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Deutsche Demokratische Republik

Tauschgeschäfte mit Parallelen zum klassischen Kolonialhandel, so von Waffen und Lkw aus der DDR gegen Rohkaffee und Energierohstoffe aus ausgewählten …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kernprofil und geografischer Rahmen
  2. 2. Herrschaft und Entwicklung
  3. 3. Recht, Gesellschaft und Alltag
  4. 4. Wirtschaft und Versorgung
  5. 5. Außenpolitik und Sicherheitsapparat
  6. 6. Historische Einordnung

Kernprofil und geografischer Rahmen

Die Deutsche Demokratische Republik (DDR) war der östliche der beiden deutschen Staaten. Sie bestand vom 7. Oktober 1949 bis zum 3. Oktober 1990 und ging aus der Sowjetischen Besatzungszone hervor. Ihre Staats- und Regierungsform war eine „realsozialistische Republik mit Einparteiendiktatur“. Die SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) beherrschte Politik, Wirtschaft und Gesellschaft; die offizielle Staatsideologie war der Marxismus-Leninismus. Die DDR bezeichnete sich selbst als „sozialistischen Staat der Arbeiter und Bauern“ und als deutschen „Friedensstaat“. Antifaschismus wurde zur Staatsdoktrin.

Hauptstadt war Ost-Berlin; die DDR umfasste 108.179 km². 1989 lebten 16,434 Millionen Menschen im Staat, die Bevölkerungsdichte betrug 152 Einwohner pro km². Die Währung hieß zunächst Deutsche Mark, ab 1964 Mark der Deutschen Notenbank und ab 1967 Mark der DDR. 1990 wurde sie durch die Deutsche Mark ersetzt. Amtssprache war Deutsch; in Teilen der Bezirke Dresden und Cottbus waren Ober- und Niedersorbisch staatlich anerkannt.

Das Staatsgebiet umfasste im Wesentlichen die heutigen Länder Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie einige niedersächsische Gebiete. Im Norden lag die Ostsee, im Osten die Oder-Neiße-Grenze zu Polen, im Südosten die Grenze zur Tschechoslowakei und im Westen die innerdeutsche Grenze zur Bundesrepublik. West-Berlin lag als eingeschlossenes Gebiet in der DDR. Drei Fünftel der Fläche gehörten zur eiszeitlich geprägten Norddeutschen Tiefebene; der Süden war durch Mittelgebirge wie Harz, Thüringer Wald, Rhön und Erzgebirge bestimmt. Höchster Berg war der Fichtelberg mit 1214,9 m ü. NHN. Elbe und Oder waren die wichtigsten Flussgebiete und hatten große Bedeutung für die Binnenschifffahrt.

Die Einwohnerzahl sank von 18,388 Millionen im Jahr 1950 auf 16,434 Millionen 1989 und 16,028 Millionen 1990. Gründe waren vor allem die Abwanderung in die Bundesrepublik, der Fortzug von Vertriebenen in die Westzonen, sinkende Geburtenzahlen und eine steigende Sterberate. Vietnamesen und Mosambikaner kamen als Vertragsarbeiter oder Studenten in die DDR. Die Mehrheit der Bevölkerung war zunächst evangelisch oder katholisch; der Anteil der Konfessionslosen stieg jedoch von ungefähr 6 Prozent auf etwa 70 Prozent 1989.

Herrschaft und Entwicklung

Die DDR wurde am 7. Oktober 1949 gegründet. Verfassungsrechtlich bestanden zunächst föderale Elemente und demokratische Grundrechte. Tatsächlich lag die Macht bei der SED und besonders beim Politbüro des Zentralkomitees. Der Ministerrat war formal die Regierung, blieb aber dem SED-Führungszentrum untergeordnet. Nach dem Tod Wilhelm Piecks 1960 wurde der Staatsrat mit einem Staatsratsvorsitzenden zum kollektiven Staatsoberhaupt. Walter Ulbricht hatte dieses Amt bis 1973 inne, danach folgten Willi Stoph, Erich Honecker, Egon Krenz und Manfred Gerlach.

