau stabilisierte sich die SED-Herrschaft, blieb aber von Kontrolle und Abschottung geprägt. 1962 wurde die Wehrpflicht eingeführt; 1964 kam auf Druck der Kirchen der waffenlose Wehrdienst als Bausoldat hinzu. Die DDR gehörte seit 1955 dem Warschauer Pakt an. 1968 schrieb eine neue Verfassung die führende Rolle der SED fest und bezeichnete die DDR als „sozialistischen Staat deutscher Nation“.

In den 1960er Jahren sollte das Neue Ökonomische System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft (NÖSPL) die Planwirtschaft flexibler machen. VEB und Vereinigungen Volkseigener Betriebe erhielten begrenzte Selbstverwaltung. Der Lebensstandard stieg, der Abstand zur Bundesrepublik blieb jedoch bestehen. Wegen Devisenmangels, also eines Mangels an ausländischen Währungen, entstanden Intershops und die Kommerzielle Koordinierung (KoKo), die Devisen beschaffen und Embargos umgehen sollte.

1971 musste Ulbricht fast alle Ämter abgeben; Erich Honecker wurde Erster Sekretär des ZK der SED. Seine Politik der „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“ sollte durch steigenden Lebensstandard und Kaufkraft die Bevölkerung zufriedenstellen und die Produktivität erhöhen. Zum Wohnungsbauprogramm gehörten große Plattenbausiedlungen. Bis 1980 wurden 700.000 bis 800.000 Wohnungen gebaut oder modernisiert. Die offizielle Angabe von insgesamt 3 Millionen bis 1990 errichteten Plattenbauwohnungen erwies sich später als geschönt; tatsächlich waren es 1,92 Millionen Wohneinheiten. Gleichzeitig verfielen viele Altbauten.

Die Sozialpolitik und Investitionen in westliche Produktionsanlagen wurden zunehmend durch Kredite westlicher Banken finanziert. Dadurch entstanden hohe Auslandsschulden. Kulturelle Lockerungen endeten 1976 mit der Ausbürgerung Wolf Biermanns; Proteste von Künstlern und Schriftstellern führten zu Druck, Ausreisen und teils Verhaftungen.

Die Neue Ostpolitik verbesserte die Beziehungen zur Bundesrepublik. Das Berlinabkommen von 1971, das Transitabkommen und der Grundlagenvertrag von 1972 stärkten die internationale Anerkennung der DDR. 1973 trat sie zugleich mit der Bundesrepublik der UNO bei und verpflichtete sich im Rahmen der KSZE auch zur Achtung der Menschenrechte.

Krise, Opposition und Friedliche Revolution

Ab 1981 verschärfte sich die wirtschaftliche Krise. Die Sowjetunion erhöhte die Ölpreise und senkte ihre Lieferungen an die DDR von 19 auf 17 Millionen Tonnen. Raffinerieprodukte aus sowjetischem Erdöl waren aber eine zentrale Devisenquelle. 1982 konnten fällige Kredite und Zinsen weitgehend nur noch durch neue Kredite bezahlt werden. 1983 übernahm die Bundesregierung Bürgschaften für zwei von Franz Josef Strauß vermittelte Kredite von jeweils einer Milliarde D-Mark. Im Gegenzug baute die DDR Selbstschussanlagen an der Grenze ab und erleichterte Westdeutschen Reisen in die DDR.

Die DDR-Führung lehnte die sowjetischen Reformen Glasnost („Offenheit“) und Perestroika („Umstrukturierung“) unter Michail Gorbatschow ab. 1988 erlaubte Gorbatschow den osteuropäischen Staaten eine unabhängige demokratische Entwicklung. In der DDR wurden jedoch sowjetische Zeitschriften und antistalinistische Filme verboten.

Unter dem Schutz der Kirchen entstanden Friedens-, Umwelt- und Menschenrechtsgruppen. Sie kritisierten Menschenrechtsverletzungen, forderten Abrüstung und gesellschaftliche Veränderungen. Bei den Kommunalwahlen im Mai 1989 belegten Regimekritiker erstmals nachweisbar Wahlfälschungen; offiziell waren 98,85 Prozent für die Einheitsliste angegeben worden. Gleichzeitig nahm die Ausreise zu. Nach dem Abbau ungarischer Grenzanlagen flohen viele DDR-Bürger über Ungarn und Österreich. Beim Paneuropäischen Picknick am 19. August 1989 gelangten zwischen 600 und 700 DDR-Bürger nach Österreich; im September 1989 ließ Ungarn etwa 30.000 Ausreisewillige ausreisen.

Seit dem 4. September 1989 fanden in Leipzig Montagsdemonstrationen statt. Am 9. Oktober demonstrierten dort 70.000 Menschen mit dem Ruf „Wir sind das Volk“. Honecker wurde am 18. Oktober durch Egon Krenz ersetzt. Am 4. November demonstrierten auf dem Berliner Alexanderplatz etwa eine Million Menschen. Nach dem Rücktritt von Regierung und Politbüro am 7. November erklärte Günter Schabowski am 9. November neue Reiseregeln. Noch am selben Abend öffneten Grenzsoldaten ohne Befehl die Übergänge der Berliner Mauer und zur Bundesrepublik.

Deutsche Einheit und Ende des Staates

Nach dem Mauerfall wandelte sich die Forderung vieler Demonstranten von „Wir sind das Volk“ zu „Wir sind ein Volk“. Am 15. Januar 1990 stürmten Demonstranten die Stasizentrale in Ost-Berlin. Am Runden Tisch diskutierten ehemalige Blockparteien und Oppositionsgruppen über die politische Zukunft. Die SED verlor ihre Führungsrolle in der Verfassung und benannte sich zunächst in SED-PDS, dann in Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) um.

Bei der ersten Freien Volkskammerwahl am 18. März 1990 gewann die „Allianz für Deutschland“. Lothar de Maizière wurde am 12. April Ministerpräsident. Am 1. Juli 1990 trat die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion mit der Bundesrepublik in Kraft. Die Treuhandanstalt begann Mitte Juli mit der Abwicklung der VEB.

Am 31. August 1990 unterzeichneten beide Regierungen den Einigungsvertrag, den die Volkskammer am 20. September ratifizierte. Die Hauptsiegermächte stimmten am 12. September in den Zwei-plus-Vier-Gesprächen zu. Mit dem Beitritt nach Artikel 23 GG alter Fassung wurde Deutschland am 3. Oktober 1990 wiedervereinigt. Gleichzeitig erlosch die DDR als Staat und Völkerrechtssubjekt.

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