Die Blockparteien CDU, DBD, LDPD und NDPD sowie Massenorganisationen wie FDJ, FDGB, DFD, Kulturbund, Pionierorganisation und VdgB waren in der Nationalen Front zusammengefasst. Bei Wahlen gab es bis 1990 nur eine Einheitsliste. Die Volkskammerwahl von 1950 wurde mit 98 Prozent Wahlbeteiligung und 99,7 Prozent Zustimmung durchgeführt; Wahlfälschungen waren umfangreich. Die Verteilung der Mandate stand vor der Wahl fest. In der 9. Wahlperiode 1986–1990 hatte die Volkskammer 500 Abgeordnete, darunter 127 der SED und zahlreiche Vertreter der Massenorganisationen. Erst die Volkskammerwahl vom 18. März 1990 war frei.

In der ersten Phase bis 1961 wurden Industrie und Landwirtschaft nach sowjetischem Vorbild verstaatlicht beziehungsweise kollektiviert. Der Aufstand vom 17. Juni 1953 gegen erhöhte Arbeitsnormen wurde durch sowjetische Truppen niedergeschlagen; über 50 Menschen starben. Nach 1959 wurde die Landwirtschaft mit erheblichem Druck in LPG überführt. Die Fluchtbewegung, besonders von jungen und gut ausgebildeten Menschen, nahm zu. In der Nacht vom 12. auf den 13. August 1961 wurde die Grenze um West-Berlin abgeriegelt; daraus entstand die Berliner Mauer. An der innerdeutschen Grenze wurden Minensperren, Selbstschussanlagen und der Schießbefehl eingesetzt. Mehrere hundert Flüchtlinge wurden getötet.

Nach dem Mauerbau versuchte die SED, Zustimmung durch steigenden Lebensstandard und begrenzte kulturelle Öffnung zu gewinnen. Unter Honecker wurde ab 1971 die „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“ zur Leitlinie. Wohnungsbau, Kinderbetreuung, Mutterschutz und Konsum wurden ausgeweitet. Zugleich wurden politische und kulturelle Freiräume wieder eingeschränkt, besonders nach der Ausbürgerung Wolf Biermanns 1976.

In den 1980er Jahren verschärften wirtschaftliche Probleme, die Weigerung Honeckers, Gorbatschows Glasnost und Perestroika zu übernehmen, und die Einschränkung der Reisefreiheit die Krise. Friedens-, Umwelt- und Bürgerrechtsgruppen entwickelten sich teilweise unter dem Schutz evangelischer Kirchen. Proteste gegen die gefälschten Kommunalwahlen im Mai 1989, die Massenflucht über Ungarn und die Tschechoslowakei sowie die Montagsdemonstrationen führten zur friedlichen Revolution. Honecker trat am 18. Oktober 1989 zurück. Nach Günter Schabowskis Mitteilung über erleichterte Reisemöglichkeiten wurde die Berliner Mauer in der Nacht zum 9. November geöffnet. Am 1. Dezember 1989 strich die Volkskammer den Führungsanspruch der SED aus der Verfassung. Nach Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion, Einigungsvertrag und Zwei-plus-Vier-Vertrag ging die DDR am 3. Oktober 1990 in der Bundesrepublik Deutschland auf.

Recht, Gesellschaft und Alltag

Die Verfassungen von 1949, 1968 und 1974 spiegelten die Entwicklung zur offenen SED-Herrschaft. 1968 wurde die DDR als „sozialistischer Staat deutscher Nation“ unter Führung der marxistisch-leninistischen Partei bezeichnet; 1974 entfiel die Anbindung an die deutsche Nation. Eine unabhängige Gewaltenteilung und eine selbstständige Justiz existierten nicht. Unbestimmte Straftatbestände wie „staatsfeindliche Hetze“, „öffentliche Herabwürdigung“, „Rowdytum“ oder „asoziales Verhalten“ ermöglichten die Kriminalisierung politisch unerwünschten Verhaltens. Grundrechte waren formal teilweise garantiert, praktisch aber stark eingeschränkt. Seit 1975 konnten Bürger Eingaben an Behörden, Partei oder Volkskammer richten; einen Rechtsanspruch auf Erfolg gab es nicht. Jährlich gingen schätzungsweise eine halbe bis eine Million Eingaben ein.

Das MfS überwachte die Gesellschaft mit hauptamtlichen und „inoffiziellen Mitarbeitern“. Oppositionelle wurden eingeschüchtert, überwacht, durch „Zersetzung“ bekämpft oder inhaftiert. In Untersuchungshaftanstalten kamen auch Folter und Einzelhaft vor. Kirchen, private Zirkel, Kleingärten und informelle Netzwerke bildeten dennoch begrenzte Nischen. Die christlichen Kirchen verloren stark an Mitgliedern: 1950 waren etwa 85 Prozent evangelisch und 10 Prozent katholisch, 1989 noch 25 beziehungsweise 5 Prozent. Die Jugendweihe, die ab 1954 eingeführt und ab den 1970er Jahren von annähernd 99 Prozent der 14-Jährigen besucht wurde, sollte Konfirmation und Firmung ersetzen. Dazu kamen sozialistische Namensweihe, Eheschließung und Bestattung sowie ein umfangreicher Staatskult.

Frauen waren stark in das Erwerbsleben einbezogen; 1989 waren nahezu 92 Prozent berufstätig. Kinderbetreuung, verkürzte Arbeitszeit, längerer Mutterschaftsurlaub und Kredite für Familien sollten Beruf und Familie vereinbaren. Das Abtreibungsgesetz von 1972 erlaubte den Schwangerschaftsabbruch innerhalb der ersten zwölf Wochen. Im Alltag blieb die Doppelbelastung groß: Von durchschnittlich 47 Wochenstunden Hausarbeit übernahmen Frauen 1970 etwa 37 Stunden, Männer etwa 6.

Das Bildungssystem bestand aus Kindergarten, zehnklassiger polytechnischer Oberschule, Berufsausbildung und weiterführenden Einrichtungen. Es garantierte grundsätzlich eine Lehrstelle oder einen Studienplatz, lenkte die Berufs- und Studienwahl jedoch nach staatlichem Bedarf. Unterrichtsinhalte waren einheitlich und naturwissenschaftlich-technisch ausgerichtet; geisteswissenschaftliche Fächer waren stark ideologisiert. Ab 1978 mussten Schülerinnen und Schüler der 9. und 10. Klasse am Wehrunterricht teilnehmen. Kultur und Sport wurden gefördert, zugleich aber zensiert und politisch gelenkt. 1988 gab es 10.674 Sportgemeinschaften mit fast 3,7 Millionen Aktiven. Im Hochleistungssport nutzte die DDR seit 1974 das staatliche Dopingsystem „Staatsplanthema 14.25“.

Reisen in den Westen waren für die meisten Bürger verboten oder nur in Ausnahmefällen möglich. Reisen in sozialistische Länder erforderten meist Genehmigungen; zwischen 1972 und 1980 war Polen ohne vorherige Genehmigung erreichbar. Rentner durften ab 1964 mehrere Wochen jährlich ins westliche Ausland reisen. Wohnungen wurden staatlich zugeteilt. Die Kaltmiete betrug meist etwa 30, selten bis zu 120 Mark im Monat. Das Wohnungsbauprogramm von 1972 setzte auf standardisierte Plattenbauten, während viele Altbauten verfielen. Die medizinische Versorgung erfolgte unter anderem über Polikliniken und Gemeindeschwestern; 1987 kamen 40.516 Ärzte auf die Bevölkerung, also ein Arzt auf 411 Einwohner.

Wirtschaft und Versorgung

Die DDR besaß eine Zentralverwaltungswirtschaft. Die Staatliche Plankommission organisierte Produktion und Verteilung mithilfe von Zwei- und Fünfjahresplänen. Private Betriebe wurden weitgehend in Volkseigene Betriebe (VEB), Kombinate, Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPG), Handelsorganisationen (HO) und Produktionsgenossenschaften des Handwerks (PGH) überführt. 1972 wurden rund 11.800 klein- und mittelständische Betriebe enteignet. Arbeitsplatzsicherheit, ein hoher Beschäftigungsgrad der Frauen und geringe soziale Einkommensunterschiede standen einer deutlich niedrigeren Produktivität, staatlich festgelegten Preisen und Warenknappheit gegenüber.

Der Wiederaufbau wurde durch sowjetische Demontagen und Reparationen, den Ausschluss vom Marshallplan und den Mangel an Steinkohle und Eisenerz erschwert. Lebensmittel blieben bis 1958 rationiert. Dennoch stieg die Produktion stark: 1957 wurden 213 Millionen Tonnen Rohbraunkohle, 32,7 Milliarden Kilowattstunden Strom und 2,9 Millionen Tonnen Stahl erzeugt. Bis 1965 erreichte die Industrieproduktion etwa das Fünffache des Vorkriegsstandes. In den 1960er Jahren wuchs auch der private Konsum. Auf 100 Haushalte kamen 1960 3,2 und 1970 15,6 Pkw; bei Fernsehgeräten stieg der Wert von 18,5 auf 73,6, bei Kühlschränken von 6,1 auf 56,4.

Die Reformversuche des Neuen Ökonomischen Systems der Planung und Leitung sollten Überzentralisierung und geringe Rentabilität mindern, veränderten aber die parteigesteuerte Planwirtschaft nicht grundlegend. Honeckers Sozial- und Konsumpolitik erhöhte ab 1971 die staatlichen Ausgaben. Die Rate der Akkumulation für produktive Investitionen sank von 16,1 Prozent 1970 auf 9,9 Prozent 1988. Die zweite Ölkrise, gekürzte sowjetische Rohöllieferungen von 19 auf 17 Millionen Tonnen und die steigende Verschuldung verschärften den Niedergang. Zwei westdeutsche Milliardenkredite von 1983 und 1984 verhinderten zunächst die Zahlungsunfähigkeit.

Löhne und Preise wurden staatlich festgelegt. Ein Brötchen kostete fünf Pfennig, ein Farbfernseher in den 1980er Jahren 3.500 bis 6.900 Mark. Die Einkommen stiegen stärker als das Warenangebot; dadurch entstand ein Kaufkraftüberhang. Knapp waren vor allem hochwertige Konsumgüter, Kaffee, Autos und technische Geräte. Intershops verkauften Waren gegen Devisen. Der Trabant 601 blieb seit 1964 technisch nahezu unverändert und machte 1976 47 Prozent des Pkw-Bestands aus. Öffentlicher Verkehr und Eisenbahn waren preisgünstig und wurden gefördert; 1989 besaßen jedoch nur 17,2 Prozent der Haushalte einen Telefonanschluss.

Die DDR investierte stark in Mikroelektronik und präsentierte 1988 den funktionsfähigen 1-Megabit-Chip U61000. Eine Massenproduktion gelang wegen fehlender Technologien, geringer Innovationsfähigkeit und westlicher Embargobeschränkungen nicht. Auch die Umweltpolitik blieb hinter den Erfordernissen zurück. Braunkohle verursachte hohe Schwefeldioxid- und Staubbelastungen; 1989 galten nur 1 Prozent der Seen und 3 Prozent der Flüsse als intakt, 52 Prozent der Waldflächen als geschädigt. Mehr als 40 Prozent des Mülls wurden nicht ordnungsgemäß entsorgt. Die tatsächliche Höhe der Auslandsverschuldung ist teilweise umstritten: Das Schürer-Papier setzte sie wegen nicht berücksichtigter Guthaben zu hoch an; gegenüber dem nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet betrug die Nettoauslandsverschuldung 19,9 Milliarden DM, gegenüber dem sozialistischen Wirtschaftsgebiet bestand 1989 eine Netto-Gläubigerposition von 6,0 Milliarden Valutamark.

Außenpolitik und Sicherheitsapparat

Die DDR blieb politisch, wirtschaftlich und militärisch von der Sowjetunion abhängig. 1950 trat sie dem Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) bei, 1955 dem Warschauer Pakt. Ihr außenpolitisches Hauptziel war die internationale Anerkennung als souveräner Staat und Völkerrechtssubjekt. Der Grundlagenvertrag mit der Bundesrepublik vom 21. Dezember 1972 führte zu gegenseitigen Ständigen Vertretungen; 1973 wurden beide deutschen Staaten Mitglieder der UNO. Die DDR strebte zugleich eine deutliche Abgrenzung von der Bundesrepublik an und ersetzte 1967 die deutsche Staatsangehörigkeit durch die Staatsbürgerschaft der DDR.

Die Sowjetunion war der wichtigste Handelspartner: Ihr Anteil am DDR-Außenhandel betrug etwa 40 Prozent, während die DDR 11 Prozent des sowjetischen Außenhandels ausmachte. Die DDR bezog vor allem Erdöl und andere Rohstoffe und lieferte Industrie-, Konsum- und Elektronikgüter, Maschinen, Schiffe und Transportausrüstung. Mit westlichen Staaten wurden Devisengeschäfte und Tauschgeschäfte betrieben, teilweise unter Umgehung von Embargos. Entwicklungspolitisch unterstützte die DDR Befreiungsbewegungen und bildete etwa 3.000 Offiziere aus 22 Nationen aus. Der Wert der NVA-Unterstützung für die Dritte Welt seit 1965 betrug rund 950 Millionen DDR-Mark.

Die Nationale Volksarmee entstand am 1. März 1956 und umfasste nach Einführung der Wehrpflicht 1962 etwa 170.000 Soldaten. Sie bestand aus Landstreitkräften, Volksmarine und Luftstreitkräften und war politisch eng an die SED gebunden. NVA-Verbände waren an keinem Krieg beteiligt; 1968 war jedoch der Einsatz von zwei Divisionen gegen den Prager Frühling vorgesehen, letztlich blieb es bei logistischer Unterstützung. Die Grenztruppen bewachten vor allem die innerdeutsche Grenze und setzten den Schießbefehl durch. Weitere Sicherheitskräfte waren das MfS-Wachregiment „Feliks Dzierzynski“ mit etwa 10.000 Mann in den 1980er Jahren, die Kasernierten Einheiten, die Kampfgruppen der Arbeiterklasse, die Volkspolizei und die Zollverwaltung.

Die Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland umfasste durchschnittlich 500.000 Offiziere, Soldaten und Familienangehörige und beanspruchte mit 1.116 Standorten etwa 10 Prozent des DDR-Territoriums. Sie war der NVA übergeordnet und verfügte auch über Atomwaffen. Die sowjetischen Truppen lebten weitgehend abgeschottet in Kasernenkomplexen. Offizielle Propaganda betonte die deutsch-sowjetische Freundschaft, im Alltag blieben Kontakte zur Bevölkerung jedoch streng kontrolliert.

Historische Einordnung

In der Forschung besteht Einigkeit darüber, dass die DDR eine Diktatur war. Umstritten ist, wie ihr Herrschaftssystem genauer zu bezeichnen und zu bewerten ist.

Der Totalitarismusbegriff hebt den umfassenden Machtanspruch der SED, die politische Ideologie, den Führerkult, die Massenorganisationen und die Überwachung hervor. Klaus Schroeder bezeichnete die DDR als „(Spät-) totalitären Überwachungs- und Versorgungsstaat“, Hans-Ulrich Wehler als „totalitäre Parteidiktatur“. Andere Forscher unterscheiden stärker zwischen den Phasen: Während die 1950er Jahre und die Ära Ulbricht als besonders repressiv gelten, wird die Honecker-Zeit teilweise als autoritärer Staat mit totalitären Zügen oder als „konsultativer Autoritarismus“ beschrieben. Private, kirchliche und informelle Nischen sprechen nach dieser Sicht gegen eine vollständig totalitäre Kontrolle.

Mary Fulbrook prägte den Begriff „partizipatorische Diktatur“. Er betont, dass viele Menschen durch ehrenamtliche Funktionen, Massenorganisationen und alltägliche Mitwirkung an den „Mikrostrukturen der Macht“ beteiligt waren und dadurch das System mittrugen. Konrad Jarausch spricht von einer „Fürsorgediktatur“, weil soziale Leistungen und Versorgungspolitik mit politischer Unterordnung verbunden wurden.

Der Begriff „Unrechtsstaat“ hebt die fehlende Rechtsstaatlichkeit, politische Strafjustiz und willkürliche Aufhebung von Rechten hervor. Kritiker wenden ein, dass er die unterschiedlichen Alltagserfahrungen der DDR-Bürger ausblende. Gesine Schwan schlägt deshalb in Anlehnung an Ernst Fraenkel die Bezeichnung „Doppelstaat“ vor: Neben einem „Normenstaat“ für das alltägliche Funktionieren von Wirtschaft und Gesellschaft habe ein „Maßnahmenstaat“ bestanden, der zur Durchsetzung der Ideologie die Rechtsordnung außer Kraft setzen konnte. Diese unterschiedlichen Begriffe zeigen, dass die DDR zugleich durch Repression, soziale Leistungen, Beteiligung, Anpassung und begrenzte gesellschaftliche Freiräume geprägt war.

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